Mehr als eine Währung!

Über zehn Jahre lang war die Gemeinschaftswährung das Vorzeigeprojekt der EU. Doch seit mehr als anderthalb Jahren kommen Europas Politikerinnen und Politiker nicht mehr aus dem Krisenmanagement hinaus. Auch nach dem Gipfel im Juli sind die Probleme längst nicht gelöst. Ein Text von Silke Wettach für den Schägstrich 03/2011.

Der Euro ist mehr als eine Währung, er ist ein europäisches Projekt. Foto: Tabbo107/Flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0)

Jacques Delors hat seine eigene Sichtweise auf die Eurokrise. "Wenn man mit einem schlechten Ehevertrag startet, dann braucht man sich hinterher nicht über Schwierigkeiten und Streit zu wundern", sagt der frühere Präsident der EU-Kommission. Vieles von dem, was heute falsch läuft, geht auf Konstruktionsfehler am Anfang zurück.

Für Delors gab es von Beginn an eine Schwierigkeit: Europa startete eine gemeinsame Geldpolitik, überließ den Mitgliedstaaten aber die Finanz- und Wirtschaftspolitik. Der Bericht zum Euro, den Delors 1989 vorlegte, enthielt mehr Seiten zur Wirtschafts- als zur Währungsunion. Doch die nationalen Politikerinnen und Politiker waren nicht bereit, ihre Wirtschaftspolitik zu vereinheitlichen. Deutschland setzte den Stabilitätspakt durch, der eine Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das Haushaltsdefizit und 60 Prozent des BIP für die Staatsschuld vorschrieb. Diese Kriterien, im Vertrag von Maastricht zunächst nur als Hürde für den Euro-Beitritt vorgesehen, wurden damit für alle Länder als Zielgröße festgeschrieben.

Allerdings wurden die Werte nur lax angewandt. Belgien und Italien verzeichneten eine Verschuldung von über 60 Prozent des BIP, aber die Finanzminister drückten ein Auge zu. Druck kam von ganz oben. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl betonte, es sei im Interesse Deutschlands, "dass wir möglichst viele Länder am Start sehen". Auch Griechenland, das die Kriterien zur Euro-Einführung 1999 deutlich verfehlte, wurde rechtzeitig zur Bargeldeinführung 2001 in den Club aufgenommen – mit gefälschten Statistiken, wie sich später herausstellte.

Heute zeigt sich am Beispiel Griechenlands, warum Haushaltsdisziplin in einer Währungsunion wichtig ist. Häufen Länder zu hohe Schulden an, verlieren Investoren den Glauben, dass das Land jemals die volle Summe zurückzahlen kann. Verlangen die Gläubiger jedoch hohe Risikoaufschläge und treiben so die Zinsen in die Höhe, dann tut sich der Staat noch schwerer, seine Schulden zu finanzieren. Der Bankrott eines Staates würde in einer Währungsunion jedoch alle Staaten betreffen, weil der Euro insgesamt dadurch gefährdet wird, da Anleger weltweit kein Vertrauen mehr in die Gemeinschaftswährung hätten. Hinzu kommt: Ein Zahlungsausfall eines Landes in der Währungsunion könnte die Banken anderer Länder beeinträchtigen, wenn diese in großem Stile Anleihen des Landes besitzen, die sie abschreiben müssten. Griechenland pleitegehen zu lassen, kam deshalb für die Politik nie in Frage.

 

Staatsschulden: Summe der insgesamt aufgelaufenen Schulden. Defizit: Betrag, um den in einem Haushaltsjahr die Ausgaben die Einnahmen übersteigen. Bruttoinlandsprodukt (BIP): Gesamtwert aller innerhalb eines Jahres im Inland für Endverbraucher hergestellte Waren und Dienstleistungen.

 

Deutschland ist kein Musterschüler

Die Bundesrepublik war allerdings auch kein Haushaltsmusterschüler. 2002 und 2003 brach Deutschland, wie auch Frankreich, die Defizitgrenze. Beide Länder setzten 2005 eine Aufweichung des Stabilitätspakts durch, so dass die vorgesehenen Strafen nie zum Tragen kamen. Auch aktuell steht Deutschland nicht gut da. Die Staatsverschuldung dürfte in diesem Jahr nach Prognosen der EU-Kommission bei 82,4 Prozent des BIP liegen. Die Ursachen für die Verschuldungen variieren unter den Euro-Ländern. In Irland erreicht die Verschuldung in diesem Jahr voraussichtlich 112 Prozent des BIP wegen der horrenden Kosten für die Bankenrettung. In Griechenland verschlingt ein aufgeblähter Beamtenapparat viel Geld, gleichzeitig drückt weit verbreitete Steuerhinterziehung die Einnahmen.

Seit dem Einbruch der Krise hat Griechenland jedoch einen drastischen Konsolidierungskurs eingeschlagen. Im vergangenen Jahr hat die Regierung fast zwölf Milliarden Euro eingespart. Die Löhne im öffentlichen Dienst sanken um 15 Prozent, die Renten um zehn Prozent. Bis 2015 sollen weitere 28 Milliarden Euro eingespart werden. Die Staatsausgaben müssen binnen fünf Jahren um 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts schrumpfen. Übertragen auf Deutschland wären das 425 Milliarden Euro. "Wer dem Wirtschaftskreislauf in so einer kurzen Zeit so viel Geld entzieht, tötet alles ab", sagt Gustav Horn, Leiter des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).

Für dieses Jahr prognostiziert die griechische Regierung einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 3,9 Prozent. Das wiederum drückt die Einnahmen und erhöht die Ausgaben, weil weniger Steuern in die Staatskasse fließen und mehr Arbeitslosengeld gezahlt werden muss. Beim Euro-Gipfel Ende Juli in Brüssel wurde deshalb auch ein Wachstumsprogramm für Griechenland beschlossen. Die Staats- und Regierungschefs haben außerdem die Zinsen für die griechischen Kredite aus den Rettungspaketen der Euro-Länder von 5,1 Prozent auf 3,5 Prozent gesenkt, um den Schuldendienst zu verringern.

Bruttoinlandsprodukt (BIP): Gesamtwert aller innerhalb eines Jahres im Inland für den Endverbraucher hergestellten Waren und Dienstleistungen. Zum Vergleich: Laut Stabilitäts- und Wachstumspakt darf die Gesamtverschuldung eigentlich die Marke von 60 Prozent des BIP im jeweiligen Jahr nicht überschreiten.

Noch hat Deutschland nichts gezahlt

Entgegen der landläufigen Meinung haben die deutschen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler noch nichts für die Euro-Rettung gezahlt. Für die bisherigen Kredite an Griechenland und den Rettungsfonds EFSF (Europäische Finanzstabilisierungsfazilität) hat die Bundesregierung lediglich Bürgschaften bereitgestellt. Dank dieser Garantien kann der EFSF zu günstigen Konditionen auf den Finanzmärkten Geld aufnehmen, die er als Kredite an klamme Länder weiter reicht. Bisher war das für Deutschland sogar ein gutes Geschäft, seit Mai 2010 flossen 198 Millionen Euro an Zinsen aus Griechenland. Nach der Zinssenkung vom Juli-Gipfel fallen die Einnahmen jedoch künftig weg. Kostspielig wird es für die Steuerzahlerinnen und -zahler erst, wenn Griechenland, Irland oder Portugal ihre Kredite nicht bedienen. Dann müsste Deutschland als Garantiegeber einspringen.

Derzeit bürgt Deutschland für 211 Milliarden Euro im EFSF. Mitte 2013 ersetzt der permanente Rettungsfonds ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) den EFSF. Dabei muss Deutschland erstmals Bargeld einzahlen. Geplant sind 21,7 Milliarden Euro neben den Garantien von 168,3 Milliarden Euro.

Apropos: Rettungsfonds EFSF/ESM

Seit 2010 sorgt der europäische Rettungsschirm (EFSF) dafür, dass Euro-Staaten Hilfspakete nutzen können. Die europäischen Staaten bürgen dabei für den EFSF, so dass dieser sich günstig am Markt Geld leihen kann. Der EFSF wird 2013 durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) ersetzt. Dieser soll über eine effektive Kreditsumme von 500 Milliarden Euro verfügen. Er kann am Kapitalmarkt Geld aufnehmen und als Kredit weiterreichen. Wer Hilfsgelder in Anspruch nimmt, muss sich einer harten wirtschafts- und haushaltspolitischen Kontrolle unterwerfen. Der ESM sieht auch eine Beteiligung privater Anleger vor – allerdings nur wenn ein Euro-Land dauerhaft seine Schulden nicht mehr bedienen kann. Die Grünen wollen dem ESM auch die Möglichkeit geben, am Markt bereits im Umlauf befindliche Anleihen aufzukaufen. Grundsätzlich soll er zu einem echten EU-Währungsfonds entwickelt werden, den das Europaparlament kontrolliert.

Spekulationen gemeinsam verhindern

Die Rettungsschirme wurden geschaffen, um Spekulation zu verhindern. Mit dem klaren Signal, dass alle Euro-Staaten für die Problemländer bürgen, werden Wetten gegen den Euro uninteressant. Weil alle Länder gemeinsam für den Euro einstehen, können Spekulanten nicht mehr daran verdienen, via Credit Default Swap auf eine Pleite eines Euro-Landes zu setzen.

Umstritten ist, ob die Größe der Fonds ausreicht. Der EFSF kann 440 Milliarden Euro ausleihen, der ESM 500 Milliarden Euro. Manche Ökonomen argumentieren, dass die Summe höher hätte ausfallen müssen, um Spekulanten endgültig abzuschrecken.

Die Rolle der Spekulanten in der Schuldenkrise ist umstritten. Deutschlands oberster Finanzaufseher, Jochen Sanio, sah im vergangenen Jahr einen "Angriffskrieg gegen die Euro-Zone". Ökonomen widersprachen dem jedoch. "Diese Krise haben nicht Spekulanten verursacht, sie decken nur die Schwächen auf", argumentiert Clemens Fuest, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates des Finanzministeriums.

Apropos: Wetten gegen den Euro

Wenn eine Bank einem Staat Geld leiht, kann sie bei einem anderen Finanzinstitut eine Kreditausfallversicherung abschließen (Credit Default Swap, CDS). Dieses muss zahlen, wenn der Staat Pleite geht und der Kredit ausfällt. Das Absurde: CDS sind frei handelbar. Man muss einem Staat gar kein Geld leihen, um sich gegen seine Zahlungsunfähigkeit zu versichern. So "wetten" Spekulanten quasi auf einen Staatsbankrott. Je mehr Spekulanten sich an dem Spiel beteiligen, desto wahrscheinlicher wird eine Staatspleite: Durch den massenhaften Ankauf von CDS wächst scheinbar das Ausfallrisiko und die Kreditzinsen für den betroffenen Staat steigen immer weiter.

Im Fall von Griechenland haben Anleger Zweifel, ob das Land jemals seine gesamten Schulden wird zurückzahlen können. Das Problem ist auch nach dem zweiten Hilfspaket vom Juli-Gipfel nicht gelöst. Die beschlossene Beteiligung der privaten Gläubiger, die einen Abschlag von 21 Prozent hinnehmen, drückt die Staatsverschuldung bis zum Jahr 2017 lediglich um zwölf Prozentpunkte auf 143 Prozent des BIP – ein noch immer erdrückendes Niveau. "Der nächste griechische Schuldengipfel kommt bestimmt", sagt Sven Giegold, finanz- und wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament. Seine Fraktion hat einen Vorschlag vorgelegt, nach dem Griechenland maximal fünf Prozent des BIP für Zinsen zahlen soll.

Die Ratingagenturen sind in der Schuldenkrise in die Kritik geraten. Mit ihren Noten beeinflussen sie Anleger stark, und mehrfach haben sie durch Herabstufungen just vor wichtigen Treffen die Politik unter Druck gesetzt. Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) will das Verhalten der Ratingagenturen untersuchen. Schwer verständlich ist etwa die Einschätzung, Griechenland schlechter als Pakistan einzustufen, obwohl die anderen Euro-Länder für Griechenland einstehen. Ein Teil der politischen Kritik an den Agenturen ist allerdings widersprüchlich: Die Gesetzgeber haben die Agenturen mächtig gemacht, indem sie die Ratings in der Bankenregulierung festgeschrieben haben.

Apropos: Ratingagenturen

Ratingagenturen sind private Unternehmen, die die Kreditwürdigkeit (Bonität) von Unternehmen und Staaten bewerten. Ihre Einschätzung mittels eines Notensystems (von AAA = Bestnote bis D = zahlungsunfähig) soll Anlegern helfen, das jeweilige Risiko zu beurteilen – und machen es Schuldnern entsprechend schwer oder leicht, sich Geld zu leihen. Rund 90 Prozent des Marktes teilen die drei US-Firmen Standard & Poor’s, Moody‘s und Fitch unter sich auf. Diese Marktdominanz hat zum Teil schwerwiegende Folgen: In der Finanzkrise etwa stuften sie hochriskante Papiere lange als relativ risikolose Anlagen ein – und verschlimmerten die Krise dadurch erheblich. Auch wie ihre Bewertungen zustande kommen, ist nicht transparent. Die Grünen fordern deshalb, das Oligopol der US-Agenturen zu brechen und als Gegengewicht eine unabhängige, nicht profitorientierte europäische Ratingagentur zu schaffen. Bei grober Fahrlässigkeit oder Fehlverhalten sollen Ratingagenturen zudem haftbar gemacht werden.

Der Euro ist mehr als eine Währung

Was ist die Lösung für Griechenland? Manche Ökonomen, wie etwa Hans Werner Sinn, Präsident des Münchener Ifo-Instituts, plädieren für einen Austritt aus der Währungsunion. Das Land könnte dann seine eigene Währung abwerten und Exporte ankurbeln. Die Schulden aber blieben erhalten – und zwar in Euro, so dass der Staat sogar relativ mehr zurückbezahlen müsste. Politisch ist der Ausstieg Griechenlands aus dem Euro nicht gewollt, weil er die gesamte Währungsunion schwächen und unweigerlich Spekulationen über weitere Austritte provozieren würde. Der Euro ist aber mehr als eine Währung, er ist ein europäisches Projekt. Bereits 1994, bei den Vorbereitungen für den Euro, bemerkte der damalige Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer: "Wenn wir eine Währungsunion schaffen und die sich als Misserfolg erweist, dann ist das ein sehr, sehr trauriges Ergebnis für Europa."

Klicke auf die Buttons, um das jeweilige Netzwerk zu aktivieren. Beachte, dass dadurch persönliche Daten an Facebook, Twitter oder Google übertragen werden.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/Eine_D-Mark_Generation_X-Ray_FlickrCC_BY-NC-SA_20_225x130.jpg

Fatale ökonomische Folgen

Was würde ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone und die Rückkehr Deutschlands zur D-Mark bedeuten?

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/3DPuzzelEuropa_batintherain_flickr_CC_BY-NC-SA_20_225x130_03.jpg

Grüne Schritte für Europa

Die Schaffung einer europäischen Wirtschaftsregierung wäre ein nachhaltiger und grüner Weg aus Europas Krise.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/225x130_3DPuzzelEuropa_batintherain_flickr_CC_BY-NC-SA_02.jpg

Wege aus der Schuldenfalle

Damit Griechenland und der Euro stabilisiert werden können, ist eine sanfte Umschuldung notwendig.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/1_Euro_Foto_von_akanekal_Amit_Kanekal_Flickr_225.jpg

"Gemeinsame Wirtschaftspolitik fehlt"

Ist der Euro noch zu retten? Sven Giegold über Spekulanten, Populisten und die Konstruktionsfehler der Europäischen Währungsunion.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/Cem_papandreou_Vasilis_Filis225.jpg

Endlich ein europäischer Weg

Cem Özdemir im Interview: Über seine Eindrücke vor Ort in Griechenland und Wege aus der Euro-Krise.

Kommentare

Harald
11-09-11 15:44
Europa gerne, die Frage ist nur in welcher Form und in welcher Weise. Die Abänderung von bestehenden Verträgen für den "Rettungsschirm" in der vorgelegten Form dürfte rechtswidig sein (Bruch der No-bail-out Klausel, Art.125 EU-Verträge).
Die Folgen werden gegenüber dem deutschen Volk nicht mehr gut zu machen sein und es ist fraglich ob die Tragweite von allen Abgeordneten wirklich verstanden wurde. Zumal die Entscheidung so gut wie unumkehrbar sein dürfte.
Schade und traurig das die Grünen sich daran beteiligen wollen.
Peter
09-09-11 07:21
Gustav Horn ist ein Schwätzer. Der Staat entzieht oder führt der Volkswirtschaft kein Geld zu, es sei denn er macht Schulden. Geld kann er nur umverteilen. Das umverteilte Geld wird dann in der Regel für soziale Wohltaten auf den Kopf gehauen, statt es wirtschaftlich sinnvoll zu investieren.Damit geht es uns in Zukunft gewiss schlechter. Allerdings entzieht sich eine solche Betrachtungsweise in der Regel den Mitgliedern der Partei der Lehrer, denn es ist ja so kuschelig in der Vorstadtvilla, wo sich ein jeder gern zum Gutmenschentum bekennt.
Harald
08-09-11 11:31
Offener Brief an Frau Roth, Herrn Trettin und andere grüne Finanzexperten von einem ehemaligen Stammwähler.

Trotz Club of Rome Grenzen des Wachstums und totalitärer Geschichte Deutschlands mit Demokratiekollaps in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts haben die "linke" (Grüne) und "rechte" Ökologiepartei (ÖDP) bis heute noch keinen brauchbaren Ansatz für einen sinnvollen Neuaufbau eines nationalen bzw. europäischen Finanzsystems gefunden. Um nach einem mit mathematischer Präzision bevorstehendem Geldkollaps (exponentielles Schuldgeldwachstum) eine dauerhafte Währung einzuführen die auch nur im Ansatz den ökologischen Anspruch an eine natürliche Wirtschaftsordnung eines Silvio Gesell (1916) aufnimmt bedarf es jetzt schon im Vorfeld der breiten öffentlichen Diskussion für einen finanztechnischen Neustart national und weltweit . Der Prozentsatz der Nichtwähler steigt mit jeder Wahl , sprich das Vertrauen in etablierte Parteien auch der Grünen nimmt ab.
Nach Gründung der GAL in den 70er hatte man die kleine Gruppe der aufrechter Freiwirtschaftler (Herr Otto u.A. in BW, sie galten damals Linken Grünen als braunlastig -Goebels Propaganda der jüdischen Zinsknechtschaft wirkte nach-, bzw. als Feinde der westlichen Marktwirtschaft) von links und rechts ausgebremst und die Dramatik einer wiedernatürlichen Geldordnung (exponentielles Zinseszins Wachstums ist nun mal das komplette Gegenteil zu Nachhaltigkeit) wurde in der damals bunten Friedens- und Umweltbewegung zu Zeiten des kalten Krieges nicht erkannt. Die Anliegen bezüglich Frieden und Umwelt hatte auch ich damals vorbehaltlos unterstützt.
Aus der Geschichte auch garnichts gelernt stehen wir in Deutschland finanztechnisch mit der CSU/CDU genau da wo Brünning 1929 mit Sparaufrufen das Ende der Demokratie einläutete. (Deflation hatte armes Wahlvolk das Hungern gelernt)
Trettins/Roths (Grüne/SPD) Gelddruckaufruf um die Schulden wegzuinflationieren als Alternative zum Sparkurs der Konservativen (CDU/FDP) verhält sich für einen Freiwirtschafler so wie das Angebot zwischen Pest und Cholera.
Inflation bestraft Kleinsparer wie normale Arbeiternehmer denen die Chance genommen wird eigenverantwortlich für Alter und Zukunft Rücklagen zu bilden.Sie bleiben Bittsteller des herrschenden Staatsapparats. Das "Großbügertum mit Kapital" hat die Schäfchen längst mit Sachwerten ins Trockene gebracht.
Wenn private Banken zu 1,5 % Geld leihen können um es in 12 % Griechenlandanleihen zu investieren für das das deutsche Volk bürgt, ist das kein finanztechnisches Zukunftsmodell für ein einiges Europa.
Also Ihr Grünen das Angebot mit Staatsverschuldung den Sozialstaat und das vereinte Europa zu retten erscheint nach Umfragen der Bevölkerung (Mecklenburg 50 % Wahlverweigerer !) genauso unblaugwürdig wie der Sparaufrauf der FDP/CDU !
Sowohl eine funktionierende Marktwirtschaft als auch ein Sozialstaat sind mit einem Schuldgeldsystem ( Uferlose Giralgeldschöpfung durch Banken, statt einer echten Währung mit Geldschöpfung eines Vollgeld durch eine staatliche Monetative die weiter als zur nächsten Wahl denkt) nicht umzusetzen. Die Geschichte der letzten 500 Jahre mit schuldgeld lehrt uns den Dreiklang Deflation, Krieg, Inflation im regelmäßigem Zyklus.
Die blanke Warheit spürt das Wahlverweigerungsvolk: Wir leben in einer Plutokratie mit systembedingtem Wachstumszwang, also fast das genau Gegenteil von ökölogisch, sozialer Marktwirtschafts. Mit ein bischen europäischer Tobinsteuer und Wirtschaftsaufsicht läßt sich eine solches irres globales Buchgeldsystem nicht bändigen.
Moralisch versagen Kirchen (Mammon echten, statt eigene Banken unterhalten), Gewerkschaften ( Gerechtigkeit und Mitbestimmung für Arbeitnehmer eine Farce), Medien (vom Kapital gesteuert mit Nebelkerzen zum Thema Geld) und politische Parteien ( Schaden vom Volk abwenden ) mommentan auf ganzer Front.
Als ehemaliger Stammwähler der Grünen bis zur esten rot-grünen Legislaturperiode ( mit Überschreitung der Verschuldungsgrenze und Liberalisierung der Finanzmärkte durch Schröder und Fischer) bin ich der Meinung die Grünen sollten sich jetzt von Ihrer inneren Blockaden lösen und den Mut haben auch in Sachen Finanzpolitik jetzt die ökologische Wahrheit zu vertreten und sich ganz klar gegen die absurde Geld"un"ordnung stellen.
Die SPD wird erst aus Ihrer "Volksparteilethargie" erwachen wenn Sie um die blanke Existenz bangen muß wie die FDP der das Geldbürgertum von der Stange geht.
Eine 5 % Hürde würde mich als Wähler nicht mehr abschrecken die kleinere ÖDP zu wählen selbst wenn meine Stimme untergeht sollte eine ÖDP mehr finanzpolitische Weitsich zeigt als die Grünen.
Mit ökologischen Grüßen

Harald Skowronski
Klaus (2)
07-09-11 23:40
Mal grundsätzlich:

Habt ihr schon einen Plan, wie ein Finanzsystem mit Zins funktionieren soll, wenn Boden, Rohstoffe und Bedarf endlich sind, wenn es also mal kein Wachstum mehr gibt sondern "nur" der gute Level erhalten bleibt? Das kann nicht funktionieren! Und doch leben wir in einer endlichen Welt und das bestehende Finanzsystem ist nicht die Basis der Realwirtschaft sondern das Kompartiment, das sich dann selbst ad absurdum führt.

Grüne müssten soetwas denken dürfen!

Der Zinseszins setzt noch Eins drauf und bewirkt eine exponentielles Wachstum des Finanzsektors, dass garnicht durch die Realwirtschaft gedeckt wird. Es MÜSSEN Blasen entstehen und platzen. Es MÜSSEN ungedeckte Checks auffliegen. Spekulanten sind die ersten Opfer und wenn die ordenlichen Gläubiger in die Röhre schauen, dann sind die Schuldner wieder frei.

Wo ist also das Problem? Nur bei der Steuerung, in welchem Teil der Welt die nächste Blase platzt?
Adelbar
06-09-11 10:55
Wer hat Euch denn in´s Gehirn ... ? Jetzt macht Ihr in Sachen Sozialismus für Banker und Megareiche schon gemeinsame Sache mit der komischen CDU-Tante in Berli? Nur um den Kohlsche EUdSSR - Wahnsinn zu retten?

Pfui Daibl.
Ben
02-09-11 17:24
an Robert

die Ratingagenturen finanzieren sich größtenteils
durch die Gebühren die sie verlangen um einer Bank ein bestimmtes Finanzpapier zu bewerten. Das ist ein weiterer Kritikpunkt denn dadurch sind die Ratingagenturen nicht unabhängig.

Der Euro gehört wieder abgeschafft und wieder ein ganz normales Wechselkurssystem dann kann jedes Land nach seine Maßstäben wirtschaften. Diese Rettungsschirme sind ja jetzt schon gesetzeswiedrig "no bail out" Klausel usw...

Die naive einstellung der Grünen kann ich bei diesem Thema nicht verstehen.
Klaus
02-09-11 15:53
Deutsche Betriebe sind genauso abhängig von der Eurozone wie umgekehrt. Eine Auflösung der Eurozone würde viele kleine Spielbälle für die Großinvestoren zur Folge haben. Die kleinen nationalen Währungen, Zinsen und Aktien würden noch stärker hüpfen als jetzt. Sinnvoller ist es mehr zusammenzurücken und einen großen Block zu bilden. Zumal der Block ein AAA-Rating hat und mit 10 Billionen Euro zu den größten der Welt gehört. Darin lässt es sich gut leben (insbesondere die starken deutschen Unternehmen).
Leonhardt
31-08-11 16:56
"Der Bankrott eines Staates würde in einer Währungsunion jedoch alle Staaten betreffen, weil der Euro insgesamt dadurch gefährdet wird, da Anleger weltweit kein Vertrauen mehr in die Gemeinschaftswährung hätten."

Hmmm. Wenn ein DAX-Unternehmen pleite gehen würde, hätte das doch keinerlei Auswirkungen auf die anderen DAX-Unternehmen und das Vertrauen deren Anleger.

"Ein Zahlungsausfall eines Landes in der Währungsunion könnte die Banken anderer Länder beeinträchtigen, wenn diese in großem Stile Anleihen des Landes besitzen, die sie abschreiben müssten."

Ja und? Das passiert doch in der Bankenwirtschaft täglich hundertemal.

Geordnete Insolvenz mit grundlegendem Neuanfang in Verwaltung und Co. wäre doch wohl das einzig Richtige.
Heggy
31-08-11 13:26
Schafft die Zinsen ab nach dem Prinzip von Margrit Kennedy!

Quelle: Das Buch "Geld ohne Zinsen und Inflation"
von Margrit Kennedy

Wer dieses Buch gelesen hat, weiß wie die gewaltigen Schulden der Industrieländer und der Dritten Welt ebenso wie unsere wirtschaftlichen Probleme verbunden sind mit dem Mechanismus, der das Geld heute in Umlauf hält:
Zins als "Zuckerbrot" und Inflation als "Peitsche".
Jens
31-08-11 13:24
Dann schaffen wir den Euro ab, verhindern den ESF und alles wird gut. Zumindest kann es nicht schlechter werden.
Kommentar

Wir freuen uns auf Meinungen zu diesem Artikel. Bitte beachtet unsere Nutzungsbedingungen.
Die Kommentarfunktion dient nicht dazu, direkt mit uns Kontakt aufzunehmen oder Fragen zu stellen. Dafür haben wir ein Kontaktformular.



CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.