Gegendemonstration und Blockade

Die bei Weitem meist verbreitete Reaktion auf eine rechte Demonstration oder Kundgebung und ein sehr effektives und medienwirksames Mittel gegen Rechts ist die Organisation einer Gegendemonstration. Auch hierbei solltet ihr einige wichtige Dinge beachten, um eure Aktion zum Erfolg zu führen.

http://195.34.191.129/?id=756Im vergangenen Jahr versammelten sich über 20 000 Menschen in Dresden, um sich den Rechtsextremen friedlich in den Weg zu setzen.

Die Anmeldung einer Gegendemonstration und ihre Unterstützung durch ein möglichst breites Spektrum ist eine sehr gute Möglichkeit, um eine Gegenöffentlichkeit zur angemeldeten Nazi-Demonstrationen zu schaffen. Hier kann mit kreativen Slogans und engagierten Reden die Ablehnung des rechten Aufmarsches zum Ausdruck gebracht werden. Entscheidend für eine Gegendemonstration ist, dass mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammenkommen als auf der rechten Demonstration. Eine zahlenmäßige Übermacht der Demokraten ist ein wirksames und wichtiges politisches Signal.

Wichtig bei einer Gegendemonstration ist auch, sich mit Bündnispartnern zusammenzutun und einen gemeinsamen Demoaufruf zu veröffentlichen. Dies kann viel Zeit kosten und manchmal nervenaufreibend sein, aber es lohnt sich, viele Bündnispartner einzubinden. Gemeinsam kann man sich den Rechten viel wirksamer entgegenstellen (siehe Bündnispartner).

Ein Demoaufruf beinhaltet normalerweise das Motto der Demonstration, die Gründe, warum man demonstriert, die Forderung, die man erhebt, die Daten (Uhrzeit, Treffpunkt, Datum) und eine Erstunterzeichnerliste.

Neben einem gemeinsamen Aufruf solltet ihr mit den Bündnispartnern eine gemeinsame Kundgebung planen. Hier ist es wichtig, sich mit ihnen schon im Vorfeld über den Ablauf und die Rednerinnen und Redner der Kundgebung zu verständigen.

Für die Organisation und den Ablauf der Demonstration ist es wichtig, sich von Beginn an mit den Bündnispartnern auf strikte Gewaltfreiheit zu einigen und eine Vereinbarung zu treffen, dass bei Gewalt aus der Demonstration heraus diese sofort beendet wird. Dies ist z.B. für den Umgang mit dem "Schwarzen Block" wichtig (Rechtliches zur Anmeldung und zum Verhalten auf einer Demonstration).

Blockade

Die Blockade ist das effektivste Mittel gegen rechtsextremistische Demonstrationen, sie ist aber auch heikel. Die Polizei kann den Demonstrationszug der Rechtsextremen stoppen, wenn eine Räumung der Blockade unverhältnismäßig wäre oder die Einsatzmöglichkeiten der Polizei übersteigen würde. Das ist nur der Fall, wenn sehr viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen die Route der Demonstration blockieren und es keine direkte Ausweichroute gibt. Dies hat in den letzten zwei Jahren sehr erfolgreich in Dresden funktioniert. Auch am 1. Mai 2010 in Berlin oder am 18. August 2007 in Gräfenberg waren die Blockaden erfolgreich. Wenn ihr eine solche Aktion plant, dann ist ein Vorgespräch mit der Polizei anzuraten, damit ihr nicht in die Situation kommt, von Polizisten weggeschleppt oder mit schwerem Gerät wie Wasserwerfern konfrontiert zu sein.

Kritische Begleitung

Formen der kritischen Begleitung sind Aktionen, die es den Rechtsextremen schwer machen, ihre Demonstration in Ruhe durchzuführen. Unter dem Titel "Demokraten geben hier den Takt an" haben in Gräfenberg die Bürgerinnen und Bürger mit Trommeln den Zug der Neonazis begleitet. In Augsburg wurde mit lautem Krach die Kundgebung und die Kommunikation der Rechtsextremen empfindlich gestört. In Weimar wurden die historischen Fassaden am Versammlungsort mit Stoffen verhängt, damit die Rechten die historische Kulisse nicht für sich benutzen können. An vielen Orten lassen Pfarrerinnen und Pfarrer als Mahnung die Kirchenglocken läuten.

Volksfeste gegen Rechts

Um der Demonstration der Rechtsextremen so viele Menschen wie möglich gegenüber zu stellen, wurden in mehreren Städten Volksfeste veranstaltet. Dabei machten die Bürgerinnen und Bürger auf die demokratieverachtende Politik der Rechtsextremen aufmerksam und belegten gleichzeitig große Plätze in der Stadt.

Weitere Möglichkeiten

Karikieren und Ironisieren: Der Versuch, den Rechtsextremen durch witzige und ironische Aktionen den Spiegel vorzuhalten und so auch Aufklärung über sie zu betreiben, war in vielen Orten erfolgreich. In Leipzig wurde beispielsweise unter dem Motto: "Leipzig lacht über den Karneval in Braun" die Demonstration mit vielen Lachsäcken und Konfetti begleitet. Springerstiefel können verboten und den Nazis Pantoffeln auf den Versammlungsplatz gestellt werden, damit sich die "Pantoffel-Helden" diese anziehen können. Wenn die Demonstration der Nazis auf freiem Gelände stattfindet, kann vorher ein Bauer mit Gülle düngen.

Die "Front Deutscher Äpfel" versucht durch das Karikieren der Rechtsextremen Menschen auf deren undemokratische Ziele aufmerksam zu machen. Es kann auch ein paralleles Volksfest veranstaltet werden, auf dem das Motto der rechten Demonstration in einer kritisch gewendeten, karikierenden Weise als Slogan verwendet wird. Außerdem könnt ihr den Nazis auf der gesamten Demonstrationsstrecke den Rücken zuwenden, oder mit Besen hinter dem Demonstrationszug herlaufen, um so "den braunen Müll aus der Stadt zu kehren". Zudem könnt ihr die gesamte Demostrecke mit Anti-Nazi-Plakaten und -spruchen "schmücken". All diese Aktionen sind vollkommen legal, so lange sie nicht gezielt provozieren. Ihr könnt eurer Kreativität also freien Lauf lassen.

Ignorieren: In speziellen Fällen ist eine nicht aktive Begleitung die am besten geeignete Aktionsform. Dies ist aber auch eine der politisch riskantesten Formen, da hier den Rechten der öffentliche Raum "kampflos" überlassen wird. Ein Vorwurf, der deshalb immer wieder im Raum steht, ist, dass weggeschaut würde – "so wie damals". Diese Art der "Begleitung" macht deshalb nur Sinn, wenn davon auszugehen ist, dass auch von Seite der Rechten keine Öffentlichkeit erzeugt wird, keine Bilder in der Zeitung und keine Berichte im Radio oder Fernsehen auftauchen. Besonders wichtig sind deshalb auch kritische Medienvertreterinnen und -vertreter, die um ihre Verantwortung wissen.

 

Die Demofibel im Überblick

1. Praktische Tipps für den Kampf gegen Nazis

2. Verhinderung einer rechten Demonstration

3. Gegendemonstration und Blockade

4. Was ihr nicht vergessen solltet bei Aktionen gegen Rechts

5. Nazis im Internet

6. Umgang mit der "Wortergreifungsstrategie" der NPD

7. Der Extremismusbegriff

8. Welche Bündnispartner ihr ansprechen könnt

9. Fakten zum Verbot einer Demonstration

10. Wann die häufigsten Demo-Termine der rechten Szene sind

11. Wo ihr mehr Infos bekommt: Linksammlung

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Nicht vergessen bei Aktionen gegen Rechts

Um einen größeren Effekt und auch eine Sichtbarkeit von Grüner Politik vor Ort zu erreichen, solltet ihr einige Dinge nicht vergessen:

Verhinderung einer rechten Demonstration

Der erste Gedanke, wenn man von einer geplanten rechten Demonstration erfährt, ist meist, dass es am Besten wäre, wenn die Rechtsextremen erst gar nicht aufmarschieren. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Ihr könnt versuchen, die Demonstration entweder ganz zu verbieten oder den öffentlichen Raum besetzen, wo die Demonstration stattfinden soll.

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Praktische Tipps für den Kampf gegen Nazis

Unsere Online-Demofibel enthält jede Menge Infos, was ihr gegen rechte Veranstaltungen bei euch vor Ort unternehmen könnt.

Fakten zum Verbot einer Demonstration

Demonstrationsverbot erwirken oder Gegendemo organisieren? Für beide Fälle findet ihr hier rechtliche Hinweise.

Nazis im Internet

Nicht nur auf der Straße und im öffentlichen Leben ist es wichtig, aktiv gegen rechtsextremistische und menschenfeindliche Ideologien vorzugehen. Auch im Internet dürfen solche Parolen nicht hingenommen werden. Sei es auf Facebook, Youtube, in Foren oder auf eigenen Seiten - gerade im Netz fühlen sich viele Personen ermutigt, ihre Hasstiraden in die Welt zu posaunen. Auch hiergegen könnt ihr etwas unternehmen.

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