Ein Symbol von Unfreiheit und Tod

Am 13. August 1961 wurde Berlin mit dem Bau der Mauer in zwei Hälften geteilt. 28 Jahre stand die Betongrenze, bis sie im Herbst 1989 von der friedlichen Revolution zum Einsturz gebracht wurde. Astrid Rothe-Beinlich, frauenpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, ist in der DDR aufgewachsen und erzählt, warum die Mauer für sie das Symbol eines menschenverachtenden Systems ist.

Astrid Rothe-Beinlich, frauenpolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

"Bewusst 'begegnet' bin ich der Mauer schon relativ früh... Mein Patenonkel wohnte mit seiner Familie in Berlin. Ich durfte ihn mehrmals in den Sommerferien besuchen und alleine mit dem Zug von Leipzig nach Berlin fahren. Da war ich sieben oder acht Jahre alt. Als wir mit der S-Bahn fuhren, nahm ich sie zum ersten Mal bewusst wahr - die Mauer - die im hochideologisierten DDR-Sprech euphemistisch antifaschistischer Schutzwall genannt werden sollte.

Mein Patenonkel erzählte mir von der wöchentlich feierlich zelebrierten Wachablösung am Brandenburger Tor, aber auch davon, dass die Mauer die Stadt exemplarisch unüberwindbar teilt(e) und tödlich für jede und jeden sei, der ausreißen wolle. Darüber habe ich dann auch immer und immer wieder mit meinen Eltern gesprochen. Für mich hatte die Mauer daher von Anfang an etwas Bedrohliches.

Als uns in der Schule schon in den ersten Jahren eingetrichtert werden sollte, dass die Mauer zu unserem Schutz da sei und uns vorm 'imperialistischen Aggressor' schütze, stellte ich die Frage, warum dann DDR-BürgerInnen erschossen werden, wenn sie versuchen, über die Mauer zu fliehen? Ich wurde zum Schweigen verdonnert und aus der Klasse geschickt. Schlüssige Antworten gab es keine, vielmehr Beschimpfungen und Belehrungen.

In den kommenden Jahren wurde die Mauer für mich ebenso wie die mit Selbstschussanlagen ausgestattete Grenze entlang der DDR immer mehr zum Sinnbild dafür, dass sich die DDR eingemauert hatte. Und das war für mich Zeichen eines hilflosen Staates, der es offenkundig nur mit Waffengewalt, Beton und Stacheldraht vermochte, die Menschen zum Bleiben zu zwingen.

Die Mauer war und blieb für mich bis 1989 Ausdruck eines menschenverachtenden Systems. Als der Staatsratsvorsitzende der DDR, Erich Honecker, nur wenige Monate vor der friedlichen Revolution im Herbst '89 betonte, dass die Mauer noch hundert Jahre stehen würde, habe ich leider eher daran geglaubt, als dass nur wenige Monate später die Menschen auf diesem Symbol von Unfreiheit und Tod tanzen würden."

 

Fotos
Oben: Mauerbau 1961, Foto: Bundesarchiv, Bild 173-1321 (CC BY-SA)
Unten: Die Mauer am Brandenburger Tor 1961, Foto: Bundesarchiv, Bild 145-P061246 (CC BY-SA)

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