Mehr als eine Währung!

Über zehn Jahre lang war die Gemeinschaftswährung das Vorzeigeprojekt der EU. Doch seit mehr als anderthalb Jahren kommen Europas Politikerinnen und Politiker nicht mehr aus dem Krisenmanagement hinaus. Auch nach dem Gipfel im Juli sind die Probleme längst nicht gelöst. Ein Text von Silke Wettach für den Schägstrich 03/2011.

Der Euro ist mehr als eine Währung, er ist ein europäisches Projekt. Foto: Tabbo107/Flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0)

Jacques Delors hat seine eigene Sichtweise auf die Eurokrise. "Wenn man mit einem schlechten Ehevertrag startet, dann braucht man sich hinterher nicht über Schwierigkeiten und Streit zu wundern", sagt der frühere Präsident der EU-Kommission. Vieles von dem, was heute falsch läuft, geht auf Konstruktionsfehler am Anfang zurück.

Für Delors gab es von Beginn an eine Schwierigkeit: Europa startete eine gemeinsame Geldpolitik, überließ den Mitgliedstaaten aber die Finanz- und Wirtschaftspolitik. Der Bericht zum Euro, den Delors 1989 vorlegte, enthielt mehr Seiten zur Wirtschafts- als zur Währungsunion. Doch die nationalen Politikerinnen und Politiker waren nicht bereit, ihre Wirtschaftspolitik zu vereinheitlichen. Deutschland setzte den Stabilitätspakt durch, der eine Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das Haushaltsdefizit und 60 Prozent des BIP für die Staatsschuld vorschrieb. Diese Kriterien, im Vertrag von Maastricht zunächst nur als Hürde für den Euro-Beitritt vorgesehen, wurden damit für alle Länder als Zielgröße festgeschrieben.

Allerdings wurden die Werte nur lax angewandt. Belgien und Italien verzeichneten eine Verschuldung von über 60 Prozent des BIP, aber die Finanzminister drückten ein Auge zu. Druck kam von ganz oben. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl betonte, es sei im Interesse Deutschlands, "dass wir möglichst viele Länder am Start sehen". Auch Griechenland, das die Kriterien zur Euro-Einführung 1999 deutlich verfehlte, wurde rechtzeitig zur Bargeldeinführung 2001 in den Club aufgenommen – mit gefälschten Statistiken, wie sich später herausstellte.

Heute zeigt sich am Beispiel Griechenlands, warum Haushaltsdisziplin in einer Währungsunion wichtig ist. Häufen Länder zu hohe Schulden an, verlieren Investoren den Glauben, dass das Land jemals die volle Summe zurückzahlen kann. Verlangen die Gläubiger jedoch hohe Risikoaufschläge und treiben so die Zinsen in die Höhe, dann tut sich der Staat noch schwerer, seine Schulden zu finanzieren. Der Bankrott eines Staates würde in einer Währungsunion jedoch alle Staaten betreffen, weil der Euro insgesamt dadurch gefährdet wird, da Anleger weltweit kein Vertrauen mehr in die Gemeinschaftswährung hätten. Hinzu kommt: Ein Zahlungsausfall eines Landes in der Währungsunion könnte die Banken anderer Länder beeinträchtigen, wenn diese in großem Stile Anleihen des Landes besitzen, die sie abschreiben müssten. Griechenland pleitegehen zu lassen, kam deshalb für die Politik nie in Frage.

 

Staatsschulden: Summe der insgesamt aufgelaufenen Schulden. Defizit: Betrag, um den in einem Haushaltsjahr die Ausgaben die Einnahmen übersteigen. Bruttoinlandsprodukt (BIP): Gesamtwert aller innerhalb eines Jahres im Inland für Endverbraucher hergestellte Waren und Dienstleistungen.

 

Deutschland ist kein Musterschüler

Die Bundesrepublik war allerdings auch kein Haushaltsmusterschüler. 2002 und 2003 brach Deutschland, wie auch Frankreich, die Defizitgrenze. Beide Länder setzten 2005 eine Aufweichung des Stabilitätspakts durch, so dass die vorgesehenen Strafen nie zum Tragen kamen. Auch aktuell steht Deutschland nicht gut da. Die Staatsverschuldung dürfte in diesem Jahr nach Prognosen der EU-Kommission bei 82,4 Prozent des BIP liegen. Die Ursachen für die Verschuldungen variieren unter den Euro-Ländern. In Irland erreicht die Verschuldung in diesem Jahr voraussichtlich 112 Prozent des BIP wegen der horrenden Kosten für die Bankenrettung. In Griechenland verschlingt ein aufgeblähter Beamtenapparat viel Geld, gleichzeitig drückt weit verbreitete Steuerhinterziehung die Einnahmen.

Seit dem Einbruch der Krise hat Griechenland jedoch einen drastischen Konsolidierungskurs eingeschlagen. Im vergangenen Jahr hat die Regierung fast zwölf Milliarden Euro eingespart. Die Löhne im öffentlichen Dienst sanken um 15 Prozent, die Renten um zehn Prozent. Bis 2015 sollen weitere 28 Milliarden Euro eingespart werden. Die Staatsausgaben müssen binnen fünf Jahren um 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts schrumpfen. Übertragen auf Deutschland wären das 425 Milliarden Euro. "Wer dem Wirtschaftskreislauf in so einer kurzen Zeit so viel Geld entzieht, tötet alles ab", sagt Gustav Horn, Leiter des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).

Für dieses Jahr prognostiziert die griechische Regierung einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 3,9 Prozent. Das wiederum drückt die Einnahmen und erhöht die Ausgaben, weil weniger Steuern in die Staatskasse fließen und mehr Arbeitslosengeld gezahlt werden muss. Beim Euro-Gipfel Ende Juli in Brüssel wurde deshalb auch ein Wachstumsprogramm für Griechenland beschlossen. Die Staats- und Regierungschefs haben außerdem die Zinsen für die griechischen Kredite aus den Rettungspaketen der Euro-Länder von 5,1 Prozent auf 3,5 Prozent gesenkt, um den Schuldendienst zu verringern.

Bruttoinlandsprodukt (BIP): Gesamtwert aller innerhalb eines Jahres im Inland für den Endverbraucher hergestellten Waren und Dienstleistungen. Zum Vergleich: Laut Stabilitäts- und Wachstumspakt darf die Gesamtverschuldung eigentlich die Marke von 60 Prozent des BIP im jeweiligen Jahr nicht überschreiten.

Noch hat Deutschland nichts gezahlt

Entgegen der landläufigen Meinung haben die deutschen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler noch nichts für die Euro-Rettung gezahlt. Für die bisherigen Kredite an Griechenland und den Rettungsfonds EFSF (Europäische Finanzstabilisierungsfazilität) hat die Bundesregierung lediglich Bürgschaften bereitgestellt. Dank dieser Garantien kann der EFSF zu günstigen Konditionen auf den Finanzmärkten Geld aufnehmen, die er als Kredite an klamme Länder weiter reicht. Bisher war das für Deutschland sogar ein gutes Geschäft, seit Mai 2010 flossen 198 Millionen Euro an Zinsen aus Griechenland. Nach der Zinssenkung vom Juli-Gipfel fallen die Einnahmen jedoch künftig weg. Kostspielig wird es für die Steuerzahlerinnen und -zahler erst, wenn Griechenland, Irland oder Portugal ihre Kredite nicht bedienen. Dann müsste Deutschland als Garantiegeber einspringen.

Derzeit bürgt Deutschland für 211 Milliarden Euro im EFSF. Mitte 2013 ersetzt der permanente Rettungsfonds ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) den EFSF. Dabei muss Deutschland erstmals Bargeld einzahlen. Geplant sind 21,7 Milliarden Euro neben den Garantien von 168,3 Milliarden Euro.

Apropos: Rettungsfonds EFSF/ESM

Seit 2010 sorgt der europäische Rettungsschirm (EFSF) dafür, dass Euro-Staaten Hilfspakete nutzen können. Die europäischen Staaten bürgen dabei für den EFSF, so dass dieser sich günstig am Markt Geld leihen kann. Der EFSF wird 2013 durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) ersetzt. Dieser soll über eine effektive Kreditsumme von 500 Milliarden Euro verfügen. Er kann am Kapitalmarkt Geld aufnehmen und als Kredit weiterreichen. Wer Hilfsgelder in Anspruch nimmt, muss sich einer harten wirtschafts- und haushaltspolitischen Kontrolle unterwerfen. Der ESM sieht auch eine Beteiligung privater Anleger vor – allerdings nur wenn ein Euro-Land dauerhaft seine Schulden nicht mehr bedienen kann. Die Grünen wollen dem ESM auch die Möglichkeit geben, am Markt bereits im Umlauf befindliche Anleihen aufzukaufen. Grundsätzlich soll er zu einem echten EU-Währungsfonds entwickelt werden, den das Europaparlament kontrolliert.

Spekulationen gemeinsam verhindern

Die Rettungsschirme wurden geschaffen, um Spekulation zu verhindern. Mit dem klaren Signal, dass alle Euro-Staaten für die Problemländer bürgen, werden Wetten gegen den Euro uninteressant. Weil alle Länder gemeinsam für den Euro einstehen, können Spekulanten nicht mehr daran verdienen, via Credit Default Swap auf eine Pleite eines Euro-Landes zu setzen.

Umstritten ist, ob die Größe der Fonds ausreicht. Der EFSF kann 440 Milliarden Euro ausleihen, der ESM 500 Milliarden Euro. Manche Ökonomen argumentieren, dass die Summe höher hätte ausfallen müssen, um Spekulanten endgültig abzuschrecken.

Die Rolle der Spekulanten in der Schuldenkrise ist umstritten. Deutschlands oberster Finanzaufseher, Jochen Sanio, sah im vergangenen Jahr einen "Angriffskrieg gegen die Euro-Zone". Ökonomen widersprachen dem jedoch. "Diese Krise haben nicht Spekulanten verursacht, sie decken nur die Schwächen auf", argumentiert Clemens Fuest, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates des Finanzministeriums.

Apropos: Wetten gegen den Euro

Wenn eine Bank einem Staat Geld leiht, kann sie bei einem anderen Finanzinstitut eine Kreditausfallversicherung abschließen (Credit Default Swap, CDS). Dieses muss zahlen, wenn der Staat Pleite geht und der Kredit ausfällt. Das Absurde: CDS sind frei handelbar. Man muss einem Staat gar kein Geld leihen, um sich gegen seine Zahlungsunfähigkeit zu versichern. So "wetten" Spekulanten quasi auf einen Staatsbankrott. Je mehr Spekulanten sich an dem Spiel beteiligen, desto wahrscheinlicher wird eine Staatspleite: Durch den massenhaften Ankauf von CDS wächst scheinbar das Ausfallrisiko und die Kreditzinsen für den betroffenen Staat steigen immer weiter.

Im Fall von Griechenland haben Anleger Zweifel, ob das Land jemals seine gesamten Schulden wird zurückzahlen können. Das Problem ist auch nach dem zweiten Hilfspaket vom Juli-Gipfel nicht gelöst. Die beschlossene Beteiligung der privaten Gläubiger, die einen Abschlag von 21 Prozent hinnehmen, drückt die Staatsverschuldung bis zum Jahr 2017 lediglich um zwölf Prozentpunkte auf 143 Prozent des BIP – ein noch immer erdrückendes Niveau. "Der nächste griechische Schuldengipfel kommt bestimmt", sagt Sven Giegold, finanz- und wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament. Seine Fraktion hat einen Vorschlag vorgelegt, nach dem Griechenland maximal fünf Prozent des BIP für Zinsen zahlen soll.

Die Ratingagenturen sind in der Schuldenkrise in die Kritik geraten. Mit ihren Noten beeinflussen sie Anleger stark, und mehrfach haben sie durch Herabstufungen just vor wichtigen Treffen die Politik unter Druck gesetzt. Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) will das Verhalten der Ratingagenturen untersuchen. Schwer verständlich ist etwa die Einschätzung, Griechenland schlechter als Pakistan einzustufen, obwohl die anderen Euro-Länder für Griechenland einstehen. Ein Teil der politischen Kritik an den Agenturen ist allerdings widersprüchlich: Die Gesetzgeber haben die Agenturen mächtig gemacht, indem sie die Ratings in der Bankenregulierung festgeschrieben haben.

Apropos: Ratingagenturen

Ratingagenturen sind private Unternehmen, die die Kreditwürdigkeit (Bonität) von Unternehmen und Staaten bewerten. Ihre Einschätzung mittels eines Notensystems (von AAA = Bestnote bis D = zahlungsunfähig) soll Anlegern helfen, das jeweilige Risiko zu beurteilen – und machen es Schuldnern entsprechend schwer oder leicht, sich Geld zu leihen. Rund 90 Prozent des Marktes teilen die drei US-Firmen Standard & Poor’s, Moody‘s und Fitch unter sich auf. Diese Marktdominanz hat zum Teil schwerwiegende Folgen: In der Finanzkrise etwa stuften sie hochriskante Papiere lange als relativ risikolose Anlagen ein – und verschlimmerten die Krise dadurch erheblich. Auch wie ihre Bewertungen zustande kommen, ist nicht transparent. Die Grünen fordern deshalb, das Oligopol der US-Agenturen zu brechen und als Gegengewicht eine unabhängige, nicht profitorientierte europäische Ratingagentur zu schaffen. Bei grober Fahrlässigkeit oder Fehlverhalten sollen Ratingagenturen zudem haftbar gemacht werden.

Der Euro ist mehr als eine Währung

Was ist die Lösung für Griechenland? Manche Ökonomen, wie etwa Hans Werner Sinn, Präsident des Münchener Ifo-Instituts, plädieren für einen Austritt aus der Währungsunion. Das Land könnte dann seine eigene Währung abwerten und Exporte ankurbeln. Die Schulden aber blieben erhalten – und zwar in Euro, so dass der Staat sogar relativ mehr zurückbezahlen müsste. Politisch ist der Ausstieg Griechenlands aus dem Euro nicht gewollt, weil er die gesamte Währungsunion schwächen und unweigerlich Spekulationen über weitere Austritte provozieren würde. Der Euro ist aber mehr als eine Währung, er ist ein europäisches Projekt. Bereits 1994, bei den Vorbereitungen für den Euro, bemerkte der damalige Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer: "Wenn wir eine Währungsunion schaffen und die sich als Misserfolg erweist, dann ist das ein sehr, sehr trauriges Ergebnis für Europa."

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Fatale ökonomische Folgen

Was würde ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone und die Rückkehr Deutschlands zur D-Mark bedeuten?

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Grüne Schritte für Europa

Die Schaffung einer europäischen Wirtschaftsregierung wäre ein nachhaltiger und grüner Weg aus Europas Krise.

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Wege aus der Schuldenfalle

Damit Griechenland und der Euro stabilisiert werden können, ist eine sanfte Umschuldung notwendig.

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"Gemeinsame Wirtschaftspolitik fehlt"

Ist der Euro noch zu retten? Sven Giegold über Spekulanten, Populisten und die Konstruktionsfehler der Europäischen Währungsunion.

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Endlich ein europäischer Weg

Cem Özdemir im Interview: Über seine Eindrücke vor Ort in Griechenland und Wege aus der Euro-Krise.

Kommentare

Frustrierter Demokrat
26-09-11 00:26
Hallo Frau Wettach,

fragen Sie mal einen EVU-Lobbyisten, was geschieht, sollte man z.B. 8 AKW's abschalten. Stromausfall, Chaos, jede Menge Tote, das Ende der uns bekannten Zivilisation wuerde beginnen, so seine mutmassliche Antwort. Wer selber nachdenk wird zu der Erkennntniss gelangen, das besagte Ereignisse nicht eintreten und das Leben weitergeht, wir kommen auch prima ohne AKW's aus. Der Beweis wurde dieses Jahr erbracht.

Mit der EUDSSR und dem Euro verhaelt es sich aehnlich, niemand benoetigt dieses Konstrukt. Auch hier sollte man selber denken und die Artikel nicht einfach aus irgendwelchen EU-Propaganda Publikationen kopieren.

Die EUDSSR hat fertig. Die Theorie war nicht schlecht, es sind aber schon viele gute Ideen an der Realitaet gescheitert.

Vermutlich gehoert Mathematik nicht zu Ihren Kernkompetenzen, aber das Zins-Geldsystem verlaeuft nach einer e-Funktion, solche Funktion steigen irgendwann steil an und lassen das System kolabieren. Man muss regelmaessig den Reset-Knopf druecken.

1 Euro im Jahre 0 zu 2% angelegt, wieviel waere das heute ?
Elke
23-09-11 10:23
Haette gerne diesen Artikel gelesen, konnte aber vor allem das heller gedruckte auf dem gruenen Hintergrund kaum entziffern - Schade!
Erik
19-09-11 23:15
Alle vergebliche Liebesmuehe solange Politiker nicht verstehen, dss ein Staat mit dem auskommen muss, was er an Steuern hat.
Wilfried
19-09-11 18:59
Bravo! Dies ist die beste Erklaerung der Zusammemhaenge der Finanzkrise, die ich bisher gelesen habe (z.B. im SPIEGEL, bei der Linksartei u.v.a.).
Alexander M. Henkel
19-09-11 14:24
„Europa entsteht durch die Währung oder gar nicht.“
Jacques Rueff (*1896), frz. Währungsexperte

„Die Einheit Europas war ein Traum weniger. Sie wurde eine Hoffnung für viele. Sie ist heute eine Notwendigkeit für alle.“
Konrad Adenauer (1876-1967)

Die europäische Idee war immer vorallem eine deutsche, gegründet auf dem Gedanken der Freiheit, gewachsen aus den bitteren historischen Erfahrungen von zwei Weltkriegen.

Wir teilen uns als Europäer den größten Binnemarkt der Welt, einen gemeinsamen Währungsraum, und nutzen vorallem als Exportnation Deutschland die ungeheuren Vorteile daraus.

Eine Gemeinschaft bedeutet aber auch, dass zuweilen die Schwierigkeiten eines Partners uns alle angehen.
Wenn man für eine gemeinsame Sache zum Nutzen aller arbeitet, muss man auch bereit sein, für diese Gemeinschaft einzustehn.
Solidarität ist ein leeres Wort, wenn sie nur bei schönem Wetter gilt.

Umso mehr schockiert es mich, in der derzeitigen existientiellen Krise unseres gemeinsamen Währungsraumes das Verhalten der schwarz-gelben Koalition zu verfolgen, besonders der FDP und der CSU.

Es wäre ein vernichtendes Signal für Europa und die Märkte, ein Land fallen zu lassen, denn es wäre nicht mit diesem einen Land getan.

Es war schon ein schwerer Fehler zu Beginn der Eurokrise vor über einem Jahr, kein klares Signal der Bereitschaft zum Zusammenstehen an die Menschen und die Märkte auszusenden.

Nur so kam es überhaupt erst zu dem enormen Vertrauensverlust.
Die ausufernden Zinsaufschläge und Risikoprämien selbst von Euro "Kern Ländern" wie Spanien und Italien sind in erster Linie nicht die Folge von wildgewordenen Spekulanten (auch wenn diese sicher Ihren Teil dazu beigetragen haben), sondern in erster Linie auf das Verhalten von, ich nenne es mal gewissenhaften Anlegern, wie Versicherungen, Banken, Geldmarktfonds usw. zurückzuführen, die aufgrund dieses Vetrauensverlustet und Unsicherheit nicht mehr bereit sind, italienische oder spanische Staatsanleihen zu kaufen.

Natürlich finde ich es als deutscher Steuerzahler erstmal nicht wünschenswert, für die griechische "Misere" aufzukommen.
Nur ein fallen-lassen Griechenlands wäre noch viel schlimmer und teurer, besonders eben auch für den deutschen Steuerzahler.

Die dramatischen politischen Konsequenzen und Folgen,
wie dann neu entstehendem Protektionismus, nationalstaatlichem Denken, ja sogar Bügerkriegen noch gar nicht berücksichtigt.

Erwähnen möchte ich an dieser Stelle auch eine erst kürzlich publizierte Studie der schweizer Bank UBS vom 06. September, in der diese vorrrechnet, welche ökonomischen Kosten ein ein rauswurf oder auch ausscheren eines starken Landes wie Deutschland derzeit für jeden einzelnen Bürger hätte.
Laut UBS würden die Kosten für jeden einzelnen Deutschen 6000-8000€ im ersten und 3500-4500€ in den Jahren danach betragen (verglichen mit etwa 1000€ für jeden Deutschen bei einer Stützung von Griechenlands, Irlands und Portugals).

Wer als deutscher denkt, ein Pleitegehen lassen oder gar Rausschmiss Griechenlands aus der Eurozone wäre die für uns günstigste Variante, versteht nichts von den funktionsweisen der Kapitalmärkte.

Für mich sind in erster Linie aber gar nicht die ökonomischen Vorteile eines Zusammenstehens für die derzeitigen Krisenländer entscheiden, sondern vorallem, dass die Idee eines gemeinsamen Europas uns viel mehr wert sein sollte, als nur nach unseren kurzfristigen Kosten zu fragen.
Karl
17-09-11 08:37
Der Artikel ist der Schlechteste, den ich von den Grünen bisher zu dem Thema gelesen habe. Da könnte man ja den Eindruck gewinnen, außer "Rettet den Euro" fällt den Grünen dazu nichts ein. Wie wär's denn mit der Forderung nach einem Sanierungskonzept, das nicht die Wirtschaft Griechenlands ruiniert ? Und nach dem Verzicht auf Geschenke an die Banken ?
Mir wird Angst und bange.
Helmut
17-09-11 06:30
Griechenland ist pleite. Und auch künftig ein Faß ohne Boden.

Die Gläubiger, die bisher prächtig an griechischen Hochzinsen verdient haben, sollen bitteschön jetzt auch das Ausfallrisiko tragen. Und nicht der einfache griechische Bürger und der europäische Steuerzahler.

Darum: Griechenland in eine geordnete Insolvenz entlassen und mit EU-Hilfe neu strukturieren und aufbauen.
Dies auch als Signal für weitere Pleitekandidaten.
Hans - Jürgen
16-09-11 18:47
Alles schön und gut, aber ich habe als Kaufmann gelernt, dass eine Bürgschaft ein Zahlungsversprechen ist.
Dieses kann aber nur jemand abgeben, der auch in der Lage ist zu bezahlen, wenn dieses eingefordert wird!
Deutschland zahlt jetzt schon an Zinsen jährlich rd. 37 Millarden € "ohne Tilgung" und die Schulden und Zinsen vom "Aufbau Ost" sind da noch nicht mal dabei!
Zinsen dieser beiden Schuldenblöcke sind schon so groß, wie der jährliche Staatshaushalt unserer Republick, ohne Tilgung!!
Kann man da eigentlich noch ruhigen Gewissens Geld ausgeben, was man gar nicht hat? Für Straßen, Schulen, Kindergärten haben wir schon kaum noch Geld, überall wird gestrichen,viele Kommunen Städte, Regionen und sogar ganze Bundesländer kämpfen in unserem Land mit der Pleite - und unsere Regierung tut so, als ginge sie das nicht an, sondern macht unverdrossen in allen Ministerien Außenpolitik.
Liebe Freundinnen und Freunde, berücksichtigt bitte die Ängste und Befürchtungen der Bürger dieses Landes!
Hört genau hin, sonst ist es mit der Euphorie und dem Zuspruch zu den Grünen genau so schnell wieder zu Ende, wie es uns derzeit im Lande beflügelt!
Wir müssen nicht das machen, was uns die Regierung und Teile der Opposition vorbeten, wir sollten das machen, was im Interesse der Mehrheit unserer Bürger und für unser Land gut ist. Und das hat gewiss nichts mit einer anteuropäischen Haltung zu tun. Es kann aber nicht angehen, das die einen sich an Gestze und Verträge halten, die anderen jedoch nicht - und da haben sogar viele von der FDP und auch von der CDU und CSU schon Vorbehalte.
Ich meine - richtig so, ich trage dieses auch nicht mit!!!
peter
13-09-11 19:25
Der Austritt aus der Währungsunion heisst; Abwertung des Geldes.
Dafür brauchen die Griechen nicht auf den Euro verzichten.
Grob gesagt; ob man dort jeden Euro gegen eine Drachme mit einen
Wert von 50 Cent Tauscht oder die Hälfte des Guthabens für
die Entschuldung verwendet ist das Selbe !
Geld das in Gold, Bar oder im Ausland versteckt ist liegt
außerhalb des Einflussbereiches.
Konten mit geringen Guthaben könnten aber verschont bleiben
um eine Sozialen Nöte entstehen zu lassen.
Der Geld Pöbel weis bescheid und kauft Gold und die deutsche bundesbank
kann in der Zeit der Angst erstmal gute Geschäfte mit Ihren
Gold Reserven machen.
Eine Insolvenz ist nur global eine Lösung oder europaweit !
Erik
12-09-11 11:23
Das passive Schweigen der Grünen in der aktuellen Finanzkrise ist untypisch und für mich erschreckend. Wo ist die interne Diskussion, wo der Versuch, neue Denkansätze zu entwickeln und Alternativen zum "alternativlosen" Kurs der Kanzlerin aufzuzeigen?
Im obenstehenden Artikel wird zu Recht massive Kritik an einzelnen Instrumenten der Finanzindustrie geäußert. Gut so, aber nun sollte man diese Erkenntnis auch in konkrete politische Forderungen umsetzen. Bislang erscheinen die Grünen nur als Rettungschirm für Frau Merkel: Wenn die Kanzlermehrheit versagt, werden es die Erfüllungsgehilfen der Opposition schon richten.
Die Grünen haben in den letzten Monaten sehr viel Vertrauensvorschuss bekommen, weil sie mit klaren Konzepten und konstanten Zielsetzungen punkten konnten. Dieses Vertrauen wird aber rasch wieder entzogen, wenn die Partei in der Krise orientierungslos agiert. Schaut Euch die aktuellen Umfragen doch an!
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