Niemals wegsehen!

Wer die Chronik der Ereignisse vor 20 Jahren in Rostock-Lichtenhagen liest, der wird wohl fassungslos mit dem Kopf schütteln. Wie konnte es passieren, dass ein Flüchtlingsheim fünf Tage lang von Rechtsextremen und applaudierenden Schaulustigen belagert werden konnte und nur durch ein Wunder niemand zu Tode gekommen ist, als das Sonnenblumenhaus in Brand gesteckt worden ist? Heute muss nicht nur die Erinnerung an diese schreckliche Tat wach gehalten werden sondern noch intensiver gegen jede Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gekämpft werden.

Cem Özdemir, Wolfgang Richter und Claudia Roth vor einem Haus mit aufgemalten Sonnenblumen., Foto: gruene.de (CC BY-NC-SA 3.0)
Claudia Roth und Cem Özdemir waren am 24. August 2012 anlässlich des 20. Jahrestages der fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen. Sie trafen auch den damaligen Ausländerbeauftragten Wolfgang Richter. Als das Sonnenblumenhaus von dem rassistischen Mob in Brand gesteckt wurde, flüchtete Richter mit den Bewohnern über das Dach aus dem Gebäude. Foto: gruene.de (CC BY-NC-SA 3.0)

„Das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen hat mein Vertrauen in mein Land damals zutiefst erschüttert“, sagt Cem Özdemir. „Am helllichten Tag konnten Neonazis und ein rechter Mob vor den Augen der Polizei und unter Anfeuerung vieler Schaulustiger ein Flüchtlingsheim in Brand stecken, ohne das von staatlicher Seite eingegriffen wurde. In den Abendnachrichten wurden wir Zeugen eines 'rechten Volksaufstandes'. Dieses Versagen des Staates war auch einer der Gründe, warum ich 1994 für den Bundestag kandidiert habe. Als erster Abgeordneter türkischer Herkunft war es mir ein besonderes Anliegen, mich auch für die Rechte der Menschen einzusetzen, die in Rostock-Lichtenhagen vom Staat offensichtlich im Stich gelassen wurden. Diese furchtbaren Ereignisse haben bedauerlicherweise nicht dazu geführt, dass es unmittelbar danach einen Aufschrei der Empörung in der politischen Klasse bei den Konservativen gab - dieser Aufschrei entstand bei den Bürgerinnen und Bürgern, die dann Lichterketten gebildet haben, was mir wiederum das Vertrauen in mein Land wiedergegeben hat“, so der Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. 


Es müssen viele Versäumnisse aufgearbeitet werden. Heribert Prantl schreibt am 21. August 2012 in seinem Leitartikel für die Süddeutsche Zeitung: „Vor zwanzig Jahren wurde die Drohkulisse aufgestellt, die dazu geführt hat, dass Ostdeutschland bis heute weitgehend ausländerfrei ist. Seit zwanzig Jahren, seit den Tagen und Nächten der ausländerfeindlichen Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen, wissen Ausländer, dass es besser ist, wenn sie nicht im deutschen Osten leben.“

Zivilgesellschaftliche Initiativen stärken

Es wurde in den vergangenen Jahren versäumt, die zivilgesellschaftlichen Initiativen gegen Rechts zu stärken. Auch wurden deren Erkenntnisse von den Sicherheitsbehörden häufig nicht wahrgenommen oder nicht ernst genommen. Stattdessen werden die Initiativen durch die sogenannte Extremismusklausel behindert. Doch wir brauchen für einen wirksamen Kampf gegen Rechts zivilgesellschaftliches Engagement für Demokratie und Toleranz. Noch heute geht die rechtsextreme NPD in Mecklenburg-Vorpommern mit den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen auf Stimmenfang. So etwas darf nicht zugelassen werden.

„Ich war damals als Jugendliche schockiert von den Progromen in Rostock und habe umgehend mit vielen anderen gemeinsam BürgerInnenwachen vor den Unterkünften der VertragsarbeiterInnen in der ehemaligen DDR organisiert, so auch in Erfurt", sagt Astrid Rothe-Beinlich. „Für mich war damals wie heute klar, dass es unsere Pflicht ist, sich allerorten RassistInnen und Alltagsrassismus in den Weg zu stellen. Wichtig ist mir, dass Rostock-Lichtenhagen und auch die weiteren Brandstiftungen und Morde durch rassistische und rechtsextreme GewalttäterInnen nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb komme ich auch in diesem Jahr nach Rostock, um Gesicht zu zeigen gegen Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“, so die frauenpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

Gemeinsames Gedenken und Tagung der Rechtsextremismus-Kommission am 24. August 2012

Die beiden Bundesvorsitzenden, Claudia Roth und Cem Özdemir, die frauenpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Astrid Rothe-Beinlich, sowie die Landesvorsitzenden der Grünen in Mecklenburg-Vorpommern, Kerstin Felgner und Andreas Katz, nehmen am 24. August 2012 an einem gemeinsamen Mittagessen mit Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft sowie Betroffenen teil. Die Tafel wird am Freitag vor dem Sonnenblumenhaus aufgebaut.

Anschließend tagt die Rechtsextremismus-Kommission und spricht unter anderem über Demokratieentwicklung im ländlichen Raum, Aussteigerprogramme und Frauen in der rechten Szene.

Weitere Informationen der grünen Bundestagsfraktion über 20 Jahre Rostock-Lichtenhagen

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Kümmerer gesucht

Neben einem NPD-Verbot braucht es vor allem professionelle Jugendarbeit beim Kampf gegen Rechts.

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Praktische Tipps für den Kampf gegen Nazis

Unsere Online-Demofibel enthält jede Menge Infos, was ihr gegen rechte Veranstaltungen bei euch vor Ort unternehmen könnt.

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Dresden stellt sich quer

Gemeinsam mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern haben sich GRÜNE in Dresden mit Menschenkette und Blockaden wieder entschlossen den Rechtsextremen in den Weg gestellt.

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Rechtsextremismus

Wir treten ein gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Das Engagement gegen Rechts ist für uns kein Konjunkturthema, sondern kontinuierlicher grundlegender Bestandteil unserer politischen Arbeit.

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Werde Naziblockiererin

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Kommentare

mw
16-10-12 11:05
Wann und wo wird es die Lichterkette für den 20jährigen geben, der nach einer Prügealttacke durch "sieben südländische Schläger" (Quelle: http://www.berliner-kurier.de/polizei-prozesse/alex-platz-der-angst-alexanderplatz-berlin-brutal,7169126,20603282.html) getötet wurde?! Oder gibt es Lichterketten nur, wenn Menschen durch rechte Gewalt zu Schaden kommen?
ich kann euch nicht leiden
29-09-12 17:59
wenn südländische mitbürger verprügelt werden,werden
lichterketten,protest aktionen gestartet.
wenn deutsche mitbürger in u-bahnen ins koma geprügelt
werden ,von südländern, nur wenn sie zur falschen zeit am falschen oort
waren,hört man von den grünen NIX.
es könnte ja sein ,das der deutsche eine glatze hatte.
ihr grüne seid extrem ausländerfreundlich,aber auch
extrem deutschen feindlich.
h.g.
16-09-12 20:20
Vorweggenommen halte ich die Kommentarmöglichkeit auf diversen Seiten der Grünen auf Landes- und Bundesebene für bemerkenswert, wenngleich oft genug unbequeme Wahrheiten ausgeblendet, bzw. nicht veröffentlicht werden, aber dies liegt selbstverständlich in der Verantwortung und Willen des Betreibers.
So kann man die Reaktion der Grünen im Fall Mannheim eher als niedlich bezeichnen. In diversen anderen Fällen hätte sich schon längst der Betroffenheitsautomat Claudia Roth zu Wort gemeldet und das übliche Szenario garniert mit Lichterketten u.ä. gefordert.
Ebenso vermisse ich bislang eine eindeutige Stellungnahme der Grünen zu den jüngsten Fällen islamistischer Ausschreitungen gegenüber ausländischen Botschaften incl. die der Deutschen Botschaft im Sudan. Oder würde eine verurteilende Stellungnahme den Aussagen von Frau Roth über eine, hier angeblich herrschende Isalmphobie zuwiederlaufen.
Vieleicht nach dem Leitfaden, was im Sachverzeichnis dieser hompage ausgeklammert wurde, kann nicht sein und gibt es somit auch nicht.
Wie war das noch mit dem niemals wegsehen ?
Redaktion
10-09-12 15:17
Lieber hessenobi,
Die grüne Gemeinderatsfraktion hat die Gewaltausbrüche am Rande des kurdischen Kulturfestivals klar und deutlich verurteilt. Der grüne Landtagsabgeordnete Wolfgang Raufelder und Stadtrat Gerhard Fontagnier waren selbst vor Ort um mit den Menschen zu sprechen und in Erfahrung zu bringen, wie es dazu kommen konnte: http://gruene.lv/x7
hessenobi
10-09-12 14:52
Noch keine Reaktion zu den Vorfällen in Mannheim am Wochenende! Keine Gegendemo heute in der Mannheimer Innenstadt! Einfach nur unglaublich und ekelhaft!
jörg
04-09-12 08:57
ist ja korrekt lichtenhagen nicht zu vergessen. das war schlimm. aber mein hauptvorwurf gegen die grünen bleibt: sie schüren antisemitische und fremdenfeindliche tendenzen mehr als jede partei pro köln und npd jemals schaffen könnte. während ströbele, özdemir und vor allem roth übergriffe von migranten auf deutsche mit mangelnder integration und mit einem empfundenen " nicht dazugehören" zu erklären suchen, werden jugendliche die auf dem rechtsradikalen weg wandeln als dumpfe tumbe braunbacken beschimpft. das alles um beifallzu bekommen auf kosten von menschen die seit zwei jahrzenten vergeblich auf blühende landschaften warten und vom wirtschaftlichen aufstieg weniger nicht profitieren. jahrzehntelange desaströse bildungspolitik schaffen die grundlage für chancenlosigkeit und für extremismus. all das habt ihr grünen zu verantworten.ihr habt an der gesellschaft versagt. kein mitt romney wäre annähernd so gefährlich wir ihr, wenn ihr hier in unserem land wieder was zu sagen hättet. auch ihr habt euch von macht korrumpieren lassen. habt zwei kriegen zugestimmt und stellt euch jetzt hin und tut so als ob ihr nichts damit zu tun hättet. bravo, sehr glaubwürdig.
Grün tötet
31-08-12 18:42
Wie???
Immer noch keine Stellungnahme auf der Grünenseite zum
Überfall auf den Rabbiner und seine Tochter durch islamische Jugendliche?
Dieter
30-08-12 18:59
NIEMALS WEGSEHEN:

Die Welt Online von heute
"Mitten in Berlin wird ein Rabbiner von Jugendlichen verprügelt und beleidigt. Der kleinen Tochter des Mannes drohen die vermutlich arabischstämmigen Täter mit dem Tod."

Also raus mit den Lichterketten und aufrufen zum Kampf gegen Re... Mist geht ja diesmal nicht. Also schnell vergessen das Ganze. Aber zumindest kann man Aufrufen zum Kampf gegen Antisemitismus. Das passt dann wieder. Die Täterherkunft kann man ja ausblenden.
Gast
30-08-12 18:37
In Rostock Lichtenhagen wurden viele Asylbewerber in einem Wohngebiet einfach abgeladen, ohne dass sich die verantwortlichen Politiker angemessen gekümmert haben. Die Bundesregierung hatte beschlossen, Asylbewerber auch massenhaft auf die unvorbereiteten neuen Bundesländer zu verteilen. Die Folgen sind bekannt.

Die Grünen machen dieses Experiment nun deutschlandweit nach.
Sie fordern unbegrenzten Zustrom und starten Zuwanderungs-offensiven. Dafür feiern sie sich als die moralischen Helden. Aufkommende Probleme werden verdrängt und Kritiker werden als Rassisten oder Nazis betitelt. Die Bevölkerung soll mit den Problemen gefälligts selbst fertig werden und die Klappe halten (tolerant sein). Wehe wenn es durch die Eurokrise auch in Deutschland zu massiven wirtschaftlichen Problemen wie damals in Ostdeutschland kommt. Dann haben wir Rostock Lichtenhagen in jeder Großstadt. Von den Grünen will es dann keiner gewesen sein.
veganFreiwild
28-08-12 13:49
Hallo

ich kann mich noch gut an die Fernseh-Bilder und die Berichterstattung von damals erinnern.
Es ist damals wie auch heute so ,das es sich nun mal nicht
um die "Rechten" handelt.
Diese Ideologie hat Wurzeln mitten in der Gesellschaft.
Die breite Masse teilt einige dieser "kranken" Ansichten.
Mit Verboten wie NPD Verbot wird höchstens erreicht,das
wir einen gewaltsamen Rechten Terror erhalten,anonym und kaum oder gar nicht mehr unter Kontrolle zu halten.
Verbote bringen Symphatie und Unterstützung für die Rechten.
Im Kampf gegen so etwas darf nur mit rechtstaatlichen Mitteln vorgegangen werden.Wer populistisch rumbrüllt und pauschal gegen Rechts Front macht erreicht das Gegenteil.
Gruß
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