Nicht-militärische Mittel haben Vorrang

Drei Fragen an Claudia Roth zur Debatte um die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen. Die Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN plädiert für eine Verschärfung der Sanktionen gegenüber Libyen. Eine Flugverbotszone sieht sie jedoch skeptisch, weil bei deren Durchsetzung zivile Opfer nicht ausgeschlossen wären.

Claudia Roth, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

gruene.de: Wie ist momentan die Lage in Libyen?
Claudia Roth: Die Situation in Libyen spitzt sich immer weiter zu. Gaddafi bekämpft mit seinen verbliebenen Truppen die Opposition mit härtester Gewalt und ist ihnen mit seinen Waffen überlegen. Die Bevölkerung leidet unter den Kämpfen und flieht zu Tausenden aus dem Land. Die internationale Gemeinschaft kann nicht weiter zusehen, wie Gaddafi seine eigene Bevölkerung terrorisiert. Stattdessen muss sie sich eindeutig auf die Seite derjenigen stellen, die die Herrschaft des libyschen Despoten beenden wollen und dafür ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen.

Doch mit welchen Mitteln sollte dies geschehen? Würde eine Flugverbotszone, durchgesetzt von internationalen Truppen mit UN-Mandat, den Menschen in Libyen Schutz gewähren?
Diese Debatte sehen wir mit erheblicher Skepsis. Wer denkt, dass mit einer Flugverbotszone alles gut würde in Libyen, der irrt. Denn um eine Flugverbotszone durchzusetzen, müsste zunächst massiv die Luftabwehr Libyens bombardiert werden. Zivile Opfer sind dabei nicht ausgeschlossen. Die Folgen von zivilen Opfern für die Akzeptanz eines westlichen Eingreifens sind von heute aus gesehen völlig unklar. Die Gefahr, dass ein militärisches Eingreifen durch westliche Staaten von Gaddafi in der Propagandaschlacht zur eigenen Relegitimierung benutzt würde, ist groß. Auch besteht die Gefahr einer Destabilisierung der gesamten Region durch westliches Eingreifen. Gerade unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit lassen zur Vorsicht raten beim schnellen Hantieren mit militärischen Optionen. Aus all diesen Gründen warnen wir vor einer militärfixierten Debatte und einem militärischen Eingreifen.

Was sollte aus Deiner Sicht gemacht werden?
Im Umgang mit Libyen ist das Erhöhen des Drucks auf Gaddafi durch weitere Sanktionen sowie humanitäre Hilfe das Gebot der Stunde. Alle nicht-militärischen Mittel zum Sturz Gaddafis müssen zur Anwendung gebracht werden. Wir fordern, das Regime international weiter zu isolieren und keine Geldflüsse aus dem Ausland nach Libyen mehr zuzulassen. Es darf außerdem keinerlei wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Gaddafi-Regime mehr geben, auch bezogen auf Öl-Lieferungen.

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Keine einfache Entscheidung

Claudia Roth begrüßt die Forderung des UN-Sicherheitsrates nach einem Waffenstillstand, sieht die Einrichtung einer Flugverbotszone aber skeptisch.

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Verhältnismäßiger Einsatz der Mittel

Die Maßnahmen der UN zu Libyen sind insgesamt politisch notwendig, um die Bevölkerung vor schwersten Menschenrechtsverletzungen zu schützen.

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Aufrüstung ist keine Stabilisierung

Claudia Roth im Interview über Rüstungsexportrichtlinien und die Bundesregierung.

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Ducken und schweigen

Die Bundesregierung agiert beim Thema Afghanistan planlos. Ein Gespräch mit Winfried Nachtwei.

30 grüne Jahre (26): Ein Interview mit Claudia Roth über die Afghanistan-Debatte

Ein Interview mit Claudia Roth über die Afghanistan-Debatte vom Parteitag in Rostock 2001 bis heute. Teil 26 der "Grünen Geschichte(n)".

Kommentare

Mike
11-03-11 15:45
Also das ist doch prima, fassen wir zusammen:

-kein Flugverbot--> die lybische Restluftwaffe bomdt die Rebel_Innen in Stücke, denn über kurz oder lang geht es nicht anders(unausgebildete und ungebildete Rebel_Innen ohne Schultergestüzte Luftabwehrraketen, mit veralteten 20mm Flaks) in Topographisch flachem Gelände.

Folge: Wir sehen uns die Siegesparade Muhammar Gadafis in 8 Wochen auf CNN oder al-Jazeera an, je nach Gusto.
Danach Rache und Säuberungsaktionen.(Massenmord,Genozid),wie man das was dann kommt auch immer nennen wird.
Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen mit EU Business as usual, Öl raus Euro rein.

-Flugverbot--> Nato vernichtet Luftwaffe, SAM`Stellungen und ja auch Zivilisten (wenige wenn wir Glück haben).
Es ist nämlich nich leicht zu unterscheiden ob Gadafianhänger_Innen oder Rebel_Innen das Geschütz bedienen und es ist für ungeschulte Mensch_Innen fast unmöglich Freundmaschienen von Feindmaschienen zu unterscheiden.

Folge: Lang anhaltender Bürgerkrieg.
Forderung nach Bodentruppen
Einhellige Ablehnung.
Gadafis Siegesparade Rest s.o.
Rache und Säuberungsaktionen(Massenmord, Genozid)...s.o.
Allg. Heulen und Zähneknirschen ( das haben Wir uns so aber nicht vorgestellt usw undsofort)

Einsatz weiterer Sanktionen

das heißt ganz klar keine Nahrung, Wasser, medizinische Versorgung für Flüchtlinge und Zivilbevölkerung.
Sanktionen haben noch nie funktioniert und stellen immer eine massive Belastung für die kleinen Mensch_Innen dar.

Folge: Gadafi macht "den Westen" für die Lage verantwortlich,
viele Mensch_Innen werden ihm das Glauben,
verbündet sich mit islamistischen Gruppierungen,
da er sich vom Westen verraten fühlt,
und nun,
der Feind meines Feindes ist mein Freund spielt.
Islamisten sichern Gadafi Status Quo, das reicht ihm
Terrorcamps und ungezähltes Öl vor der Haustür Europas

NGOś werden geschickt
Gadafi oder die Rebel_Innen beymächtigen sich der Hilfsgüter,verschiedene Helfer bezahlen diesen Wahn mit Ihrem Leben.

Folgen: ausser Heulen und Zähneknirschen keine
Siegesparade Gadafis

Wir können nur abwarten und Tee trinken, ich denke Wir werden uns noch ganz schön umschauen was aus dem Maghreb ‏المغرب
wird.

Frau Roht Sie machen es sich da sehr einfach militär ist immer schlecht, Ziviler Einsatz ist immer besser.
Die feder ist schärfer als das Schwert, wenn der andere jedoch nicht lesen kann ist es gut wenn man eines zur Hand hat.

schöne grüsse aus dem Rheinland
Michael
11-03-11 09:14
ohne Flugverbotszone gibt es doch auch viele Opfer
Frau Roth sollte sich an der Einstellung Ihres Kollegen Cohn-Bendit orientieren, der ein realistischeres Verhältnis
hinsichtlich der Einschätzung von Herrn Gaddafi hat.

Schliesslich hat auch rot-grün, insbesondere Herr Schröder,
dazu beigetragen, dass Herr Gaddafi wieder hoffähig sprich
geschäftsfähig wurde nachdem er in den achtziger Jahren in auch in Europa gebombt hat (Lockerbie 270 Tote), Anschlag auf
das LaBelle, Anschläge auf die Flughäfen Rom und Wine in Kooperation mit Abu Nidal unter Federführung seines Schwagers
Abdallah Senussi

Wer hat den Gaddafi seine Waffen geliefert, mit denen er jetzt gegen die Rebellen vorgeht. Neben den Russen doch auch
die Italiener (weitreichende Kanonen mit 24 km Reichweite,
geplanz war doch auch die Lieferung von Kampfhubschraubern, gebaut von EADS), Waren die Grünen nicht auch daran teilweise als sie an der Regierung waren beteiligt.

Im Moment hat man doch den Eindruck, dass laviert wird, seit
klar ist, dass die Rebellen gegen die Mörderbande in Tripolis, die vor allem von Europa (einschließlich Russland) hoch- und ausgerüstet wurde, um sich ggf. eine Tüte offenzuhalten und dann nach einer gewissen Zeit doch wieder mit Gaddafi zu kooperieren, oder täusche ich mich da.
hans
10-03-11 15:34
natürlich ist krieg immer die schlechteste lösung. hier aber geht es um terrorismus. nach meiner ansicht muß die lybische flugabwehr nicht ausgeschaltet werden. die lybische luftwaffe kann man auch mit drohnen bekämpfen.
Kommentar

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