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In Deutschland verdienen Frauen knapp ein Viertel weniger als ihre männlichen Kollegen. Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland damit den vorletzten Platz ein. Franziska Brantner, grüne Kandidatin für das Europäische Parlament, erklärt das Problem und wie wir diesen Zustand beenden können

Frauen verdienen in Deutschland deutlich weniger als Männer. Woher kommt diese Ungleichheit?
Es gibt mehrere Gründe dafür. Ein wichtiger Faktor ist, dass mehr Frauen als Männer im Niedriglohnsektor arbeiten und in Berufssparten, die der Gesellschaft weniger wert sind und deshalb schlechter bezahlt werden.
Außerdem sind viele Frauen noch immer in der Rolle der Zuverdienerin. Eine arbeitende Mutter ist eine Rabenmutter. Das ist in Frankreich nicht so. Deswegen ist die Lohnspreizung dort viel geringer. Hierzulande unterstützt der Staat das Modell der Zuverdienerin noch, indem er das Ehegattensplitting beibehält und zu wenige gute Kinderbetreuungsplätze ab null Jahren zur Verfügung stellt. Das erklärt auch, warum im Alter die Spreizung der Gehaltsunterschiede immer größer wird.
Warum erreichen Frauen so selten Spitzenpositionen?
Man spricht vom Prinzip der "gläsernen Decke". Frauen sind heute genauso gut ausgebildet, sie haben meistens sogar bessere Abschlüsse. Dennoch landen die wenigsten in Spitzenjobs. Einerseits hindern sie daran männliche Machtsstrukturen, die reproduziert werden. Dazu kommt, dass Frauen oft unter dem Verdacht stehen, eines Tages Kinder bekommen zu wollen und dann wird in Deutschland einfach davon ausgegangen, dass sie dann nicht mehr voll einsatzfähig sind. Das würde natürlich kein Chef offen sagen, denn das wäre offene Diskriminierung. Dennoch hält es viele davon ab, einer Frau eine verantwortungsvolle Position zu geben.
Es heißt, die Frauen trügen auch einen Teil der Verantwortung, weil sie die Situation oft als gegeben hinnehmen. Stimmt das?
Natürlich kann jede Frau gegen Lohndiskriminierung klagen. Doch man braucht schon viel Mut, um das durchzukämpfen, gerade in Wirtschaftskrisen wie dieser. Selbst wenn man gewinnt, ist man anschließend verschrien als diejenige, die sich verkämpft hat. Deswegen sind wir GRÜNE auch dafür, ein Verbandsklagerecht einzuführen. Außerdem muss die Beweislast umgedreht werden: Nicht die Frau muss beweisen, dass sie diskriminiert wurde, sondern der Arbeitgeber muss beweisen, dass er nicht diskriminiert hat.
Wie steht Deutschland im europäischen Vergleich dar?
Äußerst schlecht. Wir sind fast Schlusslicht. Man kann das sehr gut an Zahlen belegen. Wir haben 22 Prozent Lohnunterschied, während der europäische Durchschnitt bei 17,4% liegt. Das Gefühl, dass wir in diesem Bereich gut und fortschrittlich sind, trügt.
Löhne werden doch durch die freie Wirtschaft bestimmt. Kann die Politik hier überhaupt etwas beeinflussen?
Vielleicht mal vorne weg: Es ist wichtig zu betonen, dass die Gewerkschaften und auch die Arbeitgeber eine Rolle haben und ich finde, dass man da die Gewerkschaften auch häufig zu schnell raus lässt aus der Verantwortung. Aber ich glaube trotzdem, dass neben den Tarifparteien, die natürlich über Löhne verhandeln und das soll auch so bleiben, der Gesetzgeber eine Rolle zu spielen hat.
Neben den schon erwähnten Maßnahmen würden besonders auch die Frauen von einem allgemeinen Mindestlohn profitieren.
Auch der Blick ins Ausland hilft. In der Schweiz muss jedes Unternehmen Informationen über Löhne und Qualifikationen der Beschäftigten bereitstellen. Je nachdem wie groß die Spreizungen innerhalb des Unternehmens sind, wird dann richtig hingeschaut.
Außerdem brauchen wir Anreize für Frauen, in andere Berufssparten zu gehen; ebenso wie eine finanzielle Aufwertung der traditionellen Frauenberufe.
Was hältst Du von einer Quote in der Privatwirtschaft?
Ich finde es gut, dass sich die GRÜNEN dafür einsetzen. Wir sehen ja auch in unserer Partei, dass die Quote ein funktionierendes Instrument ist. Dennoch hilft sie den wenigsten Frauen unmittelbar. Sie kann nur eines der Mittel sein, endlich aus der Lohnungleichheit herauszukommen.
Du willst am 7. Juni für die GRÜNEN ins Europäische Parlament einziehen. Wie wird Lohnungleichheit in der EU bekämpft?
In den Römischen Verträgen von 1957 ist die Lohngleichheit festgeschrieben. Seit dem Amsterdamer Vertrag von 1997 gibt es die Antidiskriminierungsklausel, die der Ursprung war für europäische und dann deutsche Antidiskriminierungsgesetze. Und es ist jetzt Herr Spidla, (EU-Kommissar für Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit, Anm. d. Red.), und nicht Frau Merkel, der eine Kampagne zur Lohngleichheit gestartet hat. Herr Spidla lässt auch prüfen, was gesetzlich auf EU-Ebene geändert gehört – das finde ich wichtig und daran sollte die nächste EP-Fraktion mitwirken. Zweitens kann man auch viel von anderen europäischen Ländern lernen. Man kann sich einiges davon abschauen, was etwa in skandinavischen Ländern oder in Frankreich passiert.
(25.03.2009)