Gemeinsam gegen die Eurokrise

Die engstirnige Haltung von Bundeskanzlerin Merkel in der Eurokrise droht Europa zu spalten. In ihrem gemeinsamen 12-Punkte-Papier kritisieren die Partei- und Fraktionsvorsitzenden von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD und der Ökonom Peter Bofinger das Krisenmanagement der schwarz-gelben Bundesregierung und benennen Ursachen und Lösungen für die Schuldenkrise.

Europakarte als 3D Puzzle., Foto: batintherain/flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0)
Puzzle Europa. Foto: Batintherain/Flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0) Foto: batintherain/flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0)

Der Euroraum darf nicht an der Engstirnigkeit der deutschen Regierung scheitern

  1. Die Bundesregierung verfolgt in der Eurokrise seit Monaten eine eindimensionale Strategie, die die europäischen Finanzmärkte massiv destabilisiert und damit zugleich den Euroraum an den Rand der Rezession geführt hat. Die OECD warnt in ihrem jüngsten Wirtschaftsausblick sogar vor „verheerenden Konsequenzen ("devastating outcomes"). Mit einem Festhalten an ihrem Kurs gefährdet die Bundesregierung die wirtschaftliche und politische Zukunft Europas und sie schadet dem Ansehen Deutschlands.

  2. Das Grundproblem der deutschen Strategie ist eine völlig einseitige Diagnose der nunmehr seit mehr als vier Jahren andauernden Krise. In den Augen der Bundeskanzlerin sind die aktuellen Probleme des Euroraums ausschließlich auf eine unkontrollierte Verschuldung der Staaten zurückzuführen. Damit ist für sie auch die Lösung klar definiert. Die Krise kann nur dadurch gelöst werden, dass sich alle Staaten konsequent darum bemühen, die Verschuldung so schnell wie möglich abzubauen. Zukünftige Fehlentwicklungen sollen durch eine Umgestaltung der Europäischen Verträge verhindert werden, so dass die unsolide Haushaltspolitik eines Mitgliedslandes möglichst konsequent und am besten automatisch sanktioniert wird. Bei dieser eindimensionalen Sichtweise ist es naheliegend, dass die Bundesregierung alle Formen einer gemeinschaftlichen Haftung ebenso ablehnt wie Anleihekäufe der EZB, da dadurch der als dringend erforderlich angesehene Konsolidierungszwang abgeschwächt wird.

  3. Es bedarf eigentlich keiner sehr tiefen Analyse, um zu erkennen, dass die derzeitigen Erschütterungen des Euroraums nicht allein durch eine zu hohe Verschuldungsneigung der Staaten, sondern ebenso zu einem erheblichen Teil auf gravierende Fehlentwicklungen auf den Finanzmärkten zurückzuführen sind. So galten Irland und Spanien im Jahr 2007 als Staaten mit mustergültigen öffentlichen Finanzen. Ihre Haushalte wiesen einen Überschuss auf und die Schuldenstandsquote lag mit 29% bzw. 42% weit unter der 60%-Grenze des Vertrags von Maastricht. Das Problem lag hier in einer ungezügelten Kreditvergabe, die zu einer gigantischen Immobilienblase führte. Nach deren Platzen mussten in die Staaten nicht nur die Banken stabilisieren, sondern zugleich umfangreiche öffentliche Mittel zur Unterstützung der Arbeitslosen einsetzen.

  4. Die so entstandenen hohen Defizite und der damit verbundene Anstieg des Schuldenstands sind jedoch keine Besonderheit des Euroraums. Sie sind in ähnlicher und teilweise noch ausgeprägterer Form im Vereinigten Königreich und in den Vereinigten Staaten zu finden. Wenn sich daraus eine so gravierende Destabilisierung des Euroraums entfalten konnte, ist das wesentlich auf falsche Signale der Bundesregierung zurückzuführen, die immer weiter dazu beitrugen, die Sicherheit europäischer Staatsanleihen infrage zu stellen. Es ist aber genau diese Sicherheit von Staatsanleihen in Europa und in der Euro-Zone, die in allen Regulierungen für Banken und Versicherungen als absolut sichere Anlagekategorie galten. Der lange Zeitraum über den hinweg diese prinzipielle Sicherheit von Staatsanleihen nun bereits vor allem durch die deutsche Bundesregierung infrage gestellt wurde, hat inzwischen zu einer Verunsicherung in der gesamten Euro-Zone geführt. Auf eine europäische Herausforderung lediglich mit Anforderungen an nationale Sparprogramme zu reagieren, ist eine der wichtigsten Ursachen für die dramatische Entwicklung der Krise. Diese Entwicklung ist für die Mitgliedsländer der Währungsunion besonders bedrohlich, da sie anders als Japan, das Vereinigte Königreich oder die Vereinigten Staaten nicht über den Rückhalt einer nationalen Notenbank verfügen, die im Notfall bereit und in der Lage ist, die Rückzahlung fälliger Anleihen stets zum Nennwert zu garantieren und mit einer für alle beteiligten Staaten gemeinsamen, verbindlichen und durchsetzbaren Finanz-, Budget- und Stabilitätspolitik zu verbinden. Zusätzlich untergraben wurde das Vertrauen in Anleihen des Euroraums durch eine „Hebelung“ der EFSF, womit für die Märkte ein deutliches Signal gesetzt wurde, dass man bei Anleihen Italiens oder Spaniens mit einem Schuldenschnitt von 20% oder mehr zu rechnen habe.

  5. Die dadurch ausgelöste Verunsicherung der Märkte war so groß, dass die in den Jahren 2010 und 2011 unternommenen eindrucksvollen Sparbemühungen der Problemländer überhaupt nicht wahrgenommen wurden. Trotz einer sich teilweise stark abschwächenden Konjunktur ist es in Griechenland, Irland, Portugal und Spanien gelungen, das Haushaltsdefizit im Jahr 2011 um bis zu 6,8 Prozentpunkte unter das Niveau des Jahres 2009 zurückzuführen. Es gehört zu den großen Versäumnissen der Bundesregierung, dass sie diese erfolgreichen und für die Bevölkerung der betroffenen Länder sehr schmerzhaften Anstrengungen der deutschen Öffentlichkeit gegenüber nahezu völlig unterschlägt. Die Bemühungen der Problemländer werden besonders deutlich, wenn man sie mit die Haushaltsentwicklungen in Japan, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten vergleicht, die in der gleichen Phase nur eine leichte Besserung erkennen lassen; in Japan hat sich das Defizit sogar erhöht.

  6. Es ist deshalb sehr naiv zu glauben, dass die Lage auf den Finanzmärkten wie auch die realwirtschaftliche Entwicklung nur und ausschließlich mit weiteren Konsolidierungsmaßnahmen in den Problemländern stabilisiert werden könne. Maßnahmen zur Konsolidierung sind richtig und wichtig. Klare Aussagen zur Zukunft der Eurozone und zur gemeinschaftlichen Haftung innerhalb einer Währungsunion gehören jedoch unabdingbar dazu. Auf das Pferd der Konsolidierung zu setzen ist in konjunkturell ungewissen Zeiten immer ein Ritt auf der Rasierklinge. Dies gilt insbesondere für Italien. Nach den derzeitigen Planungen wird sich das Defizit dieses Landes im Jahr 2012 um zwei Prozentpunkte verbessern. Gleichzeitig erwartet die OECD, dass es in Italien im nächsten Jahr zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts kommen wird. Wenn man in einer solchen Konstellation weitere Einsparungen im öffentlichen Sektor unternimmt, ist die Gefahr groß, dass sich die konjunkturelle Situation weiter verschlechtert. Da sich dies negativ auf das Defizit und den Schuldenstand auswirkt, ist zu erwarten, dass die Finanzierungsprobleme des Landes weiter zunehmen. Durchaus sinnvoll wäre in Italien aber eine Vermögensabgabe in relevanter Höhe, um die sehr hohen Privatvermögen im Land zur Reduzierung der Staatsschulden mit einzubinden. Dies würde die Akzeptanz der restlichen Sparmaßnahmen sowie eventueller Kredithilfen erhöhen.

  7. Bei einer nüchternen Diagnose der Probleme des Euroraums wird somit zu einem deutlich, dass diese zu einem erheblichen Teil auf Fehlentwicklungen der Finanzmärkte im letzten Jahrzehnt zurückzuführen sind. Zum anderen ist nicht zu übersehen, dass die akute Verschärfung der Situation nicht allein mit mangelnden Sparanstrengungen der Problemländer, sondern ebenso durch eine Verunsicherung von Banken, Versicherungen und anderen Investoren, ausgelöst durch missverständliche und unklare politische Signale, zu erklären ist. Dies hat zu einem Teufelskreis geführt, bei dem sich über steigende Zinsen für Staatsanleihen immer Länder nicht nur einem Liquiditäts-, sondern auch einem Solvenzproblem gegenüber sehen. Da damit die Eigenschaft der Staatsanleihen als sicherer Kern des Finanzsystems in Frage gestellt wird, gefährdet dieser Prozess die Stabilität von Banken und Versicherungen. Da dies zu Einschränkungen bei der Kreditvergabe führt, werden zusätzliche negative Rückkopplungseffekte auf die Realwirtschaft ausgelöst.

  8. Wenn die Bundesregierung in einer solchen Situation gebetsmühlenhaft immer weitere Konsolidierungsmaßnahmen fordert und gleichzeitig alle Schritte, die zu einer Beruhigung der Finanzmärkte beitragen könnten, kategorisch ablehnt, gefährdet sie die Stabilität der Europäischen Währungsunion und des gesamten europäischen Finanzsystems. Zugleich nimmt sie billigend in Kauf, dass es zu einer schweren Rezession im Euroraum kommen kann. In den Problemländern mit einer ohnehin beängstigend Jugendarbeitslosigkeit würde dies die Haushaltskonsolidierung ebenso gefährden wie die politische Stabilität. Da Deutschland für solche Entwicklungen zu Recht die politische Verantwortung zugeschrieben würde, würde das Ansehen unseres Landes im Ausland erheblichen Schaden nehmen.

  9. Für die Lösung der akuten Krise ist ein ähnliches Vorgehen erforderlich, wie es im Herbst 2008 erfolgreich zur Stabilisierung des Bankensystems angewendet wurde. Zuerst wurde das System stabilisiert, die erforderlichen Regeländerungen zur Vermeidung künftiger Fehlentwicklungen kamen als zweiter Schritt. Damals wurde ein drohender Bank-Run dadurch abgewendet, dass die Regierungen die Sicherheit aller Bankeinlagen garantierten. Heute kommt es darauf an, das Vertrauen in die Staatsanleihen der Mitgliedsländer des Euroraums wieder herzustellen. Der gemeinsame Vorschlag des Sachverständigenrates der Bundesregierung zur Einrichtung eines gemeinsamen europäischen Schuldentilgungsfonds ist dafür der richtige Weg. Eine schnelle Realisierung dieses Schuldentilgungsfonds – verbunden mit ersten Schritten zu einer echten europäischen Fiskalunion in der Eurozone – ist die letzte Möglichkeit, das Vertrauen in die Staatsanleihen des Euroraums wiederherzustellen. Der Schuldentilgungsfonds verbindet ein klares politisches Bekenntnis zur gemeinsamen Eurozone und einer gemeinschaftlichen Haftung mit den notwendigen Solidaritätsanstrengungen der Länder für tragfähige Haushalte. Wir erweitern die Fiskalunion der Bundesregierung zu einer Solidarunion. Denn nur mit Solidarität unter den Euro-Staaten können wir die Stabilität unserer Währung garantieren. Kurzfristig muss dazu auch der vorläufige Rettungsschirm genutzt und der permanente Stabilitätsmechanismus zeitlich so weit wie möglich nach vorn gezogen werden. Der ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) könnte der Nukleus eines Europäischen Währungsfonds werden. Ohne ein solches Instrument wird die Europäische Zentralbank in die Rolle gezwungen, eine drohende Kernschmelze des Finanzsystems abzuwenden. Statt eines rechtlich und demokratisch legitimierten und politisch verantworteten Handels würden damit Bankvorstände in der EZB die Rolle der Politik übernehmen. Zudem erhöht sich das Risiko auch für die deutschen Steuerzahler mit jedem weiteren Aufkauf von Anleihen der Krisenstaaten durch die EZB. Dies gilt es zu verhindern.

  10. Wir brauchen jetzt ein Europäisches Aufbauprogramm mit dem klaren Vorrang von Investitionen in die Realwirtschaft. Wir brauchen in Europa eine soziale und ökologische Transformation mit dem Aufbau neuer Wertschöpfungsketten in den Leitmärkten der Zukunft. Wir brauchen eine europäische Initiative zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Wir brauchen die Besteuerung der Finanzmärkte. Die Verursacher der Krise müssen bei ihrer Bewältigung mithelfen. Wenn es im Europa der 27 nicht möglich ist, muss die Euro-Gruppe vorangehen.

  11. Gefordert ist gleichermaßen Solidität wie Solidarität. Deshalb sind die Bestrebungen der Bundesregierung, mehr fiskalische Disziplin vertraglich festzuschreiben, grundsätzlich zu begrüßen. Dafür allerdings reicht die bloße Übernahme der bereits geltenden Stabilitäts- und Haushaltsregeln der EU in das europäische Vertragswerk nicht aus. Aus der Währungsunion muss eine echte politische Union mit einer gemeinsamen Finanz- und Steuerpolitik und mit gemeinsamen Entwicklungszielen für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung des Währungsraums werden. All das muss aber einhergehen mit der Bereitschaft, die Staatsfinanzierung der Mitgliedsländer auf eine gemeinschaftliche Basis zu stellen. Nur so können diese aus dem Würgegriff panischer Finanzmärkte befreit werden und nur so kann die Stabilität der Staatsanleihen des Euroraums wiederhergestellt werden, die eine zentrale Voraussetzung für die Funktionsfähigkeit wie die internationale Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Finanzsystems darstellt.

  12. Dieser Weg setzt voraus, dass wir unseren Partnerländern vertrauen können. Es steht außer Zweifel, dass Griechenland in der Vergangenheit Statistiken gefälscht hat. Aber es ist auch nicht zu übersehen,  dass alle Krisenländer in diesem und im letzten Jahr die Bereitschaft gezeigt haben, große Opfer einzugehen, um ihren Beitrag für die Stabilität der Währungsunion zu leisten. Aus der Geschichte des heutigen Europas, das auf den Trümmern zweier Weltkriege aufgebaut wurde, ergibt sich die solidarische Chance für einen Neuanfang. Deutschland hat heute den Schlüssel für die Zukunft der europäischen Integration wie das Wohlergehen von 330 Millionen Bürgern des Euroraums in der Hand. Es wäre fatal, wenn Europa an der Engstirnigkeit einer deutschen Regierung scheitern würde.

Autoren:

Claudia Roth

Renate Künast

Cem Özdemir

Jürgen Trittin

Sigmar Gabriel

Frank-Walter Steinmeier

Peter Bofinger

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"Gemeinsame Wirtschaftspolitik fehlt"

Ist der Euro noch zu retten? Sven Giegold über Spekulanten, Populisten und die Konstruktionsfehler der Europäischen Währungsunion.

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Endlich ein europäischer Weg

Cem Özdemir im Interview: Über seine Eindrücke vor Ort in Griechenland und Wege aus der Euro-Krise.

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Grüne Schritte für Europa

Die Schaffung einer europäischen Wirtschaftsregierung wäre ein nachhaltiger und grüner Weg aus Europas Krise.

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Europa, was nun?

Auf dem Gipfel in Brüssel wurden nur wackelige Beschlüsse von den Staats- und Regierungschefs gefasst. Dabei braucht Europa gerade jetzt eine starke gemeinsame Stimme.

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Wege aus der Schuldenfalle

Damit Griechenland und der Euro stabilisiert werden können, ist eine sanfte Umschuldung notwendig.

Kommentare

Kirsten Baum
23-06-12 12:01
Es werden immer neue Konzepte den Bürgen präsentiert, in der Hoffnung, es merkt keiner das wir hilflos sind.

Euro Bonds
- Schulden aller über gemeinsame Anleihen refinanziert.

Blaue Bonds
- Schulden bis zur Maasticht-Obergrenze vergemeinschaftet

Rote Bonds
Länder zahlen darüber hinaus individuelle Marktzinsen

Projekt Bonds
- projektbezogene Anleihen, unmittelbarer Nutzen der Wirtschaft eines Landes
Griechenland hätte ein neues Geschäftsmodell
alternative Energien oder ökologische Landwirtschaft

Bills
- kürzerer Laufzeiten als Euro Bonds

Schuldentilgungsfonds
- stellt Bonds auf den Kopf. Länder würden ihre Schulden bis zur Maastricht-Obergrenze selbst finanzieren. Die anderen Schulden würden vergemeinschaftet und über die Ausgabe gemeinsamer Anleihen finanziert.
Wer bitte kontrolliert das Schuldenmachen über der Maastrich-Grenze?

Die Grünen haben gestern dem Schuldentilgungsfond zu gestimmt. Merkels Fiskalpakt (Sparen) freuts.

Wie sieht es eigentlich aus:
woher nehmen die Staaten das Geld für die Tilgung der Schulden des Schuldentilgungsfonds?
Welche Überschüsse der Nationalstaaten werden dazu verwendet? Kommt da nicht eine massive Steuererhöhung, Inflation und Sparen auf uns zu?

Warum am Euro festhalten? Ist die politische Idee der Einheit größer als die wirtschaftliche Vernunft? Liegt gar im Euro die Gefahr der Spaltung Europas? Muss das so weitergehen, bis alles verfahren ist? Hilft vielleicht eine nationale Parallelwährung zur globalen Außenwährung des Euro?

Warum setzen sich die Grünen nicht ein für ein Verbot von Derivaten und Zertifikaten? Warum sind Wetten gegen Staaten möglich, ohne das die Akteure eigene Finanz-Beteiligungen in den jeweiligen Staaten betreiben?

Ich weiss es nicht !
kiba
21-06-12 17:54
Weg mit dem Euro.

Wenn die Wieder-Einführung der D-Mark so teuer ist (2 Billionen xx), dann führt doch die Drachme ein. Die werten wir ab und den Rest zahlen wir aus der Spesenkasse.

Es gibt doch noch Auswege aus der Krise, ergreift endlich die Initiative und beerdigt die Eurobonds.

PS: ich hatte was geschrieben zur Einführung einer Parallelwährung zum Euro. Wäre doch zu überdenken.

Bestes Gelingen
jutta
28-02-12 17:45
die grünen sind wirklich wahre dampfplauderer geworden. oder waren sie es schon immer und konnten es bislang gut verbergen?
blockadehaltung von merkel?

und wer hat gestern dafür gestimmt?
da hätten die grünen doch mal rückgrat zeigen können.
oder reicht es mit dem finger auf andere zu zeigen?

kann natürlich auch sein, dass sie immer noch in der wg-küche sitzen und meinen darüber reden würde reichen.
Wolf
16-01-12 19:33
Lasst uns bei den nächsten Wahlen nicht vergessen, wer die lieben Griechen als den Inbegriff der zu schützenden Opfer der allmächtigen Spekulationsindustrie umarmt hat. Lasst uns auch nicht vergessen, wer gar nicht genug Belastungen Deutschlands zugunsten derjenigen Staaten herbeiwünschen möchte, die ihre Bürger von jeder steuerlichen Belastung bewahren möchten, deren Bürger sich aber darin einig sind, dass es Sache der "reichen Länder" ist, ihren Unterhalt zu gewährleisten. Begriffe wie die gesamtschuldnerische Haftung für die Eurobonds und target-2-Salden sind den Spitzenleuten dieser Partei völlig fremd. Sie reden in absolut naiver Weise über ökonomische Zusammenhänge,man kann darüber nur den Kopf schütteln.
Ich bin jahrzehntelang Wähler der Grünen gewesen.Das ist wahrlich Vergangenheit!
rene
07-01-12 19:38
sehr schön, den finger in die wunde gelegt.
aber wo ist den nun der weg der grünen? das vertrauen wieder herstellen. einen ähnlichen mechanismus etablieren, wie zur bankenkrise.... ein konzept kann ich leider nicht sehen. ausser worten mal wieder nichts.

wenn das skturlle konzept so schlecht ist, wenn lange nichts gemacht wurde, wo waren da die abgeordneten der grünen? es ist leicht gegen konzepte zu wettrrn, aber echte eigene lösungen sind besser.
Marco
22-12-11 21:46
Wieder ein Grund für die Forderung nach direkter Demokratie: Alle Kommentare auf diesen 12-Punkte-Plan sind besser als der Plan selbst! Wenn sich die Politiker mit derartiger Entkoppelung von Handlung und Haftung (Eurobonds u.ä.) durchsetzen würden, würde sich jeder Anreiz zu verantwortungsvollem Handeln erübrigen. Das wäre wohl der Traum eines jeden Politikers, aber der Albtraum jeden Bürgers.
roland
20-12-11 13:58
was soll das Papier- selbst die grüne Basis weiß es besser.
Die Sulden sind zu hoch genau wie die Vermögen einiger.
Vor 3 Jahren haften die Staten für insolvente Banken, jetzt sollen alle Staaten zusammen für einige insolvente Staaten haften. Und in 3 Jahren wer haftet dann?
es gibt nur zwei wege
1) mittels gesteuerter Pleiten die Schulden (und auch Vermögen) in Luft auflösen. oder
2) Durch eine Vermögensbesteuerung die Staatsschulden zu bezahlen.

Eigentlich habe die Privatleute in den Staaten die erforderlichen Vermögen. Das zeigt uns in den latzten Jahrzehnten hat die Wirtschaftspolitik und die Steuerpolitik nicht gestimmt.
Warum soll die Wirtschaftspolitik und die Steuerpolitik in Zukunft besser werden? Wer kann es Wie machen?
Tobias
16-12-11 16:15
Fassen wir doch mal in klare Worte was in diesem Schreiben gesagt wird:
1. Schuld ist der nationale politische Gegner.
2. Nein, nicht das die Politiker seit 50 Jahren ihre Wahlen mit Wahlgeschenken erkaufen, finanziert durch permanent höhere Schulden, ist die Ursache für die Überschuldung der Staaten, sondern 3. diejenigen, welche ihnen das Geld geliehen haben. Wir behaupten einfach mal, dass die Politiker zukünftig ohne massiven äußeren Druck plötzlich alle zu Saubermänner mutieren und keine Schulden mehr machen werden.
4. Verteufeln wir alle Sparprogramme und fordern höhere Staatsausgaben. Denn eigentlich sind die Zentralbanken ja dafür da immer ausreichend Geld zu drucken, um die Schulden der Staaten zu bezahlen. Scheiße bloß, dass wir keine nationalen Zentralbanken mehr haben. Soll es halt die EZB machen.
5. Anderswo ist es ja noch viel schlimmer.
6. Sparen ist Scheiße! Zahlen sollen die anderen!
7. Wenn Staaten derart verschuldet sind, dass sie nicht einmal mehr in der Lage sind die Zinsen zu bezahlen, dann haben die Anleger kein Vertrauen mehr. Böse Anleger!
8. Weil sparen scheiße ist, sind alle die sparen fordern auch scheiße.
9. Wir bezahlen allen anderen erst mal all ihre Schulden und hoffen dann darauf, dass sie vielleicht irgendwann mal einer Vertragsänderung für strengere Regeln zustimmen werden. Die EZB soll doch einfach Geld drucken.
10. Wir zahlen nicht nur die Schulden der anderen, sondern auch in Zukunft zu erheblichen Teil deren Staatshaushalte a la neue Bundesländer. Denn Griechenland ist mindestens solch ökonomische Wüste wie Meck.-Pomm. ohne auch nur die geringste Idee, was man dort überhaupt produzieren könnte. Nicht davon zu reden jemanden zu finden, der dies dann auch tut. Denn selbst massive Subventionen schaffen es ja seit Jahrzehnten nicht irgendeinen Investor nach Meck.-Pomm. zu locken.
11. Damit wir auch weiterhin immer mehr Geld verteilen können, sollen alle anderen mit einer effizienteren Staatsverwaltung gezwungen werden absurd hohe Steuern einzuführen. Scheiß drauf, dass diese Volkswirtschaften dann vor die Hunde gehen, z.B. die Baltische Staaten wo schon heute mit niedrigen Steuern kein Schwein investiert, weil sie am Arsch der Welt liegen. Wenn schon 60% aller Veröffentlichung zu Steuern zum deutschen Steuerrecht sind, dann sollen zumindest auch 60% der Länder dieses kranke Steuersystem kopieren.
12. Wir malen uns die Welt wie sie uns gefällt.


Und das soll das Regierungsprogramm der Grünen und SPD für die Bewältigung der Eurokrise sein???
Da kann man nur sagen: zum Glück regiert derzeit Merkel.

Dieses Schreiben passt nahtlos zu Forderungen der Grünen im Europaparlament, welche meinen, dass 80% der griechischen Schulden nicht legitim wären, weil durch Bestechung und Korruption entstanden, und deshalb nicht bezahlt werden müssten...
Kai
16-12-11 12:47
Wirsamer wäre es doch den privaten Geldschöpfer (Zentralbanken) das Monopol wegzunehmen aus dem Nichts Geld zu schaffen und dann gegen Zinsen (auch an den Staat) zu verleihen (wobei die Zinsen nicht mitgeschaffen werden). Dem legalisierten Betrug (genannt Demokratie und Marktwirtschaft), bei dem irgendwann die Zinsen nicht mehr bezahlbar sind, wäre dann Einhalt geboten.
Damit währen folgende Probleme gelöst oder würden gar nicht erst eintreten:

- Inflation und Währungskrisen (Geld wird nicht beliebig vermehrt)
- Kriege (nicht mehr finanzierbar)
- Umverteilung von "Unten" nach "Oben" (und damit Ausbeutung,
Hunger, Armut, Egoismus)
- Staatsverschuldung und Sparzwang und der Druck Steuern und
Abgaben permanent zu erhöhen
- Wachstumszwang (und die damit einhergehende Rücksichtslosigkeit
gegenüber Natur und Mensch)
- der Zwang zur Verschleierung des Systemfehlers (auch
Sozialstaat genannt) bei dem die von "Unten" nach "Oben"
geströmten Gelder als Rinnsal wieder zurückfließen.
- der Zwang das System mit allen Mitteln zu erhalten und damit
Kriege gegen "aufmuckende" Staaten oder eine Überwachung
gegen "aufmuckende" Bürger zu veranlassen.

Dann wären die Grünen eine echte Opposition. Aber der 12 Punkte Plan ist leider nur eine Verschleierung und ein einziges Blah Blah mit tollen Worthülsen...
Johannes
10-12-11 18:35
Von einer Partei-(schrift) kann man nur Parteiisches erwarten. Sie kann als politische Schrift wohl die Wahrheit nur streifen.

Harte Realitäten werden in solchen Papieren nur selten angesprochen werden. Das ist wohl einfach so, das ist wohl die "politische" Sprache.

Aber es ärgert mich doch, weil ja andererseits ein riesiger
Anspruch mit diesen 12 Punkten aufgebaut wird.

Die Grünen haben eigentlich weit Besseres schon produziert als diese 12 Punkte. Dass Herr Bofinger mit Wahrheits-anspruch auftritt ist unbescheiden. Die Wirtschafts-wissenschaft ist keine Wissenschaft, soviel Bescheidenheit muß sein.Wäre sie eine, könnte sie exakte Voraussagen machen. Dass sie das nicht kann ist evident. Sie kann bestenfalls sorgfältig und möglichst umfassend, ohne selektive Wahrnehmung begründen, und dann ist sie schon gut.

Die Krise wurde m.E. vor allem verursacht durch einen unregulierten Finanzmarkt und zweitens durch den Irrsinn, Agrar- und Tourismusländer mit entwickelten Industrienationen in eine Währung zu zwingen. Das das nicht gut geht haben lt. Presse 168 Volkswirtschaftler im Jahr 2000 zu Protokoll gegeben. Die Realität hat sie bestätigt. Und wer die Realitäten, der wirklichen wirtschaftlichen Verhältnisse oft ignoriert, wie diese 12 Punkte es doch tun, wird m.E. nichts zustande bringen, was hilft.Teilwahrheiten bleiben Teilwahrheiten.

Wer hat je behauptet,dass Sparen alleine helfe? Niemand. Was soll also die diesbezügliche Polemik in den 12 Punkten?
Wie von einem politischen Text nicht anders zu erwarten, wirds schwammig, wenn es um wirkliche Lösungen gehen sollte für die Länder, die hoffnungslos in der Produktivität nachhinken. Wo wird nachgewiesen, dass die angepriesenen Lösungen nicht zur Inflation und zur Währungsreform führen werden? Nirgends habe ich davon etwas gelesen.

Wo sind denn die Ideen ausgeführt wie:

1. Sparen bzw. in Ländern, die einfach die Produktivität nicht bringen und das was sie produzieren könnten schon längst in China, Indien oder Vietnam produziert wird müssen einen Wohlstandsabsenkung von 25 – 40% akzeptieren. Vielleicht könnten sie sich dann etwas von den Billigprodukten wieder zurück holen.

2. Schuldenerlass, besonders durch jene, die den Profit von 7% Anleihen von Ländern ohne Industriebasis und Leistungsmentalität gerne in Kauf genommen haben, nicht aber das dazugehörige, völlig evidente Risiko.

3. Es müssen die Steuersysteme auf deutsche Effizienz gebracht werden.

4. Es müssen die Multimillionäre dieser Länder gezwungen werden, einen Investitionsfonds zur Stärkung des Mittelstandes in diesen Ländern aufzulegen.

5. Es wären die Chinesen zu ermutigen, 25% ihrer Exporte in die EU, meist Einfachprodukte, in der EU lokal zu produzieren.(Immerhin lieferten sie allein(!) nach Deutschland einen Warenwert von 76 (!) Milliarden € in 2010). Die Europäer müssen ja auch in China lokal produzieren.

6. Deutsche Unternehmer sollen mit beschränkten Ausfallbürgschaften durch den Bund ebenfalls in diesen Ländern investieren. Das machen die nur bei Gewinnaus-sichten und die sind kurzfristig nur durch Lebensstandard-absenkung in den zu unterstützenden Ländern gegeben.Will man das nicht, bedeutet das Transfers auf ewig.

7. Die kleinen Südländer müssen abgesichert aus dem Euro-Raum hinausgeleitet werden.

8. Erste Schritte für eine Finanzunion mit materiellem Beeinflussungsrecht der Geberländer auf die Budgets der Nehmerländerist in den EU Verträgen zu verankern. (Spannend, wie man das durchsetzen möchte, gegen 27 Verfassungen).

9. Der Regionalfonds der EU muss besser fokussiert werden.

10. Die reicheren (=tüchtigeren) Länder sollen ein begrenztes Sonderopfer für die allergrößte Not bereitstellen (z.B. Sicherung der Sparguthaben). Es muss diesen Ländern in einem begrenzten Rahmen geholfen werden, mit Beträgen, die die Staatsverschuldung in den Geberländern nicht über 90% vom BiP treibt.
In diesem Rahmen vielleicht auch Eurobonds. Die Belastung der stärkeren Länder ist endlich konkret zu benennen, mit dem Nachsatz: bis hierher und nicht weiter.
Man kann gut Solidarität fordern, nichts über deren Kosten zu sagen ist dann doch komisch.

11. Sonderfall Italien. Hat es die industrielle Stärke auf die Beine zu kommen, ist das alles nur Ergebnis der Ineffizienz des Staatsapparates und des industriellen Machismo? Dieses Land könnte wirklich der alles entscheidende Prüf (oder Mühl-)Stein werden. also höre man ganz genau hin was dort - konkret - geschehen wird.

Ideen wie Marshallplan, in Ländern wo keine einzige der Grundvoraussetzung für das Gelingen eines solchen gegeben sind, sind doch nicht ernst zu nehmen.

Außerdem wird geflissentlich verschwiegen, dass die Politik bei Problemen auch Sofortmaßnahmen setzen muß. Das sollten die Schreiber nun wirklich wissen und da kommt der Konsolidierung eben ein besonderer Stellenwert zu. Aufbauprogramme jedweder Art, bis sie spürbar greifen, dauern an die 30 Jahre. Kohls blühende Gärten innerhalb von 10 Jahren lassen grüßen.Wer finanziert dann wohl diese Durststrecke? Auch davon, dem zentralen Punkt überhaupt jeder Rettungspolitik und deren Kosten, lese ich überhaupt nichts in diesem Papier.

Hat man darüber hinaus denn schon vergessen, dass trotz astronomischer Investments in die Neuen Bundesländer im Laufe von 20 Jahren die Zahl der Beschäftigten von 6,3 Millionen auf 5,3 gesunken ist?

Das Vertrauen in die Staatsanleihen von Staaten gewährleistet man nach meiner Erfahrung nicht durch eine wie immer getarnte Notenpresse, sondern nur durch Wirtschaftskraft und Wettbewerbsfähigkeit

Also wenig von alldem in den 12 Punkten. Ja solche Erklärungen müssen ausgewogen sein und dürfen keine Wählergruppe oder Staaten verprellen. Und da ist Realität nur dann gefragt, wenn sie in die eigene Absicht passt.Das ist kein Programm, sondern ein Diskussionsbeitrag, deutlich geprägt von "political correctness". Ist ja verständlich, nur weshalb sollte man dann in solche Papiere vertrauen haben? Das verstehe ich nicht.

Ich halte es mit Deng Xiao Ping: Die Wahrheit in den Tatsachen suchen. Daran hätte ich mir gewünscht, dass sich die Programmschreiber ausgerichtet hätten. Ich kann ja nur hoffen, dass sie sich im stillen Kämmerlein über diese Realitäten dann doch keine Illusionen machen.Wo bleiben die Taten?

Also: Wir wissen dass es schlechter wird, das muss man doch nicht auch noch sagen. Das verunsichert doch nur. Ist das wirklich 2012 noch eine gute Lösung, geprägt von Kommuni-kationsstrategen?
Kommentar

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