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Wir müssen jetzt handeln

Wie müssen Strukturen der Erwerbswelt aussehen, damit Frauen gleichberechtigt beteiligt sind? Wie sieht ein geschlechtergerechter Arbeitsmarkt aus? Diese und viele andere Fragen wurden auf der diesjährigen Bundesfrauenkonferenz am 15. & 16. September in Leipzig thematisiert.

Renate Künast, Stefanie Nutzenberger, Martina Stangel-Meseke und Nora Miethke diskutieren auf der Bühne.
Über Vereinbarkeitsfragen und Dimensionen eines geschlechtergerechten Arbeitsmarktes diskutierten Stefanie Nutzenberger von ver.di (links), Renate Künast (zweite von rechts) und Martina Stangel-Meseke (rechts). Moderiert wurde das Auftaktpanel der Konfere Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)

Zur Bundesfrauenkonferenz waren viele Expertinnen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft gekommen, um den Fragestellungen in vielen unterschiedlichen Workshops auf den Grund zu gehen. Den Auftakt bildete ein Panel zur Erwerbsarbeit bei dem Renate Künast, Stefanie Nutzenberger vom Ver.di Bundesvorstand und Prof. Dr. Martina Stangel-Meseke, Mitglied im Verband deutscher Unternehmerinnen und eine der Gutachterinnen zum Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, die politischen Erfordernisse diskutierten. Einig waren sich alle, dass die Realitäten der Frauen im Lebensverlauf wahrgenommen und beachtet werden müssen.

Widersprüchliche Anreize der Familienpolitik abschaffen

Überkommene Rollenbilder und fehlende Ein- und Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen am Arbeitsmarkt verschaffen Frauen schlechtere Chancen im Berufsleben. Die allzu oft nur mangelhaft vorhandenen Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder, aber auch die fehlenden Ganztagsschulen in vielen Teilen Deutschlands lassen Frauen mit Kindern häufig keine andere Wahl, als zu Hause zu bleiben oder in Teilzeit zu arbeiten. Dadurch können sie sich auch nicht im gleichen Maße wie die Männer Sozialversicherungsansprüche aufbauen. Und diese Schwierigkeiten werden durch steuer- und sozialpolitische Anreize, wie das Ehegattensplitting, von der Regierung aufrecht erhalten.

Für Renate Künast ist daher klar: es gibt viele Bereiche in denen wir jetzt handeln müssen um widersprüchliche Anreize der Familien- und Frauenpolitik abzuschaffen.

Hildegard Maria Nickel, Claudia Neusüß, Adriana Lettrari und Astrid Rothe-Beinlich diskutieren auf der Bühne.
Erwerbsbiographien in Ost und West waren Thema der Panel-Diskussion am Sonntagmorgen. Hildegard Maria Nickel (Mitte), Claudia Neusüß (nicht im Bild) und Adriana Lettrari (rechts) diskutierten mit Astrid Rothe-Beinlich (links) als Moderatorin über verschie Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)

In den anschließenden Workshops wurden Fragen aus dem Panel vertiefend diskutiert. Es ging um Verteilungsgerechtigkeit, eigenständige Existenzsicherung, die Abschaffung des Ehegattensplittings, Minijobs, die Einbindung der Lebensverlaufsperspektive sowie um Berufswahlverhalten und die Situation älterer Arbeitnehmerinnen. Ein Künstlerinnengespräch mit Schauspielerinnen der Improvisationstheatergruppe ImbH mit Claudia Roth brachte auch die Perspektive von Freischaffenden und Künstlerinnen - die auch nicht nur von Luft und Kunst leben können - in die Diskussion und leitete den kulturellen Teil der Konferenz ein.

Lebensläufe in Ost und West

Der zweite Konferenztag legte den thematischen Schwerpunkt auf den Austausch der Frauen in Ost- und West und die Frage, was sie voneinander lernen können. Im Auftaktpanel wurden Lebensverläufe in beiden System nachgezeichnet und unter Rückgriff auf Konzepte wie Familienförderung, Rollenbilder und der Selbstverständlichkeit von Kinderbetreuung diskutiert. Prof. Dr. Hildegard Maria Nickel, die in beiden Systemen zu Gender-Fragen forschte und lehrte, stellte wichtige und aufschlussreiche Zahlen dazu vor. Ein Gespräch mit der Politikberaterin Claudia Neusüß, die zu Zeiten des Mauerfalls in Westberlin studierte, und Adriana Lettrari, Mitbegründerin der Initiative Ost, das von Astrid Rothe-Beinlich moderiert wurde, machte deutlich, dass dieser Austausch zwischen Ost- und West, aber auch zwischen den Generationen, für alle sehr bereichernd ist. Zuhören und diskutieren auf Augenhöhe sind dabei die Voraussetzungen für eine fruchtbaren Austausch.

Claudia Roth an einem Redepult
Alles was frauenpolitisch getan werden muss, um für mehr Gerechtigkeit zu sorgen, ist ziemlich genau das Gegenteil von dem, was die Bundesregierung und allen voran Ministerin Schröder tun, sagte Claudia Roth in ihrer Abschlussrede. Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)

Astrid Rothe-Beinlich, Claudia Roth und Claudia Maicher machten deutlich, nur durch verschiedene Maßnahmen kann es gelingen, die vielschichtigen Hindernisse auf dem Arbeitsmarkt für Frauen auszugleichen.

Die Konferenztage waren von intensivem Austausch der grünen und externen Referentinnen mit den Teilnehmerinnen geprägt. Dieser Austausch soll auch in Zukunft weitergeführt werden. Claudia Roth brachte in ihrer politischen Abschlussrede zum Ausdruck: Alles was frauenpolitisch getan werden muss, um für mehr Gerechtigkeit zu sorgen, ist ziemlich genau das Gegenteil von dem, was die Bundesregierung und allen voran Ministerin Schröder tun. Denn für einen geschlechtergerechten Arbeitsmarkt sind konsequentes Handeln und effektive Maßnahmen notwendig.

Dokumentation der Bundesfrauenkonferenz (PDF)

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