Alle für alle!

Der griechische Ministerpräsident Papandreou gewann im griechischen Parlament die Vertrauensabstimmung. Ein positives Signal für die anstehende Abstimmung über das Sparpaket und weitere Milliardenpakete aus Steuergeldern. Wie können sich auch private Gläubiger und Vermögen am Kampf gegen die Eurokrise beteiligen?

Bankenviertel in Frankfurt am Main, Foto: Photorisma/Flickr.com (CC BY-NC 2.0)

Zusätzlich zu den aus Steuergeldern finanzierten Rettungspaketen fordern BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eine sanfte Umschuldung unter Beteiligung der privaten Gläubiger. Dabei verlängern einige Banken und Versicherungen freiwillig die Laufzeit ihrer Kredite und vereinbaren einen niedrigeren Zinssatz. Im Gegenzug erhalten sie eine größere Auszahlungssicherheit.

Warum die privaten Gläubiger das freiwillig mitmachen sollen? "Es liegt im Interesse aller - auch der Banken und Versicherungen - Griechenland zu retten und eine Vertiefung der Krise in Europa zu verhindern. Die ersten Banken haben ihre Bereitschaft zu einem Zahlungsaufschub signalisiert. Die Angst um Griechenland liegt auch in der Angst vor Kettenreaktionen begründet", erklärt Sven Giegold, grüner Finanzexperte im Europäischen Parlament. Würde der Mittelmeer-Staat zahlungsunfähig oder würde ein harter Schuldenschnitt erzwungen, wären die Märkte verunsichert und es könnten in der Folge angeschlagene Staaten wie Spanien, Portugal und Irland sowie eine Reihe von Banken in die Krise stürzen.

Eine Umschuldung ist ein wichtiger erster Schritt, aber als Mittel für eine faire Beteiligung der Wohlhabenden im Kampf gegen die Euro-Krise reicht sie nicht aus. Längst ist ein Großteil der Anleihen in die öffentliche Hand übergegangen: Allein die europäische Zentralbank besitzt griechische Staatsanleihen im Wert von rund 50 Milliarden Euro.

Vermögensabgabe

Sven Giegold fordert deshalb einen weiteren Lastenausgleich durch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer sowie einer europäisch koordinierten Vermögensabgabe:

"Eine europäisch koordinierte Vermögensabgabe ermöglicht neben finanziellem auch Immobilien-Besitz zu besteuern. Damit kann diese Steuer dafür Sorgen, dass auch Wohlhabende einen angemessenen Anteil der Krisenkosten schultern. Die Vermögensabgabe ist deshalb eine effektive Maßnahme, um zu verhindern, dass vor allem Mittelschicht, Geringverdiener und Arme die Lasten der Haushaltskonsolidierung schultern."

Neben einer Vermögenssteuer ist auch die Bekämpfung von Steuerhinterziehung wichtig. Außerdem besteht noch Potential für Einsparungen im Verwaltungsapparat sowie bei den hohen Militärausgaben.

Mehr über eine gerechte Verteilung der Kosten der Krise sowie einen Green New Deal für die Krisenländer und eine europäische Wirtschaftsregierung findet Ihr im Beschluss der außerordentlichen Bundesdelegiertenkonferenz vom 25. Juni 2011: "Die Krise gemeinsam überwinden. Das Europäische Projekt nicht aufs Spiel setzen"

 

Klicke auf die Buttons, um das jeweilige Netzwerk zu aktivieren. Beachte, dass dadurch persönliche Daten an Facebook, Twitter oder Google übertragen werden.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/225x130_EUFahne_rockcohen_flickr_CC_BY_01.jpg

Parteitag beschließt Programm gegen Euro-Krise

Die grünen Antworten auf die Krise der EU.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/225x130_3DPuzzelEuropa_batintherain_flickr_CC_BY-NC-SA_02.jpg

Wege aus der Schuldenfalle

Damit Griechenland und der Euro stabilisiert werden können, ist eine sanfte Umschuldung notwendig.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/3DPuzzelEuropa_batintherain_flickr_CC_BY-NC-SA_20_225x130_03.jpg

Grüne Schritte für Europa

Die Schaffung einer europäischen Wirtschaftsregierung wäre ein nachhaltiger und grüner Weg aus Europas Krise.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/Cem_papandreou_Vasilis_Filis225.jpg

Endlich ein europäischer Weg

Cem Özdemir im Interview: Über seine Eindrücke vor Ort in Griechenland und Wege aus der Euro-Krise.

http://www.gruene.de/uploads/tx_rsmttnewsext/EuroMuenzen_Tabbo107_flickr_CC_BY-NC-SA_20_225x130_04.jpg

Mehr als eine Währung!

Seit Monaten steckt der Euro in der Krise. Dieser Hintergrundartikel erklärt, wie es zur Krise kam, und warum die Gemeinschaftswährung gerettet werden muss.

Kommentare

Gut gemacht
04-07-11 13:10
Die Ratingagentur Standard & Poor's hat Hoffnungen auf eine baldige Schuldenlösung für Griechenland einen Dämpfer versetzt. Die beiden französischen Vorschläge für die Verlängerung von Laufzeiten griechischer Staatsanleihen könnten als teilweiser Zahlungsausfall gewertet werden, teilte S&P mit. Ein Umtausch von Staatsanleihen sei dann ein Zahlungsausfall, wenn er aus der Not heraus geschehe und Anleger am Ende weniger Geld erhielten.

Politischer Vorschlag: Rating Agenturen verbieten und weiter Geld verbrennen.
Hauke Laging
26-06-11 16:43
Ich halte das für Augenwischerei. Das ist ein scheinbares Entgegenkommen privater Investoren. Wann Anleihen ausgezahlt und wie hoch sie verzinst werden, ist institutionellen Investoren in der Regel egal. Entscheidend ist, dass das Risiko zum Zinssatz passt.

Die Auszahlung der freiwillig umgewandelten Anleihen ist aber effektiv garantiert, weil ein Schuldenschnitt nie so hart ausfallen wird, dass er diese Anleihen erreicht. Man kann also aus einer Schrottanleihe per Knopfdruck eine machen, die die Sicherheit einer deutschen Staatsanleihe hat. Die Investoren lachen sich tot. Zinsabschlag gegen Quasi-Komplettbeseitigung des Risikos. Also finanzmathematisch NULL Verzicht.

Effektiv wird in unfassbarer Menge private Verbindlichkeit gegen staatliche Verbindlichkeit getauscht. Die EU-Steuerzahler übernehmen die gesamten griechischen Staatsschulden. Neoliberaler geht es nicht mehr. Den Investoren wird nicht einmal die Risikoprämie abgenommen, die sie jahrzehntelang eingesackt haben. Wir schenken ihnen also Milliarden für keinerlei Gegenleistung. Unfassbar.

Wir kaufen ein ganzes Land, wie damals bei der deutschen Wiedervereinigung, bekommen aber diesmal NICHTS dafür. Außer der These(!), damit den ganz großen Crash abzuwenden. Wenn wir mit derselben astronomischen Summe die deutschen (und zur Not auch ausländischen) institutionellen Anleger gerettet hätten, hätte man denen analog zur deutschen Bankenrettung wenigstens Bedingungen diktieren können. Man hätte was bekommen für eine Summe, für die man Deutschland zum Schlaraffenland umbauen könnte.

Ich wünsche mir von unserer Seite etwas weniger unkritische Begeisterung für diese Maßnahme.
Kommentar

Wir freuen uns auf Meinungen zu diesem Artikel. Bitte beachtet unsere Nutzungsbedingungen.
Die Kommentarfunktion dient nicht dazu, direkt mit uns Kontakt aufzunehmen oder Fragen zu stellen. Dafür haben wir ein Kontaktformular.



CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.