Adieu, Goodbye und Tschüss!

Mit großer Mehrheit hat das Europäische Parlament am Mittwoch das Antipiraterieabkommen abgelehnt. Für die Aktivistinnen und Aktivisten der Internetgeneration ist die Ablehnung ein großer Erfolg nach langem Kampf. Doch es warten schon neue Aufgaben auf sie.

Schild mit Aufschrift "Non à ACTA"., Foto: tangi_berlin/flickr.com (CC BY 2.0)
In ganz Europa protestierten die Bürgerinnen und Bürger gegen ACTA. Foto: tangi_berlin/flickr.com (CC BY 2.0)

Der Konflikt um das Anti-Counterfeiting Trade Agreement, kurz ACTA, schwelt schon seit Beginn der ersten Verhandlungen 2007. Ziel des Abkommens war
der Schutz von Markenrechten, des Urheberrechts und eine damit verbundene, stärkere Rechtsdurchsetzung. Doch die Verhandlungen um das Abkommen waren von Anfang an geprägt von massiven Mängeln und Fehlern.

Ausgehandelt in Hinterzimmerrunden und zwischen den einzelnen Staaten sowie diversen Wirtschaftsvertretern, war Transparenz bezüglich des Entstehungsprozesses genauso Fehlanzeige, wie bei der Beteiligung der nationalen Parlamente oder gar der Zivilgesellschaft. Zudem sollten laut ACTA Internetanbieter in die Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen eingebunden werden. Dies hätte zu einer grundrechtsgefährdenden Privatisierung der Rechtsdurchsetzung geführt.

Des Weiteren hätte ACTA unvorhersehbare und vielleicht lebensbedrohliche Auswirkungen auf die Versorgung von Menschen in Entwicklungsländern mit lebenserhaltenden Medizinprodukten gehabt. In den meisten Fällen haben die Menschen in in diesen Ländern keine andere Möglichkeit, kostengünstige Medikamente zu erhalten, als auf generische Medizinprodukte (also wirkstoffgleiche Kopien von Medikamenten) zurückzugreifen. Der Zugang zu diesen Medikamenten wäre durch ACTA in vielen Fällen deutlich erschwert, wenn nicht komplett unterbunden worden.

In einer Zeit, da die Veränderungen und Potentiale der Digitalen Revolution nach einer progressiven und gestaltenden Politik verlangen, atmete ACTA die Luft von Repression und nicht von neuen, alternativen Wegen. Alleine die Entstehung von ACTA, die Geheimhaltungstaktik und die Tatsache, dass Wirtschaftslobbys stärker in die Verhandlungen eingebunden waren, als demokratisch gewählte Abgeordnete, führte uns Grüne zu einem deutlichen: Nein zu ACTA! Als Teil einer internationalen Protestbewegung setzten wir uns deshalb von Anfang an dafür ein, das Abkommen zu Fall zu bringen.

Der Kampf für Datenschutz und Bürgerrechte geht weiter

Aktenordner mit Aufschrrift ACTA (durchgestrichen), Meldedatenweitergabe, Vorratsdatenspeicherung und IPRED. Bauchbinde auf Foto mit Text: Weiter geht's., Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)
ACTA ist tot. Doch es warten schon die nächsten Aufgaben auf die Datenschutzaktivistinnen und -aktivisten. Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)

Die Ablehnung des Antipiraterieabkommens durch das Europäische Parlament zeigt einmal mehr, dass es sich lohnt mit friedlichen Demonstrationen und Protesten für gemeinsame Interessen zu kämpfen. Denn letztendlich hat sicherlich nicht nur die gute Arbeit der grünen Fraktion im Europäischen Parlament die Abgeordneten der anderen Fraktionen davon überzeugt, gegen ACTA zu stimmen, sondern vor allem auch der Druck im Netz und auf der Straße. In ganz Europa haben sich in den letzten Monaten und Jahren Aktivistinnen und Aktivisten verbündet und gezeigt, was grenzüberschreitende zivilgesellschaftliche Kooperation erreichen kann. All jenen, die sich in den vergangenen vier Jahren für den Kampf gegen ACTA eingesetzt haben, sagen wir "Herzlichen Glückwunsch!"

Doch auf diesem Erfolg können wir uns nicht ausruhen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die ACTA-Befürworter erneut versuchen, das Abkommen leicht verändert und unter anderem Namen durchzusetzen. Große Teile des Antipiraterieabkommens stehen etwa auch im Entwurf der Neufassung der Richtlinie zur Durchsetzung der Rechte an immateriellen Gütern (IPRED) der Europäischen Kommission. Zudem stehen mit der Vorratsdatenspeicherung und der Gesetzesänderung zur Weitergabe von Meldedaten jetzt schon die nächsten Bedrohungen für Datenschutz und Bürgerrechte an. Wir bleiben dran!

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Warum wir ACTA ablehnen

Das Anti-Piraterie-Abkommen erschwert den Zugang zu günstigen Medikamenten und macht Internetzugangsanbieter zu Hilfssheriffs.

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Ein Sinnbild für Intransparenz

Am 9. Juni fand der 3. Internationale Aktionstag gegen ACTA statt.

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Ende der klassischen Geschäftsmodelle?

Claudia Pelzer erklärt, wie das Internet die Wirtschaft verändert und wo sich neue Chancen für Unternehmen bieten.

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Gekommen um zu bleiben

Wie das Internet mehr und mehr unseren Alltag bestimmt. Ein Gastbeitrag von Adrian Rosenthal für den schrägstrich.

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Eine europäische Aufgabe

Datenschutz muss über nationale Grenzen hinaus bestehen. Heute ist der Europäische Datenschutztag.

Kommentare

Volker Z.
30-10-12 03:57
Dafür hat die Eu schon wieder ein schönes neues Projekt ( quasi über die Hintertür)
nennt sich clean IT und soll Zensur ermöglichen! Es ist aber so ausgelegt das man die Zensur natürlich weit fassen kann....

Darüber hinaus gibt es noch das EU Projekt INDECT, was schon George Orwell mäßige Züge hat.....

aber alles natürlich nur zum Schutz des Bürgers?

Die Grünen sollten sich mal so langsam wieder als korektiv verstehen und nicht bei jeder Sauerei mitmachen ( ich weiss es winken überall gutdotierte Jobs....)
Dieter
10-07-12 17:04
Ich finde es auch gut das sich die Grünen sich dafür engagiert haben. Leider nützt die theatralische Verhinderung eines Gesetzes zum Schaden des Volkes nicht viel weil in der gleichen Zeit zehn andere Gesetze oder Beschlüsse zum Nachteil des Volkes passieren dürfen. Ich erinnere nur an den ESM, diverse Rettungspakete, den Lissabon Vertrag, Glühbirnenverbot, Deregulierung der Finanzmärkte, Harz IV usw. usw. Die Grünen waren immer begeistert dabei oder haben zumindest die ideologische Grundlage geliefert. Also schön den Ball flachhalten wie man so schön sagt.
Lisa
04-07-12 13:42
Ich finde es gut das ihr Grünen euch für uns so einsetzt und stark macht.
Bisher seid ihr auch die einzige Partei die mir am meisten neutral und unvoreingenommen erscheint.
Zu ACTA : Auch wenn sie es unter einen anderen Namen versuchen und leicht abgeändert, sie werden es nie durchsetzten können, denn ACTA verstößt ganz einfach gegen Menschrechte. Wenn wirklich so eine "Urheberrechtsverletzung" auftritt wie wollen sie das dann rausfinden? Das ginge ja auch nur durch überwachung! Man müsste ja ganz Deutschland dauuerüberwachen um sowas rauszufinden.
Mit ACTA träte man also auch in die Privatspähre der Deutschen Bürger ein.
Und das tut man jetzt auch so schon meiner Meinung nach.
Vorallem sollte man sich schon so weit wie es geht im Internet frei bewegen dürfen, ohne großartig überwacht zu werden.
Kommentar

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