Fleischeslust
Welche politische Dimension der Genuss von Schnitzel, Gulasch und Co. hat, erklärt die Heinrich Böll Stiftung in ihrem Fleischatlas. MEHR
Welche politische Dimension der Genuss von Schnitzel, Gulasch und Co. hat, erklärt die Heinrich Böll Stiftung in ihrem Fleischatlas. MEHR
Der Monitoringbericht macht deutlich: Die Schwarz-Gelben Regierung kann die Energieeffizienzziele nicht erreichen. MEHR
Die von der Merkel-Regierung verabschiedete Beihilferegelung für die Industrie fördert weder den Klimaschutz noch entlastet Sie die Bürger. MEHR
Eine Geschichte über unfaire Ausnahmen, die Schwarz-Gelb der Industrie gewährt. MEHR
Wie wir bis 2050 unabhängig von fossilen Energieträgern werden können. MEHR
Wir erklären, warum Solarstrom ein wichtiger Baustein für die Energiewende ist. MEHR
Alle Infos rund um EU-Fiskalvertrag, ESM und die Position der Grünen. MEHR
Grüne Mitglieder können zehn Projekte für die Bundestagswahl 2013 auswählen. MEHR
Die Bundesregierung agiert bei der globalen Regulierung des Waffenhandels unglaubwürdig. Sie muss endlich Rüstungsexporte einschränken. Nach den gescheiterten Verhandlungen zu einem weltweiten Abkommen ist Deutschland gefordert, bei der Uno-Vollversammlung einen globalen Waffenhandelsvertrag notfalls auch ohne Amerika zu beschließen. Der Gastbeitrag von Claudia Roth und Katja Keul ist am 31. Juli 2012 in leicht gekürzter Form in der Financial Times Deutschland erschienen.

Es ist eine Schande: Ein weltweiter Waffenhandelsvertrag schien zum Greifen nah. Doch am Ende knickte Amerika vor der internationalen Waffenlobby ein und verhinderte so einen Abschluss. Wieder einmal. Zwar war der Entwurf aus unserer Sicht nicht weitgehend genug, schließlich ließ er den Umgang mit Munition komplett außen vor. Doch immerhin hätte er erstmals den Handel mit Waffen verbindlich geregelt, die Prüfung von Menschenrechtsverletzungen vorausgesetzt und Kleinstwaffen, wie Pistolen, Gewehre und Granaten, durch die täglich rund 1000 Menschen sterben, mit eingeschlossen.
Bundesaußenminister Westerwelle verspricht jetzt, Deutschland werde sich schnellstmöglich für einen neuen Anlauf stark machen. Das hört sich gut an. Doch wie glaubwürdig ist die deutsche Initiative für ein weltweit verbindliches, wirksames Waffenhandelsabkommen?
Seit langem kämpfen wir GRÜNE für eine transparentere und rechtlich durchsetzbare Exportkontrolle. Gerne hätten wir Herrn Westerwelle deswegen auch schon ein starkes Mandat aus dem deutschen Bundestag für die Verhandlungen in New York mit auf den Weg gegeben. Doch ausgerechnet seine eigene Fraktion hat zusammen mit der Unionsfraktion die Forderungen des eigenen Außenministers zum Waffenhandel im Bundestag torpediert und abgelehnt. Ein solches Verhalten schwächt nicht nur Westerwelles Position bei weiteren Verhandlungen, sondern es macht auch die ganze Doppelbödigkeit der Regierungspolitik deutlich.
Diese Blockade ist exemplarisch für die bisherige schwarz-gelbe Politik in Sachen Rüstungsexportkontrolle. Deutschland ist nach den USA und Russland der drittgrößte Waffenhändler der Welt. Allein im Jahr 2012 hat Deutschland Kriegswaffen im Wert von 2,1 Milliarden Euro exportiert, 500 Millionen Euro davon in Länder außerhalb der Europäischen Union und der NATO. So ging 2010 ein großer Teil der Kriegswaffenexporte in Krisenregionen wie Pakistan, Indien oder Saudi-Arabien. Und das, obwohl es die deutschen Rüstungsexportrichtlinien ausdrücklich untersagen, Rüstungsgüter in Spannungsgebiete zu liefern.

Sei es der geplante Panzerdeal mit Saudi-Arabien, bei dem es um den Export von bis zu 600 Leopard II-Kampfpanzern der neuesten Generation geht, oder die aktuelle Spekulation über den Verkauf weiterer 200 Panzer desselben Typs an das Emirat Katar - beide Vorfälle zeigen die Skrupellosigkeit der derzeitigen Waffenexportpolitik. Während die Bundesregierung der Öffentlichkeit dazu jede Auskunft verweigert, vermietet sie bereits einen Bundeswehroffizier an die Herstellerfirma zu Panzertests in der saudischen Wüste. Dass weder Saudi-Arabien noch Katar Menschen- und insbesondere Frauenrechte achten, Saudi-Arabien sogar den friedlichen Protest in Bahrein mit militärischer Gewalt brutal niederschlug spielt für Schwarz-Gelb offenbar keine Rolle.
Auch in anderen Bereichen agiert die Bundesregierung sehr zynisch: Zu Recht plädiert der deutsche Außenminister für klare Bestimmungen im Waffenhandelsvertrag für eine nachhaltige Entwicklung. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben im Jahr 1998 einen gemeinsamen europäischen Standpunkt zu Rüstungsexporten vereinbart. Demnach soll die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Empfängerlandes wichtiges Entscheidungskriterium bei Waffenexporten sein. Doch wohin lieferte die deutsche Rüstungsindustrie zuletzt die meisten Waffen? Ausgerechnet in die Schuldenländer Portugal und Griechenland.
Waffenlieferungen sind das Gegenteil eines nachhaltigen Wachstums, schaffen in den Empfängerländern keinen einzigen Arbeitsplatz und bekämpfen auch nicht die horrende Jugendarbeitslosigkeit.
Auch in Bezug auf Transparenz und Durchsetzbarkeit unserer nationalen Exportkontrolle sehen wir gravierende Defizite. Deutsche Sturmgewehre vom Typ G-36 wurden zum Beispiel in Libyen gefunden - in einem Land, in dem die Waffen nach geltendem Recht gar nicht hätten auftauchen dürfen. Die Ermittlungen laufen noch, aber ohne eine wirksame Endverbleibskontrolle wird all das nichts nützen. In der Zwischenzeit erhalten Heckler&Koch und andere Hersteller die wohlmeinende Unterstützung ihrer schwarzen und gelben Wahlkreisabgeordneten.

Für uns steht fest: Wer auf globaler Bühne glaubhaft verhandeln will, sollte gerade nach dem Scheitern eines - von nahezu allen getragenen - internationalen Waffenhandelsabkommens nun eine Vorreiterrolle auf nationaler Ebene einnehmen. Deshalb fordern wir von der Bundesregierung, dass sie endlich ein Rüstungsexportgesetz auf den Weg bringt, in dem die Kriterien für Waffenexporte gesetzlich verankert werden und das die deutsche Rüstungsexportpolitik auf Transparenz, Verbindlichkeit und Glaubwürdigkeit einer menschenrechtsbasierten Außenpolitik verpflichtet.
Dazu gehört auch eine verbindliche Berichtspflicht, die garantiert, dass Entscheidungen zum Waffenhandel vierteljährlich dargelegt werden müssen. Außerdem müssen die Kontrollrechte des Parlaments gestärkt werden, so dass über besonders sensible Exporte künftig der Bundestag vor einer Entscheidung der Bundesregierung gesetzlich verpflichtend unterrichtet werden muss. Schließlich muss eine Kontrolle möglich sein, wo die Waffen auch tatsächlich hin gelangen.
International ist Deutschland nun gefordert, bei der UN-Vollversammlung einen Waffenhandelsvertrag notfalls auch ohne Amerika zu beschließen. Wir nehmen es nicht hin, dass ein restriktives Waffenabkommen durch einige wenige Länder blockiert wird. Jedem muss klar sein: Wer Waffenlieferungen in Krisen- und Kriegsgebieten nicht unterbindet, trägt eine Mitschuld am millionenfachen Leid und Sterben.