Text: "Der September wird Grün. Unterstütze die grünen Wahlkämpfe", daneben ein schwarzer Kreis mit einem grünen Kreuz drüber.

Ukraine: Euphorie für einen Neuanfang

Rebecca Harms hat in den letzten Tagen hautnah den Umbruch in Kiew miterlebt. Im Interview schildert sie die Ereignisse der letzten Tagen, spricht über die Zukunft der Ukraine und über die weitere Zusammenarbeit des Landes mit der EU.

Blick von der Bühne auf die Menschenmassen auf dem Maidan in Kiew
Rebecca Harms begleitete Julia Timoschenko auf den Maidan. Foto: Rebecca Harms

gruene.de: Was hast du in den letzten Tagen in Kiew und auf dem Maidan erlebt?

Rebecca Harms: Es waren sehr intensive Tage. Die Ereignisse haben sich seit vergangenem Freitag überschlagen. Von der Angst vor einem Bürgerkrieg wandelte sich die Stimmung innerhalb von Stunden in Euphorie für einen Neuanfang. Es war bewegend, im ukrainischen Parlament dabei zu sein, als die Abgeordneten anfingen, verantwortlich und mit einer Mehrheit aus allen Fraktionen die Gesetze für den Neuanfang vorzubereiten. Eine Sternstunde dieses Parlamentes, in der auch die Absetzung von Präsident Janukowitsch vorbereitet wurde. Ein besonderer Moment war natürlich die Ankunft von Julia Timoschenko in Kiew. Ich hatte sie ja schon im Gefängnis besucht und mich lange für ihre Freilassung eingesetzt. Ich habe mich gefreut, dass ich sie als freie Frau bei der Ankunft in Kiew am Flughafen begrüßen konnte. Ihre erste Begegnung mit dem Maidan bedeutete für sie eine große Spannung. Sie war ja jahrelang außerhalb dieser Welt.

Was hat letztendlich zur Absetzung des Präsidenten Janukowitsch geführt?

Die Stärke der Bürgerbewegung. Das dürfen wir nicht vergessen: Der Umsturz in der Ukraine ist nicht von der parteipolitischen Opposition ausgegangen. Natürlich sind Vitali Klitschko und all die anderen wichtig. Aber die eigentliche neue Kraft liegt bei den Tausenden, die wochenlang immer wieder zum Maidan gekommen sind und sich auch nicht von der Gewalt haben einschüchtern lassen. Der Wunsch nach Demokratie war größer als die Angst. Und nach dem Tod von so vielen ihrer Leute konnte diese Bewegung keinen Neuanfang mit Janukowitsch machen. Der hat sich ja gleich nach seiner Unterschrift zum Kompromiss aus der Verantwortung geflüchtet.

Porträtfoto von Rebecca Harms
Rebecca Harms Foto: Gruene/EFA Fraktion (CC BY-ND 3.0)

Wie geht es jetzt weiter in der Ukraine?

Es ist noch lange nicht alles gewonnen. Jetzt kommt es darauf an, dass sich die politischen Kräfte tatsächlich zu einem demokratischen Neuanfang verpflichten. Trauer, die Organisation von Neuwahlen, rechtsstaatliche Verfahren zur Verfolgung der Verbrechen der letzten Monate – all das wird nicht einfach sein. Im Parlament und beim Euromaidan wollen aber alle die Einheit des Landes. Die Gewalt hat die Nation auch neu zusammenwachsen lassen.

Was kann die EU der Ukraine anbieten?

Wichtig ist, dass das Assoziierungsabkommen kommt. Außerdem darf die Europäische Union nicht wieder wie nach 2004 jenseits von Wirtschaftshilfen einfach alles laufen lassen. Die Kapitalflucht muss gestoppt werden. Geld, das dem Land geklaut wurde, muss zurück. Die EU ist für die notwendigen politischen Reformen im Land mitverantwortlich. Dazu gehört, dass das Land unabhängig von Russland Entscheidungen treffen kann. Und die Ukrainer wollen und brauchen Reisefreiheit in die EU.

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