Keine einfache Entscheidung

Claudia Roth sagt, dass der Vormarsch von Gaddafis Truppen die Internationale Gemeinschaft vor ein schwieriges Dilemma stelle. Die Menschen vor Menschenrechtsverletzungen zu schützen, stehe der Gefahr einer Ausweitung des Konflikts entgegen. Sie unterstütze die Forderung des UN-Sicherheitsrates nach einem sofortigen Waffenstillstand, die Einrichtung einer Flugverbotszone sieht die grüne Bundesvorsitzende jedoch skeptisch.

Claudia Roth, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

Die Lage der Oppositionellen in Libyen hat sich in den letzten Tagen dramatisch zugespitzt. Das weitere Vordringen der Truppen Gaddafis und seine Entschlossenheit, in keinster Weise vor der Anwendung massiver Gewalt zurückzuschrecken, lässt eine schlimme Eskalation befürchten.

Der Vormarsch von Gaddafis Truppen stellt die Internationale Gemeinschaft vor ein schwieriges Dilemma. Der Verantwortung zum Schutz der Menschen vor schwersten Menschenrechtsverletzungen steht die Gefahr einer weiteren Eskalation und Ausweitung des Konflikts entgegen. Militärische Kriegsgewalt ist immer ein Übel. In diesem Dilemma gibt es keine einfache Entscheidung.

Wir verurteilen die brutale Gewaltanwendung gegen die eigene Bevölkerung durch Gaddafis Regime aufs Schärfste und begrüßen die Forderungen des UN-Sicherheitsrates nach einem sofortigen Waffenstillstand und einem Ende der Gewalt. Es war auch ein wichtiges Signal, dass der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Situation in Libyen an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag überwiesen und zudem verschärfte internationale Sanktionen verhängt hat. Die zivilen Sanktionen müssen vollständig umgesetzt werden, es darf keine weitere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Gaddafi-Regime mehr geben. Auch braucht es eine vollständige Zahlungsblockade für Öllieferungen.

Die mit der Einrichtung einer Schutzzone für die Zivilbevölkerung verbundene Verhängung einer Flugverbotszone erhöht den Druck auf das Regime. Wir befürchten jedoch, dass die Durchsetzung einer Flugverbotszone zu hohen Verlusten in der Zivilbevölkerung führen könnte und sie militärisch nur eine geringe Wirkung entfalten wird. Deswegen sehe ich diese Maßnahme mit Skepsis.

Wir halten die Maßnahmen der Vereinten Nationen insgesamt jedoch politisch für notwendig, um die Bevölkerung vor schwersten Menschenrechtsverletzungen zu schützen. Und wir begrüßen, dass der Sicherheitsrat die Entsendungen von Besatzungstruppen ausdrücklich ausschließt. Eine militärische Eroberung der Herrschaftsgebiete Gaddafis lehnen wir ab. Der militärische Einsatz muss strikt an das humanitäre Völkerrecht und die Menschenrechte gebunden und verhältnismäßig im Einsatz der Mittel sein.

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Verhältnismäßiger Einsatz der Mittel

Die Maßnahmen der UN zu Libyen sind insgesamt politisch notwendig, um die Bevölkerung vor schwersten Menschenrechtsverletzungen zu schützen.

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Nicht-militärische Mittel haben Vorrang

Was sollte der Westen jetzt für die Menschen in Libyen tun? Drei Fragen an Claudia Roth.

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Ducken und schweigen

Die Bundesregierung agiert beim Thema Afghanistan planlos. Ein Gespräch mit Winfried Nachtwei.

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Luftangriff ohne Folgen?

Nato, EU und die Vereinten Nationen kritisieren die Bundeswehr, doch die Regierung schweigt. Claudia Roth fordert Konsequenzen

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Assad muss vor Gericht

"Es ist an der Zeit, den Internationalen Strafgerichtshof einzuschalten und Assad und weitere Mitverantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen", sagt Claudia Roth.

Kommentare

tim buktu
19-03-11 00:15
alle kommentare bis hierher leider zu wahr
Bernie
18-03-11 21:59
was ist bloß aus den Grünen geworden? Da vergleicht doch H.G. glatt Gaddafi mit Hitler. Die Springer-Presse hätte es nicht besser gekonnt. Alle Welt und vor allem die offensichtlich "gleichgeschaltete" (welch böses Wort!) Presse hetzt seit Wochen gegen Gaddafi, blendet seine offenkundig immer noch starke Unterstützung im Land aus und redet von der lybischen Bevölkerung, die angeblich friedlich demonstriert ... zu sehen sind aber relativ wenige bewaffnete "Zivilisten" (?), die offensichtlich keineswegs friedlich einen Putsch durchführen wollten und nun damit zu scheitern drohen. Und nun beginnt das gleiche Spiel, das wir alle noch vom Irak-Krieg gut in Erinnerung haben. Es mag sein, dass Gaddafi einer von vielen autoritären Herrschern ist, doch wieso drohen die USA nicht auch dem Jemen mit Militärschlägen? Oder Bahrain? Oder Saudi Arabien???
Andreas
18-03-11 21:15
Kriegerische Gewalt ist immer zu verurteilen.
Aber wie können wir den tausenden Freiheitskämpfern vermitteln das die Demokratie ein Mittel ( nicht das einzige)
ist, für das wir einstehen?
Wenn ein Volk kurz davor steht, niedergemetzelt zu werden, sollte keine Demokratie davor zuückweichen den Aggressor zu Entmachten.Und wenn es nur mit Waffengewalt geht?
Unser Problem ist doch das wir zu lange warten,diskutieren und beratschlagen.Das war in Europa zu Hittlers Zeiten so und das ist es auch Heute.
Millionen Menschenleben wären gerettet worden, durch einen Ernstgemeinten entschluss.
Daniel
18-03-11 17:36
klar, historische Verantwortung geht nur so lange bis man nicht selbst involviert ist. hauptsache dagegen, hauptsache die Wahlen gewinnen. beschämend wie die Grünen Politik machen. Krisen und Kriegsgewinnler.
Andreas
18-03-11 16:56
Ich bin ein langjähriger Wähler der Grünen, aber stimme natürlich nicht mit allen ihren Positionen überein. Im Falle Libyens ist dies erneut der Fall. Leider teilt keine der deutschen Parteien die Position unserer Verbündeten. Das finde ich erschreckend. Einen Diktator, der mit Panzern, Artillerie und Söldnern auf seine Bevölkerung los geht, kann man doch nicht mehr mit Sanktionen bestrafen!
Natürlich habe auch ich Bedenken, wenn es durch Angriff zu Toten unter der Zivilbevölkerung kommt. Da die UN-Resolution gerade dies nicht erlaubt. Dennoch denke ich, dass Sanktionen jetzt zu spät kommen. Diese hätten schon seid Jahren aktiv sein müssen und kein libysches Öl hätte Deutschland erreichen sollen. Leider hat die westliche Welt dies verschlafen und sich u.a. auf Grund ihrer Ölabhängigkeit mit einem Diktator arrangiert. Dafür muss das libysche Volk nun bluten. Es ist ein Trauerspiel.
Zumindest gibt es heute einen Hoffnungsschimmer, Ghaddafi scheint sich dem Druck zu beugen. Hoffen wir, dass es zu kaum oder keiner Gewaltanwendung durch unsere westlichen Freunde kommen muss.
Thorsten Büchner
18-03-11 15:49
...und wieder mal verwechselt meine Parteivorsitzende Friedenspolitik mit Appeasement.
Koni
18-03-11 13:42
Ich denke, Axel hat Recht!! Auch Frau Roth hat Recht mit dem Hinweis, es handele sich um eine schwere Entscheidung. Aber im Interesse des lybischen Volkes muss dieser Verbrecher beseitigt werden. Das geht aber nur mit Gewalt, leider. Wir können unmöglich zusehen, wie ein solch brutaler Tyrann sein eigenes Volk ermordert. Dabei helfen aber Sanktionen nicht ein bißchen.
H.G.
18-03-11 13:30
schon vergessen Frau Roth ?
Unter ROT/GRÜN wurde Gaadafi wieder hoffähig gemacht.
Ihr so, (zumindest bevor er sich, wie einige andere Ihrer Fraktion sich in die Hände der, von Euch stets bekämpften "Wirtschaftlobby" begab) so verehrter "Joschka" sprach von einer Normalisierung der Beziehungen.
Und jetzt Madame stets "Betroffene" ?
Wieder mal geirrt!! Ihr wollt unser Land verbessern und
fremden Gewaltherrschern mit Appellen und fragwürdigen Sanktionen Paroli bieten ? Bei soviel polischer Naivität ist man sich nicht sicher, ob man weinen oder lachen soll.
Zu Erinnerung: das Hitlerregime wurde mit Waffen und nicht Mitteln aus Ihrer (ver)Wundertüte besiegt.
Die DDR hatte den Rückhalt der damaligen UdSSR verloren und war bankrott, deshalb war glücklicherweise keine Gewalt
im Spiel.
Die Nachfolger der mehrfach umbenannten SED feiern indes,
wieder fröhliche Auferstehung und dies nicht zulezt auch Dank Eurer freundlicher Tolerierung.
Ist das der Umgang mit Gewaltregimen ? , denn immerhin stand die SED für Mauerbau, Schiessbefehl und die Verfolgung Andersdenkender.
Allerdings ist zur Zeit zu beobachten, dass die Verfolgung
Andersdenkender durch Euch mittels der Verfügung stehenden
Medien in einem erschreckenden Ausmass betrieben wird.
Beim Wahlkampf verliert wohl sämtliche Hemmungen.
Auch dies ist eine Form der Gewalt Frau Roth.
Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Steinen werfen und erst seine eigenes Handeln überprüfen, bevor man die Moralkeule schwingt.
Axel
18-03-11 12:29
Wer hofft, einen Psychopathen wie Gaddafi mit Appellen oder Sanktionen beeindrucken zu können, ist naiv.
Sanktionen waren m.W. noch nie effizient, weil sie zu leicht umgangen werden können.
Man sollte nicht die Fehler wiederholen, die man in Ex-Jugoslawien gemacht hat. Srebrenica: Schon vergessen?
Till Brandt
18-03-11 12:16
Hätte sich die Westerwelle-Roth-Trittin-Position auf internationaler Ebene durchgesetzt, dann wäre die libysche Opposition in einem furchtbaren Blutbad vernichtet worden. Gaddafi hat dem Widerstand immer wieder blutige Rache geschworen und die Zahl der Toten in Benghazi hätte die Zahl der Opfer des Massakers von Srebrenica bei weitem überstiegen.
Gaddafi hat Deutschland gelobt und dieses Lob haben Westerwelle, Claudia Roth und Jürgen Trittin redlich verdient, weil sie den dringenden Bitten der libyschen Widerstandkämpfer nach einem Flugverbot nicht nachgekommen sind. Solidarität sieht anders aus. Ich halte es bei den Grünen nicht mehr aus und bin am Mittwoch ausgetreten.
Till Brandt till_bra@yahoo.de
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