"Weg damit!"

Am Dienstagabend hat sich die Regierung auf eine Verschärfung des Waffenrechts geeinigt. Die Kontrollen von Waffenbesitzern sollen verstärkt werden und Spiele wie Paintball, bei denen man sich mit Farbkugeln beschießt, sollen verboten werden. Zusätzlich sollen Waffen mit biometrischen Sperren versehen werden. Jetzt wehren sich das „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“ und der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) gemeinsam gegen die Pläne. Wir haben mit Klaus Jansen, Bundesvorsitzender des BDK, darüber gesprochen

Herr Jansen, was halten sie von der Verschärfung des Waffenrechts, wie sie die Große Koalition vorhat?

Die vorgestellten Maßnahmen sind enttäuschend. Die Regierung suggeriert damit eine Sicherheit, die nicht existiert. Verstärkte Kontrollen sind gut und schön, aber: Wer führt sie durch, wann und wie oft soll das geschehen? Alle paar Monate, einmal pro Jahr, alle zehn Jahre? Rechtlich ist das nicht einfach – kommt dann ein Ermittler mit Durchsuchungsbefehl? Die vollständige biometrische Sperrung (sie ermöglicht eine Scharfstellung der Waffe per Fingerabdruck) wird indes Jahre dauern. Die Erhöhung der Altersgrenze für das Schießen mit großkalibrigen Waffen auf 18 Jahre anzuheben, ist ebenfalls nicht genug. Damit ist keinem Kind und keinem Jugendlichen der Zugang zu Waffen und Munition versperrt.

Wie sähe ein wirkungsvolles Waffengesetz aus?

Das ist ganz einfach: Weg mit den Waffen. Das sage ich als Experte und auch als Vater. Ich will nicht mit meinen Kindern über Amokläufe in Schulen sprechen müssen. Wenn Erwachsene keine Waffen im Schrank haben, gibt es auch keine Kinder, die damit auf andere Menschen schießen.

Sie meinen ein Gesetz, wie es in England verabschiedet wurde?

Ja. Dort wurde nach einem ähnlichen Vorfall wie in Winnenden der Waffenbesitz verboten. Warum geht das in England und hier nicht?

Was sind die Gründe für den Aktionismus der Regierung?

Hinter der Waffenlobby stehen Millionen von Wählerstimmen. Ich kann auch nachvollziehen, dass das Handeln der Regierung und Parteien deshalb von Pragmatismus geprägt ist. Zu akzeptieren ist das dennoch nicht. Es wurde ja noch nicht einmal ein Kompromiss gefunden.Warum werden Waffen nicht getrennt von der Munition gelagert? Warum verbleibt diese nicht sicher verwahrt im Schützenverein, wie es anfangs zur Debatte stand? Das wäre ein Fortschritt gewesen.

Das Aktionsbündnis fordert auch das Verbot von Egoshootern. Wie stehen sie dazu?

Solche Computerspiele und auch Spiele wie Paintball simulieren das Töten von Menschen. Da wird etwas trainiert, was niemand beherrschen muss. Wenn Menschen töten, hat das individuelle, psychologische Gründe.

Sollte man nicht verstärkt dort ansetzen, anstatt immer neue Verbote zu fordern?

Natürlich muss man auch hier ansetzen. Ein Amokläufer will sich umbringen. Dafür gibt es Signale. Eltern und auch Lehrer müssen lernen, diese Signale zu erkennen, bevor etwas passiert.

Wie gehen sie weiter vor?

Ich bewundere die Klugheit der Trauernden von Winnenden. Mit der Unterschriftenaktion werden wir weiterhin öffentlichen Handlungsdruck erzeugen. Auf Schießständen kann von mir aus geschossen werden wie bisher, aber unsere Kinder haben ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Keine Schule ist seit dem Amoklauf von Winnenden sicherer geworden. Und das wird sich durch das neue Gesetz nicht ändern. Das darf nicht sein.

Klicke auf die Buttons, um das jeweilige Netzwerk zu aktivieren. Beachte, dass dadurch persönliche Daten an Facebook, Twitter oder Google übertragen werden.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/waffenbilder-2-225.jpg

Deutschland muss abrüsten!

Warum Waffen nicht in Privathaushalte gehören.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/neuer-gesvertrag-225.jpg

Der Neue Grüne Gesellschaftsvertrag ist fertig

Sozialpolitik, Migration, Bürgerrechte - die Reden der BDK in Bildern

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/interview-winfried-nachtwei-225.jpg

Eine letzte große Chance

Kann Militär Frieden schaffen kann? Dürfen wir uns vornehmen, die Lage der Frauen in Afghanistan zu verbessern? Fragen an unseren Experten Winfried Nachtwei

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/21_Rot-Gruen_JoschkaFischer_225.JPG

30 grüne Jahre (21): Joschka Fischer über die rot-grüne Bundesregierung 1998

Joschka Fischer über Lust und Last des Regierens, Schlafmangel im Dienst und die Haltung als Außenminister. Teil 21 der "Grünen Geschichte(n)".

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/225x130_Kohlekraftwerk_davipt_flickr_CC_BY-NC-SA-20_01.jpg

Optimistisch kämpfen

Kopenhagen gescheitert, Weltklimarat in der Kritik, keine neuen Mittel für den Klimaschutz. Klimaexperte Hermann Ott will sich von diesen Widerständen nicht aufhalten lassen. Ein Interview.

Kommentare

Doktor Mathe
07-01-13 22:48
Hier hat man sich mal wieder für ein Interview eine Person gesucht die die Antworten nennt, wie Die Grünen sich das wünschen. Zu meinen Bekanntenkreis zählen etliche Polizeibeamte die eine ganz andere Argumentation haben.

Als Hobby-Schütze ( KK und GK ) wird man von dieser Partei ständig als "potenzieller Mörder oder Amokläufer" bezeichnet. U.a. wäre diese Bezeichnung gegenüber Angehörigen der Bundeswehr strafbar.

Der Großteil der Amokläufer sind sozial ausgegrenzte Jugendliche die von der Gesellschaft gar nicht mehr wahrgenommen werden.

Meiner Meinung nach tragen die größte Schuld die Medien. Sie berichten wochenlang darüber und geben so labilen Jugendlichen "Ideen" für ihre eigene Nachahmungstat. Dies belegt eine amerikanische Studie, die untersuchte, ob ein Zusammenhang zwischen der Häufung von Amokläufen und der Berichterstattung in den Medien besteht. Deshalb sollte es eine Nachrichtensperre bei Amokläufen geben.
Sportschütze aus Thüringen
20-07-12 09:18
Es ist nicht hinnehmbar,dass integere,von BKA,örtlicher Polizei,Staatsanwaldschaft,Verfassungsschutz und Finanzamt ausspionierte Bürger,als potentielle Mörder und Sadisten hingestellt werden dürfen!Gesetze gibt es genug. Wenn dieses Rechtssystem nicht in der Lage ist, einen groben Verstoss gegen das Waffengesetz,wie in Winnenden durch den Waffenbesitzer(Vater)geschehen, hart zu bestrafen,ist all dieses polemische und defamiende Geschrei Unsinn.Frau Roth sollte einmal in einen Schützenverein als Gastschütze auftauchen und mit den Leuten reden!!Ausserdem bin ich der Meinung,dass Jugentliche die Ihre Freizeit mit sinnlosen Computerspielen verplempern,in einem Schützenverein besser aufgehoben wären.Dort zählt nähmlich Disziplin,Ordnung Konzentration und Kammerradschaft.
schützenbruder
23-11-11 13:08
Ja, ja, die Grünen Gutmenschen... alles verbieten und nichts sinnvolles für das Volk machen. Die Änderung des Waffengesetzes oder aber ein Verbot für Legalwaffenbesitzer ob Jäger, Sportschütze oder Waffensammler würde rein garnichts bringen. Es würde nur noch mehr Illegale Waffen und Munition in Deutschland geben. Wenn ein kranker Mensch Amoklaufen will, kann er das sicher auch wenn Waffen Verboten sind! Legalwaffenbesitzer werden ja so gern von den Grünen Gutmenschen als Kriminelle oder Waffennarren hingestellt...
Pflanzt lieber ein paar Bäume oder fahrt mit dem Fahrrad zur Arbeit. Das wär ganz sicher sinnvoller.
mutter
21-09-10 21:00
Was muß noch geschehen? Wie viele Menschen müßen noch ihr Leben lassen bis endlich scharfe Waffen in privaten Händen verboten werden!!!
Wir leben in einem Land wo man leichter eine Waffe besitzen kann, als eine Pommesbude zu eröffnen. Man weiß in Deutschland wieviel Bananen verkauft werden, aber nicht wieviele Waffen es gibt.
Diese so genannten Sportfreunde sollte sich doch fragen lassen, warum muß man mit scharfer Munition schießen und nicht mit Laser,Luftdruck? Es geht doch um Sport, Brauchtum und nicht um Befriedigung von irgdendwelchen Bedürfnissen.
bernd
17-07-10 21:03
Erschreckend wie wenig Ahnung dieser Herr Jansen hat!!!

Seit in England der private Waffenbesitz verboten wurde, sind dort die Straftaten mit Waffen Sprunghaft angestiegen!

Jeder weiss doch wie einfach es ist sich eine illegale Waffe zu besorgen. Und diese benutzt man dann viel hemmungsloser als eine Regestrierte Waffe weil das Risiko geringer ist...

Und den Amoklauf vor kurzem in England konnte dieses Verbot von Waffen in Privatbesitz auch nicht verhindern...
karl
22-09-09 16:51
Unsere Regierung hat sich einlullen lassen und meint gegen alles und jeden Vorfall ein Gesetz zu erlassen. Ich bin ja mal gespannt ob jetzt nach dem Molotov-Amoklauf auch Benzin verboten werden soll. Achja, und Äxte auch !!!!!
Schütze123
08-09-09 21:27
Das ist echt der größte Scheißdreck den ich bisher in meinem Leben zu sehn bekommen habe.Klar sind solche Taten wie Winnenden nicht zu verantworten und inakzeptabel aber unsereins der Sportschütze hat mit dieser Tat nichts zu tun für uns ist und bleibt es ein Sport ein Ausgleich zu Job,Schule und dem Alltagsstress.Nicht die Waffe ist das Problem sondern der Mensch dahinter das wird jeder Schützen sagen aber es ist die volle Wahrheit und die einzige Wahrheit die es in dieser Diskussion gibt
Scrutograph
14-06-09 22:25
Die Grünen im Bündnis mit einem Polizei-Grünen, der glaubt, man könne mit einem Schusswaffenverbot Verbrechen aus der Welt schaffen. Da haben sich ja zwei gesucht und gefunden.
Seppi
12-06-09 18:46
"Ohne Waffen gibt es keine Amokläufe" stand im Teaser zu diesem Artikel.
Das ist doch schlicht gelogen.
Natürlich wird der Mörder auch immer ein Mittel zur Tat finden. Sei es wie in Holland am Königinnentag ein Auto oder wie neulich das Mädchen ein Messer und Brandbeschleuniger.
Zu behaupten, dass damit Amokläufe verhindert werden können ist zynisch.
Die Freiheit der Bürger damit einzuschränken, empfinde ich als sinnlosen Eingriff in meine Rechte!
Patrick Kühl
17-05-09 14:51
Ein Verbot ist stets eine einschneidende Maßnahme. Dass sich diejenigen, die das jahrelang legal ausgeübt haben, was nun plötzlich verboten werden soll, fühlen sich verständlicherweise nicht nur von der Legislative überrumpelt, sondern auch willkürlich gestraft. So nun auch die "Killerspiele"- und und Paintball-Spieler. Ich finde es anmaßend, wie schnell und wie populistisch solche Entscheidungen getroffen werden, obwohl ihre Wirksamkeit doch weder durch Erfahrungswerte bekannt noch tatsächlich belegt ist.

Ich erinnere mich an einen Artikel aus der ZEIT, in dem von der Vorführung des PC-Spieles "GTA: San Andreas" gegenüber dem Ausschuss im Bundestag berichtet wurde. Am Ende der Vorführung war offensichtlich, dass die Entscheidenden gar kein Interesse an dem Spiel an sich hatten. Es ging nur darum, dass sie allesamt an dieser Vorführung teilgenommen hatten und sich damit legitimiert sahen, ihre jeweilige Meinung zu untermauern. Ich halte die Scheindiskussion über dieses gesamte Thema, soweit sie bisher stattgefunden hat, für absolut lächerlich. Ein Verbot ist, wie eingangs gesagt, doch eine sehr einschneidende Maßnahme - und der Unmut würde verständlicherweise groß sein, Waffenlobby sei Dank.

Ich denke, dass man den Waffenbesitz durchaus verbieten kann, zumindest aber stark einschränken muss (zum Beispiel durch Einführung einer Lagerpflicht unter behördlicher Kontrolle auf der nächsten Polizeiwache) - doch was nützt das, wenn die meisten Waffen sich sowieso illegal im Privatbesitz befinden? Soll die Polizei deshalb mangels Personal die Waffen strecken und de facto amerikanische Verhältnisse zulassen? Ich denke, das wäre ein großer Fehler.

Gleichzeitig tut selbstverständlich ein Ausbau des sozialen Netzes dringend not. In Frankreich ist an jeder Schule ein Psychologe angestellt, um für die Schüler bei Gesprächsbedarf ein offenes Ohr zu haben. In Deutschland sollen diese Lücke die Vertrauenslehrer füllen, die jedoch aufgrund ihres Lehrpensums schlichtweg zu beschäftigt sind. Schade, aber wahr: Hier wird immer wieder am falschen Ende gespart.

Was macht junge Menschen zu Amokläufern? Ist es emotionale und soziale Vereinsamung? Ist es das Milieu, in dem man aufwächst? Ist es die mangelnde Fürsorge der Eltern, die mangelnde Überwachung an der Schule, ein generelles Misstrauen dieser Schüler an den Verantwortlichen? Fest steht: Es ist niemals nur ein einzelner. Faktor.

Doch eines ist gewiss: Es ist leicht, mit einer Handfeuerwaffe zu töten. Fehlt dieses Mittel zum Zweck, dann steigt die Hemmschwelle. Dann steigt auch die Wahrscheinlichkeit, bei der illegalen Beschaffung erwischt zu werden. Und ich glaube, dann sinkt die Zahl derer, die einen Amoklauf ernsthaft planen.
Kommentar

Wir freuen uns auf Meinungen zu diesem Artikel. Bitte beachtet unsere Nutzungsbedingungen.
Die Kommentarfunktion dient nicht dazu, direkt mit uns Kontakt aufzunehmen oder Fragen zu stellen. Dafür haben wir ein Kontaktformular.



CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.