Demokratischer Aufbruch in Zeiten der Krise

Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist eine Antwort auf die Krise: mehr Demokratie. In dem Antrag zur BDK in Kiel fordert der grüne Bundesvorstand unter anderem frühere Bürgerbeteiligung bei Planungsverfahren, die Einführung eines Lobbyregisters und die Stärkung der Parlamente. (Wenn ihr euch für die Demokratie-Workshops auf der BDK in Kiel anmelden wollt, folgt unten auf der Seite dem Link "Mehr Zeit für Debatten".)

Demokratie in LED-Buchstaben, Foto: Zeitfixierer/flickr.com (CC BY-SA 2.0)

"Demokratie gerät durch die Krisen und ihre Folgen in Bedrängnis", heißt es in dem Antrag "Mehr Demokratie ist die Lösung". Der grüne Bundesvorstand schreibt: "Wir bekennen uns zum Primat der Demokratie, unter dem gesellschaftliche Regeln von Allen und nicht von einigen Wenigen gestaltet werden." Doch mittlerweile hätten viele Menschen das Gefühl von der politischen Mitgestaltung ausgeschlossen zu sein, weil die Demokratie auf der Strecke bleibe, wenn die aktuellen Krisen unter Zeitdruck verhandelt und Infrastrukturmaßnahmen oft ohne die Bürgerinnen und Bürger geplant werden würden. Die Umsetzung politischer Gerechtigkeit und die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger müssten deshalb wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt werden.

Politische Gerechtigkeit heißt für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, dass alle Menschen an politischen Entscheidungsprozessen teilhaben, denn mitmachen sollte in einer Demokratie jeder können und dürfen. Oft fehlt es aber hier schon an den Grundvorraussetzungen. Politische Gerechtigkeit heißt in diesem Sinne also auch, dass jede und jeder dazu befähigt wird, aktiv an politischen Entscheidungen teilzunehmen. Dabei spielen Bildungsgerechtigkeit und ein gesichertes Einkommen eine wichtige Rolle.

Repräsentative und direkte Demokratie stärken

Der parlamentarischen Demokratie wird in dem Antrag eine besondere Rolle zugesprochen, sie stelle das Rückgrat des Gemeinwesens dar. Die Grünen fordern deshalb die rechtliche und organisatorische Stärkung der Parlamente. In dem Antrag heißt es zu den Aufgaben der Parlamente: "Ihre Ressourcen für unabhängige Expertise müssen ausreichen, um die Funktion als Kontrollorgan der Regierung erfüllen zu können und um gegenüber der Einflussnahme von ressourcenstarken Lobbygruppen gefeit zu sein." Um diesen entgegentreten zu können, setzen die Grünen auf stärkere Personalausstattung in den Parlamenten, fordern zum Zweck der Transparenz ein verpflichtendes Lobbyregister einzuführen, in dem nicht nur NGOs und Verbände, sondern auch Unternehmen, PR-Agenturen und Denkfabriken genannt werden und lehnen es ab, Gesetzestexte von externen Dienstleistern schreiben zu lassen. Außerdem sollen Mitglieder einer Bundesregierung, Staatssekretäre und Führungspersonen wie Abteilungsleiter, die aus dem Dienst ausscheiden, drei Jahre lang keiner Lobbytätigkeit nachgehen dürfen.

Um Beteiligung auszuweiten und demokratische Teilhabe zu stärken, wird in dem Antrag neben der Stärkung der repräsentativen Demokratie auch gefordert, die Bürgerinnen und Bürger jenseits von Wahlen stärker an Entscheidungen auf allen Ebenen zu beteiligen. "Obrigkeitsstaat und Durchregieren war Vorgestern. Im 21. Jahrhundert ist es an der Zeit, mehr und bessere Möglichkeiten der direkten Beteiligung an politischen Entscheidungen zu schaffen", so die Autorinnen und Autoren.

Beteiligung auf allen Ebenen bedeutet zum Beispiel, dass es auch auf Bundesebene die Möglichkeit für Volksentscheide geben muss. Dazu wird in dem Antrag eine Initiative für eine dreistufige Volksgesetzgebung gefordert. Außerdem wird in dem Antrag für die Gründung eines Rates der Demokratieweisen plädiert. Dieser solle einmal im Jahr einen Bericht über den Zustand der Demokratie sowie Reformvorschläge zur Stärkung vorlegen. 

Transparenz statt Klüngelei

Die Partizipation der Bürgerinnen und Bürger sowie Offenheit, Transparenz und Fairness "betrachten wir als Bringschuld der Regierung und wollen sie zum neuen demokratischen Standard erhaben". Es sei von großer Bedeutung, dass bei Infrastrukturprojekten und Planungsverfahren die Möglichkeit der Bürgerbeteiligung geschaffen werde. "Erst die breite Beteiligung aller, die an Entscheidungen teilhaben wollen, bringt die Vielfalt an Ideen, Perspektiven und Möglichkeiten auf den Tisch, die für die besten Lösungen nötig ist. Ein Auskungeln hinter verschlossenen Türen hingegen begünstigt die Vorteilnahme Einzelner und führt zur Frustration der Vielen".

Auch soll zur wirksamen Bekämpfung von Korruption ein bundesweites Korrutionsregister eingeführt werden.

Antithese zu Schwarz-Gelb

Dieser von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN angestrebte neue Stil in der Politik, sei die Antithese zum schwarz-gelben Politikmodell. "Schwarz-Gelb hat nicht verstanden, was es heißt, das Recht des Parlaments als erste Gewalt zu respektieren, Bürgerinnen und Bürger auf Augenhöhe zu beteiligen und sie in ihren Interessen auch gegen die vermeintlich 'Starken' aus Wirtschaft und Gesellschaft zu schützen und zu unterstützen".

BDK-Antrag: Demokratischer Aufbruch in Zeiten der Krise (PDF)

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Antwort: Mehr Demokratie

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Grüne Demokratieoffensive

Die Menschen in Deutschland drohen, eine Gruppe von Demokratiemüden zu werden. Mit der AG Demokratieoffensive wollen wir nach Wegen aus der Demokratiemüdigkeit suchen.

Kommentare

Gast
27-02-12 13:52
Wie kann man ein System als "Demokratie" bezeichnen in dem 10% der Menschen mindestens 90% des Reichtums besitzen.

Als "Demokratie" wird heutzutage die Herrschaft der Geldverleiher (Zentralbanken) mit Unterstützung eines
Marionettenparlamentes und einer gekauften Presse bezeichnet.

So hat sich z.B. die Herrschaftsform in England seit Gründung der Bank of England 1694 nicht wesentlich geändert. Nur heute heißt es "Demokratie" Die Folgen dieser "Demokratie" waren immer Wirtschaftszusammenbrüche und anschließende Kriege.
(Die Diktatoren wurden jeweils mit gedrucktem Geld aus den "Demokratien" hochgepäppelt).

1694 Gründung der Bank of England - Folge: Kolonialisierung
1803 Gründung der Banque de France - Folge: Napoleonische Kriege
1913 Gründung der Federal Reserve Bank der USA- Folge: 1. und 2. Weltkrieg

Nun haben wir die Europäische Zentralbank und die Folgen sind in Griechenland schon ansatzweise zu sehen.

Wir brauchen also kein mehr an "Demokratie" sondern überhaupt erst mal echte Demokratie. Diese basiert auf Eigenverantwortung und Selbstbestimmung sowie aus erarbeitetem Wohlstand
und nicht auf Kredit und zentralen Vorgaben aus Berlin, Brüssel oder New York. Wir brauchen dauerhaft werthaltiges Geld als Grundlage und nicht beliebig vermehrbares Papier- oder Computergeld, dass uns von Privatiers gnädig (gegen Zinsen) geliegen wird.
Ex-Gruene
13-02-12 00:35
Die Partizipation der Bürgerinnen und Bürger sowie Offenheit, Transparenz und Fairness "betrachten wir als Bringschuld der Regierung und wollen sie zum neuen demokratischen Standard erhaben"

Das habt ihr gerade in NRW bei der Durchsetzung Eurer Diätenerhöhung um 500,-€ monatlich bewiesen.
Trotz der 45.000 Bürgerproteste
trotz mehrheitlicher Warnung der Expertenrunde dies zu tun
trotz Höchstverschuldung des Landes NRW
trotz sinkender Rentenansprüche der normalen Bürger
trotztrotztrotz und das ist euch (explizit den GRÜNEN NRW) dieser Konflikt nicht eine Zeile auf eurer Webseite wert.
Ihr werdet schon wissen warum. Es macht langsam richtig Spaß zuzuschauen wie die Doppelmoral der GRÜNEN steigt und steigt und steigt. Schade nur, dass ich euch über 15 Jahre lang meine Stimme gab. Aber diesen Skandal werde ich nicht vergessen und ich bin nicht die Einzige und die nächste Wahl kommt bestimmt.
Schade, sehr schade.
mfg
Johannes
21-01-12 15:58
Schön und Gut das Problem ist nur die Grünen müssen sich auch daran halten was Sie hier versprechen und probagieren denn was momentan mit der Elektrischen Zigarette abgeht (z.b. in NRW)ist genau das gegenteil. Es wird alles ignoriert und gleich alles Verboten. Dies hat nix mit Demokratie zu tun. Was ich in letzter Zeit bei den Grünen beobachte ist die "Liebe zu Verboten" um den Bürgerinnen und Bürgern die Rechte zu nehmen und nicht zu geben. Es wird viel zu schnell ohne nachzudenken Verbote gefordert. Also nicht nur schreiben und labern (das kann jeder) sondern Handeln.
Peter
11-11-11 23:35
Diese Thesen sollten auch Maßstab des Handelns sein bei der anstehenden Gebietsreform in RLP, die noch von der rot-gelben Vorgängerregierung initiiert wurde,und die wohl nicht aufzuhalten ist. Ich bin überzeugt davon, dass man nicht einfach aus vorgeblicher Sparsamkeit Gemeinden zusammenlegen kann ohne die Menschen zuvor mit ins Boot zu nehmen!
Thanthalas
11-11-11 10:50
Ein imperatives Mandat und Volksentscheide bringen mehr Demokratie.
Alles andere ist eine Diktatur von Parlamentariern, die den Volkeswillen nicht im geringsten beachten müssen.
Ob ich nun etwas über 600 Diktatoren habe oder nur einen. Es gibt keinen Unterschied.
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