Für eine neue demokratische Kultur!

Dies ist ein Entwurf für den Abschlusstext zur Arbeit des Zukunftsforums Demokratie von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Er soll die bisherigen Diskussionsergebnisse des Zukunftsforums festhalten, diese einem breiteren Publikum zugänglich machen, und damit eine Debatte in der Partei anstoßen. Auf dem Demokratiekongress am 13. März in Mainz schaffen wir einen Rahmen, diese Debatte breiter zu führen. Auf dieser Seite kann der Text kommentiert werden. Bis zum großen Grünen Zukunftskongress im Juli in Berlin soll der Text laufend überarbeitet werden – ein aktueller Stand wird regelmäßig online gestellt.

Wir haben es eingangs erwähnt. Nicht bloß die Demokratie als Ganzes verliert an Rückhalt. Insbesondere die Aktiven im sogenannten politischen Betrieb – Parteien, Berufspolitiker, Regierungsverantwortliche – genießen wenig Vertrauen in der Bevölkerung. Neben einer Vielzahl an Vorschlägen, wie wir die Vorbedingungen und Verfahren verbessern können, um die Demokratie zu stärken, brauchen wir einen Wandel der sich nicht herbeiregulieren lässt. Es geht um eine neue politische Kultur der Demokratie, um eine neue Ethik in der Politik. Nur damit werden wir Vertrauen im großen Stil wiedergewinnen können.

Schon der Stil von politischen Auseinandersetzungen treibt Menschen von den demokratischen Institutionen weg. Für viele sind Politiker korrupt und unglaubwürdig. Sie sind Teil einer Parteienkaste, „die da oben“, die sich mit Schlagabtauschen in den Parlamenten beschimpfen und im Medienzirkus von Talkrunden keinen Satz zu Ende hören, auf kein Argument eingehen.

Wir wollen eine neue demokratische Kultur. Wir wollen Politische Gerechtigkeit nicht nur schaffen, sondern auch leben. Das heißt zu allererst, dass wir jeder Bürgerin und jedem Bürger auf Augenhöhe begegnen und Repräsentation nicht mit Bevormundung verwechseln. Wir sollten Authentizität, Ehrlichkeit, und Glaubwürdigkeit und nicht Anzahl der Medienauftritte zum Maß für eine gute Politikerin oder einen guten Politiker machen. Wer allerdings versucht, diese Tugenden nur im Schein zu perfektionieren, der pervertiert ihren Sinn. Authentizität, Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit bestehen genau darin, dass sie von innen heraus kommen.

Politik braucht eine Vernunftorientierung und Dialoge die auf Verständigung abzielen, statt Schlagabtauschen. Es ist ein Irrtum, dass Dialog und Vernunftorientierung politische Positionen verwässert. Im Gegenteil: es ist die Grundlage überhaupt für politischen Streit. Demokratischer Zusammenhalt schafft die Grundlage für ein achtungsvolles Austragen von Konflikten. Am Ende werden trotzdem Mehrheiten entscheiden, und Entscheidungen werden über die Zeit geändert und erneuert. Aber sie werden dann im Geist der Demokratie und nicht als billiges Recht des Stärkeren dastehen.

Vernunftorientierung heißt, die eigene Politik sauber zu begründen, und nicht mit Halbwahrheiten um sich zu schmeißen und Schwächen der eigenen Argumentation zu verwischen. Eine solche Argumentation ist immer die stärkste. Es gilt, eigene Ziele offen zu legen, und auch die Stärken der Positionen des politischen Gegners zu benennen. Dann kann auch transparent werden, wo die Unterschiede liegen.

Im Umgang mit dem politischen Gegner müssen Tabus gelten, wie persönliche Herabwürdigung, und der Respekt vor der Privatsphäre muss hochgehalten werden. Auch öffentliche Personen brauchen Rückzug.

Wir sehen den Staat nicht als Beute und politische Macht nicht als Selbstzweck. Nach unserem grünen Staatsverständnis ist der demokratische Staat ist nichts anderes als der Ort, an dem der gemeinsame Wille freier Gleicher in einer pluralen Gesellschaft zusammenkommt. Die Rolle der Politik ist, diesen Willen umzusetzen – und das Mandat dazu erhalten wir als Partei oder Politiker durch Wahlen bei denen wir unser Programm als Vorschlag anbieten. Die Macht ist den Institutionen nur geliehen. Der Souverän ist das Volk.

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Kommentare

Felix
08-05-11 10:14
Ich hab im restlichen Text nicht jede Verwendung von "Volk" angemerkt, aber man muß ja vielleicht nicht grade mit diesem etwas belasteten Begriff enden -- wie wär's mit "der Souverän sind die Individuen"?
Jann- Olav
25-04-11 09:57
so, inzwischen habe ich den Text komplett gelesen. Wie angeseutet: wenn ihr mit dem Text auch meinen Kumpel am Fließband bei Conti erreichen wollt, müsstest ihr einiges umstellen.
- gut wäre auch ein Platz für allgemeine Kommentare (s.a. Komentare der Einleitung)
Jann- Olav
15-03-11 21:13
Moin, insgesamt finde ich dieses Projekt sehr interessant. Leider erschlägt mich (noch) die Bleiwüste. Wenn Ihr vorgebt, die "Regeln" der Demokratie zu erläutern, dann sollte dieser Text auch wie ein Regelwerk aufgebaut sein:
mit Text, Kurzfassung (re), darunter Beispiel(e) (bzw.: Negativbeispiel)und/oder Bilder/ Grafiken. Genauso wie die Regeln von "Die Siedler" oder so. Dies würde auch dem politischer Texte ungeübten Leser den Zugang vereinfachen.
Capi
12-03-11 11:08
"Der Souverän ist das Volk."

Das ist eine echte Lachnummer, was ihr da schreibt. Wo habt ihr das kopiert?
Walter
07-03-11 11:15
Dann brauchen wir eine innerparteiliche Schöpfungskraft als nachhaltige Konzeptpartei, was wohl noch Anspruch ist und nur nicht gelebt wird.
Es kann nicht bei trotteligen Eventauftritten auf Facebook enden.

http://gruene-bundestag.de/cms/diskussion/dok/38/38883.offenes_forum.html

Eine Demokratiedebatte müssen wir um ihres Sinns willen vom Kopf auf die Füsse stellen.

Weg mit dem Europazentrismus, Europa versagt nach Schuldendebakel und Finanzkrise nun auch in der Libyenfrage. Übelst zweifeldemokratisch ist die europäische Politik auch, mehr Intransparenz gibts auch in Simbabwe nicht.

Wo Resultate und Resultatfindung gemeinsam schlecht sind muß restrukturiert werden, also zurück auf eine Ebene mit einer demokratischen Politikchance. Zurück zur Basis mit Entscheidungen und Finanzen. Das Grüne ein theoretisches Konzept von Wolkenkuckucksheimern vertreten läuft nicht, es braucht eine stabile Struktur im Demokratieprozess, permanente Erneuerung mit frischen Ideen und der Durchsetzung von besseren Alternativen.

Europas Grüne brauchen einen Reset, zu lange zu hoch abgesponnen. Die politische Entsprechung eines Oberbürokraten ist der Europaabgeordnete, da steigt das zu fette Gehalt doch in den Kopf.

Denkt dran, macht nicht noch mehr kaputt.
Kommentar

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