Die Krise der Demokratie

Dies ist ein Entwurf für den Abschlusstext zur Arbeit des Zukunftsforums Demokratie von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Er soll die bisherigen Diskussionsergebnisse des Zukunftsforums festhalten, diese einem breiteren Publikum zugänglich machen, und damit eine Debatte in der Partei anstoßen. Auf dem Demokratiekongress am 13. März in Mainz schaffen wir einen Rahmen, diese Debatte breiter zu führen. Auf dieser Seite kann der Text kommentiert werden. Bis zum großen Grünen Zukunftskongress im Juli in Berlin soll der Text laufend überarbeitet werden – ein aktueller Stand wird regelmäßig online gestellt.

Demokratie ist in aller Munde. Die aktuellen Freiheitsbestrebungen in Nordafrika zeigen sehr deutlich, wie stark und universal anerkannt die Idee der Selbstbestimmung der Völker, der politischen und gesellschaftlichen Freiheit und Teilhabe jedes einzelnen Menschen, rund um den Globus ist. Doch der mutige Kampf vieler Menschen gegen die Diktaturen sollte uns auch daran erinnern, dass die Freiheit in Deutschland und Europa alles andere als selbstverständlich ist, und mahnt uns, diese Freiheit niemals preiszugeben. Gerade deshalb müssen wir auch schleichende Tendenzen der Aushöhlung der Demokratie hierzulande sehr ernstnehmen, und nicht mit dem Verweis auf schlimmere Zustände andernorts abtun. Das Gut der Freiheit ist dafür zu kostbar.

Nicht erst seit dem Konflikt um Stuttgart 21 ist klar, dass einiges schief läuft in unserer Demokratie. Schon länger beobachten wir eine sinkende Wahlbeteiligung, Vertrauensverlust in die Institutionen, Mitgliederschwund in den meisten Parteien, besorgniserregende Umfragewerte zur Wertschätzung der Demokratie, aber auch eine zunehmende Entsolidarisierung in der Gesellschaft. Hinzu kommen globale Krisenherausforderungen wie Klima- und Finanzkrise. All diese Entwicklungen machen deutlich: Business as usual ist mit Hinblick auf unser politisches System fehl am Platz. Es geht dabei jedoch nicht nur um einen drohenden Verfall der Demokratie – in vielen Bereichen, wie etwa in der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Politik, sind demokratische Ideale bis heute keine Realität.

Wir stellen fest: die Demokratie hierzulande steckt in einer Krise. Dabei stellen die Kritik am Zustand der Demokratie einerseits und ihre Rechtfertigung andererseits für uns keinen Widerspruch dar. Ganz im Gegenteil entspringt unser Reden von der Krise der Demokratie einer Begeisterung für die Demokratie und motiviert uns überhaupt erst, den Zustand von politischem System und Politikbetrieb kritisch zu durchleuchten und zu fragen: wie bringen wir die Demokratie auf den richtigen Kurs? Wie schaffen wir es, wieder mehr Menschen für demokratische Gestaltung zu befähigen und zu begeistern?

Grünes Demokratieverständnis

Die Weiterentwicklung der Demokratie ist ein Grundanliegen unserer Partei. Für uns war die Demokratie nie ein abgeschlossenes, fertiges Unterfangen. Zu viele Schwächen kennzeichnen die deutsche Demokratie seit ihrem Bestehen. Dies gilt zum Beispiel für die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Politik, die direkte Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger oder die politische Teilhabe sozial Schwacher.

Eine der Wurzeln der Grünen sind die Bürgerrechts- und Demokratiebewegung in Ost und West, die unter anderem gegen diese Missstände antraten und so viel zur Qualität unserer Demokratie heute beigetragen haben. Viele Grüne der ersten Stunde setzten sich bereits in den 60er- und 70er-Jahren dafür ein, mehr Demokratie zu wagen und verliehen dem Anspruch auf Partizipation und Mitbestimmung in den Bürgerinitiativen der 80er-Jahre Nachdruck. Nach den Umwälzungen des Jahres 1989 kamen mit Bündnis 90 und anderen Gruppen der ostdeutschen Bürgerrechtsbewegung viele mutige Menschen hinzu, die gegen die SED-Diktatur in der DDR gekämpft haben und sich für einen demokratischen Aufbruch im vereinigten Deutschland einsetzten. Sie sind uns Vorbild für unser heutiges Engagement.

Der erste Schritt zur Besserung, ist die (Selbst-)Erkenntnis. Dieses Sprichwort gilt auch für unsere Demokratie. Wer an der Zunahme von Protesten den Zerfall der Demokratie festmacht, begeht einen schweren Fehler. Das Aufbegehren gegen Stuttgart 21 oder der Zivile Ungehorsam in Gorleben sind, ganz im Gegenteil, ein Zeichen für das demokratische Bewusstsein der beteiligten Menschen und die Stärke der demokratischen Kultur. Wer Stimmung gegen die macht, die immer nur dagegen seien, verkennt, dass gerade das „Dagegen-Sein“ ein erster Schritt zu besseren Alternativen ist. Denn erst aus der Kritik entstehen positive Alternativen, wenn nicht bereits die Alternativen Ausgangspunkt der Kritik sind. Wer dagegen das TINA-Prinzip („There is no alternative“ – Es gibt keine Alternativen) verkündet, vertritt damit letztlich ein autoritäres und rückwärtsgewandtes Verständnis von Politik. Historisch waren es Soziale Bewegungen, die tiefgreifenden sozialen Wandel vorangetrieben haben, so zum Beispiel die Bürgerrechtsbewegung in den USA, die Frauenbewegung oder die Umweltbewegung.

Zivilgesellschaftlicher Protest und die politische Ordnung des Grundgesetztes stehen in keinem Widerspruch sondern ergänzen sich. Die Freiheitlich-Demokratische Grundordnung, Parlamentarismus und Rechtsstaatlichkeit sind große Errungenschaften, die wir als Fundament unserer Demokratie gegen jeden populistischen Angriff verteidigen müssen. Insbesondere die Grundrechte und der Schutz von Minderheiten vor Diskriminierung sind unverhandelbare Prinzipien. Nun fordert Protest etablierte Verfahren heraus, und das oft zu Recht. Demokratische Legitimität können am Ende nur demokratische Verfahren bringen. Aber wer den Institutionen per se unterstellt, sie seien fair und handelten gemäß dem Willen des Volkes, verkennt die politische Realität von Lobbyismus, Machtpolitik und Medienbetrieb. Diese Verzerrungen in der politischen Realität müssen wir angehen. Protest auf der Straße legt da zu Recht den Finger in die Wunden unserer Demokratie.

Gegen die Krise unserer Demokratie setzen wir eine neue Demokratieoffensive. Mit politischer Gerechtigkeit, mehr Beteiligung und Internationaler Demokratie wollen wir unseren Anspruch verwirklichen, als Freie und Gleiche in Vielfalt die Geschicke unseres Gemeinwesens selbst in die Hand zu nehmen. Nach unserem grünen Staatsverständnis soll der demokratische Staat nichts anderes sein als der Ort, an dem der gemeinsame Wille freier Gleicher in einer pluralen Gesellschaft zusammenkommt und im Zuge fairer Verfahren in verbindlichen Entscheidungen verwandelt wird.

Im Zentrum unserer Demokratieoffensive steht die Verwirklichung politischer Gerechtigkeit. Sie ist zugleich Voraussetzung und Ergebnis von Demokratie. Kein anderes politisches System kann Politische Gerechtigkeit herstellen. Denn Politische Gerechtigkeit kann es nur geben, wenn alle Menschen gleiche Teilhabechancen an Entscheidungen haben und nicht Partikularinteressen dominieren. Somit ist Politische Gerechtigkeit aber eben auch Vorbedingung von Demokratie. Wenn starke Lobbygruppen das politische System kapern oder ganze Bevölkerungsschichten aufgrund eines mangelnden Zugangs zu Bildung vom politischen Prozess ausgeschlossen sind, dann funktioniert Demokratie nicht. Oder andersherum: Nur wenn alle Bürgerinnen und Bürger über gleiche gesellschaftliche Ressourcen und institutionelle Zugänge zu Entscheidungsprozessen verfügen, kann Demokratie funktionieren.

Doch wer aus gutem Grund feststellt, dass dies in der Realität nicht funktioniert, darf sich nicht abwenden. Denn Demokratie braucht Menschen, die dafür eintreten, dass Politische Gerechtigkeit einkehrt, und dass Repräsentation eben solche ist und keine Bevormundung. Damit wollen wir Grünen nicht unsere besondere Verantwortung als politische Partei von uns weisen – im Gegenteil, unsere Auseinandersetzung mit der Krise der Demokratie ist ein Schritt, demokratieschädlichen Entwicklungen etwas entgegenzusetzten. Und gerade im Hinblick auf eine Erneuerung der politischen Kultur müssen wir als politische Partei auch einen starken Beitrag leisten. Aber für uns ist klar, dass Demokratie letztlich aus allen Bürgerinnen und Bürgern besteht und von ihnen gelebt werden muss. Die Demokratie ist darauf angewiesen und beginnt erst damit, dass Bürgerinnen und Bürger sie beständig kritisieren und einfordern, und sie endet, wenn sich diese zunehmend von ihr abwenden.

Politikverdrossenheit und Entsolidarisierung

Doch genau an dieser Stelle steckt die Demokratie in der Krise. Bei allen Forderungen nach Demokratie durch die so diffamierten „Wutbürger“ ist nicht zu leugnen, dass sich zugleich auch ganze Gruppen von der Demokratie abwenden. Die Wahlbeteiligung ist in den letzten Jahren dramatisch gesunken. Gäbe es eine Partei der Nichtwähler, hätte sie die meisten Sitze im Bundestag: bei der Bundestagswahl 2009 lag die Wahlbeteiligung bei nur noch 70 Prozent. Bei der letzten Europawahl blieben sogar mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten zuhause. Und auch die Partien verlieren an Mitgliedern – auch wenn die Grünen zuletzt gegen den Trend enorme Mitgliederzuwächse verzeichnen konnten. Dazu kommt ein rapide nachlassende Vertrauen in die klassischen Institutionen, besonders von Parlamenten und Regierung, und die Glaubwürdigkeit von Politikern. Umfragen zufolge gehen rund drei Viertel der Bevölkerung gehen davon aus, dass Politiker Gesetze umgehen, wenn es um eigene Vorteile geht – und beinahe die Hälfte hält es für sinnlos, sich politisch zu engagieren (1).  Fast ein Viertel der Bevölkerung hält die Demokratie nicht für verteidigenswert (2). Und über 80 Prozent der Bevölkerung haben wenig bis gar kein Vertrauen in die politischen Parteien in Deutschland (3).

Darüber hinaus beobachten wir eine zunehmende Entsolidarisierung in Teilen der Gesellschaft. Sogenannte gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit macht sich in allen gesellschaftlichen Schichten breit, zuletzt insbesondere auch bei Menschen mit hohem Einkommen (4).  Islamophobie, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus, genau wie das Hetzen gegen Hartz-IV-Empfänger, Homophobie und Frauenfeindlichkeit werden verstärkt salonfähig. Dies bedeutet eine Gefahr für den sozialen Zusammenhalt und eine gemeinsame Lebenswelt, auf die wir als Grundlage demokratischen Zusammenlebens angewiesen sind. Gerade in einer pluralen Gesellschaft sind Solidarität und Toleranz existentiell wichtig, damit politische Konflikte demokratisch und unter Achtung der Freiheit und Grundrechte aller ausgetragen werden können.

Gegenläufige Tendenzen

Bei allen Klagen über den Zustand der Demokratie ist eine eindeutige Diagnose gar nicht so einfach. Einerseits sprechen teilweise schockierend niedrige Wahlbeteiligungen für eine deutliche Zunahme der viel beschworenen Politikverdrossenheit. Dem stehen andere Entwicklungen entgegen: Weite Teile der Gesellschaft haben heute einen höheren Grad an politischer Allgemeinbildung und sind besser informiert als noch in den frühen Jahren der Bundesrepublik. Viele sind in hohem Maße moralisch sensibel für politische und gesellschaftliche Missstände. Die Medien sind im Vergleich zu den Adenauer-Jahren ungleich kritischer und pluraler geworden. Schließlich haben in den letzten Jahren neue Bereiche eine Politisierung erfahren – etwa Konsumverhalten und Lebensstilfragen. Nach der Aufnahme von Bürgerbegehren und Bürgerentscheid in die Kommunal- und Landesverfassungen werden diese auch verstärkt genutzt. Wir erleben eine Pluralisierung der Zivilgesellschaft und gerade zuletzt eine Zunahme von Protest auf der Straße. Durch das Internet hat sich der Raum des Politischen erweitert und wird auch von vielen Bürgerinnen und Bürgern als Medium für aktive politische Beteiligung genutzt – sei es durch Online-Petitionen, eine im Internet organisierte Gegenöffentlichkeit zu den Massenmedien oder Mobilisierung für Proteste auf der Straße. Diese Entwicklungen zeigen, dass viele Menschen sich politisch engagieren wollen und ihnen politische Entscheidungen nicht egal sind.

(1): Deutsche Zustände - Folge 9, Hrg.: Wilhelm Heitmeyer, Frankfurt 2010, S. 27
(2): Embacher, Serge: Demokratie! Nein Danke?, Bonn 2009, S. 71
(3): Infratest Dimap 2010
(4): Deutsche Zustände - Folge 9

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Kommentare

Thorsten
05-03-11 14:29
Hallo liebe Grüne.

So geht das garnicht. Ich bin beim Lesen dieses Textes eingeschlafen und leider sind auch ein paar grundsätzliche Fehler über den Demokratischen Staat zu lesen.
Hier möchte ich kommentieren:

1) Krise ?!
Wir haben keine Krise! Der demokratische Staat ist die vollkommene Staatsform für das Zusammenleben aller Menschen seit Beginn der Seßhaftigkeit der Menschheit und der Bildung erster Staaten. Daher ist unser schöner demokratischer Staat, die BRD, allerhöchstens einer Erneuerung über das demokratische Selbstverständnis fähig und nötig.
Ich würde die Dinge grundsätzlich immer aus der positiven Sichtweite darstellen. Zum Beispiel: Wir haben einen demokratischen Staat, den wir aus Liebe zur Freiheit und zum Frieden aller Menschen verteidigen müssen. Daher ist es notwendig, unser Selbstverständis von Demokratie zu erneuern und zu festigen, damit wir und unsere Kinder lernen und begreifen, daß ein friedliches Zusammenleben der Menschen grundsätzlich nur in einem Demokratischen Staat möglich ist.
Die demokratischen Institutionen der BRD und ihre Organe und deren Zusammenspiel und Organisation müssen mit Sicherheit nicht erneuert oder verändert werden. Dies ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit Rückblick auf unsere Geschichte auch viel zu gefährlich. Darüber könnte man in Deutschland nachdenken, wenn sich unsere Demokratie über mehrere Hundert Jahre bewährt hat und in unserem Land Hundert Prozent überzeugte Demokraten leben.
Demokratisches Selbstverständnis einer Demokratie kann sich nicht eben mal so über ein paar Generationen entwickeln( schon garnicht nach solchen Kriegen des 20. Jahrhunderts) sondern dauert mehrere Hundert Jahre ( Verweis auf die USA, wo erst in diesem Jahrtausend es ein schwarzer geschafft hat Präsident zu werden, und noch in den 60zigern an den meisten US-Universitäten Schwarze nicht studieren konnten, und dieses Land hatte wirklich günstigere Voraussetzungen für die Demokratie als wir Deutsche. )

2) Demokratisches Selbstverständnis in der BRD
Ihr schreibt: ´´Der erste Schritt zur Besserung, ist die (Selbst-)Erkenntnis``??!
Ich muß docht sehr bitten?! Das Selbstverständnis, sich als Mensch grundsätzlich friedlich gegenüber anderen Lebewesen und Kulturen zu verhalten, ganz gleich nach deren Herkunft oder Art, versuchen die Religionen unsere Erde schon seit Beginn der Entwicklung der ersten Religionen ihren Gläubigen zu vermitteln und leider seit 9 Tausend Jahren vergebens (Hinweis auf unsere Kriegsvergangenheit in jedem Jahrhundert seit der Überlieferung menschlicher Geschichte).
Wie kann man als Grüner solch eklatanten Fehler begehen und glauben, daß Demokratie durch Selbsterkenntnis wachsen kann??? Dies kann nur durch Aufklärung, Erziehung, Schulwesen, Staat und Religionen seitens des Staates und als grundsätzlich erklärtes Staatsziel den Kinder beigebracht und vorgelebt werden.

3) Grünes Selbstverständnis über den demokratischen Staat
Ihr schreibt: ``...an dem der gemeinsame Wille freier Gleicher in einer pluralen Gesellschaft zusammenkommt und im Zuge fairer Verfahren in verbindlichen Entscheidungen verwandelt wird.´´
Hier vertauscht Ihr Kommunismus,Faschismus und Demokratie zu einer Kommunisfaschmokratie?! Was soll das denn???
Es ist doch wirklich unmöglich in einem demokratischen Staat, in dem es wegen der pluralistischen Gesellschaft Interessendivergenzen geben muß, einen gemeinsamen Willen durch die Regierung zusammenzubringen.
Der Kompromiß, das Verbot und die Erlaubnis sind die drei Säulen einer demokratischen Politik. Der gemeinsame Wille aller Staatsbürger kann nur in totalitären Staaten gefunden werde, da es zum Selbstverständis eines demokratischen Staates gehört, daß sich die meisten Bürger wegen Familie, Beruf, Freunden, Leben und Verpflichtungen, nicht mit Politik beschäftigen können und sich als anständige Demokraten auf Ihren Staat verlassen und alle vier Jahre ihren demokratischen Willen per Wahl einer demokratischen Partei äußern. Schließlich gibt es noch andere Dinge als Politik und so wichtig ist sie nun auch wieder nicht, als das jeder daran beteiligt werden muß. Wenn aber die Regierenden wie in den letzen 21 Jahren nach der Wiedervereinigung zu blöd sind Kompromisse zu schließen, Verbote zu erteilen und Freiheit durch Erlaubnisse zu gönnen, muß man sich nicht wundern, daß sich Streiter fragen, warum ihre demokratischen Bürger gähnen, wenn Steiter erklären wollen und keine Vorbilder seien wollen und Demokratie vorleben können, wenn wichtige Entscheidungen, für die man normalerweise ein paar Monate braucht, jahrzehnte verschleppt werden und nie entschieden oder beendet werden. Zum Beispiel die längst seit den 70gern fällige weltweite Abschaffung der Folter von Tieren durch Massentierhaltung oder Tierversuche, oder der verschleppte Atomausstieg, oder die verschleppte Schulreform, oder die verschleppte Steuerreform oder das verschleppte dies oder das verschleppte das und so weiter und so fort. Geredet wird viel, vorgehabt auch, entschlossen so gut wie nichts, was von bedeutung wäre, statt dessen nur faule Kompromisse, wenn es um Folter geht oder den Supergau. Wer will da noch hinhören?
Die Krise steht wohl eher bei den Politikern, die unfähig sind, die drei Säulen politisch vorzuleben.
Die Bürger warten, daß unsere Politiker aufhören sich um Wählerstimmern zu streiten und endlich entscheiden, als die Angst zu haben, bei einer Entscheidung Wähler zu verlieren. Schließlich ist Politik kein Sport und auch keine eine Firma, denn hier werden Gesetze verabschiedet, die für alle Staatsbürger durch die Justiz vollzogen werden müssen und für alle Bürger und die Wirtschaft juristisch verbindlich sind.
Im übrigen sind Menschen frei, wie jedes andere Lebewesen auch, jedoch in keinem Fall gleich. Die DDR läßt grüßen. Mit Gleichheit meint Ihr wohl die rechtliche Gleichheit. Dies muß dann bei solch einem wichtigen Thema genau verifiziert werden. So ist es in der Formulierung jedenfalls falsch. Ich will als Individuum nicht das denken oder fühlen, was ein anderer denkt oder fühlt. Sonst braucht man nicht zu kommunizieren, wenn mein Gegenüber mit mir gleich ist in allem, kann ich mich lieber gleich mit mir selbst unterhalten oder es gleich ganz sein lassen. Hier gilt Individualität als grundsätzliches Interesse des Individuums sich selbst zu verwirklichen, weil wir Lebewesen nunmal sterblich sind und sich jedes Individuum ein Lust, Liebe und Glückerfülltes Leben wünscht. Ebenso gilt Pluralismus als Idee der Unterschiedlichkeit der Individuen in ihrem Denken, ihrer Erscheinung und Lebensauffassung, um so die Kommunikation interessant, lustig und lebhaft gestalten zu können, was bei Gleichheit der Individuen unmöglich ist.

4) politische Gerechtigkeit:
Ihr schreibt: ´´..denn politische Gerechtigkeit kann es nur geben, wenn alle Menschen gleiche Teilhabechancen an Entscheidungen haben und nicht Partikularinteressen dominieren.
Das ist so nicht richtig.
Demokratie bedeutet nicht die wie von der NPD definierte Definition``Herrschaft des Volkes´´. Was passiert, wenn das Volk herrscht, haben wir Demokraten zu genüge in der NS Zeit ertragen müssen mit Völkermord und Krieg bis zum Umfallen.
Demokratie bedeutet, das die unterschiedlichen Interessen der Bürger, wegen der pluralistischen Idee der Natur und der unterschiedlichen Lebensweisen, Kulturen und Weltanschauungen ihrer Staatsbürger, durch einen Bundestag vertreten wird, der in der Lage ist durch Frieden die drei Säulen der Demokratie ( Kompromiß, Verbot, Erlaubnis ) umzusetzen und den Staat zu leiten und die jeweils der Zeit notwendigen Gesetze zu verabschieden, in dem Willen, dem Frieden, der Gerechtigkeit, und der Gleichberechtigung zu dienen. Man kann die Welt nicht auf eine Formel bringen, ebenso nicht die Idee der Demokratie, sonst wäre Eurer Schreiben der Grünen nicht so lang und sonst würdet Ihr Grüne nicht so viele Anstrengungen unternehmen, dieses komplexe Thema zu beschreiben. Die Einfachheit führt doch nur dazu, daß wir uns nur gegenseitig umbringen und unterdrücken.

Ansonsten finde ich diesen Teil Eures Schreibens gut und ich wünsche mir, daß endlich die Tierschutzinteressen durch eindeutige Gesetze umgesetzt werden. Man kann zur Zeit nicht mehr Demokratie erwarten, so lange wir Menschen die Tiere foltern und Ihnen durch die Massentierhaltung die Erkenntnis verweigern, daß es die Natur gibt und den Tag und die Nacht und den ruhigen Schlaf. Was soll denn das für eine Welt der Menschen werden, in der die Menschen feiern und leben und die Tiere leiden und gefoltert werden und in KZs der Massentierhaltung leben müssen. Die einen haben Spaß, die anderen Leiden?! Das kann langfristig nichts werden und ich möchte auch nicht lachen, wenn neben mir geweint wird vor Schmerzen, ganz gleich um welches Lebewesen es sich handelt und ganz gleich ob Menschen verstehen oder nicht verstehen. Ohne eine klares Verbot der Massentierhaltung und ein eindeutiges Verbot von Versuchen an Lebewesen kann sich bei uns nur gestreite im Bundestag ergeben. Wer sich für die Folter ausspricht oder sie nicht verbietet und die Freiheit der Lebewesen nicht akzeptiert und respektiert und lebt, kann nicht auf der Erde als Mensch paradisische Verhältnisse der Menschheit erwarten. Von daher mache ich mir wenig Hoffnung, daß der Streit aufhört. Ist auch irgendwie blöd und ungerecht, wenn Tiere schreien und weinen und Menschen feiern. Von daher wird eine deutliche Verbesserung unserer unvollkommenen Verhältnisse der Menschheit nur durch ein Verbot der Evaluation, ein Verbot der Massentierhaltung und eine grundsätzlich artgerechte Tierhaltung möglich sein.
Silke
05-03-11 13:34
Ich denke, die Überschrift ist falsch. Es müsste heißen - 'die Krise der Parteipolitik" oder "die Krise der Repräsentativen Demokratie wie wir sie kennen". Und das ist etwas völlig anderes. Ich weiss nicht mehr, in welchem Zusammenhang ich diesen Spruch gehört habe: "Ihr werdet Euch noch wünschen, wir wären politikverdrossen." Genau das trifft's. Was ich damit sagen will: Die Analyse wird von einem Standpunkt aus betrieben, der selbst Teil des Problems ist.

Es gibt an vielen Orten der Republik eine zutiefst demokratische Überzeugung und Praxis (so wie es freilich auch das Gegenteil davon gibt), aber die kanalisiert sich nicht, oder nicht mehr über die herkömmlichen Strukturen. Ich sag's mal so: "demokratieschädigende Entwicklungen" - wie das hier im Text genannt wird - haben wir zur Genüge gerade aus den Partei- und sonstigen institutionellen Strukturen heraus erlebt (Vorratsdatenspeicherung, Stuttgart 21, Guttenberg-Affäre - aber für mich gehört auch die grundsätzliche Festlegung der Grünen auf einen "etwas grüneren Status Quo" in der Wirtschaftspolitik dazu, über Europapolitik gar nicht zu reden. Da werden flächendeckende Patentrezepte gedacht, die an den komplexen und vielfältigen Realitäten vor Ort schlicht vorbei gehen. Abgekoppelt sind) Wer die Krise der Demokratie aus den herkömmlichen Strukturen und Denkmustern (das betrifft auch die von Euch gewählten Indikatoren) heraus analysiert, redet - so glaube ich - an vielen Menschen vorbei und wird kaum eine aktive Debatte auslösen.
Wobei diesem Thema eine aktive Debatte zu wünschen wäre.
Kleopatra
04-03-11 14:47
Ihre Idee ist an sich lobenswert.

Nur, die Grünen erreichen nur einen geringen Teil dieser
uninteressierten, gleichgültigen Gesellschaft.

Die Krise der Demokratie ist an sich ein Gesellschaftsproblem
in Deutschland. Das Gemeinschaftsgefühl der Bevölkerung ist
nur noch gering.

Beispiele geben die zunehmende Gewalt und das Desinteresse
zukunftsweisenden Verhaltens besonders im Umweltschutz.

Wenn von den regierenden in dieser Hinsicht kein Vorbild ge-
geben wird, ändert sich überhaupt nichts.

Zur Zeit ist das also utopisch.

Freundliche Grüße
Kleopatra
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