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Unser Europa hat Zukunft!

Am 21. und 22. Juni haben sich ca. 80 Vertreterinnen und Vertreter der grünen Parteien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Rahmen der ersten grünen Bodenseekonferenz in Konstanz zusammengefunden, um über grüne Politik und eine verstärkte Zusammenarbeit zu beraten.

Josef Lang, Winfried Kretschmann, Eva Glawischnig, Cem Özdemir stehen am Bodensee., Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)
Bei der Verabschiedung der Bodenseeerklärung (von rechts nach links): Josef Lang (Vize-Präsident Grüne Schweiz), Winfried Kretschmann (grüner Ministerpräsident Baden-Württembergs), Eva Glawischnig (Bundessprecherin der Grünen Österreich) und Cem Özdemir (Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN). Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)

In Workshops und Podiumsdiskussionen wurde über Grüne Positionen zu Themen wie Sozial-, Netz- oder Integrationspolitik debattiert. Ein besonderer Schwerpunkt lag außerdem auf der Europapolitik. Eröffnet wurde die Konferenz am Donnerstagnachmittag von Benedikt Mayer, Bundesschatzmeister, und Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie internationaler Koordinator der Partei.

Zu Beginn des alemannischen Abends am Donnerstag begrüßte der scheidende grüne Oberbürgermeister von Konstanz, Horst Frank, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und gab ihnen einen kurzen Einblick in das alemannische Lebensgefühl. "Egal ob jemand aus der Türkei, aus dem Libanon oder aus irgend einem anderen Land kommt: Alemannische Heimat heißt Leben und Leben genießen."

Anschließend debattierten im Rahmen einer Podiumsdiskussion Claudia Roth, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Rudolf Anschober, Landesrat für Umwelt, Energie, Wasser und Konsumentenschutz in Oberösterreich und Josef Lang, Vize-Präsident der Schweizer Grünen, über die Frage "Was ist Heimat". Alle drei Teilnehmer waren sich einig, dass man Heimat nur selten an einer bestimmten Örtlichkeit festmachen könne, sondern es vielmehr um ein tiefes Gefühl der Vertrautheit gehe, das besonders oft mit Kindheitserinnerungen verbunden ist, und häufig durch Sinneswahrnehmungen wie Geschmäcker und Gerüche ausgelöst wird. Das Konstrukt Heimat beinhalte aber auch einige Gefahren. Josef Lang wies darauf hin, dass die Verbindung der Konzepte Heimat und Nationalstaat teuflisch sein könne. Claudia Roth, die selbst als Kind das Schwimmen im Bodensee gelernt hat, machte deshalb klar, dass man den Heimatbegriff nicht den Rechtsextremen überlassen dürfe.

 

Nach einer zweiten Workshopphase am Freitagmorgen beschäftigten sich auf dem von der grünen Landesvorsitzenden aus Baden-Württemberg, Thekla Walker, moderierten Podium der europapolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Manuel Sarrazin, der deutsche Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer, die Co-Präsidentin der Schweizer Grünen, Regula Rytz, und der stellvertretende Sprecher der Grünen Österreich, Werner Kogler, mit der Frage "Green New Deal, Fiskalpakt, Finanzmarktregulierung - Was hilft Europa aus der Krise?". Auch hier herrschte weitgehend Einigkeit darüber, dass die unter dem Vorwand nationaler Interessen verfolgte eiserne Sparpolitik von Bundeskanzlerin Merkel der Europäischen Union und dem Euro immens schade und man nur gemeinsam den Weg aus der Krise finden könne. Reinhard Bütikofer erinnerte in diesem Zusammenhang an die Worte des ehemaligen deutschen Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher: "Wir brauchen nicht ein deutsches Europa, sondern ein europäisches Deutschland."

In seiner anschließenden Rede betonte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Wichtigkeit grenzübergreifender Kooperation und nahm noch einmal Bezug auf das Thema der vorabendlichen Diskussion: "Nur wenn Menschen Heimat haben, können sie auch den Mut haben, Weltbürger zu sein."

Der Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Cem Özdemir, bedankte sich bei Winfried Kretschmann für seinen Besuch und wünschte der grünen Kandidaten für die anstehende Oberbürgermeisterwahl in Konstanz, Sabine Seeliger, viel Erfolg. "Sabine ist etwas, was es bei den Grünen nicht so häufig gibt - sie ist Unternehmerin. Ich freue mich, wenn ich Dich das nächste Mal als Konstanzer Oberbürgermeisterin begrüßen kann." Seeliger kündigte in einem kurzen Grußwort an, als Oberbürgermeisterin verstärkt auf Instrumente der direkten Demokratie und den Einsatz von e-Petitionen setzen zu wollen.

Die grünen Parteien Deutschlands, Österreichs und der Schweiz verabschiedeten eine gemeinsame Bodensee-Erklärung mit dem Titel "Unser Europa hat Zukunft". Beendet wurde die Bodenseekonferenz mit einer gemeinsamen Feedbackrunde, in der die Ergebnisse der Workshops zusammengetragen und diskutiert wurden. Konferenzorganisator Malte Spitz betonte in seinem Schlusswort, dass die "Debatten auf einem inhaltlich sehr hohen Niveau stattgefunden" hätten und er sich von der Konferenz eine "deutliche Intensivierung der Zusammenarbeit" erhoffe. Er freue sich bereits jetzt auf ein Wiedersehen in 2013. Dann werden die österreichischen Grünen die Bodenseekonferenz ausrichten.

Gemeinsame Erklärung zur ersten Grünen Bodenseekonferenz

Unser Europa hat Zukunft! (PDF)

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Kommentare

Karlheinz Anders
29-09-12 14:39
Wer, wie die Grünen-Fraktion im Bundestag für den ESM (mit einer löblichen Ausnahme - Herr Ströbele) gestimmt hat, sollte den Begriff Heimat garnicht erst in den Mund nehmen. Alle bekannten Kommentare zu Deutschland als Volk und Nation von Claudia Roth, Jürgen Trittin und Konsorten zeigen deutlich, dass an den Begriffen Deutschland, Heimat und Nation keinerlei Interesse besteht.
Gast
26-06-12 17:30
"Europa hat Zukunft"
Zukunft ist ein zeitlicher Begriff. Alles und Jeder hat in diesem Sinne irgendeine Zukunft. Über die Qualität dieser Zukunft sagt dieser hohle Spruch gar nichts aus.

"Der Heimatbegriff darf nicht den Rechtsextremisten überlassen werden"

Den Begriff "Heimat" darf verwenden wer will. Und außerdem sind die sog. Rechtsextremisten scheinbar die einzigen in der Politik die diesen Begriff überhaupt noch kennen. Die anderen faseln nur noch von "Global" und "Europa".
Mein Tip: Benutzt diesen Begriff einfach mal.
Jens HB
26-06-12 11:49
Europa kann nur gerettet werden, wenn die steuerliche Inklusion des Finanzkapitals ausreicht, um positive Staatshaushalte zu ermöglichen. Diese positiven Staatshaushalte müssen(!!!) zudem einen wettbwerbs- und zukunftsfähigen Wohlfahrtsstaat bereiten. Derzeit haben dies in Europa vor allem die Skandinavier, Estland, Lettland, die Niederlande und die Belgier. Teilweise erreichen die Briten, die Franzosen und die Iren dieses Ziel. Der Rest, inklusive der BRD, erreicht dieses Ziel nicht! Für Deutschland bedeutet diese notwendige Umstellung ein steuerliches Mehraufkommen von ca 250 MRd Euro pro Jahr. Gleichzeitig muss, analog zum wirtschaftlich und sozial weit überlegenen Skandinavien, der öffentliche Sektor die soziale Grundversorgung in einer höheren Quantität und Qualität übernehmen, als es das jetzige neoliberalisierte konservative Modell kann. Reallohnsteigerungen im öffentlichen Sektor müssen durch eine die Gewerkschaften stärkende Gesetzgebung flankiert werden. Im ureigensten deutschen Interesse ist damit die Abkehr von der von oben verordneten Exportgroßoffensive mit Lohndumping etc. der letzten 20 Jahre, die die schlechten aussenpolitischen Züge deutscher Politik wiederbelebte und die vor allem selbst verschuldete Unfähigkeit der meisten südeuropäischen Länder mit seinen massiven Aussenhandelsüberschüssen noch verschärfte. Für die südeuropäischen Staaten benötigen wir neben der Erlangung wohlfahrtsbedingter sozioökonomischer Zukungfstfähigkeit extrem starke Bemühungen gegen die Korruption und für deren - auch durch chinesische Dumpingimporte - geschädigten Industrien wirklich funktionierende Industriepolitik.

Das ganze dauert höchstens 60 bis 70 Jahre. Im Angesicht des unaufhaltbaren Aufstiegs der BRIC Staaten ist es nicht mehr länger hinzunehmen, dass Europa sozial und wirtschatlich den kurzsichtigen Interessen einiger weniger dissozialer Finanzkapitalisten geopfert wird. Für die Grünen wird es Zeit, hierzu klar Position zu beziehen. Die gegenwärtigen geforderten Maßnahmen sind nur Feigenblätter.

Warum benutzten die Grünen eigentlich ein Produkt von GOOGLE? Seid Ihr nicht die Datenschützer??????
wgraf@web.de
24-06-12 20:31
mit der empfohlenen zustimmung zum fiskalpakt haben sich die grünen endgültig auf die neoliberale seite begeben, was nicht nur dumm ist in anbetracht der durch diese ideologie ausgelösten finanzmarktkrise und der verschuldung der staaten in der eu. es ist auch peinlich für eine partei die sich die grünen nennt und einer menschenverachtenden ideologie zu einer verankerung sogar ins grundgesetz verhilft. einer ideologie zu deren grundpfeilern wachstums (meistens sogar grenzenloses) gehört. wohlgemerkt auf einem begrenzten planeten. um das nicht erkennen zu können muss man schon sehr blind oder religiös oder vielleicht beides sein. darüberhinaus weiss doch mittlerweile fast jedes kind wohin neoliberalismus führt, dazu muss man Keynes mittlerweile noch nicht einmal mehr gelesen haben (stichworte: prozyklische und azyklische haushaltspolitik). vermutlich denkt ihr immer noch man könnte einen staatshaushalt führen wie den haushalt der berühmten schwäbischen hausfrau. da hilft nur eines abwählen bzw. nicht mehr wählen. meine stimme werdet ihr so nie wieder bekommen. viel glück auf der anderen seite (beim retten der eigenen besitzstandsrechte)!
Kommentar

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