Das Problem benennen

Der Arbeitskreis Grüne MuslimInnen fordert Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble auf, den Mord am Dresdner Landgericht öffentlich zu verurteilen

Der Tatort, das Landgericht Dresden

Vor einer Woche, am 1. Juli, erstach ein Angeklagter im Saal des Dresdener Landgerichts eine aus Ägypten stammende Frau.

Das Opfer hatte Anzeige gegen den Mann erstattet, weil er sie wegen ihres Kopftuches auf einem Spielplatz als „Terroristin, Islamistin und Schlampe“ beleidigt hatte, als sie ihn bat, ihren kleinen Sohn schaukeln zu lassen.

Wegen dieser Beleidigung war der Täter, der in Russland geboren wurde, in einer vorangegangenen Verhandlung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Weil sie diese für zu niedrig hielt, hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt.

Der Zentralrat der Juden und der Zentralrat der Muslime kritisierten die „unverständlich spärlichen“ Reaktionen in Medien und Politik.

Wir veröffentlichen zu diesem Vorfall eine Stellungnahme des Arbeitskreises Grüne MuslimInnen.

 

Das Problem beim Namen nennen und gezielt gegen Islamophobie vorgehen!

Mit Entsetzen haben wir die Nachricht über den Mord im Dresdener Landgericht letzte Woche an Marwa S. zur Kenntnis genommen. Die Tat war offensichtlich geplant und geschah aus einer islamophoben Motivation heraus.

Der Täter Alexander W. erstach Marwa S. mit einem Messer, das er in den Gerichtssaal mitgenommen hatte. Im letzten Jahr hatte er sie auf einem Spielplatz als „Terroristin“, „Islamistin“ und „Schlampe“ beschimpft. Hierzu war er bereits zu einer Geldstrafe wegen Beleidigung verurteilt worden. Da er bei der Verhandlung aussagte, dass „solche Leute“ nicht beleidigungsfähig seien, weil sie „keine richtigen Menschen“ seien, hielt die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe für angemessen und ging in Berufung. Während der Berufungsverhandlung geschah der Mord.

Politik und Justiz sind dringend aufgefordert, angemessen auf diesen Mord zu reagieren! Islamophobie ist zu einem Phänomen geworden, das Menschen muslimischen Glaubens nicht nur herabsetzt, sondern auch zu offenen Anfeindungen gegenüber Musliminnen und Muslimen führt.

Der Mord an Mawra S. ist der tragische Höhepunkt dieser menschenverachtenden Ideologie. Mit großer Besorgnis beobachten wir schon seit Längerem die Zunahme islamophober Einstellungen, die auch in der Mitte der Gesellschaft auf Zustimmung stoßen. Gestreut und propagiert werden diese menschenfeindlichen Ansichten über islamophobe Internetseiten und von sogenannten rechtspopulistischen Gruppierungen wie „Pro NRW“.

Es wird Zeit, Islamophobie beim Namen zu nennen, ernst zu nehmen und Maßnahmen gegen diese spezielle und weit verbreitete Form der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit zu ergreifen.

Es ist ein Skandal, dass der Bundesinnenminister als Herr der Islam-Konferenz bisher nicht auf den Vorfall reagiert hat. Die Bundesregierung und die sächsische Landesregierung sind aufgefordert, die Tat öffentlich zu verurteilen, der Familie der Getöteten ihr Beileid auszusprechen und längst überfällige glaubwürdige Maßnahmen gegen Islamophobie zu ergreifen.

Marwa S. hinterlässt einen Ehemann und einen dreijährigen Sohn, der die Tat miterlebt hatte. Sie war im 3. Monat schwanger. Unser tiefstes Mitgefühl gilt dem Ehemann, dem Sohn und der Familie von Marwa S.

Hasret Karacuban, Ali Bas, Hatice Bercin, Samir Fetic

AK Grüne MuslimInnen

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Kommentare

Marwan Hassan
13-07-09 23:04
Nach langem Zögern und Zweifel an der Sinnhaftigkeit politischem Engagement in diesem Land, scheine ich doch eine Partei gefunden zu haben, die meinesgleichen wie Gleiche unter Gleichen betrachtet. Der Fall um Marwa zeigt, dass die Integration der Muslime, was auch immer das genau sein soll, nicht nur durch das Bemühen der Muslime selbst stattfinden kann. Anstelle von Appelle, dass die Muslime die Extremisten unter ihren Reihen anzeigen sollen, sollte die Mehrheitsgesellschaft "nicht-Muslime" den Extremismus unter ihren Reihen nicht mit islamfeindliche Propaganda nähren und so einen Anschlag als Einzelfall verharmlosen.
Wenn ich die Foren und Kommentare in den führenden Zeitschriften online lese, geht es mir schlecht! Da kommen Kommentare wie: "In Afghanistan werde auch Christen getötet" u.a. Für einige ist es ein gerechter Mord an einer Muslimin als könnte man das Leben der christlichen Opfer in Pakistan mit dem Mord an einer ägyptischen Mutter in einem Gerichtssaal wieder gut machen. Auch fällt der "neuchristliche patriotische" Unterton solcher Kommentare auf. Es geht hier nicht lediglich um einen Anschlag auf eine Muslimin, sonder darum, dass zumindest nach Außen es den Anschein verleiht, als wäre dieser Anschlag mit dem Segen des Staates geschehen, weil es in einem Gerichtssaal stattgefunden hat. Ein symbolträchtiger Ort, vor allem in Ägypten, wo man leider die Exekutive und Judikative als das eine und das Selbe sieht. Spätestens hier hätten die Politiker inkl. unsere Bundeskanzlerin aufspringen müssen, oder sind die Muslime nur interessant, wenn es darum geht die Autoindustrie zu retten.
Politik besteht auch aus Gesten und Verstehen anderer Mentalitäten! Dabei ist die Frage, warum keine Polizisten im Gerichtssaal waren oder nicht völlig egal. Natürlich sind bei Verhandlungen wegen Beleidigungen keine Security-Leute oder Polizisten im Saal. Und natürlich wird dies hoffentlich nie der Fall sein müssen. Wobei es durchaus fraglich ist, ob man nicht in Zukunft Muslime, welche es wagen ihr Recht einzufordern, nicht unter Schutz stellt. Es geht hier vorrangig darum, dass eine Frau ermordet, eine Familie zerrissen, ein Kind traumatisiert und ein Ehemann verletzt worden ist. Dann geht es auch darum, dass es eine Muslimin war, die wegen ihrer Religion angegriffen worden ist, und dies nicht nur weil der Täter fanatisch ist, sondern weil dieses Land laut der Pew-Global Attitude Research eins der islamfeindlichsten Regionen der Welt ist! Es geht darum, dass die Politiker anstelle von Integrations und Islamgipfel hier tatsächlich hätten handeln können. Sie hätten die Muslime im Land als aktive Bürger gewinnen können, wenn sie sich doch nur klar geäußert hatten. Was wäre das schön, wenn Merkel eine Anrede gehalten hätte, dass sie alles dafür tun würde, dass so etwas nie wieder vorkommt. Was wäre das schön, wenn sie der Familie wenn auch nur zur psychischen Unterstützung zu Ehrenbürger gemacht hätte (könnte ja Dresden noch tun). Ganz im Zeichen Obamas, ist es jetzt die Zeit die Muslime zu gewinnen! Sie sind eine Wahlkraft in diesem Land, ein Humankapital und gute Steuerzahler!!!!!
Lifemaker25
13-07-09 22:14
@said.b.
Deinem Beitrag stimme ich fast vollkommen zu. Außer der Satz ich zitiere:
"Natürlich ist dies eine Einzeltat und sie bleibt es,..."
Da bin ich anderer Meinung, ich denke eher es ist der erste Fall. Denn guck dir doch an wie es in der Realität ausschaut, durch die verkehrte Berichterstattung der Medienwelt (die wie eine Gehirnwäsche bei den Menschen auswirkt) über den Islam und die Muslime werden Muslime extremer und häufiger angegriffen, dies ist der Alltag.
Wie gesagt, ich denke es werden in Zukunft noch mehr Angriffe auf Muslime stattfinden die wie hier mit dem tod enden werden....
Said B.
13-07-09 20:34
Es ist trotz aller Trauer ein wenig schmerzliendernd, wenn sich wenigstens die grünen Politiker zu Wort melden. Natürlich ist dies eine Einzeltat und sie bleibt es, aber das gesellschaftliche Klima der Islamophobie und den Anfeindungen gegenüber (uns) Anhänger des Islams, die mehr und mehr Staatsbürger dieses Landes werden/sind, bedarf einer politischen Signalwirkung. Es ist in einer teilweise von Rundfunkgebühren mitfinanzierten deutschen Medienwelt keine Rede von diesem islamophoben Hintergrund und Klima, welches hinter diese Tat steckt. Es zeigt sich einmal mehr, dass die Muslime nur als "Täter" medial ausgeschlachtet werden, aber die Bedrängnisse und teilweisen Ernidrigungen bis hin zu Ausgrenzungen, Beleidigungen und gar Tätlichkeiten, denen sie im Alltag, auf der Arbeit etc. ausgesetzt sind, belieben unerwähnt. Es handelt sich hierbei um eine bewusst selektive Medien- und Politikausübung auf dem Rücken einer Minderheit, der Muslime. Den Muslimen ist nur zu empfehlen, trotz all dieser offensichtlichen "kleinen" Ungerechtigkeiten Standhaft zu bleiben und sich in Bezug auf ihre friedfertige Religionsausübung nicht unterkriegen zu lassen!
Lifemaker25
13-07-09 18:54
Mich enttäuscht wirklich sehr das Verhalten unserer Spitzenpolitiker (außer den grünen, danke an dieser stelle, dass wenigstens eine partei nicht wegschaut und die grasierende "islamophobie" unterschätz!). Warum meldet sich unsere liebe Kanzelerin nicht zu Wort und nimmt öffentlich stellungnahme dazu? Ich mein, sie schadet mit ihrem Schweigen damit auch das ansehen von Deutschland im Ausland insbesondere in der arabischen Welt.
Auch finde ich es schrecklich wie die Medienwelt mit diesem Fall umgeht. Warum tut sich die Medienwelt so schwer damit, darüber zu berichten? Oder über die ganzen Demos bzw. Kundgebungen Deutschlandweit die seit einer Woche gegen den Islamhass organisiert werden? Wovor hat die Presse Angst?!...Angst vor der Wahrheit...
Ich verstehe es nicht......

Es gibt sehr viele Fragen die noch ungeklärt sind.

1. Wie konnte der Täter unbemerkt in einem GERICHT ein großes Messer reinschmuggeln??
2. Wie kann man inerhalb von 36 sekunden satte 18 mal auf einen Menschen einstechen ohne dass eingeriffen wird??
3. Warum schießt ein Polizist nicht auf einen Menschen der blutüberströmt ein Messer in den Händen hält, stattdessen auf einen "dunlkelhäutigen"??
4. Warum waren keine Polizisten in der Nähe bzw. im Gerichtssaal??

Bin einfach nur Fassungslos, dass ich das erleben muss in einem Land wo eigentlich Demokratie,Gleichberechtung, Recht auf Meinung usw.. einem Land wie DEUTSCHLAND!
L.E.
13-07-09 14:28
Lieber L.E., leider mussten wir Deinen Kommentar löschen, da er gegen eine der hier geltenden Diskussionsregeln verstößt. Sie lautet: Pauschale Angriffe auf Religionen sowie auf Religionsanhänger sind zu unterlassen. Ähnlich wie übrigens auch Verunglimpfungen der Ethnizität, sexuellen Orientierung, politischer Ansichten und Nationalitäten von Gruppen oder Einzelpersonen.
Jeder weitere Kommentar, der diese Regel nicht beachtet, wird kommentarlos gelöscht.

Deine gruene.de-Redaktion
Habil
13-07-09 12:10
Es ist schön und richtig, dass sich zumindest eine Partei zu der grausamen Tat offiziell geäussert und Stellung bezogen hat.
Ich bin davon überzeugt, dass vor allem solche Bekundungen dazu beitragen die aufgeregte Stimmung in der muslimischen Community zu beruhigen. Es ist auch ein wichtiges Zeichen an die Muslime, dass sie als Teil der Gesellschaft wahrgenommen werden und ihre Belange auch von der Politik ernst genommen werden.
Bleibt zu hoffen, dass die anderen Parteien den Sprung von einseitiger Islamkritik zu einer ausgewogenen und den Islam und die Muslime (besonders die religiösen) in ihrer Vielfalt anerkennendes schaffen.
bagci hatice
13-07-09 00:21
als mutter, frau und muslimin geht mein anteilnahme besonders dem jungen( sohn), ehemann und familie der ermordeten dr. marva. ich bin nicht überrascht über diesem vorfall aber tief erschüttert. es war eigentlich abzusehen, daß so etwas passieren wird. die ständigen hetznachrichten, antiislamische berichte in den medien, vorallem die bilder im fernsehen, haben die menschen so geprägt. die schlechte bildung und wirtschaftliche lage hat die menschen vor dem fernsehen gefesselt. 85% der menschen in deutschland bilden sich durch die bildzeitung. diese bewußt geschürte islamphobie ist gift für das gemeinsame leben und integration. politiker wacht endlich auf, macht gute politik. erkennt endlich daß muslime eine bereicherung und teil dieses landes sind. bei den muslimen ist ein super potenzial, nutzt es, in dem ihr sie gleich behandelt und ihr herz gewinnt. danke an die grünen. ihr seid immer die ersten wenn es um solche fälle geht. danke
gaspard
12-07-09 19:37
Ein arbeitsloser Russlanddeutscher hat eine ägyptische Frau niedergestochen, die ihn wegen massiver Beleidigungen angezeigt hatte - das ist tragisch und bedrückend. Wenn die Trauer in der islamischen Welt allerdings sofort (wieder) in blinden kollektiven Hass und Rachegefühle umschlägt und in Ägypten zu Gewalt gegen „alle Deutschen als Feinde Allahs“ aufgerufen wird, trägt dies nicht gerade dazu bei, das Vorurteil vom fanatisch-rachsüchtigen Moslem zu entschärfen. Als im April 2007 in der Türkei drei Christen bestialisch ermordet wurden, darunter ein Deutscher, haben wir nicht gefolgert, dies sei dort Ausdruck allgemeinen Christenhasses.
Oft wird von Muslimen betont, dass der Islam eine Religion des Friedens und der Barmherzigkeit ist - doch kann man sich eine vergleichbare Reaktion z.B. in einem Land mit buddhistischem Hintergrund vorstellen?
Nachgedanke: Gerne hätte ich in den letzten Jahren Vertreter des Islam und der deutschen Politik - auch und gerade der „frauenbewegten“ Grünen - auf Trauerfeiern für die vielen „im Namen der Ehre“ ermordeten Frauen gesehen, die sterben mussten, weil sie sich „unislamisch“ verhielten…
Karsten
12-07-09 18:38
...wer selbst schon mal in der Situation war, Anzeige gegen einen Schläger zu erstatten - oder sei es nur bei Sachbeschädigung oder Volksverhetzung - der hat sicher über solche oder ähnliche Gefahren begonnen, nachzudenken.

Wie lange dauert es wohl, 18 Messerstiche zu platzieren ? 18 Sekunden ? 40 Sekunden ? 2 Minuten ?

Ich bin warhaftig kein Freund von einem Journalismus, der da die Kamera draufhält. Aber in einem Gericht sollten sich couragierte Mitbürger sicher fühlen dürfen und nicht durch unsägliche Schlamperei in Lebensgefahr gebracht werden.

Mein herzliches Beileid allen Betroffenen!

Zivilcourage verdient sehr, sehr viel mehr Echo - es geht ja nicht um Weltanschauung oder Wahlkampf, sondern um menschliches Miteinander, das jeder für sich in Anspruch nehmen darf. 1500 Demonstranten in Dresden sind mir peinlich wenig. Da schafft die IG Metall wegen 0,5 % Lohn locker das Doppelte. Scheiße, tut mir das LEID.
Youssef
12-07-09 18:20
Mir kommt es schon kommisch vor!Das ein Mensch der Angeklagt ist mit einem Messer hinein gelassen wird, ohne Kontrolliert zu werden!?!

Ich finde es sollten die gleichen Kontrollen, wie auf dem Flughafen statt finden bei jedem Gerichtsverfahren.

Ach ja was sagt die Bundeskanzlerin dazu, hat Sie was gesagt!
Kommentar

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