Anschlag auf Pressefreiheit

Roland Kochs Eingriff in die ZDF-Personalpolitik ist falsch und gefährlich, sagt Claudia Roth.

Der Vertrag von Brender beim ZDF wurde nicht verlängert. Was bedeutet das?


Claudia Roth: Die Unabhängigkeit der Presse ist eines der wichtigsten Güter einer Demokratie. Übrigens ist sie auch ein wichtiges Indiz für die Stärke einer lebendigen Demokratie. Roland Koch will offensichtlich den hessischen Berlusconi geben. Koch hat gegen alle Einwände von Verfassungsrechtlern und einer breiten Öffentlichkeit eine Entscheidung durchgezockt, die genau diesen Anschlag auf die Presse darstellt. Deswegen erwarte ich von all denen, die sagen: die Pressefreiheit, die Staatsferne, die Unabhängigkeit der Presse in unserem Land ist ein Reichtum, von denen erwarte ich die Unterstützung der Normenkontrollklage der Grünen im Bundestag. Wir lassen uns diesen Reichtum von Koch und seinen Gefolgsleuten nicht kaputt machen.

Das Dramatische an dem Beispiel "Anschlag auf Pressefreiheit" durch das Verhalten der Exekutive, der Regierungsvertreter im ZDF-Verwaltungsrat macht deutlich, dass es eine Erosion der Menschenrechte und des Bewusstseins über den Respekt gegenüber den Bürgerrechten gibt.

Wir erleben das gleiche am Beispiel SWIFT. Das ist ein Auslieferungsabkommen von der Europäischen Union mit den USA, bei dem die Bankdaten von EU-Bürgern schlichtweg ohne jeden Schutz an die USA ausgeliefert werden sollen. Ich finde es inakzeptabel, dass ein deutscher Regierungsvertreter, Herr de Maizière, diesem Vorhaben nicht ein Veto entgegensetzt.

Dies sagt viel auch über die Bürgerrechtspartei FDP aus, wenn die Justizministerin Frau Leutheusser-Schnarrenberger komplett weggeduckt ist. Die Kritik vor der Wahl ist offensichtlich nicht mehr die Kritik nach der Wahl.

Und es ist eine Ignoranz gegenüber dem Europäischen Parlament, das mit dem Lissabon-Vertrag endlich mehr Rechte bekommt. Diese Rechte sind auch von der Kanzlerin und ihren Regierungsvertretern immer hoch gepriesen worden. Ab morgen hätte das Europäische Parlament in dieser Frage ein Mitspracherecht. Heute soll es durchgezockt werden von den nationalen Exekutiven, die sich noch ein letztes Mal als europäische Legislative aufführen. Das ist inakzeptabel und braucht erbitterten Widerstand.

Die dritte Erosion der Menschenrechte und der Menschenrechtsstandards und der Bindewirkung der Menschenrechte ist die Schweizer Volksabstimmung gegen Minarette. Das ist ein eklatanter Widerspruch auf das Recht auf Religionsausübung, was in der Schweizer Verfassung steht, was in der Europäischen Menschenrechtskonvention steht und was in der Erklärung der Menschenrechte festgehalten worden ist.

Ich erwarte, dass die Bundesregierung, dass die Parteien in unserer Gesellschaft ein klares Signal für den Wert der Religionsausübung für jeden einzelnen in unserem Land geben. Von Frau Köhler, die zuständig ist für den Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus sowie Antisemitismus, erwarte ich, dass sie der wachsenden Islamophobie in unserem Land  etwas entgegensetzt.

Mit Verlaub; die, die jetzt still sind und Krokodilstränen heulen, sollen sich mal daran erinnern, dass sie die Einbindung der Türkei in die Europäische Union immer an den Neubau von christlichen Kirchen knüpfen. Ich unterstütze das Recht der Christinnen und Christen auf freie Religionsausübung. Dann müssen die aber auch das Recht auf Religionsausübung der Muslime in unserer Gesellschaft und in unseren europäischen Gesellschaften unterstützen.

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Eine faire Chance für alle

Grüne Woche mit Cem Özdemir: Über den EU-Gipfel, Europa und das Grundgesetz, die Pannen bei den NSU-Ermittlungen und den grünen Sozialpolitischen Kongress.

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Datenschutz als Chance

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Claudia Roth zum Prozess gegen Seeleute, die Flüchtlinge vor der italienischen Küste aufnahmen

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Flucht in den Tod

Jedes Jahr sterben tausende Menschen bei dem Versuch, über den Bootsweg von Afrika nach Europa zu gelangen – denn Europa jagt sie mit Waffengewalt

Kommentare

Oliver Hansl
06-12-09 01:21
Ich finde wir Grünen sollten endlich mal wieder öffentlich die Dinge besagen wie sie sind. Ich persönlich fühle mich in meinem Land nicht mehr wohl, in der eine Kanzlerin durch die Medien zu bestimmerisch in Szene gesetzt wird. 5% Hürde, Afghanistan,das ewige WIR, WIR, WIR. Islamisierung der Deutschen. Ich kann die ganzen Lügen nicht mehr hören. Wenn ich mir die Gesichter einiger politischen Mitstreiter ansehe,... bemerke ich schnell ob sie lügen o. nicht.

Früher habe ich auf Rock-Konzerte gespielt mit Benedikt. Bin auf seine Entwicklung gespannt.
03-12-09 21:40
Die Türkei in die EU einbinden ? Uns den Muslimen noch mehr öffnen ?
Habt Ihr jeglichen Blick in die Realität verloren ?
Warum tolerant sein zu Menschen, die uns "Ungläubige" verachten und die selber vollkommen intolerant sind ?!
R. Lupin
02-12-09 17:46
Liebe grüne Bundestagsfraktion,

ich hoffe, ihr könnt irgendwie 12 SPDler finden, die der Mut noch nicht ganz verlassen hat und die Euren Antrag auf ein Normenkontrollverfahren beim Bundesverfassungsgericht unterstützen.

Grüße Grüße
Remus
Anonym
01-12-09 20:25
Leider zeigt sich in diesen Tagen auch das ihr die einzigste Partei seid, welche sich noch für den Schutz von Grundrechten stark macht. Die Piraten haben mit ihrem Kahn doch mittlerweile deutlich rechte Schlagseite.

So geht z.B. ein Mitglied aus dem Parteivorstand am rechten Rand angeln, indem er in seinem Blog, zu finden unter http://aaron-koenig.blogspot.com/2009/11/respekt-fur-die-schweiz.html (ich möchte mich ausdrücklich von dem Inhalt distanzieren), sich die Argumentationen der Schweizer Rechten zu eigen macht und diese mit der Forderung nach direkten Volksentscheiden vermischt.

Und auch bei den Piraten selbst, diskutiert man im Forum wohl eifrig ob ein Minarettverbot auch bei uns möglich sein sollte (http://forum.piratenpartei.de/viewtopic.php?f=1&t=15291). Auch von den Meinungen dieses Links möchte ich mich absolut distanzieren, da einige Ansichten der Forumsteilnehmer ebenfalls stark in die rechte Ecke gehen. Hoffentlich habt ihr ja noch ein bisschen Zeit, diesen selbsternannten Grundgesetzrettern mal ein bisschen Nachhilfe in Sachen Grundrechte zu geben.
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