Die Karte der Ungerechtigkeit

Männer und Frauen sind auf dem Arbeitsmarkt gleichberechtigt? Wir zeigen die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern in der EU - von Gleichstellung kann nicht die Rede sein

Die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern in der EU. Klicke hier für die Großansicht

Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt?

"Da gibt es keinen gesetzgeberischen Handlungsbedarf", sagte Dr. Achim Dercks Anfang dieses Jahres. Herr Dercks ist stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Er sprach während einer Anhörung im Familienausschuss des Bundestages über die ungleichen Löhne von Männern und Frauen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich in einem Interview mit der Zeitschrift EMMA gegen rechtliche Konsequenzen aus - obwohl ihr durchaus bewusst sei, dass Frauen im Schnitt immer noch bis zu 10 Prozent weniger verdienen als Männer. Sie wolle höchstens "von seiten der Politik immer wieder mahnen und Druck machen.”"

Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt

Kein Handlungsbedarf Frau Merkel, Herr Dercks? Unsere Karte zeichnet ein ganz anderes Bild. So traurig wie in Deutschland ist es in keiner anderen Industrienation Europas um die Gleichbehandlung von Männern und Frauen bestellt. Schlechter sind die Verhältnisse nur noch in Zypern, Estland und der Slowakei.

Warum das so ist? Dafür gibt es viele Gründe. Zum Beispiel werden typische Frauenberufe prinzipiell schlechter bezahlt als typische Männerberufe.

Programm 2009

Ursachen für mangelnde Gleichberechtigung

Häufig ist die Ursache in den unterschiedlichen Erwerbsbiografien zu finden. Frauen erziehen die Kinder und führen den Haushalt. Deshalb arbeiten sie häufig in Teilzeit. Teilzeit bedeutet: niedrigerer Lohn, weniger Berufserfahrung, geringere Aufstiegschancen. In der Folge verstärkt sich die traditionelle Rollenverteilung. Der Mann hat den Vollzeitjob, verdient mehr Geld, steigt auf.

Die zweite Ursache für den geringeren Verdienst von Frauen: Sie arbeiten in Berufen, die schlechter bezahlt sind als die typischen Männerdomänen. Eine Krankenschwester oder Altenpflegerin hat körperlich und geistig schwere Arbeit zu leisten. Ihre Tätigkeiten werden nicht angemessen entlohnt. Die Rechtslage macht es Frauen nicht einfacher. Es gibt kein Gleichstellungsgesetz, auf dessen Grundlage Frauen Gerechtigkeit einfordern können. Und wenn sie den Gang vor den Kadi wagen, folgt Problem Nummer zwei: Lohndiskriminierung stichhaltig nachzuweisen, ist fast unmöglich. Deshalb ziehen zuwenig Frauen in den Kampf für gerechte Bezahlung.

Mittel gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz

Kampf und Durchsetzungsvermögen sind auch bei Gehaltsverhandlungen nötig. Doch darin schlagen sich Männer häufig erfolgreicher als Frauen. Frauen sind in ihrem Verhalten konsensorientierter und weniger aggressiv.

Nicht natürlicherweise, denn solche Unterschiede zwischen Mann und Frau entstehen durch Sozialisation, also Erziehung, Medien, gesellschaftliche Normen und persönliche Erfahrungen. Sozialisation prägt ebenso das männliche Verhalten, bewusst oder unbewusst. Häufig befördert ein Chef bei gleicher Bezahlung eher einen Mann. Und so bleiben die Vorstandsvorsitzenden unter sich.

Diese Faktoren bilden einen Kreislauf, der nur schwer zu durchbrechen ist.

Was wir für mehr Gleichstellung tun wollen

Kann es sein, dass auch nach 50 Jahren Kampf für die Gleichberechtigung niemand in der Lage ist, gleiche Löhne für Frauen und Männer durchzusetzen? Nicht die Wirtschaft, nicht die Gesellschaft und auch nicht der Staat?

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen das nicht länger hinnehmen. Wir fordern:

  • Gleiche Löhne für Männer und Frauen - und nicht nur Lippenbekenntnisse wie die der SPD
  • ein Verbandsklagerecht, das es Frauen leichter macht, Lohngerechtigkeit einzuklagen
  • Unternehmen, die flexible Arbeitsmodelle und gerechte Lohnverhältnisse zwischen Mann und Frau schaffen, sollten bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bevorzugt behandelt werden
  • Damit Familie und Beruf endlich miteinander vereinbar sind, brauchen wir außerdem mehr Kitas, einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem 1.Lebensjahr und ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen
  • Und als wirksamste Maßnahme: Eine Frauenquote. Um die Weitergabe der Chefposten von Männerhand zu Männerhand zu stoppen

https://www.wwresource.de/b90gruene/step2.php

Hintergrundinformationen als PDF:

Dokumentation der Bundesfrauenkonferenz

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Dafür: Gleichberechtigung

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Liebe Frauen, liebe Männer,

Das Geschlecht sollte nicht von Bedeutung sein - nicht im Job, nicht im Alltag. Was wir für euch verändern wollen

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Gleicher Lohn, gleiche Arbeit

Wie erreichen wir wirkliche Gleichberechtigung? Unsere Spitzenfrauen antworten

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Familie

Kinder und Familien stehen im Mittelpunkt unserer Politik. Familie ist für uns da, wo Kinder sind.

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Schlecht angesehen, schlecht bezahlt

Die wichtige und schwere Arbeit von Pflegenden muss endlich die Anerkennung erhalten, die sie verdient.

Kommentare

Sven
09-07-09 14:02
Hallo Hartmut,
Du schreibst; "Und es ist m.E. auch immer noch so, dass es biologische Unterschiede zwischen Frau und Mann gibt. Und das ist auch gut so!"

Das mag sein, aber diese Unterschiede bedeuten ja nicht, dass Männer die besseren Chefs sind. Erfahrung aus meinem Berufsleben: Ganz im Gegenteil!

Ich sehe eine reine Quote auch als zweitbeste Lösung, aber dass wir etwas tun müssen ist klar.
Hartmut
09-07-09 12:50
Gleichberechtigung ist wichtig, keine Frage.
Es ist auch nicht einzusehen, warum bei gleicher Arbeit ungleich gezahlt werden soll.
Aber wann hört man endlich auf alles was mal schwarz war nun in weiß umzuwandeln. Das wäre doch genauso falsch.
Ich kann dem Problem doch nicht mit einer Frauenquote auf Chefsesseln begegnen. Und es ist m.E. auch immer noch so, dass es biologische Unterschiede zwischen Frau und Mann gibt. Und das ist auch gut so!
Christian
04-06-09 12:17
"Kein Handlungsbedarf? Unsere Karte zeichnet ein ganz anderes Bild. So traurig wie in Deutschland ist es in keiner anderen Industrienation Europas um die Gleichbehandlung von Männern und Frauen bestellt. Schlechter sind die Verhältnisse nur noch in Zypern, Estland und der Slowakei."

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