So wird Politik zur Armutsfalle

Das Betreuungsgeld schafft Anreize für Berufsunterbrechungen, die fast ausschließlich von Frauen genutzt werden. Das führt bereits heute schon zu Karriere- und Einkommensverlusten, die im weiteren Lebensverlauf nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Der eigenständigen Existenzsicherung von Frauen steht diese Maßnahme also diametral entgegen.

Das Betreuungsgeld hilft niemanden wirklich weiter. Foto: MyTudut/Flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0)

Es ist bildungs- und kinderpolitischer Irrsinn, gerade Kinder aus einkommensschwachen Familien von öffentlichen Kindertagesstätten fern zu halten, indem Direktzahlungen gegen institutionelle frühkindliche Bildung ausgespielt werden.

Hinzu kommt, dass mit dem Betreuungsgeld ein Anreiz geschaffen wird, länger aus dem Berufsleben auszusteigen. Diese Berufsunterbrechungen werden nach wie vor fast ausschließlich von Frauen vorgenommen und führen bereits heute schon zu Karriere- und Einkommensverlusten, die im weiteren Lebensverlauf nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Das hat auch das Gutachten zum Gleichstellungsbericht der Bundesregierung deutlich hervorgehoben. Je länger der familienbedingte Ausstieg aus dem Berufsleben dauert, desto schwieriger ist ein Wiedereinstieg und desto höher sind die Einbrüche im Einkommen aber auch in der sozialen Absicherung. Der eigenständigen Existenzsicherung von Frauen steht diese Maßnahme also diametral entgegen. Dass diese Politik zur Armutsfalle für viele werden kann, wird durch die Änderungen des Unterhaltsrechts deutlich, durch die die Eigenverantwortlichkeit der Ehepartner, nach der Scheidung dann plötzlich zügig eingefordert wird. Die Folgen für die Frauen sind oft prekäre Lebenslagen und ein erhöhtes Armutsrisiko - vor allem im Alter.

Um Eltern wirklich zu unterstützen und jedem Kind gleiche Bildungschancen zu ermöglichen, müssen die vorgesehenen Milliardenbeträge in eine verlässliche, qualitativ hochwertige Infrastruktur in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen gesteckt werden. Das nützt den Kindern aber auch den Eltern, die sich mehrheitlich eine gleichberechtigte PartnerInnenschaft, in der beide Eltern Beruf und Familiensorge miteinander vereinbaren können, wünschen.

Und letztlich hilft jeder Euro Investition in frühkindliche Bildung und Erziehung nachhaltig Kinderarmut und Altersarmut von Frauen zu vermeiden.

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Was zu tun bleibt

Auch wenn die Frauenbewegung viel erreicht hat ist sie noch lange nicht am Ziel.

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Vertane Chance für die Gleichstellung

Die Bundesregierung ignoriert Handlungsempfehlungen des Kommissionsberichts.

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Familie

Kinder und Familien stehen im Mittelpunkt unserer Politik. Familie ist für uns da, wo Kinder sind.

Dagegen: Herdprämie

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Der Green New Deal: Ein guter Deal für Frauen!

Die grüne Bundesfrauenkonferenz am 17. und 18. April in Bonn unter dem Motto: Der Green New Deal – ein guter Deal für Frauen!

Kommentare

Eva
26-06-12 09:51
1. Haben wir eine getrickste Arbeitslosenstatistik, d.h. die attraktiven Arbeitsplätze, von denen hier immer geredet wird, gibt es für viele Frauen (und Männer) gar nicht.
2. Sollte man das Pferd nicht von hinten aufzäumen: Wenn Frauen Schwierigkeiten haben, nach einer gewissen Zeit wieder in den Arbeitsprozess integriert zu werden, so ist das nicht ihr Problem, sondern ein strukturelles, das man dort verorten muss, wo es existiert: bei den Arbeitgebern. SIE haben flexibel zu sein und nicht die Kinder, die ja die Leidtragenden sind. Ein einjähriges Kind gehört nicht in die Krippe, sondern zur primären Bezugsperson und das 18 Monate = 1 1/2 Jahre lang.
3. Das Unterhaltsrecht ist kürzlich erst verändert worden, zu Lasten der Mütter und Kinder.Es ist zynisch, es als gewissermaßen gottgegeben hinzustellen und von den Müttern zu verlangen, nach seiner Pfeife zu tanzen, anstatt daran zu arbeiten, es rückgängig zu machen.
4. Auch alle aktuellen Untersuchungen ergaben, dass Kinder ab 3 Jahren außerhäusliche Förderung benötigen. Schade, dass hier (bewusst) Falschinformationen die Runde machen und man uns einreden will, das gelte für Kinder ab 1 Jahr, weshalb das Betreuungsgeld als ganz, ganz gefährlicher Bildungsverhinderer abzulehnen wäre.
5. Ich bin sehr enttäuscht von meiner Partei, den Grünen.
Ohne sich richtig zu informieren, springen sie auf den Populismuszug auf und machen sich so zum Handlanger von Wirtschaft und Ursula von der Leyen und helfen dabei eine "marktkonforme Demokratie" ( Zitat Angela Merkel) zu installieren.
Sylvia Tödter
20-05-12 20:51
Ich schließe mich voll und ganz meiner Vorrednerin an. Ich habe vier Kinder. Die Kinder haben mein Mann und ich nicht bekommen, um sie dann von anderen Menschen, vom Staat, betreuen oder erziehen zu lassen. Meiner Meinung nach gehören kleine Kinder in eine Familie. Zusätzlich ist natürlich jede Entlastung und jeder Kontakt zu anderen Kindern zu unterstützen. Jedes Elternteil sollte über die finanziellen Mittel verfügen, sich frei entscheiden zu können, ob die kleinen Kinder zu Hause erzogen werden sollen, oder auch teilweise im Kindergarten. Mein Mann ist seit vielen Jahren Hausmann, ich bin berufstätig. Die Eltern sollten ein Betreuungsgeld erhalten und es frei einsetzen können. Einige Eltern werden das Geld für persönliche Interessen anlegen, aber dies ist ein ganz anderes Problem und hat mit der Sozialisation dieser Menschen in unserer Gesellschaft zu tun. Darum sollte in solchen Fällen den Familien auf ganz andere Weise geholfen werden. Ich gehe also in diesem Punkt nicht einig mit meiner Partei. Es fällt mir schwer, meine persönliche Sichtweise hintenan zu stellen.
Mit freundlichen Grüßen


Mit freundlichen Grüßen
Dreker
08-05-12 19:45
Sehr geehrtes Team,

in der Frauenpolitik läuft leider etwas falsch und ich ärger mich darüber.

In den meisten Familien ist es gewünscht die Kinder (gerade in den ersten Jahren) selbst betreuen. Die Politik sollte hier unterstützen.
Dabei ist egal wer diese Aufgabe übernimmt (Mann/Frau).

Die Familienzeiten ermöglichen und einen Wiedereinstieg fördern. Die Einkommenverluste die aus möglichen Lücken entstehen sind nur bedingt wichtig.

Die Entlassung aus der Familie ind die Betreuung halte ich nicht für wertvoll. Weder Kindergärten noch Schulen sind so ausgestattet, dass sie einer ordentlichen Familie gerecht werden können. Wenn das eine echte Alternative werden soll, gibt es hier noch sehr viel Investitionsbedarf (z.B. mehr Personal). Denn solange Personalnotstand in diesen Institutionen herrscht ist Qualität nicht Standard.

Frauenfreundlich wäre z. B. der Wiedereinsteigerin eine Chance auf eine qualifizierten Wiedereinstieg zu ermöglichen. Gelder hierfür sind leider gestrichen worden. Gefördert werden nur noch Maßnahmen im Niedriglohnsektor (z. B. Altenpflege).

Alles meilenweit entfernt von Gleichberechtigung.

Es wird Zeit, dass Politik dafür sorgt, dass die Arbeit zuhause Anerkennung findet, völlig unabhänig wer sie leistet. Denn Erziehungsarbeit und Hausarbeit ist eine Leistung, die niemand nebenbei leisten kann (sofern er diese Aufgabe ernst nimmt. Hier haben wir im Sinne von Gleichberechtigung einmal anfangen. Hier haben wir aufgegeben. Denn nun soll Frau für Geld arbeiten und nebenbei Kinder erziehen und einen Haushalat führen. Das ist der goldene Wurf.

Außerdem findet all das was ich mir in der Familienzeit an Kenntnissen angeeignet habe,nirgendwo Anerkennung, auch dann nicht wenn ich es nun beruflich nutzen wollte z.B. Ausbildung zur Erzieherung o. ä.

Man behandelt mich so, als hätte ich nichts getan, wäre seit dem Tag X verblödet. Hier sollte Gleichberechtigung ansetzen. Wir müssen uns verabschieden, von alle gehen Vollzeit arbeiten und geben ihre Kinder in die Ganztagsbetreuung. An der Basis will das niemand, außer er muss, weil ihm das Geld ausgeht.

Mit freundlichen Grüßen

B. Dreker
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