Verhältnismäßiger Einsatz der Mittel

Auf dem Länderrat haben BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN einen Beschluss zu den "Revolutionäre Veränderungen in Nordafrika und im Nahen Osten" gefasst, in dem sie unter anderem Gaddafis Gewaltanwendungen gegen die eigene Bevölkerung verurteilen. Die Forderung des UN-Sicherheitsrates nach einem sofortigen Waffenstillstand begrüßen die Grünen, bei der Durchsetzung einer Flugverbotszone befürchten sie jedoch Opfer in der Zivilbevölkerung. Vor allem die zivilen Sanktionen müssten jetzt vollständig umgesetzt werden.

Auszug aus dem Beschluss "Revolutionäre Veränderungen in Nordafrika und im Nahen Osten":

Wir verurteilen die brutale Gewaltanwendung gegen die eigene Bevölkerung durch Gaddafis Regime in Libyen aufs Schärfste. Es war daher ein wichtiges Signal, dass der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Situation in Libyen an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag überwiesen und zudem internationale Sanktionen verhängt hat.

Der Vormarsch von Gaddafis Truppen stellt die Internationale Gemeinschaft vor ein schwieriges Dilemma. Der Verantwortung zum Schutz der Menschen vor schwersten Menschenrechtsverletzungen steht die Gefahr einer weiteren Eskalation und Ausweitung des Konflikts entgegen. Militärische Kriegsgewalt ist immer ein Übel. In diesem Dilemma gibt es keine einfache Entscheidung.

Nach langer Abwägung aller Risiken ist der UN-Sicherheitsrat zu einer Entscheidung gekommen. Wir begrüßen die Forderungen des UN-Sicherheitsrates nach einem sofortigen Waffenstillstand und einem Ende der Gewalt. Der Diktator Gaddafi muss der Aufforderung des Sicherheitsrates umgehend folgen, seine Truppen müssen den Waffenstillstand strikt einhalten.

Der UN-Sicherheitsrat hat die Entsendung eines Sondergesandten der Vereinten Nationen nach Libyen beschlossen, um eine Lösung der Krise zu finden, die den legitimen Forderungen des libyschen Volkes entspricht. Zudem werden Schutzzonen für die Zivilbevölkerung eingerichtet und angekündigt, jeden drohenden Angriff notfalls mit Gewalt zu unterbinden. Die damit verbundene Einrichtung einer Flugverbotszone erhöht den Druck auf das Regime. Wir befürchten jedoch, dass die Durchsetzung einer Flugverbotszone zu hohen Verlusten in der Zivilbevölkerung führen könnte und sie militärisch nur eine geringe Wirkung entfaltet.

Diese Maßnahmen und die Durchsetzung eines Waffenembargos verschaffen Zeit, damit die ebenfalls verschärften Sanktionen an Wirkung entfalten können. Die zivilen Sanktionen müssen vollständig umgesetzt werden, es darf keine weitere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Gaddafi-Regime geben. Es braucht eine vollständige Zahlungsblockade für Öllieferungen.

Wir halten die Maßnahmen der Vereinten Nationen insgesamt politisch für notwendig, um die Bevölkerung vor schwersten Menschenrechtsverletzungen zu schützen.

Wir begrüßen, dass der Sicherheitsrat die Entsendungen von Besatzungstruppen ausdrücklich ausschließt. Eine militärische Eroberung der Herrschaftsgebiete Gaddafis lehnen wir ab. Der militärische Einsatz muss strikt an das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte gebunden und verhältnismäßig im Einsatz der Mittel sein.

Wir fordern außerdem, die humanitäre und medizinische Hilfe für die Bevölkerung und die Flüchtenden an den Grenzen zu Tunesien und Ägypten aufzustocken und zu beschleunigen. Die EU und auch die UN müssen dafür sorgen, dass Fluchtwege für die Menschen offen stehen, die sich in Sicherheit bringen wollen. Zum Schutz der Transitflüchtlinge, die aus anderen afrikanischen Staaten nach Libyen gekommen sind oder im Rahmen der bestehenden Rücknahmeabkommen von den europäischen Staaten wieder nach Nordafrika zurückgeschickt wurden, müssen die EU-Staaten ein Resettlement-Programm auflegen. Wir fordern außerdem die europäischen Staaten auf, den vom Gaddafi-Regime Verfolgten Zuflucht zu gewähren. Ein Einsatz deutscher Truppen in Libyen ist durch die Resolution des UN-Sicherheitsrates nicht erforderlich. Wir halten ihn auch nicht für geboten und fordern die Bundesregierung auch nicht dazu auf. Wir bedauern, dass die Bundesregierung durch ihr ganzes Auftreten den Anschein erweckt, als sei die Unterstützung und der Schutz der Opposition in Libyen kein ernsthaftes Anliegen ihrer Politik. Wir fordern die Bundesregierung auf, sich aktiv für die Umsetzung der Sanktionen, der Einhaltung des Waffenembargos und die Versorgung und Aufnahme von Flüchtlingen einzusetzen.

 

Der komplette Beschluss: "Revolutionäre Veränderungen in Nordafrika und im Nahen Osten" (PDF)

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Keine einfache Entscheidung

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Kommentare

John
01-08-11 01:21
Es heisst gleich am Anfang: 'Wir verurteilen die brutale Gewaltanwendung gegen die eigene Bevölkerung durch Gaddafis Regime in Libyen aufs Schärfste'.

Ist diese einseitige Gewalt Gaddafis überhaupt beweisbar ?
Und wer sind denn diese ostlibyschen Rebellen. Demokraten oder konkurrierende Stammesverbände.

Meine, und vielleicht auch Eure Sicht inzwischen ist: Diese 'Flugverbotszone' weitete sich aus zu einem ganz normalen KRIEG der westlichen Allianz gegen einen der letzten auf ihre Unabhängigkeit stolzen Länder.

Liebe Grüne, werdet mal wieder kritisch ! Danke
John
09-07-11 02:29
Wenn ich so die letzten Einträge hier lese, bin ich erstaunt wieviel kritische Distanz zum Sinn des Lybienkriegs auch hier zum Ausdruck kommt. Die Beitragsschreiber äussern Enttäuschung, ich auch. Als Grünen-Stammwähler komm ich nicht mehr mit.

Nato-Bomben begrüssen, nachdem offensichtlich die westlichen Geheimdienste die Stämme des Ostens organisieren und an Waffen ausbilden ?

Aus der Person Gadaffi machen die Medien ganz plötzlich ein übergrosses Feindbild, wo bleiben die grünen Stimmen. Ihr habt doch gestandene Friedensforscher. Haben die jetzt nichts mehr zu melden ? Waren die Grünen nicht auch mal eine Stütze der Friedensbewegung ? Schwenken die Grünen um, werden zu Helfern der US-neocon Strategen ?

http://www.youtube.com/watch?v=fSNyPS0fXpU
Christa
02-04-11 01:35
Ich bin von der Haltung der Grünen zu Libyen masslos enttäuscht. Bei nur wenig Recherche im Internet kann man .nach meiner Meinung chnell verstehen, dass es sich hier um eine künstlich durch CIA und Freunde geförderte Revolte handelt, von der sogar namentlich bekannte Anführer aus den USA importiert wurden. Die ehrlichen Kämpfer, die diesem Betrug aufsitzen tun mir leid. Aber in Wirklichkeit geht es wohl eher um Destabilisierung und Verteilungskämpfe. Alle wollen der Welt noch einmal ihre neuen Waffen vorführen, denn der Absatz hat in den letzten Jahren stagniert. Sogar das neutrale Schweden macht mit den neuen Kampfflugzeugen aus dem Hause Saab mit. China hat in den letzten Jahren Unsummen in Libyen investiert und über 30.000 Arbeiter zu Beginn der Unruhen aus dem Land abgezogen.
Nun, was sagt uns das Alles?
Ich bin zum ersten Mal froh gewesen, dass es Westerwelle gibt.
Bitte überdenkt und ändert Eure Haltung !
Ps.Ausserden vermisse ich auf Eurer Homepage das Stichwort Aussenpolitik
Mitglied
26-03-11 21:26
Was bloß treibt die Grünen an, dass sie mit solcher Vehemenz einen Kriegseinsatz befürworten, der alles andere als eindeutig zu rechtfertigen ist?

Für mich als Laien sieht es in Lybien eher nach einem Bürgerkrieg zwischen verschiedenen Clans denn nach einem Volksaufstand aus. Und selbst wenn es sich um einen Volksaufstand handelte, der die Demokratisierung des Landes zum Ziel hätte:

- Seit wann ist die Demokratisierung fremder Staaten mit militärischen Mitteln Programm der grünen Partei?

- Und wieso greifen wir nicht Bahrein oder Syrien an? Auch dort wurden und werden DemonstrantInnen erschossen!

Es bleiben sehr ungute Gefühle, wenn ich die Pressemitteilungen der grünen Partei in den letzten Tage lese...
Andreas
24-03-11 13:28
Bisher haben mir die Grünen ja an sich gefallen und meine Stimme erhalten. Leider muss ich aber nun eine deutliche Abweichung feststellen.
Wie kann man einen Krieg befürworten, der tausende Menschenleben in der akuten Phase und noch mehr Tote in der Nachkriegszeit fordern wird? Den machen wir uns nichts vor und schauen uns die Fakten doch mal an:
1.) Einhaltung einer Flugverbotszone?
Seit wann können die ganzen Panzer und Menschen in den bombardierten Städten fliegen? Dies ist nur ein Vorwand, um sich in dem Land austoben zu können.
2.) Wo wird sich eingemischt?
Bisher habe ich nur Einsätze gesehen, die ganz niedere Bedürfnisse als Ursache hatten. In Aghanistan ging es stark um die Öl- und Gaspipeline, die zufällig ins Visir rückte, als Iran die Öllieferungen zudrehte. In Irak ging es um die großen Ölvorkommen, die zufällig von den Taleban "beherscht" worden sind. In Libyen ist die Sache auch nicht anders.

Traurig für die Grünen, dass ihre Überzeugungen so den Bach runtergegangen sind!
Wähler
24-03-11 12:01
Die Billionen-Kriegsindustrie will und muss eben bedient werden. Ein Kongressabgeordneter der US-Demokraten spricht immerhin schon ehrlich aus, worum es tatsächlich geht: natürlich nicht zuletzt ums Öl (einfach mal bei RealClearPolitics nachschauen).

Außerdem tut sich hier ein ingesamt extrem lukratives Geschäftsmodell aus, wenn man den massenmedial manipulierten Massen in Europa & USA einhämmert, sie könnten doch nicht vom Fernsehsessel aus tatenlos dabei zusehen, wie Demokratie und Menschenrechte in aller Welt NICHT durch Krieg und Bomben verteidigt werden. Eigentlich glaubte man ja, nach Irak und Afghanistan sei es schwieriger geworden für die Kriegstreiber, aber wie man sieht, haben sie ihre Propagandamethoden wirkungsvoll und zeitgemäß optimiert!
Manfred aus Köln
24-03-11 10:05
es scheint ihr habt aus Afghanistan nichts gelernt! Sind FDP oder die Linke nun die wahren Pazifisten?
Es ist doch klar, das mit Luftangriffen dieser Konflikt nicht gelöst wird. Was dann? gibt es einen Plan B? Was, wenn Gaddafi so weiter macht wie bisher? Auch ist nicht klar wer dort gegen wen kämpft. Kann es sein, dass es in Libyen auch eine Mehrheit FÜR Gaddafi gibt?
Fragen über Fragen auf die ich auch keine schlüssige Anwort weiß.
Dennoch: Krieg nein Danke
Bernie
23-03-11 19:43
"In Libyen marschiert die Armmee gegen das eigene Volk"? Ja klar tut sie das. Was hast Du denn erwartet, Walter? Die anfangs verharmlosend "Demonstranten", später "Aufständische" und nun "Rebellen" genannten Kräfte haben von Anfang an die Beseitigung der libyschen Regierung gefordert. Ein Versuch, das Land auf friedlichem Wege zu reformieren, war für mich nicht erkennbar. Aber man kann den Leichtgläubigen ja kaum einen Vorwurf machen - seit Wochen werden wir auf allen Kanälen mit einem Propaganda-Feldzug und einer erschreckend einseitigen Berichterstattung überzogen, die von Anfang an erkennen ließ, dass die öffentliche Meinung auf einen Krieg vorbereitet werden soll. Nicht, dass man mich falsch versteht: Despoten, Ausbeuter und Terrorunterstützer gehören "in die Wüste geschickt" - oder besser noch verhaftet und ihrer gerechten Strafe zugeführt! Aber lassen sich Grüne tatsächlich aufgrund von offenkundigen Halbwahrheiten, maßlosen Übertreibungen, unbewiesenen Behauptungen und einseitiger Schwarz-Weiß-Malerei für einen Krieg gewinnen. Was glaubt ihr wohl, was passiert, wenn unsere Verbündeten "Truppenverbände" und "Stellungen" der libyschen Armee bombardieren. Es sterben Menschen! Sind die libyschen Soldaten weniger wert als die "Rebellen"?
Gisela
23-03-11 17:25
Manche Deutsche können nicht verstehen, dass die libysche Opposition auch uns um Hilfe gebeten hat, um nicht abgeschlachtet zu werden. „Das ist Eure innere Angelegenheit und wer Euch hilft ist ein Kriegstreiber!“ sagen sie.
Sie übersehen, dass Gaddafi der Kriegstreiber ist und glauben ernsthaft, dass durch die Umsetzung der UN-Resolution mehr Menschen getötet als gerettet werden. Das Gegenteil ist der Fall.
Empfehlung: Mal öfter den sicher nicht USA-freundlichen Sender Aljazeera als Informationsquelle nutzen. Die englischsprachige Version kann man auch im Internet ansehen.
ochsel
23-03-11 17:15
Jeder Krieg beginnt mit einer Lüge,
am Ende steht Leid, Trauer, Ohnmacht...

ich verstehe nicht wie mann den Angriff auf ein souveränes Land (ich mag den Gaddafi auch nicht...) so leicht hinnehmen kann.. eine Schande für die Weltgemeinschaft..
Kommentar

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