Auf dem rechten Auge immer noch blind

Auch nach dem Bekanntwerden der Neonazi-Mordserie verharmlosen Konservative rechtsextremen Terror. So startet die Junge Union (JU) am 3. Dezember einen "Aktionstag gegen rechtsradikale Gewalt und Extremismus". Dieser Titel verrät erst auf den zweiten Blick das verquere Bild der CDU/CSU-Jugendorganisation. Die JU versucht schon lange Linksextremisten, Islamisten und Rechtsextremisten gleichzusetzen. Und verharmlost damit die Gewalttaten und Morde der rechten Szene.

, Foto: rufus46 wikipedia CC BY-SA
Neonazi Aufmarsch, Foto: rufus46/Wikipedia (CC BY-SA 3.0) Foto: rufus46 wikipedia CC BY-SA

Schon lange versuchen CDU und CSU, Rechtsextremismus und Linksextremismus in einen Topf zu werfen. Im Klartext heißt das: linksextreme Steinewerfer sind genauso schlimm wie rechtsextreme Mörder. Grüne haben diese Vergleiche schon immer als Verharmlosung von Neonazis kritisiert, die seit 1990 in Deutschland mindestens 180 Menschen umgebracht haben. Angesichts der jüngst bekannt gewordenen rechtsterroristischen Mordserie ist er nur noch geschichtsblind und zynisch.

Trotzdem hält die Junge Union offenbar daran fest. So hat der Vorsitzende Philipp Mißfelder in der letzten Woche zum Aktionstag "Gegen rechtsradikale Gewalt und Extremismus" aufgerufen. Mißfelder lässt sich wie folgt zitieren: "Gerade jetzt ist es wichtig, Flagge gegen verfassungsfeindliche Gesinnung von Rechtsradikalen, Linksextremisten sowie von Islamisten zu zeigen."
Mißfelder macht hier nicht umsonst den feinen Unterschied zwischen "-radikalismus" und "-extremismus". Denn während "radikale Ansichten in unserer pluralistischen Gesellschaftsordnung ihren legitimen Platz" haben (Bundesamt für Verfassungsschutz), richtet sich der "Extremismus" gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung. Eine klare Verharmlosung rechter Umtriebe. 

Nicht extremistisch, nur radikal?

An diesem Aktionstag wird jetzt Kritik laut. Mit der Gleichsetzung werde nicht nur etwas vollständig unterschiedliches in einen Topf geworfen. Vor allem würde den Opfern rechter Gewalt nicht der erforderliche Respekt entgegen gebracht, heißt es in einem offenen Brief der GRÜNEN JUGEND an die Junge Union. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN forden schon seit langem die Abschaffung der von Familienministerin Schröder eingeführten Extremismusklausel. Demokratische Gruppe, die sich gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus engagieren, wurden im Rahmen dieser Klausel oft kriminalisiert und an ihrer Arbeit gehindert.

Auch Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke schaltet sich ein. In einem Brief an den Generalsekretär der CDU, Hermann Gröhe, fordert sie, dass die Veranstaltung der Jungen Union nicht unter dem "zynischen" Titel durchführt wird. "Die Feinde der inneren Sicherheit stehen rechts der demokratischen Grundordnung – das weiterhin zu verneinen, geht jetzt nicht mehr," schreibt Lemke. Sie erinnert Gröhe an den gemeinsamen Entschließungsantrag der im Bundestag vertretenen Parteien, in dem die gemeinsame "politisch-gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Rechtsextremisten und ihren Verbündeten" beschworen wird. Von Linksextremismus ist in diesem Antrag nicht die Rede. "Es ist Zeit, die unsäglichen „-ismus“-Gleichsetzungen, die nur von der eigentlichen Aufgabe – dem Kampf gegen Rechtsextremismus und Rassismus – ablenken, endlich zu beenden." schreibt Lemke.

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Der Extremismusbegriff

Beim Kampf gegen Rechts kann es vorkommen, dass Kritiker eures Engagements Rechtsextremismus mit linker Gewalt und Islamismus in einen Topf werfen. Im folgenden findet ihr eine Erklärung, warum diese Gleichsetzung problematisch ist.

Kommentare

youdeo
14-06-12 23:59
nicht jede heftige Kritik und Demo ist radikal schon gar nicht extrem, dem stimme ich zu - man denke nur an Antiatom Demos- sogenannte Endlager usw, rechter Extremismus ist aus meiner Sicht absolut zu Verurteilen, allerdings auch religiöser Fanatismus bis hin zu extremen Islamisten.
Oberste Grundlage ist unsere Verfassung.
Allerdings stehe ich auch der aufkeimenden Neumissionierungs Bemühungen christlicher Kirchen skeptisch gegenüber.
Dem fanatischen Islamismus einen christlichen Fundamentalismus entgegenzusetzen sehe ich besorgt.
Die Verfassung ist in unserer Gesellschaft das Gebot.
Ich sehe dies so wie Daniel Cohn Bendit mal in einem Fernsehinterview artikulierte.
Lassen wir uns nicht entmutigen von all den Fanatikern und blinden Hinterherläufern.
purpur
09-03-12 15:40
Ich denke,Deutschland leidet zurzeit an einem importierten Rechtextremismus.Jemand hat diesen rechtsextremismus von zu Hause mitgebracht, um damit in deutschland Politik zu seinen Gunsten zu machen.Ich mache dafür die deutsche Verwandschaft der US-Republikaner verantwortlich.Als der Thron von Herrn Wulff ins wanken geriet,war aufeinmal "der Antisemitismus in Deutschland tief verwurzelt".Herr Wulf ist nun der siebte lebende deutsch Bundespräsident außer Diensten,dem die Bundesrepublik jährlich einen Ehrensold von 200.000 Euro zukommen läßt.Das Herr Rossmann Bettina Wulff da anbietet,als Kassiererin bei ihm unterzukommen ist sehr generös.Und Lothar Demaiziere verleiht David Petraeus das Bundesverdienstkreuz.
claudia grün
08-02-12 20:13
Ihr seid so weltfremd!!!
Dog
31-01-12 11:32
Unglaublich, wie viel Mühe sich die Nazis geben, die Kommentarspalten hier zu dominieren. Naja, aber besser als wenn sie draußen rumrennen und Leuten Gewalt antun. So können wir noch was über ihr verrücktes Welt- und Grünenbild lernen.
h.g.
23-01-12 23:17
Vieleicht sollte Frau Lemke sich einmal dies Hompage genauer anschauen. Unter "Themen" A-Z findet man, völlig zu Recht die Vokabel "Rechtsextremismus". Dieser wird richtigerweise, geächtet. Sucht nun der interessierte Leser nach den Hinweisen über den Linksextremismus, als ob es z.B. die RAF nie gegegben hat, Fehlanzeige. Der, sich weltweit immer stärker verbreitende Islamismus wird ebenfalls totgeschwiegen.
Es darf angenommen werden, dass der Islamismus in letzter
Konsequens die global gefährlichste Bewegung sein wird.
Extremisnus jegliche Ideologie muss bekämpft werden. Wer
immer wieder gebetsmühlenartig auf den Rechtsextremismus zielt, den Linksradikalismus, sowie den Islamismus aber ausklammert und die Hinweise darauf auch noch als "unsäglich" betitelt, ignoriert die Wirklichkeit.
Frau Lemke hat ein Wahrnehmungsdefizit wenn sie die Feinde der inneren Sicherheit lediglich rechts der Demokratischen Grundordnung ausmacht und dabei Linksextremismus und Islamismus ignoriert. Es wird höchste Zeit, dass die Grünen in ihrer Homepage die Themenliste entsprechen ergänzen, dies sollte bei einer demokratischen Partei eigentlich selbstverständlich sein. Wenn man sich zudem noch das extrem frauenfeindliche Verhalten der Islamisten vor Augen hält, wundert es mich , dass man von Frau Roth diesbezüglich so garnichts hört, wo man sich doch Anderes auf die Fahne geschrieben hat. Sämtliche Arten des Extremismus gehören bekämpft und keine darf ausgeklammert werden, sonst macht man sich unglaubwürdig Frau Lemke.
ronne
04-01-12 22:59
es ist doch eine Selbstverständlichkeit, sich gegen braunen Sumpf zu wehren, wo es nur geht. Allerdings ist die weltweite neonazistische Bewegung mit ihrem Drang nach Vergrößerung nicht weniger beängstigend wie die islamische.
Es ist eine offensichtliche Tatsache, dass der Islam imperialistische Pläne verfolgt, was offen zugegeben wird und auch im Koran begründet ist.
Wer das nicht erkennt, muss blind sein. Ich bin nicht gegen Menschen, aber gegen rassistische Systeme.
Warum soll alles, was "deutsch" ist zerstört werden und an dessen Stelle nun der Islam die Vorherrschaft einnehmen? Der ist doch nicht besser. Im Gegenteil:
Islam heißt nicht Frieden. Der ist laut Koran erst dann eingetreten, wenn weltweit alle nicht-Muslime ausgeschaltet sind. Nein, ich habe den Koran sehr gut verstanden und auch nichts missdeutet.
Der Islam ist nicht viel weniger faschistisch wie die Nazi-Ideologie. Die Nazis haben ihr beklopptes Wertesystem nicht als Religion ausgegeben, haben aber so getan als wäre es eine.
Die Isl@misten dagegen geben ihr Wertesystem als Religion aus, wobei es in Wirklichkeit faschistisch/rassistisch ist.

Liebet eure Feinde - Dieses göttliche Wort schneidet jedem Rassisten den Weg ab...

Es ist ein Skandal, dass man sich nicht kritisch mit der Islamisierung auseinander setzen kann, ohne in die rechtsradikale Ecke hinein diffamiert zu werden. Grün ist für mich deshalb endgültig gestorben.
ronne
04-01-12 12:27
es ist doch eine Selbstverständlichkeit, sich gegen braunen Sumpf zu wehren, wo es nur geht. Allerdings ist die weltweite neonazistische Bewegung mit ihrem Drang nach Vergrößerung nicht weniger beängstigend wie die islamische.
Es ist eine offensichtliche Tatsache, dass der Islam imperialistische Pläne verfolgt, was nicht etwa eine plumpe Phobie ist. Wer das nicht erkennt, muss blind sein. Warum soll alles, was "deutsch" ist zerstört werden und an dessen Stelle nun der Islam die Vorherrschaft einnehmen? Es gibt so einige erhaltenswürdige Werte außerhalb der braunen Soße, etwa nicht? Islam ist nicht etwa Frieden, wer das behauptet, wendet propagandistische Tricks an.
Es ist ein Skandal, dass die politische Mitte keine Chance hat, sich sachlich und kritisch mit der drastisch zunehmenden Islamisierung auseinander zu setzen, ohne in die rechtsradikale Ecke hinein diffamiert zu werden. Grün ist für mich deshalb endgültig gestorben.
Ferdi
27-12-11 17:55
Bei aller Abscheu gegenüber den Taten der "NSU" genannten Tätergruppierung und der dahinter verborgenen Ideologie. Der "offene Brief" von Frau Lemke besticht nicht gerade durch solide Kenntnis des Grundgesetzes. Mit welchem Recht legt sie denn fest, wer gefährlich ist und wer nicht, gegen wen sich die Gesellschaft wenden darf und gegen wen nicht? Die Feinde der FDGO stehen keinesfalls nur rechts der Mitte. Wer etwas Anderes behauptet verkennt die Realität und begibt sich auf sehr dünnes Eis.
hoa
18-12-11 19:42
der verfassungsrechtler martin kutscha schrieb: "wer ein >extremist< ist, wird nicht nach rechtlichen kriterien bestimmt, sondern nach der distanz zur politischen >mitte<, die jewils die politik der regierenden definiert. nach diesem schema wären auch die hitler-attentäter des 20.juli 1944 oder die opositionellen in der ddr als >extremisten< zu kennzeichnen."
wir sollten diesen begriff aus unserem wortschatz streichen und klar benennen wofür oder wogegen wir sind.
Bunt statt grün
06-12-11 13:52
Was bitteschön ist der Unterschied zwischen "gutem" linksextremistischen Terror, "gutem" islamistischen Terror und bösem rechtsextremistischen Terror?
Kommentar

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