NRW-Grüne führen Gespräche über Nicht-Zustimmung beim JMStV

Derzeit wird der Staatsvertrag zum Jugendmedienschutz (JMStV) novelliert. Unter anderem sieht die Novelle eine Altersklassifizierung von Websites vor. Die Grünen lehnen dies ab: nicht realitätstauglich. In der rot-grünen Koalition NRW muss das Thema nun mit der SPD diskutiert werden.

Malte Spitz, im Bundesvorstand für Netz- und Medienpolitik zuständig

Die aktuell in den Landtagen behandelte neue Fassung des Jugendmedienschutzstaatsvertrages (JMStV) sieht vor, dass ab 2011 Anbieter von Webseiten ihre Angebote auf jugendgefährdende Inhalte hin überprüfen, klassifizieren und bei Inhalten ab 12 Jahren Maßnahmen zum Schutz der Jugend vor diesen Inhalten treffen müssen, um Rechtssicherheit zu erlangen.

"Wir GRÜNEN halten den JMStV bereits jetzt für überholt, nicht zukunftsfähig und damit für nicht zustimmungsfähig. Er wird den diffizilen und sich schnell ändernden Realitäten der vielen unterschiedlichen Anbieter im Netz nicht gerecht. Eine Alterskennzeichnung ist nach unserer Ansicht von vielen kleineren Anbietern nicht zu leisten" erklärt Malte Spitz, Mitglied des Bundesvorstandes von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Eine Vorabkontrolle von durch Nutzer generierten Inhalt bei Web2.0-Angeboten hielten die Grünen für falsch. Sie gefährde das Netz und dessen Lebendigkeit. "Der aktuelle Entwurf entspricht nicht unseren Vorstellungen eines modernen und wirkungsvollen Jugendmedienschutzes", so Malte Spitz weiter.

Der JMStV fällt in die Zuständigkeit der Bundesländer. Nach dem Beschluss der Ministerpräsidenten vom Juli 2010 müssen nun alle 16 Landtage entscheiden, darunter auch das Parlament im rot-grün regierten Nordrhein-Westfalen. Dort hat die Grüne Landtagsfraktion heute nach ausführlicher Debatte den Fraktionsvorstand gebeten, Gespräche mit der SPD-Fraktion über das Projekt zu führen. Ziel der Gespräche soll sein, dass die Koalitionsfraktionen von SPD und Grünen dem Staatsvertrag im Landtag nicht zustimmen.

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Grüne lehnen Staatsvertrag zu Jugendmedienschutz ab

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im nordrhein-westfälischen Landtag werden dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag nicht zustimmen.

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Malte Spitz

Seit 2006 ist Malte Spitz Mitglied des GRÜNEN Bundesvorstands. Seine Schwerpunkte sind Bürgerrechte, Medien- und Hochschulpolitik.

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Nichts zu verbergen?

Datenschützer Andreas Krisch und Malte Spitz im Doppelinterview über Internetsperren, Vorratsdatenspeicherung, die Zukunft der Privatsphäre und die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“.

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Anmerkungen zum Sperrgesetz

Malte Spitz zur Abstimmung im Bundestag

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Regierung lässt endlose Speicherung zu

Malte Spitz fordert die Telekommunikationsunternehmen zu Transparenz auf.

Kommentare

joso
02-12-10 17:22
Also wegen "parlamentarischen Zwängen" dem Jugendmedienstaatsvertrag zuzustimmen ist für mich unglaublich. Ihr wollt also nur noch regieren? Liebe Grüne, das erwarte ich am wenigsten von Euch.

Vor allem weil damit das freie Internet vor dem Ende steht. Wer kann sich das noch leisten und alles beachten. Seid Ihr einer Lobby mit vielen Anwälten erlegen - mag manch Leser der entsprechenden Nachricht vermuten.
Ich kann mich nur dem letzten Satz von J. Herz anschließen.
wolf
02-12-10 12:58
wenn ihr da nachgebt, dann habt ihr mich endgültig verloren. es ist ja mehr als offensichtlich, dass der jugendschutz nur vorgeschoben wird. in wahrheit geht es um noch mehr überwachung und kontrolle!
dieter
01-12-10 17:54
Ich bin schon gespannt welche verbalen Verdrehungen am Montag kommen, wenn die alten Herren der SPD eine Ablehnung des JMStV verweigern. Tja - die Vorwürfe nach der Wahl Die Wähler der Piraten hätten der Netzgemeinde einen schlechten Dienst erwiesen sind jetzt ja erst recht Lachhaft. Ich hoffe, dass die Wähler in Berlin und Hamburg das genau mitkriegen und dann die richtigen Schlüsse ziehen. Bei allen Anfängerfehlern der Piraten ist dies doch die einzige Alternative.
Jonathan Herz
01-12-10 17:14
Ich muss auch sagen, dass die Grünen irgendwie lange meine Lieblingspartei waren. Sympathisch, wenig muffig und irgendwie dynamischer und offener, als die anderen alten Säcke.

Aber wenn es nicht die Lobby ist, die die Entscheidungen beeinflusst, dann kann es ja in dem Verhalten vor dem Zurückrudern nur völlige Inkompetenz in Sachen JMStV sein. Und das zeugt dann leider ganz und gar nicht von Frische. Inkompetenz ist für mich als Wähler leider genauso wenig akzeptierbar, wie Lobbyarbeit.

Dass zurückgerudert wird, verdeutlicht nur die klassischen Parteistrukturen. Die Meinung junger Parteimitglieder wird ignoriert, denn die etablierten Realitätsblinden kennen natürlich den Kern der Wahrheit. Und erst, wenn das Netz/ die Medien mit dem Zaunpfahl winken, begreifen es die Esel auf dem Feld.

Da ist sie nun wieder. Die Politikerverdrossenheit. Ich denk, an den Diskussionen im Netz sieht man, dass es die Parteien- oder Politikerverdrossenheit ist und eben keine Politikverdrossenheit.

Ich wünschte, es würde sich eine Alternative auftun (nein, die Piraten sind es nicht). Aber man muss es wohl selber tun...

Bis bald
Ein Wähler, der wohl die längste Zeit fast bedingungslos Bündnis90/ Die Grünen angekreuzt hat...
Michael Paap
01-12-10 16:42
Klick
01-12-10 14:15
Nach dem Abstimmverhalten zu von der Leyens Netzsperren und den "parlamentarischen Zwängen" bezüglich des JmStV ist es nicht mehr von der Hand zu weisen:
Die Grünen blasen nur heiße Luft in netzpolitische Auseinandersetzungen.
Frank
01-12-10 11:39
Erst sagt Özdemir Wikileaks habe eine Grenze überschritten und würde unserer Demokratie schaden und gleich darauf der nächste Hammer.
Ihr verliert gerade eure Internet-Affinen Stammwähler, von denen es sicherlich nicht wenige gibt!!
Marco Jansen
01-12-10 10:34
Eigentlich dachte ich, ihr seid meine Alternative für die nächste Bundestagswahl. Macht doch mal bitte die Augen auf, was gerade im Netz los ist! Mit dem neuen JMStV betraft Ihr die Leute, die das Web mit Diskussionen, Beiträge und liebevoll geführten Webseiten, bereichern.
Thomas Müller
01-12-10 09:41
Unglaublich, wenn die Länder-Grünen Nordrhein-Westfalen dem JMStV zustimmen sollten. Die Grünen haben als Umfaller-Partei der SPD längst den Rang abgelaufen. Unwählbar. Piraten, jetzt aber schnell mit dem umfassenden Programm, dann nagt ihr die Grünen an!
Frank Wagner
01-12-10 08:45
Hammer,
da wird faktisch die freie Meinungsäußerung in diesem Land entgültig abgeschaffft, und die Grünen machen brav mit, weil Fraktionszwang.........
Kommentar

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