Schwarz-Rot war ein Rückschritt

Der Journalist Toralf Staud über das Versagen der Bundesregierung, völkischen Feminismus und die Frage, was Politiker in der Auseinandersetzung mit Neonazis anders machen müssen

Nazi-Demo in Dresden, Foto: gruene.de

Wie sieht die Bilanz der schwarz-roten Bundesregierung im Kampf gegen den Rechtsextremismus aus?

Der Regierungswechsel 2005 war ein Rückschritt. Programme wie CIVITAS, die unter rot-grün initiiert worden waren, um die Zivilgesellschaft nachhaltig zu stärken, wurden eher zu Instrumenten der Krisenintervention degradiert.Geld ist nicht alles, aber gerade in den neuen Bundesländern, wo es wenige Ressourcen gibt, um bürgerschaftliches Engagement von unten zu organisieren, waren diese Programme unverzichtbar.

Womit lässt sich das begründen? Unwissenheit oder fehlender politischer Wille?

In den größeren Teilen der CDU und der FDP scheint man Rechtsextremismus für eine linke Obsession zu halten. Glücklicherweise gibt es inzwischen Landesverbände und Einzelpersonen innerhalb der Union, die das Thema sehr ernst nehmen. Auf der oberen Ebene aber, im Bundesinnenministerium und im Kanzleramt, ist davon nicht viel zu spüren. Es brauchte schon den Überfall auf Polizeichef Mannichl, bis Angela Merkel Worte fand, auf die viele Initiativen lange gewartet haben. Wenn vorher Punks, Migranten, Schwule von Neonazis überfallen wurden, hat man von dieser Kanzlerin leider weniger gehört als von ihrem Vorgänger.

Es heißt, der Rechtsextremismus docke oft an bereits bestehende Denkmuster der gesellschaftliche Mitte an. Welche Denkmuster sind das?

Der Begriff „Rechtsextremismus“ legt nahe, dass es sich bei rassistischen und antisemitischen Einstellungen um Randphänomene handelt. Dabei sind sie auch in der Kernwählerschaft der SPD, der Union und der Linken verbreitet. Leider wird darüber nicht geredet. Für manche Konservative ist ja schon der Terminus „Rassismus“ ein linker Kampfbegriff.

Haben die Nazis Erfolg mit dem Versuch, sich von den neuen Bundesländern aus in den Westen auszudehnen?

Es gibt keinen Grund zur Entwarnung. Im Osten ist die NPD stabil, und das wird auch so bleiben. Es ist gut möglich, dass sie nach den Wahlen im sächsischen Landtag bleibt, vielleicht gelingt auch der Einzug in den Thüringer Landtag.

Im Westen ist das Phänomen ein anderes. Es gibt die Ausdehnung in der Fläche nicht, aber schon seit Jahrzehnten regionale Hochburgen in Hessen, Bayern oder Baden-Württemberg. Bestimmte Strömungen wie die Autonomen Nationalisten sind im Westen sogar stärker.

Ist der Versuch erfolgreich, durch das Abkupfern linker, revolutionärer Codes bei jungen Menschen zu punkten?

Die Rechtsextremen wollen cool sein, aber nur ganz wenigen gelingt das. Wenn man sich auf Demos unter den Nazis mal genauer umschaut, sieht man verkniffene Jüngelchen, arme Würstchen und gescheiterte Existenzen. Dennoch gibt es im Netz Videos und Seiten, die erstaunlich gut gemacht sind. Es gibt in der Szene immer mehr Leute, die wissen, wie man die neuen Medien bedient.

Wie sollten Landesparlamente und demokratische Fraktionen damit umgehen, wenn die NPD im Plenum sitzt?

Das Wichtigste ist eine besonnene, aber konzentrierte Herangehensweise. Es hilft nichts, den Plenarsaal zu verlassen, wenn ein NPDler an das Rednerpult tritt. Ein gutes Beispiel ist Mecklenburg-Vorpommern, wo es häufig ganz gut gelungen ist, der NPD inhaltlich zu begegnen. Es ist wichtig, im Detail darzulegen, warum das, was die fordern, falsch ist oder gar im Widerspruch zu ihrer eigenen Programmatik steht. Dabei lernen auch die demokratischen Abgeordneten etwas für ihre Wahlkreisarbeit.

Die wichtigere Auseinandersetzung aber findet in den Kommunen statt, wo die NPD etwa mit Beratungsangeboten versucht, Anhänger zu gewinnen. Sie spricht dort sehr erfolgreich Themen an, die von anderen liegen gelassen werden. Die Politik muss auch dort wieder sichtbarer werden, sie muss beim Wähler das Gefühl erzeugen, dass man sich kümmert.

Was halten Sie von einem neuen NPD-Verbotsverfahren?

Nichts. Ein Verbot würde das Problem nicht lösen, dass rechtsextremistische Einstellungen bis in die Mitte der Gesellschaft hinein salonfähig sind. Man kann diese Ideologie nicht verbieten, man muss sie widerlegen. Ein Verbot würde der Partei einen Märtyrerstatus verschaffen, vielleicht würde sie auf diese Art sogar attraktiver für Jugendliche. Außerdem würde es wahrscheinlich nicht einmal gelingen. Die Hürden für ein Parteiverbot sind aus gutem Grund sehr hoch.

Auf einem ganz anderen Blatt steht, dass rechtsextremistische Gewalttaten deutlich schneller und effektiver verfolgt werden müssen.

Gehen die Nazis eigentlich anders als früher mit Frauen um?

Sie versuchen, sie stärker einzubinden. Die Klügeren in der NPD haben es längst als Problem erkannt, dass zu wenige Frauen NPD wählen. Das Problem ist nur, dass ihr Programm in genauem Gegensatz zu dem steht, was eine moderne Frau heute erwartet. Was in dieser Partei an Saufereien, Machosprüchen, männerbündlerischen Praktiken existiert, lässt selbst völkischen Vorkämpferinnen die Haare zu Berge stehen.

Die Vorstellung, dass Frauen keine Politik machen sollten, sondern den Haushalt, steckt tief drin in vielen Nazis. Wahrscheinlich ist sie sogar einer der Gründe dafür, warum sie Nazis sind.

Klar, es gibt einige Frauen in dieser Partei. Aber prägen werden sie die Partei so bald nicht.

Gibt es außerhalb der Partei rechtsextreme Frauenbewegungen?

Es gab Versuche, Frauenkreise in Nazikameradschaften zu etablieren. Es gibt immer noch die GNF (Gemeinschaft Nationaler Frauen). Einige Frauen haben sogar versucht, eine Art völkischen Feminismus zu entwickeln. Das hat aber in der Breite null Bedeutung.

Es gibt durchaus junge, moderne Frauen, die in der NPD Karriere machen wollen. Die müssen sich aber gegen die Einstellung fast aller männlichen Kameraden wehren, sie seien viel besser beim Hemden Bügeln aufgehoben.

Ist es Zeit für eine Strategie im Kampf gegen den Rechtsextremismus, die sich speziell an Frauen wendet?

Für eine bestimmte Art von Frauen ist das Angebot der NPD attraktiv. Die sind oft in prekären Verhältnissen aufgewachsen, haben häusliche Gewalt erlebt oder sind nicht sehr gut gebildet. Oder sie sind überfordert mit dem Spagat zwischen Job und Familie.

Da kommt dann eine Partei und sagt: Du bist die Mutter unseres Volkes. Du bist wichtig für das Überleben unserer Rasse. Wir bringen dir Wertschätzung entgegen für das, was Du am besten kannst: Dich um Kinder und Küche zu kümmern.

Sich damit auseinanderzusetzen, ist natürlich sinnvoll. Nur muss man dann tiefer gehen. Man muss sich mit Herrschaftsverhältnissen und Rollenbildern auseinandersetzen, man muss Genderdebatten führen. Das hülfe dann nicht nur gegen Rechtsextremismus, sondern auch gegen viele andere Formen der Benachteiligung von Frauen in der Gesellschaft.

Was kann die Europäische Ebene gegen den Rechtsextremismus tun?

Die EU könnte Druck auf ihre Mitgliedsstaaten ausüben. Eine Antirassismus-Richtlinie lässt sich viel leichter in Brüssel erlassen als im nationalen Rahmen. Das wäre in Deutschland hilfreich, aber besonders auch in Osteuropa oder in Italien. Da müsste die EU Standards setzen und deren Umsetzung einfordern.

Natürlich kann auch jeder einzelne Abgeordnete des Europaparlaments das Thema in den Vordergrund rücken. Die Grünen machen das schon, sie haben mit Angelika Beer eine engagierte Sprecherin.

Wenn eine Europaabgeordnete sich mal in einem kleinen Dorf in der Niederlausitz blicken lässt, und dort mit lokalen Aktivisten gegen Rechtsextremismus vor die Lokalpresse tritt, wäre den Aktiven dort viel geholfen. Denn oft haben die es in kleinen Orten sehr schwer.

Wird der Kampf gegen Nazis in den Kommunen stigmatisiert?

Nicht in allen, aber in vielen. Das hängt sehr stark von einzelnen Persönlichkeiten ab. Wo es Bürgermeister gibt, die das Thema für sich klar erkannt haben, zieht meist auch die Öffentlichkeit mit. Wenn der Bürgermeister herumlaviert oder die Existenz des Phänomens verleugnet, merkt man das sofort am öffentlichen Diskurs.

Würde es helfen, wenn Landes- oder Bundesebene auf solche Akteure einwirken?

Nur zum Teil. Kleine Kommunen sind oft wie Wagenburgen. Sobald jemand von außen kommt, sei es ein Journalist, ein Politiker oder ein Opferberater, wird erstmal abgeschottet. Dennoch würde eine eindeutige Sprache der Bundesebene helfen.

Noch wichtiger wäre es aber, wenn man in den neuen Bundesprogrammen die kommunalen Aktionspläne aus der Hauptverantwortung der lokalen Verwaltung nähme. Landräte und Bürgermeister versuchen oft, die Gefahr des Rechtsextremismus herunterzuspielen. Gerade sie aber dürfen oft die Mittel fast ohne Kontrolle verteilen. Unabhängige Initiativen müssten da zumindest ein Vetorecht bekommen.

Was müsste passieren, damit man die Arbeit der nächsten Bundesregierung gegen Rechtsextremismus als erfolgreich bezeichnen könnte?

Das Wichtigste wäre, zuzugeben, dass wir ein Problem haben. Nicht mit Extremismus oder Linksextremismus, sondern mit Rechtsextremismus. Es sind nicht Linksextreme, die seit der Wende 150 Menschen umgebracht haben oder an Stammtischen mehrheitsfähig sind. Aber vielleicht ist das zuviel verlangt, sowas eines Tages aus dem Mund eines Bundesinnenministers zu hören.

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Der Sumpf schwillt an

Mehr Gewalttaten, vielleicht der Einzug ins dritte deutsche Landesparlament. Wieso sind die Nazis auf dem Vormarsch? Ein Gespräch mit dem Rechtsextremismus-Experten Holger Kulick

Nicht vergessen bei Aktionen gegen Rechts

Um einen größeren Effekt und auch eine Sichtbarkeit von Grüner Politik vor Ort zu erreichen, solltet ihr einige Dinge nicht vergessen:

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Kümmerer gesucht

Neben einem NPD-Verbot braucht es vor allem professionelle Jugendarbeit beim Kampf gegen Rechts.

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Gefahr für die Demokratie von Rechts

Mit breiten Bündnissen und lokalen Initiativen gegen Rechtsextremismus, rassistisches Gedankengut und rechte Gewalt kämpfen.

Verhinderung einer rechten Demonstration

Der erste Gedanke, wenn man von einer geplanten rechten Demonstration erfährt, ist meist, dass es am Besten wäre, wenn die Rechtsextremen erst gar nicht aufmarschieren. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Ihr könnt versuchen, die Demonstration entweder ganz zu verbieten oder den öffentlichen Raum besetzen, wo die Demonstration stattfinden soll.

Kommentare

Jens Claaßen
17-10-10 18:05
Wer den Rechtsextremismus verstehen will, muß sich mit ihren Argumenten auseinandersetzen.
Und ungebildet sind die Nazis bei weitem nicht.

Wer wissen will, wer die geistige Elite ihres Gedankenguts ist, sollte sich die Seite www.reichsbewegung.org ansehen.

Aber Vorsicht. Man kommt nicht umhin, sich mit seinem eigenen Weltbild und dem der Nazis auseinander zu setzen.

Denn die grüne Integrationspolitik vor allem bei Muslimen hat den Rechtsextremismus erst stark gemacht.

Die Deutschfeindlichen Zitate grüner Spitzenpolitiker sprechen da Bände.
http://marc-doll.de/index.php?option=com_content&view=article&id=51:negative-zitate&catid=41:buchtipp-zitate&Itemid=61

Wenn die Grünen nicht radikal umdenken, werden sie in ein paar Jahren nicht mehr existieren.

Der Patriotismus in DEUTSCHLAND läßt sich nicht mehr aufhalten. Und das ist gut so!
Kassandra
12-03-10 10:01
Momentan habe ich mehr Angst vor Gutmenschen und Presse, die den Popanz Neo-Faschismus aufbauen und das Thema Diskriminierung von Deutschen ausblendet.
Das spielt den Nazis in die Hände, siehe NPD, die eigentlich an der Seite des Islamismus steht und jetzt innenpolitisch das Thema Anti-Islamismus für ich erkennt.
Eine moderne Bürgergesellschaft muss gegen alles vorgehen, was demokratiefeindlich ist: Nazis, antisemitische Moslems und linke Kieztaliban.
Sandra
09-11-09 14:50
@ Hans

Man würde bestimmt was sagen, über Ausländer, die hier Probleme machen, wenn es das Thema des Artikels wäre.
Wenn es um Rechtsextremismus geht, dann eben darum und nicht noch um 50 andere Themen. Das sind Methoden der NPD oder eben von irgendwelchen idiotischen Rechten, die keine klaren Ansagen machen können zu bestimmten Themen, sondern um den heißen Brei herum reden und vom Thema abweichen.

Hier ein Link : http://www.youtube.com/watch?v=lPjiLm6_Z0w

Es ist richtig, rechtes Gedankengut in unserer Gesellschaft zu bekämpfen und dafür zu sorgen, dass ein friedvolles Leben ermöglicht wird.
Akzeptanz und Toleranz und auch das Verständnis verschiedener Kulturen oder auch Lebensweisen untereinander kann das Leben eines jeden Einzelnen bereichern.
Hans
06-10-09 13:00
Schade das hier nie was von Gewalttätigen Ausländern gesagt wird die machen mehr Probleme als die Rechten mit ihrem Hass auf Deutsche
klapfer
28-09-09 14:02
ûhhh diesebasterde uiuiuiuui ich mach die kaputt die säcke
xXx
24-09-09 08:45
Die haben doch voll die probleme !
King Kodo
22-09-09 09:57
P.S. ich meine Obob oder so
King Kodo
22-09-09 09:56
Das war jetz unnötig -.-
Anonym
22-09-09 09:55
Rechtsradikale sind schlimm
hifgsd
22-09-09 09:53
Npd raus
Kommentar

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