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Mit großer Mehrheit hat das Europäische Parlament am Mittwoch das Antipiraterieabkommen abgelehnt. Für die Aktivistinnen und Aktivisten der Internetgeneration ist die Ablehnung ein großer Erfolg nach langem Kampf. Doch es warten schon neue Aufgaben auf sie.

Der Konflikt um das Anti-Counterfeiting Trade Agreement, kurz ACTA, schwelt schon seit Beginn der ersten Verhandlungen 2007. Ziel des Abkommens war
der Schutz von Markenrechten, des Urheberrechts und eine damit verbundene, stärkere Rechtsdurchsetzung. Doch die Verhandlungen um das Abkommen waren von Anfang an geprägt von massiven Mängeln und Fehlern.
Ausgehandelt in Hinterzimmerrunden und zwischen den einzelnen Staaten sowie diversen Wirtschaftsvertretern, war Transparenz bezüglich des Entstehungsprozesses genauso Fehlanzeige, wie bei der Beteiligung der nationalen Parlamente oder gar der Zivilgesellschaft. Zudem sollten laut ACTA Internetanbieter in die Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen eingebunden werden. Dies hätte zu einer grundrechtsgefährdenden Privatisierung der Rechtsdurchsetzung geführt.
Des Weiteren hätte ACTA unvorhersehbare und vielleicht lebensbedrohliche Auswirkungen auf die Versorgung von Menschen in Entwicklungsländern mit lebenserhaltenden Medizinprodukten gehabt. In den meisten Fällen haben die Menschen in in diesen Ländern keine andere Möglichkeit, kostengünstige Medikamente zu erhalten, als auf generische Medizinprodukte (also wirkstoffgleiche Kopien von Medikamenten) zurückzugreifen. Der Zugang zu diesen Medikamenten wäre durch ACTA in vielen Fällen deutlich erschwert, wenn nicht komplett unterbunden worden.
In einer Zeit, da die Veränderungen und Potentiale der Digitalen Revolution nach einer progressiven und gestaltenden Politik verlangen, atmete ACTA die Luft von Repression und nicht von neuen, alternativen Wegen. Alleine die Entstehung von ACTA, die Geheimhaltungstaktik und die Tatsache, dass Wirtschaftslobbys stärker in die Verhandlungen eingebunden waren, als demokratisch gewählte Abgeordnete, führte uns Grüne zu einem deutlichen: Nein zu ACTA! Als Teil einer internationalen Protestbewegung setzten wir uns deshalb von Anfang an dafür ein, das Abkommen zu Fall zu bringen.

Die Ablehnung des Antipiraterieabkommens durch das Europäische Parlament zeigt einmal mehr, dass es sich lohnt mit friedlichen Demonstrationen und Protesten für gemeinsame Interessen zu kämpfen. Denn letztendlich hat sicherlich nicht nur die gute Arbeit der grünen Fraktion im Europäischen Parlament die Abgeordneten der anderen Fraktionen davon überzeugt, gegen ACTA zu stimmen, sondern vor allem auch der Druck im Netz und auf der Straße. In ganz Europa haben sich in den letzten Monaten und Jahren Aktivistinnen und Aktivisten verbündet und gezeigt, was grenzüberschreitende zivilgesellschaftliche Kooperation erreichen kann. All jenen, die sich in den vergangenen vier Jahren für den Kampf gegen ACTA eingesetzt haben, sagen wir "Herzlichen Glückwunsch!"
Doch auf diesem Erfolg können wir uns nicht ausruhen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die ACTA-Befürworter erneut versuchen, das Abkommen leicht verändert und unter anderem Namen durchzusetzen. Große Teile des Antipiraterieabkommens stehen etwa auch im Entwurf der Neufassung der Richtlinie zur Durchsetzung der Rechte an immateriellen Gütern (IPRED) der Europäischen Kommission. Zudem stehen mit der Vorratsdatenspeicherung und der Gesetzesänderung zur Weitergabe von Meldedaten jetzt schon die nächsten Bedrohungen für Datenschutz und Bürgerrechte an. Wir bleiben dran!