♀ = ♂ - 23 Prozent

Gemeinsam mit vielen Menschen, die sich dem Aktionsbündnis angeschlossen haben, protestieren wir am heutigen Equal Pay Day gegen die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern. In Deutschland herrscht eine Lohnlücke von 23 Prozent zulasten der Frauen das wollen und werden wir uns nicht länger bieten lassen.

Kundgebung zum equal pay day,- am Brandenburger Tor in Berlin, Foto: gruene.de

Trotz aller Appelle und Selbstverpflichtungen in den letzten Jahren – geändert hat sich an dieser Ungerechtigkeit nichts. Ministerin Schröder weigert sich konkret zu werden, die Kanzlerin windet sich und lässt ihrer Rhetorik keine Taten folgen. Die Bundesregierung darf nicht länger die Hände in den Schoß legen sondern muss zügig und entschlossen handeln.

„Wir brauchen endlich verbindliche gesetzliche Regelungen, die ernst machen mit den gleichen Chancen am Arbeitsmarkt“, sagt Astrid-Rothe-Beinlich. „Wir fordern ein umfassendes Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft, das mit Personalentwicklungsplänen und Vergaberichtlinien klare Vorgaben für die Unternehmen festlegt und gleichzeitig mit einem Verbandsklagerecht konkrete Unterstützung für die Betroffenen beinhaltet“, so die frauenpolitische Sprecherin des grünen Bundesvorstands.

Die grüne Bundesvorsitzende Claudia Roth fügt hinzu: „Geschlechtergerechte Arbeitsbewertungssysteme sind dafür ebenso notwendig, wie ein gesetzlicher Mindestlohn, die Abschaffung der Minijobs, eine eigenständige Existenzsicherung und eine Arbeitszeitpolitik, die es Frauen und Männern ermöglicht, Privatleben und Beruf zu vereinbaren und Aufgaben gerecht zu teilen."

Lohngleichheit - um was geht es?

Bereits vor 50 Jahren haben die Gründungsstaaten der EU in den Römischen Verträgen das Ziel der Lohngleichheit vorgegeben. Bis heute ist sie nirgendwo in der EU erreicht. Frauen erhalten überall in Europa immer noch weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen, selbst wenn sie eine gleichwertige Arbeit verrichten. Dabei ist ein großer Teil der Einkommensunterschiede auf die indirekte Diskriminierung von Frauen in der Arbeitswelt zurückzuführen. Aber während andere europäische Länder wie Frankreich und Spanien begonnen haben, mit gesetzlichen Maßnahmen dagegen anzugehen, legt schwarz-gelb die Hände in den Schoß. Dabei hätte die Bundesregierung allen Grund zu handeln: Deutschland liegt mit 23% Lohndifferenz nach wie vor auf einem der letzten Plätze in Europa!

Wir sagen, es ist höchste Zeit, sich für effektive und gesetzliche Maßnahmen zur Lohngerechtigkeit von Frauen und Männern einzusetzen.

Frauen am Arbeitsmarkt

Frauen haben ein Recht auf gleiche Chancen im Erwerbsleben, dennoch arbeiten sie wesentlich häufiger zu Löhnen und in Abeitsverhältnissen, die kein ausreichendes Einkommen bieten. Das Modell des Alleinernährers mit zuverdienender Ehefrau, das diese Tendenz befördert, ist längst nicht mehr zeitgemäß. Frauen wollen beides: eigenständige Sicherung durch Erwerbsarbeit und Familie. Grundvoraussetzung dafür ist eine verlässliche, bezahlbare und qualitativ hochwertige Infrastruktur. Aber auch hoch qualifizierte und allein stehende Frauen sind von Diskriminierungen am Arbeitsplatz und mangelnden Karrierechancen massiv betroffen. Auch in Führungspositionen sind Einkommensunterschiede alltäglich.

Lohndiskriminierung lohnt sich nicht

Niedrige Löhne und veraltete steuerrechtliche Regelungen wie das Ehegattensplitting grenzen Frauen aus dem Erwerbsleben aus und behindern ihre eigenständige Existenzsicherung - mit fatalen Folgen nicht nur für unsere Sozialsysteme. Wir wissen: wenn mehr Frauen existenzsichernd arbeiten, bringt das insgesamt positive Beschäftgungseffekte mit sich. Dazu bedarf es aber einer gerechten Bezahlung und einer gerechten Arbeitsteilung in allen Bereichen.

Die Wirtschaft in die Pflicht nehmen

Auch die Wirtschaft ist auf das große Potential gut ausgebildeter Frauen angewiesen. Sie kann es sich nicht leisten, auf diese qualifizierten Fachkräfte zu verzichten. Einzelne gute Beispiele reichen nicht aus. Freiwillige Maßnahmen sind trotz Zusagen der Wirtschaftsverbände wirkungslos geblieben. Wir brauchen endlich ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft. Aber auch die Gewerkschaften sind gefordert, bei Tarifabschlüssen auf eine diskriminierungsfreie und transparente Arbeitsbewertung hinzuwirken, damit die verschiedenen Berufsfelder leistungsgerecht bezahlt werden können.

Frauen in Führungspositionen

Der eklatante Frauenmangel in Führungspositionen der Wirtschaft ist nicht nur ein Gerechtigkeitsproblem, sondern auch volkswirtschaftlich unsinnig. Die herrschende Männerdominanz in Führungsetagen ist ein Hindernis für Innovation und Entwicklung. Deshalb fordern wir nach norwegischem Vorbild eine 50 Prozent Quote für jedes Geschlecht in den Aufsichtsräten - für frischen Wind und bessere Kontrolle.

Was wir wollen - Was wir tun:

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern die eigenständige Existenzsicherung von Frauen. Dafür wollen wir an verschiedenen Stellen ansetzen:

Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit

Frauenspezifische Berufe müssen ihren tatsächlichen Anforderungen entsprechend bezahlt und bewertet werden. Wir streiten für ein Verbandsklagerecht, damit Lohnungleichheit nicht nur durch individuell eingereichte Klagen gerichtlich bekämpft werden kann.

Mindestlohn

Frauen arbeiten häufiger im Niedriglohnbereich und in prekärer Beschäftigung. Diesen Frauen würde ein gesetzlicher Mindestlohn besonders zugute kommen und dazu beitragen, die Lohnschere zu schließen.

Berufswahlverhalten ändern

Wir fordern eine Berufsberatung, die Mädchen und Jungen bereits in der Schule ermutigt, Berufe mit Zukunft und Aufstiegschancen, auch jenseits der klassischen Rollenbilder zu ergreifen.

Frauen auf die Chefsessel

Wir wollen mehr Frauen in Führungspositionen. Als ersten Schritt fordern wir deshalb eine Quote für Aufsichtsräte. Auch in Führungspositionen sind flexiblere und moderne Arbeitszeitmodelle gefragt. Wir brauchen mehr Maßnahmen und Qualifizierung, um den Einstieg in den Beruf nach einer Familienphase zu erleichtern. Unternehmen, die Gleichstellung aktiv fördern, sollen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bevorzugt behandelt werden.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Wir brauchen endlich ein verlässliches Netz an Infrastruktur, um allen Menschen mit Familienpflichten eine Berufstätigkeit zu ermöglichen und sie so in die Lage zu versetzen für ihren Lebensunterhalt selbst aufzukommen.

Ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft

Wir wollen uns nicht länger auf unverbindliche Zusagen und Appelle verlassen. Wir fordern gesetzliche Rahmenbedingungen, die die Unternehmen in die Pflicht nehmen und die Betroffenen bei der Durchsetzung ihrer Rechte stärken.


Beschluss des Länderrats in Mainz, 19. März 2011

Die Hälfte der Macht – für eine verbindliche Quote in der Wirtschaft (PDF)

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83 Tage länger arbeiten fürs gleiche Geld

Gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit von Frauen und Männern ist immer noch nicht erreicht. Daran erinnert wieder der Equal Pay Day.

Frauenpolitik in der Wirtschaftskrise

Die Chance nutzen: Für ein Aufbrechen traditioneller Rollenbilder

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Was zu tun bleibt

Auch wenn die Frauenbewegung viel erreicht hat ist sie noch lange nicht am Ziel.

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Männerdominanz ist Innovationshemmnis

Astrid Rothe-Beinlich fordert, das Missverhältnis zwischen Frauen und Männern in deutschen Führungsetagen zu beseitigen.

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Teilzeit? Nur freiwillig und abgesichert!

Annelie Buntenbach (DGB) über die Probleme von Teilzeitbeschäftigung und die längst überfällige Aufwertung von Care-Arbeit.

Kommentare

Reinhard Wartenhorst
24-07-12 14:55
Liebe Redaktion,

laut einer Studie des Statistischen Bundesamts betrug die Differenz beim Durchschnittsgehalt der Geschlechter nicht 23 sondern 8%. Als Grund wurde dabei ermittelt, dass viele Frauen nach der Elternzeit in geringer bezahlte Teilzeitjobs ausweichen würden.

Wie kommt es zu diesen Abweichungen in den Zahlen und den Interpretationen? 8% sind ohne Frage "ungleich". Aber auch in Teilzeit beschäftigte Männer würden geringere Löhne erhalten. Ihr solltet also eher die Frage stellen, wieso mehr Frauen als Männer Teilzeitjobs aufnehmen.

Verantwortlich hierfür ist ganz sicher nicht die "Wirtschaft" oder männliche "Seilschaften" sondern das von Männern - aber auch von Frauen! - tradierte Bild, dass Frauen sich um Kinder und Haushalt kümmern.

Ihr stellt einen Zusammenhang wissentlich schief dar um Eure Forderungen "besser" transportieren zu können. Statt dessen solltet Ihr Euch die Frage stellen, ob Ihr mit Euren Forderungen überhaupt mit den Lebensentwürfen derer übereinstimmt, für die Ihr Euch vorgeblich einsetzt: Die Frauen, die sich selbst dazu entscheiden Teilzeit zu arbeiten und sich der Erziehung zu widmen.

Und fragt Euch bitte auch mal, wie diskriminierend und chauvinistisch Ihr in Euren Ansichten über Männer seit, die schon lange nicht mehr ihre Partnerin immer nur untersrücken wollen, ihren Part in der Beziehung mehr als fair erfüllen und im Gegensatz zu Euch ihre Mitmenschen nicht mehr danach einteilen, wer welches Genital trägt.

Wenn etwas der Geschlechtergerechtigkeit entgegensteht, dann sind es angestaubte feministische Kampfparolen, die Menschen nach ihrem Geschlecht beurteilen.

Gruß
Reinhard
Ingrid
15-04-11 10:16
Tja, die Grünen müssen in ihren ERklärungen neben der Änderung des Berufswahlverhaltens auch sagen, daß es volkswirtschaftlich weiter nötig ist, Kranken- und Altenpflegerinnen, hauswirtschaftliche Fachkräfte. Erzieherinnen, Fachpersonal für Nahrungszubereitung auszubilden und den Anforderungen gemäß zu bezahlen. Wo kommen wir denn hin, wenn alle jungen Frauen Mechatroniker werden, dann geht nämlich niemand mehr in o.g. Berufe.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf läßt grüßen und die alten Eltern auch. Bitte vergeßt diese Berufsgruppen nicht.
Erika
13-04-11 22:33
Was machen die Grünen gegen die Leiharbeit?
Die meisten Stellen bei der Agentur für Arbeit (im Bürobereich) laufen über Leiharbeit.

Und davon sind sehr viele Frauen betroffen.

Wann werden diese Leute endlich so bezahlt wie ihre Kollegen im Betrieb, die die gleiche Arbeit machen`?
Klappspaten
31-03-11 02:47
Was steht im Artikel 3 de Grundgesetzes?
Rudi
29-03-11 16:19
Hier geht es wohl weniger um Equal Pay im Allgemeinen. Doch gerade das müsste das oberste Ziel sein. Es sollte als allgemein verbindlich im Grundgesetz verankert werden, dann gibt es auch keine Abweichung mehr durch "Selbstgestrickte" Tarifverträge wie: IGZ und BZA und wie sie noch alle heißen. In der der Metall und der Elektroindustrie gibt es kaum noch normale Arbeitsangebote. Da lohnt sich noch nicht mal mehr der Blick in die Zeitung, es ist absolut frustrierend.
Stefan
27-03-11 12:33
Wenn Frauen für 23% weniger Geld wirklich die gleiche Arbeit wie Männer machen, dann frage ich mich: Welche Personalchefin /Personalchef ist so doof und stellt überhaupt noch Männer ein?

-> traue keiner Statistik, die du nicht selbst "erstellt" hast.
lutz
26-03-11 14:57
hallo,
ich kann euer geschwafel nicht mehr hören. es kommen immer nur irgendwelche sprechblasen, egal ob nun zur gleichberechtigung, umwelt oder eurer sog. friedenspoltik - einfach nur ekliger, verlogener wahlkampf.
zum dem thema hier: wenn wir den sagenhaften fachkräftemangel wirklich hätten - dann wäre dieser wahlkampfmist hier gar nicht nötig! falsch? kein stück, warum finden denn diplombauingenieurinnen(meine frau und dummerweise gebürtige deutsche) mit reichlicher beurfserfahrung in diesem land (berlin) kaum stellen mit einer bezahlung etwas über dem harz 4 satz? bestimmt unglückliche ausnahmen, ich weiß! oder vielleicht macht ihr einfach mal augen udn ohren auf und bekommt dann mit, was den menschen (nicht nur wählern) wirklich wichitg ist.
vielleicht habt ihr einen job für sie wo sie entsprechend bezahlt wird (tarife baugewerbe usw. würden schon völlig reichen, müssen keine diäten sein).
hört bitte einfach mit der verlogenen bauerfängerei auf und werdet vielleicht als erste partei in diesem eu-bundesstaat mal ehrlich!
bis dahin - gruß

lutz

ps: viel spaß mit der ip adresse
Stefan
25-03-11 13:20
Ich kann das Geschwätz nicht mehr hören!
Hört endlich auf, aus Gleichberechtigung Frauen-Mehr-Berechtigung zu machen.
Ich würde gerne mal ein paar Kindergärtner, Grundschullehrer, Hausmänner etc. sehen. Aber DAS lassen die, auch so unterdrückten, Frauen definitiv nicht zu.
Abraham von dem Felde
25-03-11 11:45
♀ ≠ ♂

—basta
malocher
20-04-10 17:02
gleicher lohn ist in ordnung,aber nur bei gleicher arbeit
auch frauen sollen im strasenbau,tunnelbau,bergbau,stahlbau
arbeiten.nicht im büro sondern an der " front".
in hitze und kaelte,hoehe und tiefe.
aber was ich immer lese "fuehrungs positionen".
aber diese forderungen kommen von einer partei deren
mitglieder und fuehrung noch nie mit ihrer haende arbeit
ihren lebensunterhalt verdient haben
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