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Mind the gap

"Eine Frau, die nach einer Familienphase wieder in den Beruf einsteigen will, hat doch ihre berufliche Qualifikation nicht mit der Geburt des Kindes abgegeben", sagt Astrid Rothe-Beinlich im Interview.

gruene.de (CC BY-NC 3.0)
Astrid Rothe-Beinlich, frauenpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

gruene.de: Der Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern liegt in Deutschland aktuell bei weniger als zwei Prozent, sagt das Institut für deutsche Wirtschaft (IW). Dann gibt es also keine Lohnungleichheit?

Astrid Rothe-Beinlich: Das IW bedient sich hier eines methodischen Tricks. Ohne diesen Trick käme auch diese Studie zu einem Lohnunterschied von mindestens 21 Prozent. Die strukturellen, diskriminierenden Gründe, die eine Lohnlücke entstehen lassen, wurden in der Studie kurzerhand herausgerechnet. Es gibt keinen Grund, Teilzeitbeschäftigte schlechter zu bezahlen, als Angestellte mit Vollzeitjobs. Eine Frau, die nach einer Familienphase wieder in den Beruf einsteigen will, hat doch ihre berufliche Qualifikation nicht mit der Geburt des Kindes abgegeben. Und die Erzieherin, Hebamme oder Krankenpflegerin kann auch nichts dafür, wenn sie für ihre wichtige Arbeit weniger Lohn bekommt als ein Fahrzeugmechatroniker. Und dem gilt es umfänglich zu begegnen.

Wie wollen die Grünen dem begegnen?

Unsere Fraktion hat einen Antrag für ein Entgeltgleichheitsgesetz in den Bundestag eingebracht, und wir setzen uns zusätzlich für ein Gleichstellungsgesetz in der Privatwirtschaft ein. Außerdem braucht es dringend den gesetzlichen Mindestlohn. Ein derart vielschichtiges Problem muss eben an allen relevanten Stellen angegangen werden. Wichtig ist nur: Wir müssen jetzt etwas tun!

Angelehnt an die IW-Studie titelt der aktuelle Focus „Wir wollen keine Frauenquote“. Zwölf privilegierte Frauen, unter ihnen Bundesfrauenministerin Kristina Schröder, sprechen sich gegen „Staatsdiktat und Gleichmacherei“ aus. Frauen wollten nicht „an die Spitze gehätschelt werden“, heißt es. Ist das wirklich der Kern des Problems?

Ganz im Gegenteil, der Kern des Problems liegt in der Tat viel tiefer. Auch wenn Frauen gleich gut qualifiziert sind, können sie oft die gläserne Decke nicht durchstoßen. Dass Karriere nur mit Leistung und Qualifikation zu tun hat, ist ein längst widerlegter Mythos. Eine entscheidende Rolle spielt dabei, dass Männer oft nur Männer in Gremien berufen oder fördern, weil sie sich möglichst mit "Gleichgesinnten" umgeben. Männer scheinen ihnen verlässlicher, weil bekannter. Hinzu kommt, dass Frauen mit Familie, unabhängig davon, wie sie ihr Familienleben geregelt haben, nicht zugetraut wird, sich auf ihren Job zu konzentrieren. Bei Männern scheint das nicht der Fall zu sein. Eine Quote hat nichts mit verhätscheln zu tun, sie erleichtert den Einstieg beziehungsweise gleicht Nachteile und strukturelle Hindernisse aus. Bewähren müssen sich die Frauen in ihrem Job dann genauso, wenn nicht noch mehr. Nicht zuletzt bedeutet eine Quote im Vorstand oder im Aufsichtsrat, dass auch auf den Ebenen darunter Frauen gefördert werden müssen. Übrigens: Wenn man bei "hätscheln" an Kinder denkt, liegt man gar nicht so falsch. Fünf der zwölf Frauen in der Focus-Geschichte sind entweder als Erbinnen oder über Familienbande zu Chefinnen geworden. Sie sind also mehr oder weniger qua Geburt an ihre Position gekommen.

Frauen benachteiligen sich doch eigentlich selbst, weil sie sich eigenmächtig dafür entscheiden, Kinder zu bekommen, in Babypausen zu verschwinden, Teilzeit zu arbeiten und Studienfächer und Ausbildungen mit geringen Karrierechancen auszusuchen. Was ist die logische Schlussfolgerung?

Nun, die logische Schlussfolgerung hieße ja: Keine Kinder mehr und auch keine Krankenpflegerinnen und Erzieherinnen - weil alle Frauen jetzt Maurerinnen oder Computerspezialistinnen werden. Das zeigt die Absurdität dieses zynischen Vorwurfs. Der Bedarf gerade in den Pflegeberufen steigt immer mehr. Es braucht hier eine höhere Anerkennung von Arbeit mit Menschen und vor allem existenzsichernde, anerkennende Löhne und mehr Männer, die sich für bislang sogenannte Frauenberufe entscheiden. Gleichzeitig wissen wir, dass viele Männer und Frauen mit Kindern leben und zugleich erfolgreich im Beruf sein wollen. Und der überwiegende Teil der Menschen will sich auch die Familienarbeit partnerschaftlich teilen. Dafür müssen wir die Voraussetzungen schaffen: Durch gleichen Lohn, durch eine Frauenquote, die Frauen auch im unteren und mittleren Management zu Gute kommt, durch ein Rückkehrrecht in Vollzeit nach Auszeiten im Berufsleben und natürlich durch die Basis: eine gute, verlässliche und flächendeckende Betreuungs- und Bildungsinfrastruktur, die Eltern überhaupt erst ermöglicht, Familie und Beruf zu vereinbaren und sich die Sorgearbeit partnerschaftlich zu teilen. Außerdem braucht es ein Nachdenken über Zeitpolitik – für Frauen und Männer gleichermaßen.

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Wir sind noch zu wenig Frauen

Am Frauentag startet eine Mitgliederkampagne speziell für Frauen. Astrid Rothe-Beinlich im Interview über Politik machen, Quote und Macht.

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Meilensteine der Frauenbewegung

146 Jahre Frauenbewegung. Unsere Chronik zeigt die entscheidenden Momente. Was wurde erreicht, was gibt es noch zu tun?

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Frauen machen Programm

Im März tagte der Bundesfrauenrat und diskutierte das grüne Wahlprogramm.

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83 Tage länger arbeiten fürs gleiche Geld

Gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit von Frauen und Männern ist immer noch nicht erreicht. Daran erinnert wieder der Equal Pay Day.

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Aktive Frauen auf allen Ebenen

Seit 1986 ist das Frauenstatut Teil der grünen Satzung. Seitdem ist es ein effektives Instrument für Geschlechterdemokratie.

Kommentare

Michael Wolf
23-01-13 19:21
Mit dem Schönrechnen von Studien für eigene Zwecke kennen sich Feministinnen doch ebenfalls bestens aus. Sie predigen seit Jahren von einer angeblichen Lohnungleichheit von 25%, obwohl das nachweislich falsch ist! Mich würde mal brennend interessieren was Frau Rothe-Beinlich zu DIESER Zahl zu sagen hat?! Gleichberechtigung ist ein völlig legitimes Ziel, aber durch Lug und Trug sind noch nie stabile Fundamente gesetzt worden. Die feministische Propaganda über die angeblich ach so große Lohnungleichheit erweist sich nun als Bumerang.
Jens
21-01-13 15:19
An Reinhard
am Besten wäre es wenn ein Unternehmer selbst entscheidet, wen er einstellt, nach seinen eigenen Bedürfnissen und nach seinen eigenen Erfahrungen. Und wenn er was gegen XYZ hat, warum nicht? Ist doch seine Sache. So mancher Muslim stellt vielleicht keine Ungläubigen ein. Na und - soll er doch.
Felix
21-01-13 14:50
Also, die Quintessenz dieses Artikels liest sich m. E. folgendermaßen:

Wenn ein Beruf, den vornehmlich Frauen machen, schlechter bezahlt wird, als einer den größtenteils Männer bevorzugen, liegt es nicht an der Nachfrage und ist auch kein selbstgewähltest Schicksal, sondern frauenfeindlich...

Ganz schön absurd!
Reinhard Wartenhorst
20-01-13 17:23
Liebe Astrid!

Ich stelle nicht in Abrede, dass es Arbeitgeber gibt, die bei Einstellungen diskriminieren. Davon sind allerdings nicht alleine Frauen betroffen. Ebenso würden Analysen ergeben, dass Migranten oder Bewerber mit Migrationshintergrund, Behinderte, ältere Bewerber und weitere Gruppen ebenso benachteiligt werden. Statt sich auf eine Benachteiliung von Frauen selektiv zu fokussieren, wäre es angemessener dieses allgemeine Phänomen zu diskutieren - und auch einmal herauszustellen, dass das nicht mehr dem gelebten Standard in Deutschland entspricht.

Denn für viele Unternehmen trifft der Vorwurf, bei Einstellungen und Beförderungen unsachlich zu selektieren einfach nicht mehr zu: Das kann sich ein Unternehmen nicht mehr erlauben. Denn wer einen besser qualifizierten Bewerber aufgrund seines Geschlechts abweist, wird diesen Bewerber demnächst beim Wettbewerb sitzen haben. Bei Einstellungsgesprächen, die ich selbst geführt habe, spielte die Geschlechtszugehörigkeit nie eine Rolle. Ich bin da keine Ausnahme. (Übrigens: Im Bereich HR finden sich ausgesprochen viele Frauen, die zumindest die Bewerbungsgespräche als Personalreferent begleiten und Anstellungen mitentscheiden.)

Ebenso wurde bei Gehaltsverhandlungen oder Befürderungen nie das Geschlecht in Betracht gezogen. Wenn allerdings eine Mitarbeiterin aus der Elternzeit zurückkam, war es für mich ebenso selbstverständlich, dass hier nicht die Gehaltsanpassungen von bis zu drei Jahren ausgeglichen werden können! Die Kollegen und Kolleginnen dieser Mitarbeiterin hatten sich in der Zwischenzeit weiter qualifiziert und Leistungen für das Unternehmen erbracht. Hier aufgrund der Elterzeit, die noch immer eine freiwillige Anspruchnahme ist, diese Kollegen dadurch zu benachteiligen, dass Gehälter angeglichen werden, bleibt abzulehnen weil es unfair wäre.

Genau so können Gehäter für Mechatroniker, Pfleger oder Angestellte nicht pauschal miteinander verglichen werden oder die Behauptung aufgestellt werden, dass Einkommensnachteile aufgrund der eigenen Berufswahl eine Diskriminierung von Frauen zementierten. Mein Vorschlag: Werdet Mechatroniker, E-Techniker und IT-Fachkräfte. Je weniger Bewerber Erzieher und Pfleger werden, um so höhere Gehälter werden für diese Jobs gezahlt werden müssen um wieder attraktiv zu werden.

Gruß
Reinhard
h.g.
19-01-13 13:20
@ Es ist ein Irrglaube, dass Personen mit sehr guten Abschlüssen automatisch beser qualifiziert sind und infolge dessen leichter einen Job finden. In meiner lanjährigen Berufserfahrung konnte ich immer wieder feststellen, dass Personen, die sich so mit Ach und Krach durch Schule, Ausbildung o.ä. durchgewurstelt haben, also meistens "mit dem Rücken zur Wand standen" und gelernt haben sich duchzukämpfen, wesentlich "alltagstauglicher" waren, wobei es keine Rolle spielte, ob es sich um weibliche, oder männliche Personen handelte. Gerade diese, in den meisten Fällen mit einer erhöhten Emotionalen Intelligenz ausgestatten Menschen, sind für Unternehmen oft weitaus nützlicher, als solche die mit tollen Abschlüssen punkten wollen. Ob Frau oder Mann spielte nach meinen Erfahrungen hierbei keine Rolle. Das @Heike "nicht in unser Bewerberprofil passt" wird wohl andere Ursachen haben. Wer es wohl nötig hat, mehere Rhetorkseminare zu besuchen und auch noch, s.o. daraufhin weist, zeigt bereits einen leichten Defizit auf.
Zudem offenbart sie, m.E. ein leicht gestörtes Geschlechterverhältnis und wirft mit Mutmaßungen um sich, welche ich während meiner langjährigen Berufserfahrung,
z.T. auch als Ausbilder nicht festgestellt habe. Noch einmal, sehr gute Noten bedeuten nciht unbedingt, dass man per se bestens für einen Job qualifiziert ist und die Wirklichkeit sieht anders, als von @Heike beschrieben aus. Vieleicht liegt es an ihrer Einstellung, an ihrem Verhalten oder Wortwahl, oder u.a. auch noch an denen, von @Gast beschrieben Gründen. Im übrigen geht es nicht nur Frauen bei der Arbeitsuche, so wie Ihnen, sondern auch Männer sind davon betroffen.
Gast
18-01-13 13:44
An Heike,
Denk mal dran wer mit schuldig ist an der Arbeitsplatzmisere. Wer hat denn mit seinen folgenden Forderungen ein Überangebot an Arbeitskräften erzeugt und damit auch Dir die Chancen vermasselt?
- alle Frauen sollen Arbeiten gehen (Überangebot auf dem Arbeitsmarkt)
- Globalisierung (Verlagerung der Arbeit in die billigsten Länder)
- Europäische Freizügigkeit (alle Europäer dürfen jetzt Deinen Job machen)
- Eurorettung und damit Niedergang und Arbeitslosigkeit der südl. Euroländer (Auswanderungsdruck nach Norden)
Diese Forderungen und Folgen hast Du den lieben Grünen zu verdanken. Denk mal darüber nach.
Heike
17-01-13 20:00
Ich kann Frau Rothe-Beinlich nur zustimmen. Aus eigener Erfahrung. Ich habe meine Ausbildung mit sehr guten Noten abgeschlossen, im Anschluss im Abendstudium den Betriebswirt (auch sehr gut abgeschlossen) neben meinem Vollzeitjob gemacht. Den Ausbilderschein gemacht, mehrere Rhetorikseminare besucht, spreche 4 Sprachen und bekomme als Frau mit fast 30 Jahren keine neue Stelle bzw. keine Stelle, die meinen Qualifikationen entspricht. Bei Bewerbungen, in denen ich alle Ausschreibungspunkte erfülle, bekomme ich Absagen mit der Bemerkung "Sie passen leider nicht in unser Bewerberprofil.". Warum wohl? Weil ich Ende 20 und verheiratet bin. Da bin ich für jeden Arbeitgeber eine "tickende Zeitbombe". Ich bin ja potentiell schwanger... Aber man lädt mich ja noch nicht einmal zum Bewerbungsgespräch ein. Da könnte ich denen dann endlich mal erklären, dass es heutzutage auch Familien gibt in denen der Mann Hausmann ist. Ja, soetwas soll es tatsächlich geben!!! Wäre ich ein Mann, hätte ich schon lange eine super Stelle... DAS ist die Wirklichkeit!
Volker
17-01-13 01:59
Frauen sind nur in ganz bestimmten Bereichen finanziell schlechter gestellt, bei gleicher Qualifikation....

Übrigens meine Lebenspartnerin ist Angestellte und verdient wesentlich mehr als ich (Facharbeiter)

Aber mit diesem Thema kann man weibliche Wählerstimmen abschöpfen...und sich beliebt machen.

Macht mal weiter mit eurem Gender Mainstream...ich bezweifle das die Gesellschaft damit besser wird.......
h.g.
16-01-13 21:58
Frau Astrid Rothe-Beinlich behauptes folgendes: Das IW bedient sich hier eines methodischen Tricks. Ohne diesen Trick käme auch diese Studie zu einem Lohnunterschied von mindestens 21 Prozent.
Wenn es so wäre, bedienen sich nicht die Grünen ständig eines Tricks, um auf die 21% zu kommen. Die Realität sieht sieht nun einmal so aus aus. Viele Frauen arbeiten auf 400€ Basis, halbtags u.ä. Modellen. So kommt man statistisch gesehen locker auf die behaupteten 21%. In einer Demokratie soltte jeder Betrieb, Gesellschaft, jeder Arbeitgeber selbst entscheiden, wen er in Führungspositionen einsetzten will.
Eine, wie auch immer geartete Quote, ist der Anfang einer Diktatur. Da Frauen und Männer trotz aller Bemühungen der Grünen nun einmal nicht gleich sein können, da es selbst den Grünen kaum gelingen wird die biologischen Unterschiede zu neutralisieren, könne Frauen nicht in allen Berufen mit Männern gleichgeschaltet werden.
Des weiteren scheint mir, dass im Zeichen des Wahlkampfs die Grünen mal wieder Frauen und Männer gegeneinander hetzen wollen um die Frauen als Wähler (pardon, femin. korrekt und albern, Wählerinnen) für sich zu gewinnen.
Jens
16-01-13 17:20
@ Gast
Dem kann ich nur zustimmen. Wie sagte bereits Nicholas Rockefeller:
“Der Feminismus ist unsere Erfindung aus zwei Gründen. Vorher zahlte nur die Hälfte der Bevölkerung Steuern, jetzt fast alle weil die Frauen arbeiten gehen. Ausserdem wurde damit die Familie zerstört und wir haben dadurch die Macht über die Kinder erhalten. Sie sind unter Kontrolle unserer Medien und bekommen unserer Botschaft eingetrichtert, stehen nicht mehr unter dem Einfluss der intakten Familie. In dem wir die Frauen gegen die Männer aufhetzen und die Partnerschaft und die Gemeinschaft der Familie zerstören, haben wir eine kaputte Gesellschaft aus Egoisten geschaffen, die arbeiten (für die angebliche Karriere), konsumieren (Mode, Schönheit, Marken), dadurch unsere Sklaven sind und es dann auch noch gut finden.”
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