Text: "Der September wird Grün. Unterstütze die grünen Wahlkämpfe", daneben ein schwarzer Kreis mit einem grünen Kreuz drüber.
Rund 20 Menschen, darunter einige in Schiffsuniform und Rotes-Kreuz-Kleidung, stehen zum Gruppenbild vor einem Schiff.
Nachdem die italienische Seenotrettungsmission Mare Nostrum eingestellt wurde, hat nun die SOS Mediterranee einen privaten Rettungseinsatz begonnen. Foto: © gruene.de (CC BY 3.0)

„Niemand möchte, dass noch mehr Menschen im Mittelmeer sterben“

Die private Seenotrettungsinitiative SOS Mediterranee hat ihren Rettungseinsatz zwischen der italienischen Insel Lampedusa und der libyschen Küste begonnen. Simone Peter, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, war beim Start dabei und spricht mit gruene.de über ihre Eindrücke.

Porträtfoto einer Frau
Simone Peter ist Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Foto: © Laurence Chaperon (CC BY 3.0)

Du warst gerade auf Lampedusa. Was hat sich seit Deinem letzten Besuch im Oktober 2014 verändert?

Als ich anlässlich des einjährigen Gedenkens an die Flüchtlingstragödie von 2013 auf Lampedusa war, trafen zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite die trauernden Angehörigen der 366 Menschen, die vor der Insel ertrunken sind, auf der anderen Seite der touristische Alltag einer italienischen Urlaubsinsel. Das war sehr gewöhnungsbedürftig. Schon damals erzählte man uns, dass ein neues Flüchtlingslager gebaut wird. Zu der Zeit waren gar keine Geflüchteten auf der Insel untergebracht. Seit letztem Herbst wurde auf Lampedusa nun der erste europäische Hotspot in Italien eingerichtet. Im Moment werden 400 Flüchtlinge, größtenteils aus der Subsahara Afrikas, dort registriert und versorgt. Nach wenigen Tagen auf der kleinen Insel soll jeder Flüchtling mit der Fähre nach Sizilien oder aufs Festland gebracht werden.

Anlass Deiner aktuellen Reise war der Start der Seenotrettungsmission SOS Mediterranee. Wie bist Du auf die Initiative aufmerksam geworden?

Es war Kapitän Dr. Klaus Vogel, der vor einiger Zeit mit der Idee auf mich zukam, mit einer privaten Seenotrettungsmission dem massenhaften Sterben im Mittelmeer etwas entgegen zu setzen. Damals war gerade die italienische Seenotrettungsmission Mare Nostrum aufgrund mangelnder finanzieller und politischer Unterstützung durch die EU-Mitgliedsstaaten eingestellt worden. Eine Schande! Alleine im letzten Jahr sind offiziellen Zahlen zufolge 3.800 Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen.

Wie ging es dann weiter?

Klaus Vogel und sein Team haben mit viel Herz und Engagement Spenden in Deutschland und Frankreich gesammelt, haben Prominente angesprochen und gemeinsam mit französischen Partnern wie Médecins du Monde und der Menschenrechtsaktivistin Sophie Beau SOS Mediterranee gegründet. Mit dem gesammelten Geld konnte das ehemalige Fischereischiff MS Aquarius für vorerst vier Monate gechartert werden. Die MS Aquarius kann in drei Wochen auf hoher See bis zu 500 Menschen aus Seenot retten und versorgen. Die medizinische Erstversorgung an Bord übernimmt Médecins du Monde, bevor die Menschen nach Lampedusa gebracht werden.

Auf Lampedusa leben 5000 Menschen. Wie reagieren die auf eine private Seenotrettungsmission, die ja am Ende bedeutet, dass weitere Flüchtlinge bei ihnen ankommen?

Die Geschichte Lampedusas war schon immer geprägt von Seefahrt und Schiffbrüchen. Niemand auf der Insel möchte, dass noch mehr Menschen im Mittelmeer sterben. Die Hilfsbereitschaft ist trotz aller ökonomischen Widrigkeiten ungebrochen. Es war eine große Anerkennung, dass im Rahmen einer Feierstunde Vertreter der Stadtverwaltung, der Inselpfarrer Mimmo Sambito, viele Flüchtlingsaktivisten, Mitarbeiterinnen des Hotspots und Vertreter von Marine und Küstenwache vor Ort waren, um das Auslaufen der MS Aquarius zu begleiten.

Kann SOS Mediterranee schon erste Erfolge bei der Seenotrettung vermelden?

Ja, bei einem ersten Rettungseinsatz konnten 74 Menschen aus Seenot gerettet werden, darunter mehrere Verletzte, Jugendliche, Kinder und eine Schwangere. Sie befanden sich in einem kaputten Schlauchboot in internationalen Gewässern zwischen Libyen und Lampedusa. Das war sicher erst der Anfang, da mit Beginn des Frühlings die Haupt-Fluchtzeit über die zentrale Mittelmeerroute gerade erst begonnen hat und Medienberichten zufolge 200.000 Menschen unter unwürdigen Bedingungen in Libyen ausharren, um endlich Krieg, Verfolgung und bitterer Armut entfliehen zu können.

Wie kann man Kapitän Klaus Vogel und seinem Team von Deutschland aus helfen?

Nach wie vor werden Spenden dringend benötigt, um über den Sommer hinaus Menschen aus Seenot retten zu können. Jeder Euro kann Menschenleben retten. Zudem sucht die Crew immer wieder Freiwillige, die an Bord helfen. Außerdem müssen wir den politischen Druck weiter aufrecht halten, dass es endlich sichere Zugangswege nach Europa gibt, um solche Rettungsmissionen überflüssig zu machen. Klar ist: jeder Einsatz gegen Schleuser erzeugt neue Schleuser, weil es die Flüchtlinge sind, die kein Zurück mehr in Kriegs- und Krisenregionen kennen. Der Kampf gegen Schleuser sollte in Hilfe für Schiffbrüchige umgewandelt werden, solange sich Flüchtende auf diese Wege machen.

Mehr Informationen zu SOS Mediterranee und wie geholfen werden kann, gibt es hier.

Teile diesen Artikel

Klicke auf die Buttons, um das jeweilige Netzwerk zu aktivieren. Beachte, dass dadurch persönliche Daten an Facebook, Twitter oder Google übertragen werden.