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Lars Fischer sagt, warum öffentlich finanzierte Studien frei zugänglich sein sollten

Herr Fischer, warum haben Sie eine ePetition für den Bundestag geschrieben?
Der Ursprung der ePetition war der Heidelberger Appell vom letzten Sommer. Dieser hatte in einer unzulässigen Argumentation google.books und Open Access vermischt. Das hatte ich mich sehr geärgert, weshalb ich beschloss dies so nicht im Raum stehen zu lassen.
Warum haben Sie sich für das besondere Mittel der ePetition entschieden?
Die ePetition war damals im Zusammenhang mit den Netzsperren stark in der Presse vertreten. Es ist ein Medium, das die Befürworter von Open Access bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht genutzt hatten. Deshalb wollte ich diese Möglichkeit einfach ausprobieren.
Was ist schlecht daran, wenn Ergebnisse nur an einen kleineren Kreis von Personen gehen, die dafür zahlen?
Prinzipiell ist das nicht schlecht, aber das Problem steckt im System. Abonnements wissenschaftlicher Fachzeitschriften sind sehr teuer, weshalb sich Institutionen inzwischen genau überlegen müssen, welche Zeitschriften sie abonnieren und welche nicht. Dies schränkt natürlich den Zugang der Wissenschaft zu Publikationen unnötig ein. Außerdem ist die grundlegende Überlegung, dass öffentlich finanzierte Forschung von den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern bezahlt wird. Und wer für Wissenschaft bezahlt, sollte auch Zugriff auf die Ergebnisse haben. Das derzeitige System hat zur Folge, dass der Staat doppelt für die Ergebnisse der von ihm finanzierten Forschung zahlt.
Was ist der gesamtgesellschaftliche Nutzen von Open Access?
Der Nutzen ist auf verschiedenen Ebenen angesiedelt. Erstens haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler selbst etwas davon, denn offen zugängliche Publikationen werden häufiger gelesen und folglich häufiger zitiert. Zweitens werden weitere Gelder für Forschung frei, weil für Studien nicht mehr doppelt gezahlt werden muss. Und drittens haben Bürgerinnen und Bürgern eine bessere Möglichkeit sich mit wissenschaftlichen Ergebnissen zu befassen. Schließlich sind aktuell wissenschaftliche Publikationen nur einem sehr kleinen Kreis zugänglich. Durch einen besseren Zugang würde ich erwarten, dass sich Bürgerinnen und Bürger auch intensiver mit der Materie beschäftigen.
Wie sieht die Wissenschaft selbst die Problematik?
Ich habe für diese Petition gerade von aktiven und jüngeren Forscherinnen und Forschern sehr viel Zuspruch erhalten. Auch bei Bibliothekaren treffe ich auf viel Zuspruch, weil sie die hohen Abo-Gebühren zahlen. Insgesamt aus der Wissenschaft und ihrem Umfeld sind die Reaktionen außerordentlich positiv.
Wer unterstützt Ihr Anliegen?
Es gibt einige Organisationen, die Open Access unterstützen. Offiziell unterstützen meine Petition zum Beispiel das Aktionsbündnis Urheberrechte, Wissenschaft und Bildung. Zuspruch habe ich aber auch von der Piratenpartei, wikimedia und vielen Bibliotheksuniversitäten erhalten. Die Grünen, die Open Access bereits in ihrem Bundestagswahlprogramm fordern, müssen nun die Diskussion auch in den Bundestag tragen. Schließlich enthält die Petition keinen Automatismus, sondern es geht darum die Politik auf dieses Thema aufmerksam zu machen.
Beschränkt sich die Diskussion um Open Access auf öffentlich finanzierte Forschung, oder trifft die Argumentation auch auf das öffentliche Fernsehen zu?
Das ist eine weiter gefasste Frage, die über meine Petition hinausgeht. Prinzipiell muss man natürlich sagen, dass wenn der Steuerzahler etwas finanziert, er darauf auch Anrecht hat. Aber dafür muss es Grenzen geben. Für eigene Zwecke darf man natürlich nicht eine öffentliche Straße aufgraben.