Die Zukunft ist Europa

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern mehr statt weniger Europa und "setzen überall dort auf ein 'Mehr an Europa', wo die europäische Zusammenarbeit einen Mehrwert für die politische Sache als auch für die Menschen bietet". Im BDK-Antrag des Bundesvorstands wird dabei deutlich gemacht, dass mehr Europa nur mit einem Ausbau demokratischer Mittel möglich ist.

Europa bei Nacht. Foto: gemeinfrei

Mit Europa wird derzeit nur eines assoziiert: Die Krise. Doch Europa kann und ist mehr. Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN besteht kein Zweifel: globale Probleme können effektiv nur im Rahmen einer starken Europäischen Union gelöst werden, in der nationale Kleingeisterei fehl am Platz ist.

Gerade die Wirtschafts-, Finanz-, Steuer- und Sozialpolitik unterliegt jedoch zu stark nationalstaatlichen Interessen und Querelen. Die Finanzkrise hat gerade die daraus erwachsenen Defizite sichtbar gemacht. Doch anstatt einen europäischen Rahmen zu schaffen, haben die Nationalstaaten vermehrt eine anti-europäische Sichtweise vertreten, was letztendlich dazu führte, dass "aus dieser Mischung einer finanz- und wirtschaftspolitischen Krise und eines Anti-EU-Populismus eine ernste Gefahr für den Fortbestand der europäischen Gemeinschaftswährung und - damit faktisch verbunden – des gesamten europäischen Projekts erwachsen ist", heißt es in dem Antrag

Demokratisches Europa statt Hinterzimmerdiplomatie

In letzter Minute sei die Kanzlerin noch auf den Zug aufgesprungen und vertrete nun die Umsetzung einer Europäischen Wirtschaftsregierung. Was aber, so die Verfasserinnen und Verfasser des Antrags, keinesfalls als Weg aus der Krise gesehen werden könne. Denn Merkel verstehe unter einer Wirtschaftsregierung einen unverbindlichen Klüngelkreis der Staats- und Regierungschefs. "Wir Grüne setzten dem Merkelschen Modell der Hinterzimmerdiplomatie ein demokratisches Europa entgegen."

Das Europäische Parlament und die nationalen Parlamente sollen demnach starke Mitspracherechte erhalten. Wobei gerade diejenigen in eine Diskussion über den weiteren Weg Europas einbezogen werden sollen, die mit Europa wenig Zukunft sehen. Dazu gehöre auch, dass man zu den in der Vergangenheit gemachten Fehlern stehe -  etwa bei der Umsetzung der Kriterien für neue Beitrittsländer. Selbstkritik, so heißt es in dem Antrag, sei eine wichtige Voraussetzung für eine Debatte über den weiteren Weg der EU. Dazu gehöre zum einen die Absage an die Prämisse der Alternativlosigkeit und zum zweiten eine neue Ehrlichkeit gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. Deswegen müsse bei der von den Grünen geforderten Wirtschaftsregierung auch deutlich gemacht werden, dass mit einem solchen Mechanismus Souveränitätsrechte an die EU fallen, die zuvor bei den nationalen Parlamenten gelegen haben.

Stärkung des Europäischen Parlamentes und der Kommission

Die im Zuge der Finanzkrise aufkeimende Debatte um die Zukunft Europas wird in dem Antrag ebenfalls aufgegriffen. Substanzielle Änderungen seien hier entscheidend, bei denen es jedoch nicht darum gehe, den Nationalstaat als solchen zu überwinden, sondern vielmehr eine verstärkte Integration der Mitgliedsstaaten voranzutreiben. Gerade dort, wo die lokalen und nationalen Ebenen an ihre Grenzen stoßen, fordern die Grünen ein "Mehr an Europa". So zum Beispiel bei der Bankenaufsicht, bei der Aufnahme von Flüchtlingen, bei einheitlichen Umweltstandards und beim Verbraucherschutz.

Um dies in Zukunft umzusetzen, setzen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf die Stärkung des Europäischen Parlamentes und der Kommission. "Gerade das Europäische Parlament in Zusammenarbeit mit den nationalen Parlamenten garantiert, dass die auf europäischer Ebene getroffenen Entscheidungen auf Mehrheitsverhältnissen basieren, die den Wählerwillen widerspiegeln." Neben den parlamentarischen Entscheidungsprozessen ist die Gewährleistung der Mitsprache der Bürgerinnen und Bürger wichtig. Dies sei mit dem zum 1. Januar 2012 zur Verfügung stehenden europäischen Bürgerbegehrens nun erstmals möglich, heißt es in dem Antrag.

Ein Konvent zur Beratung der europäischen Zukunft

Handlungsfähig sei die EU jedoch nur dann, wenn das Vertragswerk von Lissabon modifiziert werde. Denn in wichtigen Politikbereichen fehlen europäische Regelungen, da diese in den Händen der Nationalstaaten liegen. "Gefragt sind grundlegende Antworten auf wirtschafts-, finanz- und sozialpolitische Fragen." Wesentliche Änderungen bedürfen dabei einer breiten Legitimierung, wie etwa die Weiterentwicklung der Kommission zu einer Wirtschaftsregierung. In dem Antrag wird deshalb ein europäischer Konvent gefordert, der sich aus Vertreterinnen und Vertretern der nationalen Parlamente und Regierungen sowie der Zivilgesellschaft zusammensetzt und die Bürgerinnen und Bürger durch regelmäßige Konsultation mit einbezieht. "Damit stellen wir sicher, dass die klügsten Köpfe aus ganz Europa mit unterschiedlichen Sichtweisen und Erfahrungen zusammen kommen, um über unsere Zukunft zu beraten."

Veränderungen alleine machen Europa aber noch nicht grüner, sondern nur neue Mehrheitsverhältnisse im Parlament und im Rat. Deshalb wollen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auch für die Europawahl 2014 länderübergreifend für ein grünes Europa kämpfen.


BDK-Antrag: Die Zukunft ist Europa (PDF)

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Wir statt Gier

Gerade jetzt in der Krise stehen die Grünen zu ihrem Ziel eines geeinten Europas. Doch dafür muss sich einiges ändern.

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Grüne Schritte für Europa

Die Schaffung einer europäischen Wirtschaftsregierung wäre ein nachhaltiger und grüner Weg aus Europas Krise.

Kommentare

Kai
25-01-12 16:58
Das Bild soll wohl heißen: "Gute Nacht Europa"

Hinsichtlich der sog. "Euro-Rettung" habe ich noch ein interessantes Zitat.

Jean Ziegler, ehemaliger Beauftragter der UN für Nahrungsmittel:

„Alle 5 Sekunden stirbt ein Kind an Hunger oder durch Unterernährung verursachten Krankheiten... Die Kinder sterben nach Tagen von Weinen vor Schmerzen...Der hauptsächliche Grund, warum die Zahl der toten Kinder so stark anstieg, sind die Regierungen der „westlichen Länder“... Sie haben ihre Gelder gestrichen oder extrem reduziert, denn sie hatten ja die BANKEN ZU RETTEN und brauchten Hunderte von Milliarden von Dollars, Pfund oder Euros dafür...“
Rudolf
25-11-11 22:58
Muss man Jetz auswandern aus Deutschland ?
Sie können doch nicht ernsthaft dafür sein das, Wir für alle anderen Zahlen sollen (euro bonds) ...
Warum soll ich denn bitte noch überhaupt Arbeiten gehen damit andere die Füße hochlegen können .
Nein liebe Grünen das ist nicht fair ...
Bitte bitte überdenkt eure Haltung und bleibt bei vernünftiger Politik und macht nicht Popolissmus Politik
HK
10-11-11 16:47
Nach meiner Empfindung ginge es nicht um ein technokratisch-machbares Europa, das in den hintersten Winkel geführte Autobahntrassen und Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen den Hauptstädten zur Eintrittskarte werden lässt, sondern vor allem das Begreifen, auf einem gemeinsamen Fleck Erde auf dieser Erdkugel zu leben. Nachdem die Europäer selbst es waren (im letzten Weltkrieg angestiftet von uns Deutschen), die zweimal den halben Kontinent in Schutt und Asche legten, ist die EU eine völlig andere Art des Einvernehmens: Wo es weder auf Muskelspiele noch auf äußerliche Stärke drauf ankäme, vorrangig nicht auf erdrückendes Stimmgewicht und zu vernachlässigendes Stimmgewicht.

Die Praxis scheint mir dazu teilweise um 180° entgegengesetzt zu sein. Von Kleinkrämergeist und Vorteilsstreben bis zum Abwinken ist im Eingangstext direkt oder indirekt die Rede und damit sind es die Akteure selbst, die die ursprüngliche Flamme Europas - nach Überwindung des überbordenden Nationalstaatsgedankens - wieder zu verlöschen drohen.

Schafft Europa vor Ort! Schafft gemeinsame, grenzüberschreitende Nahverkehrs- und Regionalverkehrsgesellschaften zwischen Flensburg, Sonderburg und Tondern, zwischen Aachen, Lüttich und Maastricht, zwischen Straßburg, Kehl und Offenburg, zwischen Basel, Weil am Rhein und dem französischen Mühlhausen, zwischen Salzburg und Bad Reichenhall, im Donau-Moldau-Verbund, zwischen Marktredwitz, Cheb/Eger und Plauen im Vogtland, wo dies in Ansätzen schon zu erkennen ist, zwischen Görlitz, der polnischen Teilstadt Zgorzelec, Zittau und Liberec/Reichenberg, zwischen Frankfurt (Oder) und Slubice, im Raum Szczecin/Stettin bis hin nach Ueckermünde und Angermünde. In den Fällen von Straßburg und Kehl, von Frankfurt und Görlitz auch, dass eine Stadt über nationalstaatliche Grenzen hinweg entstehen kann, weil der Gedanke der Stadt "höher" ist als derjenige der Nation.
Nicht um die Abschaffung der Nation kann es im Kontext der europäischen Einigung gehen, sondern um das Zurücktreten der Nation und um die Wertschätzung spezifischer kultureller Eigenarten.

Das Zurücktreten der Nation führt zur selbstverständlichen Abgabe von Souveränitätsrechten hoffentlich an das Europa-Parlament und erst INFOLGEDESSEN, zweitrangig, nicht aber STATTDESSEN an die Europäische Kommission und an den Ministerrat. Die Wertschätzung kultureller Eigenarten ist dasjenige, was vom gegenwärtigen Wirtschafts-Europa glatt überrollt wird, allenfalls im Sinne der Subsidiarität als Placebo begriffen. Die Herabwürdigung des kulturellen Europa will ich technokratisches Modell nennen.

Da, beim Letztgenannten, Europa vorrangig als Summe seiner Wirtschaftskraft, als Ansammlung seiner Einwohner, da ist nicht nur Angela Merkel drin, Joschka Fischer genauso.

Geht Wirtschafts-Europa in die Binsen, ist zwar Geschrei drum und leicht wird es für keinen der Beteiligten. Doch ein Untergang des politischen Europa, treffender: der politischen Europäischen Union, wird das keineswegs, soweit der Gedanke der politischen Einigung im Vordergrund steht, im Sinne des Gründungsauftrags, nicht dass es umgekehrt ist, des wirtschaftlichen.

Leuchtet´s weniger stark seitens der künstlichen Beleuchtung, machen wir nicht die Nacht zum Tage, wie es auf dem Satellitenbild erscheint, dann irren wir keineswegs umher, dann wird die Nacht wieder zur Nacht und der Tag zum Tage. Bei leuchtenden Sternen.

Herzliche Grüße
Stefan
03-11-11 18:48
Europa bei Nacht-

ein schönes Bild habt ihr da auf euerer Seite.

Sollte es nicht im Grundinteresse der Grünen liegen gegen Lichtverschmutzung eropaweit vorzugehen? Oder wenigstens mal zuhause in Deutschland damit anzufangen diese sehr häufig völlig sinnlose Engérgieverschwendung und die damit verbundene Lichtverschmutzung zu verringern?
Thanthalas
03-11-11 16:10
Weg mit diesem undemokratischen Laden!
EU sucks
03-11-11 08:16
Obiges Satellitenbild zeigt ein großes Problem:
Die übermäßige Lichtemission nach oben.
Wenn Industrie und Kommunen das Licht nur dahin richten würden, wo es gebraucht wird, würde man viel Energie und Ressourcen sparen. Aber ihr verbietet uns Bürgern lieber die
Glühlampe und pflastert die Gegend mit Propellern zu.

Und was die EU betrifft:
Weg mit dem Euro und Deutschland raus aus der EU!
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