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Männerdominanz ist Innovationshemmnis

Im Drei-Fragen-Interview äußert sich Astrid Rothe-Beinlich, frauenpolitische Sprecherin des Bundesvorstands der Grünen, über die Frauenquote in Führungsetagen und die Effektivität von gemischten Führungsteams.

Astrid Rothe-Beinlich, frauenpolitische Sprecherin des Bundesvorstands.

Die Forderung nach einer Quote für Frauen in den Führungsetagen der Deutschen Wirtschaft und in den Aufsichtsräten wird derzeit medial sehr breit aufgegriffen. Ist das nur ein flüchtiger Hype oder gar ein vorgezogenes Sommerlochthema?
Wir Grünen freuen uns natürlich, dass dieses Thema jetzt auch in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert wird, schließlich fordern wir eine solche Quote schon seit vielen Jahren. Norwegen ist mit einer gesetzlichen 40-Prozent-Quote für die Aufsichtsräte der größten Unternehmen vorangegangen. Das Thema bleibt daher auch in Deutschland auf der Tagesordnung und wird noch für sehr viel Diskussion sorgen. Es muss endlich etwas geschehen, um das skandalöse Missverhältnis zwischen Frauen und Männern in deutschen Führungsetagen zu beseitigen. Das Bewusstsein dafür wächst, selbst bei konservativen PolitikerInnen, wie der Beschluss der Konferenz der JustizministerInnen der Länder gezeigt hat. Aber während immer mehr europäische Länder das Heft des Handelns in die Hand nehmen und gesetzliche Vorschriften erlassen, legt Ministerin Schröder die Hände in den Schoß und belässt es bei freiwilligen Vereinbarungen, die bereits in den letzten Jahren nichts gebracht haben.

Warum ist den Grünen eine Frauenquote in der Wirtschaft so wichtig, sollte das die Wirtschaft nicht alleine regeln?
Für uns ist die gleiche Repräsentanz von Männern und Frauen in Führungspositionen auch in der Wirtschaft natürlich eine Frage der Gerechtigkeit. Wir wollen, dass alle Menschen – Frauen und Männer – die gleichen Chancen bekommen, in wirtschaftliche Entscheidungspositionen vorzustoßen. Darüber hinaus ist die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen auch eine Frage des wirtschaftlichen Erfolgs. Denn die Männerdominanz in den Aufsichtsräten und Vorständen stellt vor allem ein Innovationshemmnis dar. Keine Gesellschaft kann es sich erlauben, das Wissen und das Können gut qualifizierter Frauen nicht zu nutzen. Studien haben gezeigt, dass gemischte Führungsteams besser arbeiten, da sie mehr Sichtweisen für Problemlösungen und Konzeptentwicklung  zur Verfügung haben.

Reicht eine gesetzliche Quotenregelung aus? Welche Alternative gibt es denn?
Der Vorteil einer Quote ist, dass sie die Verantwortung an die Unternehmen gibt und gleichzeitig viel Spielraum in der Gestaltung lässt. Die Unternehmen sind dann selbst gefordert nach geeigneten Kandidatinnen Ausschau zu halten. Datenbanken, in die sich qualifizierte Frauen freiwillig eintragen können, sind bereits im Entstehen. Zudem werden Anreize gesetzt, den eigenen weiblichen Nachwuchs innerhalb des Unternehmens zu fördern und nicht an der gläsernen Decke oder informellen Strukturen, wie den sogenannten „Old-Boys-Networks“ scheitern zu lassen. Mit welchen Maßnahmen sie das erreichen wollen, bleibt den Unternehmen selbst überlassen. Klar ist aber, eine gesetzliche Quote ist das effektivste Mittel um Bewegung in verkrustete Strukturen zu bringen und um gleiche Beteiligung abzusichern. Freiwillige Vereinbarungen hingegen sind zahnlose Tiger, das haben die letzten Jahre deutlich gezeigt. Eine Quote kann aber natürlich nicht alle Probleme von Frauen auf dem Arbeitsmarkt lösen. Deshalb fordern wir ein umfassendes Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft sowie eine andere Unternehmens- und Arbeitskultur. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf  ist nicht nur eine Frage der Kinderbetreuungseinrichtungen, sondern auch eine Frage der Zeitpolitik und der Unternehmensstruktur.