Irland und kein Ende?

Warum müssen deutsche Steuerzahler für die Pleite irischer Banken zahlen? Für wie viele Länder reicht der Rettungsschirm? Und warum haftet eigentlich nur die öffentliche Hand für die Schulden? Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, über die Krise des Euro und seine Perspektiven.

Gerhard Schick, Bundestagsabgeordneter und finanzpolitischer Sprecher der grünen Fraktion.

gruene.de: Warum müssen jetzt die Steuerzahler aus anderen Ländern einspringen? Kann sich ein reiches Land wie Irland nicht selbst helfen?

Gerhard Schick: Die Irland-Rettung ist eine weitere Runde der Bankenrettung, nachdem wir schon mit der irischen Tochter der HRE, der Depfa, teuer für die schlechte Finanzpolitik Irlands bezahlt haben. Jetzt helfen die europäischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler erneut, um einen Zusammenbruch der Banken in ihren eigenen Staaten zu verhindern. Außerdem geht es darum, ein Übergreifen der irischen Probleme auf andere Länder zu vermeiden. Denn das könnte die Währungsunion gefährden.

Im Gegensatz zu Griechenland hat Irland ein deutlich höheres Pro-Kopf-Einkommen als Deutschland. Wo liegt das Problem?

Irland galt über Jahre als Musterland. Guido Westerwelle hat es als Vorbild für Deutschland empfohlen. Doch die neoliberale Strategie, mit Niedrigsteuersätzen und lascher Finanzaufsicht Unternehmen aus aller Welt anzulocken, hat ihren Preis. Der marode irische Bankensektor ist heute mehr als achtmal so groß wie die jährliche irische Wirtschaftsleistung und damit völlig überdimensioniert. Weil die Regierung auch noch untätig blieb, als die Immobilienblase bereits für jeden sichtbar war, gerieten irische Banken in eine gravierende Schieflage, als diese Blase platzte. Mit der vollständigen Garantie für die Banken im Herbst 2008 hat sich der irische Staat finanziell schlicht übernommen. Die Folge: In diesem Jahr beträgt das Defizit in Irland voraussichtlich über 30 Prozent. Das ist zehnmal so viel wie die Maastricht-Grenze. Deswegen bekamen viele Investoren Zweifel daran, dass Irland seine Schulden zukünftig vollständig bedienen kann.

Wenn man nun feststellt, dass die Staaten der Eurozone offenbar zu unterschiedlich für eine gemeinsame Währung sind – wäre es da nicht konsequent, zu den alten Währungen zurückzukehren?

Nein, auf keinen Fall. Wirtschaftspolitisch würde die Rückkehr zu nationalen Währungen wie der D-Mark zum Fiasko mit unabsehbar hohen Kosten führen. Unsere Ausfuhren wären mit einem Schlag nicht mehr wettbewerbsfähig auf den Weltmärkten, weil eine neue D-Mark gegenüber dem alten Euro sofort drastisch aufwerten würde. Und letztlich spricht natürlich auch ein integrationspolitischer Grund dafür: Die europäische Einigung würde durch ein Scheitern des Euro um Jahrzehnte zurückgeworfen werden.

Wenn der Euro Bestand haben soll, dann ist Irland aber vielleicht nicht der letzte Rettungsfall. Was passiert eigentlich, wenn der Rettungsschirm nicht für alle diese Länder ausreicht?

Die Gefahr besteht sehr real: Wenn nach Irland und vielleicht Portugal noch weitere Länder Hilfe brauchen sollten, stieße der Rettungsschirm an seine finanziellen Grenzen. Damit es auf den Finanzmärkten zu der Frage, ob er reicht, gar nicht erst kommt, muss allerspätestens vom EU-Gipfel im Dezember ein glaubhaftes Signal europäischer Geschlossenheit ausgehen. Europa wird eben nur dann aus dieser Krise kommen, wenn die Europäer gemeinsam handeln und die jeweiligen Regierungen sich nicht nur wie die Regierung Merkel oder auch die irische Regierung an den nationalen Wahlterminen und Stimmungslagen orientieren.

Irland hat sich dagegen gewehrt, seine Körperschaftsteuersätze anzuheben. Das heißt doch, dass der deutsche Bürger das Risiko trägt, deutsche Unternehmen aber immer noch das Steuerparadies Irland genießen können.

Richtig, deswegen brauchen wir bei der Unternehmensbesteuerung endlich europäische Mindeststeuersätze. Und zwar nicht nur in Irland. Es darf künftig keine nationalen Wachstums- und Standortstrategien mehr geben, die wie in Irland darauf basieren, über unfairen Steuerwettbewerb Vorteile gegenüber anderen Ländern Europas zu haben. Genauso wenig dürfen wir akzeptieren, dass eine Finanzaufsicht vorsätzlich nicht richtig durchgreift, denn das kommt alle Beteiligten langfristig teuer zu stehen, wie die jetzige Krise zeigt. Vor allem wäre es richtig gewesen, die Aufsicht über grenzüberschreitend operierende Institute vollständig auf die europäische Ebene zu verlagern. Doch hier haben einige EU-Mitgliedstaaten blockiert, darunter übrigens Deutschland. Das zeigt: viele Länder in der EU ziehen die Lehren aus dieser Krise noch immer nicht.

Und sollten nicht auch diejenigen zumindest einen Teil des Risikos tragen, die Irland leichtfertig Geld geliehen haben und daran verdienen?

Ja! Eine Beteiligung der Gläubiger ist nötig. Sie wird auch vom Internationalen Währungsfonds immer wieder bei Staatspleiten umgesetzt. Wer die Gläubiger nicht beteiligt, erhöht natürlich die Kosten der Rettungsprogramme für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Außerdem wird so bereits die nächste Krise vorprogrammiert. Denn wenn Investoren keine Verluste fürchten müssen, werden sie auch künftig einseitig auf Renditen schielen, ohne die Risiken zu analysieren. Wenn wir das verhindern wollen, ist die Wiederherstellung des Haftungsprinzips am Finanzmarkt dringend erforderlich. Allerdings kann eine Gläubigerbeteiligung nur zusammen mit einer Stabilisierung gelingen. Leider hat hier die Bundesregierung seit Beginn der Eurokrise viel Porzellan zerschlagen – ihre stümperhafte Kommunikation eines halbfertigen Konzepts zur Gläubigerbeteiligung hat zu neuen Irritationen auf den Märkten geführt.

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Fatale ökonomische Folgen

Was würde ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone und die Rückkehr Deutschlands zur D-Mark bedeuten?

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Mehr als eine Währung!

Seit Monaten steckt der Euro in der Krise. Dieser Hintergrundartikel erklärt, wie es zur Krise kam, und warum die Gemeinschaftswährung gerettet werden muss.

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Gemeinsam gegen die Eurokrise

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD legen zusammen mit dem Ökonomen Peter Bofinger ein Thesenpapier zu Ursachen und Lösungen der Eurokrise vor.

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Alle für alle!

Für Griechenland wurden Milliardenpakete aus Steuergeldern geschnürt. Wie auch private Gläubiger und Vermögen am Kampf gegen die Eurokrise beteiligt werden können.

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Endlich ein europäischer Weg

Cem Özdemir im Interview: Über seine Eindrücke vor Ort in Griechenland und Wege aus der Euro-Krise.

Kommentare

Colanuss
12-12-10 20:02
Pro Atomkraft, du musst mir nicht erklären, was Eurobonds sind... Du musst mir auch nicht erklären, wie eine Staatspleite funktioniert...
Dass die Gruenen für Euro-Bonds sind, naja, das ist eine inkonsequente Weiterführung der durch die Regierung vertretenen Inkonsequenz... Leider mag ja Frau Merkel keine allzu große Einmischung in die deutsche Finanz- und Wirtschaftspolitik... Aber eine gemeinsame Politik auf europäischer Ebene ist der einzige Weg, sich diesem Druck durch die Spekulanten auf Dauer wirkungsvoll zu entziehen...
Euro-Bonds sind ein weiterer Flicken im europäischen Flickenteppich... Dafür bin ich durchaus nicht, aber es ist leider nichts anders zu machen...

Die USA und ihr Dollar sind nicht angreifbar, trotz einiger Pleitestaaten, die sie mit durchschleppen, weil sie genau so eine gemeinsame Politik haben und verfolgen...
Wenn Irland gerettet ist, dann wird vielleicht Portugal kommen, dann Spanien... Und bald wird sich die Katze selbst den Kopf abbeißen... Das Problem ist, dass von den Rating-Agenturen Europa als Ganzes und gleichzeitig als Bündel einzelner Staaten gesehen wird, dann wird jeweils der schwächste Staat, das schwächste Glied der Kette, als neues Opfer auserchoren... Und es wird immer ein schwaches Glied geben, so lange, bis Europa eine einzige Einheit und nicht eine Sammlung vieler Bestandteile ist! Es wird immer weiter gehen, es wird ein weiterer Rettungsschirm folgen, und noch einer... Europa frisst sich selbst auf...
pro Atomkraft
12-12-10 19:43
nun Colanuss, dass Du die Wahrheiten als Geschwätz und dummes Zeug abtust zeugt mehr von ideologischer Intoleranz als von sachlicher Argumentation. Das Du dabei sachliche Unwahrheiten verbreitest solltest Du aber schon wissen...

Der europäische Rettungsschirm dient Griechenland und vielleicht weiteren Staaten, sich Geld zu beschaffen, weil sie alte Kredit (Anleihen) zurückzahlen müssen und die von Dir so sehr gehassten Investoren diesen Staaten zu bisherigen Konditionen kein Geld mehr geben wollen. Ohne diesen Rettungsschirm wären die Staaten Illiquide oder mit anderen Worten Pleite! Europa würde eine Staatspleite nur wenig interessieren. Island ist ein gutes Beispiel dafür. Bei den EURO-Staaten sieht es aber anders aus. Hier spielt nun einmal die gemeinsame Währung und deren Stabilität und Ansehen eine entscheidende Rolle. Nur deshalb wird der Rettungsschirm gespannt und nur deshalb will Jean-Claude Juncker einen EURO-Bonds - oder mit anderen Worten eine Anleihe, die das gesamte EURO-Europa erhält und für die es auch haftet. Die Grünen sind übrigens dafür...
Für die Investoren hat es den gleichen Effekt wie der Rettungsschirm. Der problematische Staat bekommt Geld vom EURO-Bond und bezahlt seine fälligen Schulden damit.
Für Europa ändert sich damit jedoch etwas ganz gewaltig, da dann unkontrolliert Schulden zu Lasten der Gemeinschaft durch die einzelnen Staaten gemacht werden könnten.

Nun was den Mindestlohn angeht gibt es ja Studien der SPD nahen Böckler-Stiftung. Die von Dir so hoch favorisierten nordeuropäischen Staaten brauchen keinen Mindestlohn, da der Wettbewerb funktioniert. Der Mindestlohn in den osteuropäischen Staaten, an denen wir angrenzen ist dabei mit unter 2 EUR erschreckend niedrig. Mit dem ab Mai 2011 geöffneten Arbeitsmarkt werden insbesondere die durch einen Mindestlohn zu schützenden Bereiche im Bau, Gebäudereinigung und Handwerk sehr starken Wettbewerb durch die polnischen und tschechischen Firmen bekommen. Da hilft dann auch kein deutscher Mindestlohn, der für die ausländischen Firmen dann nicht gilt... Aber richte Du Dich mal nach dem Westen aus und tue so, als wäre dies keine Realität. Typisch Grün sage ich dann dazu...
Colanuss
12-12-10 15:50
Weißt du, es ist ermüdend, gegen so viel Geschwätz anzureden... Es ist dummes Zeug. Wer Anleihen kauft, der tut das nicht, weil er dazu gezwungen wird... Er tut es, weil er damit Geld verdienen möchte... Und der Rettungsschirm muss das Unternehmerrisiko der Investoren absichern, weil diese zu unvernünftig wirtschaften, weil diese auch teilweise den Staat dazu nötigen, mit Hinweis auf die Wichtigkeit des eigenen Unternehmens, den Staat erpressen und ihm Steuergelder aus der Tasche zu ziehen... Ich brauche auch keine Nachhilfe in Finanzwirtschaft. Aber weißt du, du scheinst die Interessen des Investors zu vertreten, der sich auch diese zusätzlichen Steuereuros noch als Rendite mitnehmen möchte... Dabei hast du die Rolle der Rating-Agenturen vergessen...

Was das Lohnniveau angeht, so wird dieses hier küstlich niedrig gehalten. In den Ländern, die hier inzwischen produzieren lassen, herrschen teilweise sehr hohe Mindestlöhne. Das ist eine Entwicklung, der wir uns längst hätten anschließen sollen... Da muss man sich keinem Wettbewerb stellen, da muss man etwas umsetzen... Marktliberalismus funktioniert nachweislich nicht, dafür gibt es mehrere recht eindrucksvolle Belege...
pro Atomkraft
12-12-10 14:45
Nun Colanuss es ist schon wichtig zu wissen, wer hier wie agiert. Es ist der jeweilige Staat, der Geld benötigt Anleihen herausgibt und hierfür Investoren sucht. Findet der Staat niemanden mehr, weil man dem Staat nicht mehr zutraut, dass er die Schulden auch wieder zurückzahlt, dann versucht der Staat durch höhere Zinsen die Anleihen attraktiver zu machen, solange bis er es sich nicht mehr leisten kann. Schau Dir dazu einfach mal die Emissionskurse der Anleihen und die jeweiligen Nominalzinsen an. Das ist auch bei Griechenland so... Jetzt finden sie niemanden mehr, der Ihnen die auslaufenden Anleihen zu gleichen Konditionen weiter finanziert. Warum? Weil ihnen keiner mehr zutraut, diese Schulden auch wieder irgendwann zurück zu zahlen. Deshalb muss die EZB einspringen und Europa einen Rettungsschirm aufspannen. Es ist nicht der Investor, der dem Staat sein Geld hinterherwerfen will. Es ist der Staat, der durch Misswirtschaft, Geld braucht. Soviel zur Verdrehung von Tatsachen...

Was Deinen Ausspruch zu Lohndumping angeht werden wir uns dem Wettbewerb stellen müssen und dieser wird von denen bestimmt werden, die für gleiche Arbeit im Ausland weniger bekommen und daher Ihre Arbeit hier verrichten wollen. Du magst über die gut qualifizierten Fachkräfte reden, die auch nicht nach Deutschland zum arbeiten kommen, sondern gleich nach England weitergehen. Ich rede insbesondere von Menschen des Dienstleistungsgewerbes, die hier schon wenig bekommen, aber um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen, da die gleiche Dienstleistung im Ausland noch preiswerter ist und hierher importiert wird.
Es ist sehr einfach strukturiert nur die relativen Lohnsteigerungen zu betrachten und zu sagen überall um uns herum sind die Lohnerhöhungen höher. Aber 1% von 2.000 EUR in Deutschland sind eben in Geld ausgedrückt mit 20 EUR immer noch genauso viel wie 5% von 400 EUR im Ausland. Aber das ist eben Mathematik...
Colanuss
12-12-10 14:17
Pro Atomkraft, wer den Zins für einen überschuldeten Staat festlegt, das steht hier nicht zur Diskussion. Hier geht es darum, dass Banken, die einem solchen Staat Geld leihen, sich diesen Zins einstreichen, weil sie sich eine angenehme Rendite von ihren Geschäft versprechen... Dabei gehen sie ein hohes Risiko ein, das dann der Steuerzahler trägt. Du verdrehst die Tatsachen.

Und zu den Dumpinglöhnen, naja, da scheinst du auch schlecht informiert oder wenig anspruchsvoll zu sein... Ich habe nämlich nicht den Anspruch, mich mit schlecht entwickelten Volkswirtschaften zu messen. Darum sehe ich nicht nach Osten, sondern zum Beispiel nach Norden, wo man erkannt hat, dass Deutschland mittlerweile wegen der niedrigen Lohnkosten ein ausgesprochen günstiger und produktiver Produktionsstandort ist... Dass du dich lieber mit polnischen oder rumänischen Verhältnissen messen willst, das zeigt dein Vertrauen und deine Anspruchshaltung in und an die deutsche Volkswirtschaft. Mit der Meinung trägst du mit zur Abwanderung von Spitzenkräften bei, die wir ja so dringen brauchen, hier in Deutschland...
Mittlerweile exportieren wir stark nach China, und die zahlen nicht zwangsläufig in USD, die zahlen immer in der Währung, die momentan als geeignetste erscheint...

Selbst in Rumänien steigen die Löhne und Gehälter schneller als bei uns... Hier ist ein recht aktueller Artikel zum Thema, den du sicher leugnen wirst...
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,733724,00.html
pro Atomkraft
11-12-10 19:47
@Colanuss

Es ist nicht die finanzierende Bank oder der Investor, die den Zins für einen Staat bestimmt sondern das Ansehen und die Finanzkraft des Staates selbst und die Bereitschaft für einen Preis diesem Staat Geld zu leihen. Wenn ein Staat wie Griechenland pleite ist, dann dadurch, dass man dort über die Verhältnisse gelebt hat und lebt. Auch Irland als Staat ist nicht ganz unschuldig an seiner Pleite. Wenn ich mit niedrigen Steuern Gewerbe anlocken möchte, darf ich mich nicht wundern, wenn ich nicht genug Einnahmen für die zu leistenden Ausgaben habe. Dies tut man in Deutschland im Übrigen auch. Schauen wir nur auf die jährliche Neuverschuldung und den Schuldenberg insgesamt... Die Folgen davon sind heute noch nicht abzusehen... Europa ist durch die gemeinsame Währung dabei nun einmal eine Schicksalsgemeinschaft. Der Rettungsschirm ist nur ein der kleine Versuch diese Schicksalsgemeinschaft zusammen zu halten. Der größere Versuch wird derzeit von Herrn Junkers versucht mit der Ausgabe von EURO-Anleihen, wogegen sich Deutschland sperrt...

Und eine kleine Auffrischung zum niedrigen Wert des Euros: Den Titel "Exportnation" haben wir uns erworben weil wir insbesondere an unsere europäischen Nachbarn exportieren, die mit überwiegend Euro bezahlen. Da aber keiner unserer Nachbarn für uns interessante Rohstoffe in Euro anbietet, kaufen wir diese für Dollar am Weltmarkt...

Und deutsche Löhne als "Dumpinglöhne" zu bezeichnen zeugt eher von fehlenden Vergleichsmöglichkeiten oder Sachverstand. Ein Blick über die Grenzen gen Osten, der von mir nicht so weit ist, zeigt uns was Dumpinglöhne für unsere Begriffe wirklich sind. Da bekommt ein Hartz IV Empfänger mehr Geld als eine polnische Verkäuferin... Aber gerade diesen Dumpinglöhnen werden wir uns ab Mai 2011 stellen müssen, wenn der deutsche Arbeitsmarkt auch für osteuropäische Arbeiter offen ist...

Je mehr Europa wir wollen, um so mehr Europa müssen wir uns auch gefallen lassen...
Colanuss
05-12-10 17:59
@ pro Atomkraft

Eine Bank, die einem künftigen Pleitestaat Geld geliehen hat, ier hat in ihre Zinsen bereits sein Ausfallrisiko eingepreist und kassiert da kräftig... Und da nun einen steuerlich finanzierten Rettungsschirm aufzuspannen, das nimmt die Banken vollends aus ihrem Risiko... Kassieren wollen sie alle, aber die Risiken sollen die Bürger tragen... Auch das sollte der Sparer wissen. Wenn Protektionskind Ackermann Rekordrenditen verspricht, während die Steuerzahler sein Unternehmerrisiko tragen müssen, dann ist das nichts anderes als eine Umverteilung von unten nach oben... Wenn der Sparer bei solchen Dingen draufzahlt, dann liegt das daran, dass die Banken unvernünftig wirtschaften...
Mal sehen, was Basel 3 bringt...

Und die Aussage, dass ein niedriger Wert des Euro pauschal alle Preise erhöht, die stimmt doch so auch nicht...
Als Exportnation, den Titel erkaufen wir uns mit unserem Status als Dumpinglohnland, kommt uns das doch entgegen...
Da kann man ja gleich mal über einen Mindestlohn nachdenken, bevor unser Ansehen im Ausland völlig in den Keller sinkt...
pro Atomkraft
05-12-10 00:12
Sehr geehrter Herr Schick,

es ist eine wirklich "kluge" Entscheidung den Gläubiger an den Krisen zu beteiligen. Nachdem Sie mit dem griechischen und irischen Sparer über seine Beteiligung gesprochen haben, vergessen Sie dann nicht dem deutschen Sparer zu sagen, dass er bei der Pleite seiner deutschen Bank oder seiner Fondsgesellschaft als Folge dieser Beteiligung als deren Gläubiger auch "seine" Beteiligung beibringen möchte...
Und ganz nebenbei erläutern Sie dann bitte der Bevölkerung des Euro-Raumes, warum wegen des fehlenden Vertrauens der Investoren der Wert des Euros fällt und die Preise damit massiv steigen...
Die "hohen Renditen" der Problemstaaten sind lediglich Ausdruck eines fehlenden Vertrauens in diese Staaten.

Also viel Erfolg mit derart sinnfreien grünen Ideen.
Colanuss
03-12-10 22:52
Es gab eine Zeit, da wusste man auch bei den Gruenen, wenigstens teilweise, von diesem fundamentalen Fehler im System... Nach diesem System sind die Akteure an den Finanzmärkten Dienstleister, die einzig die Aufgabe haben sollen, auf Basis von Spekulationsblasen und mit unrealistischen Renditen die Realwirtschaft mit Kapital zu versorgen... Stattdessen lässt man sich von diesen Dienstleistern immer wieder vor Augen führen, wie destruktiv sich ungezügelte Gier auf die Weltwirtschaft auswirkt. Mittlerweile kann man davon reden, dass selbst realwirtschaftliche Unternehmen zu Finanzprodukten umgebaut werden, die nicht mehr den Menschen mit Lohn und Brot versorgen, was ihre Aufgabe wäre, sondern die Gier Weniger mit ebenfalls unrealistischen Renditen befriedigen, was dann ja meist im Abbau von Arbeitsplätzen und sogar in der Zerstörung des Unternehmens selbst gipfelt...

Wirklich, die Gruenen haben früher eine Menge guter Ideen vertreten, die sich im Zusammenspiel wirklich gut hätten entwickeln können... War doch schön, dass man den Kapitalismus wenigstens kritisch betrachtet hat, Feminismus für Chancengleichheit sorgen sollte... Die Idee, dass man sich seinen Qualifikationen entsprechend in die Gesellschaft einbringen kann, sich persönlich weiterentwickeln kann, die Gesellschaft so zum Positiven entwickeln kann, die ist wirklich toll... Statt aber diese Ideen dann zu leben, beschränkt sich der Feminismus heute darauf, die Hälfte an Raubbau und Sklaverei mit vertreten zu dürfen, sich nicht persönlich sondern allenfalls finanziell weiterentwickeln zu können... Das spiegelt sich im heutigen Austausch zum Thema Feminismus wider. Sicher haben SPD, Gruene und Linke Recht, wenn sie die längst überfällige Frauenquote fordern! Aber warum beschränkt man sich da pauschal auf Aufsichtsräte und Vorstände? Als Signal ist das sicher richtig, aber was ist mit allen anderen Bereichen? Warum redet man nur von sehr gut bezahlten Führungspositionen? Für wie viele Frauen ist das denn überhaupt relevant? Ich neige nun wirklich nicht zu Gemeinsamkeiten mit CDU, FDP oder dem Schmutz rechts davon, aber was soll eine Quotenfrau im Vorstand von Hochtief, wenn ihr das Verständnis für bautechnische Dinge absolut abgeht? Was will eine Frau im Bereich Maschinenbau im Topmanagement entscheiden, wenn sie nicht über entsprechende Qualifikationen verfügt? Quote ja, aber nicht nur auf dem Olymp, bitte sachlich einen differenzierten Stufenplan entwickeln, der die Besonderheiten im Bildungsbereich widerspiegelt und verbessert, damit die Quote auch sinnvoll sein kann.

Karriere auf Kosten Anderer auch für Frauen, was nicht verwerflicher ist, als wenn es Männer tun... Aber mit dieser Entwicklung ist man, aus Macht- und Geldgeilheit, absolut am Ziel vorbei geschossen. Endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen, beschränkt man sich heute damit, mittelmäßig zu sein, ohne Gestaltungspotenzial. Karriere ist nicht grundsätzlich schlecht, ich lasse mich allerdings lieber von einem Chirurgen operieren, der seinen Beruf und nicht das Geld liebt...
Muslix
03-12-10 18:09
Auf Dauer über den Wachstumsraten der realen Wirtschaft liegende Zinsen und die
noch stärker wirkenden Zinseszinsen sind Ausdruck eines elementaren Systemfehlers. Dieser Fehler treibt die reale Wirtschaft und damit uns alle immer wieder in die Katastrophe. Die Ehrfurcht vor den Fachleuten, die vor der Krise nichtsahnten, aber nach der Krise wieder mit Wachstumsgeschwätz die Meinungsführerschaft übernommen haben, ist leider noch viel zu groß.
Dieser Meinungsführerschaft, die natürlich durch die „Hofberichterstattung“ der Massenmedien überhaupt nur als solche zur Geltung kommt, kann durch Erkenntnisse gebrochen werden, die beweisen, wie substanzlos die Rezepte der Entschei
der in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft sind.
Die Wirtschaftswissenschaft ist nackt wie der Kaiser in Andersens Märchen. Doch viel zu vielen fehlt noch die kind-
liche, unbekümmerte Wahrheitsliebe, die Nacktheit zu benennen. Das gewachsene System der gegenseitigen machtpolitischen Abhängigkeit funktioniert noch
und stellt die Angst um die eigene Reputation vor die Wahrheit. Doch je länger die Ökonomen an ihren offensichtlich falschen Grundsätzen festhalten, um so mehr
setzen sie sich der Lächerlichkeit der Bevölkerung aus.
Statt Beschleunigungsgesetzen brauchen wir steuer- und ordnungspolitische Bremsklötze für die Wirtschaft
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