Gute Schulen

Die Bildungsdebatte ist in vollem Gang. Wie man Gerechtigkeit ins System bringt und wie Kinder zukünftig lernen sollten, machen einige Schulen heute schon vor.

Kind mit Bücherstapel. Foto: (c) luxuz.../photocase.com

Es gibt einen Mythos im deutschen Bildungswesen, und der geht so: An deutschen Schulen wird allein nach dem Leistungsprinzip verfahren. Dabei ist Fakt, dass nirgendwo sonst Kinder so stark nach ihrer sozialen Herkunft sortiert werden. Der Zusammenhang zwischen dem Status der Eltern und den Bildungschancen der Sprößlinge ist in keinem anderen OECD-Staat so ausgeprägt wie in Deutschland.

Ein Akademikerkind hat hierzulande fünfmal bessere Chancen, ans Gymnasium zu gelangen als ein Arbeiterkind. Selbst gute Leistungen helfen bildungsfernen SchülerInnen oftmals wenig. Laut einer aktuellen Studie des Wissenschaftszentrums Berlin besuchen fast 20 Prozent trotz guter Noten eine Schule, die unter ihren Fähigkeiten liegt. Das Grundübel des deutschen Systems: Die Kinder werden viel zu früh, in den meisten Bundesländern schon nach der vierten Klasse, voneinander getrennt und auf unterschiedliche Schulformen geschickt. Das geschieht im OECD-Raum außer in Deutschland nur noch vereinzelt in Österreich und de Schweiz. "Im Ausland versteht das niemand", sagt der ehemalige Direktor am Max-Planck- Institut für Bildungsforschung, Wolfgang Edelstein. "Wir machen aus Entwicklungsdifferenzen Lebensverlaufsdifferenzen." Längeres gemeinsames Lernen und mehr Ganztagsangebote stehen deshalb schon seit Jahren im Forderungskatalog der SchulreformerInnen an oberster Stelle.

Das System produziert Verlierer

Unter einem gegliederten Schulsystem leiden vor allem die Schwachen: Kinder aus Hartz-IV-Familien, Kinder mit Migrationshintergrund, Kinder mit Behinderung. Sie werden in Haupt- und Sonderschulen abgeschoben, wo sie gerade jene Vielfalt nicht mehr erfahren, die sie in ihrer Entwicklung voranbringen würde. Sie bilden den Großteil der so genannten "Risikoschüler"; jener Gruppe von umgerechnet rund 1,8 Millionen Jugendlichen, die die Schule ohne ein Mindestmaß an Bildung verlassen, das für eine erfolgreiche berufliche Karriere vonnöten wäre.

Dass vielen SchulabgängerInnen "Basisqualifikationen in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Naturwissenschaften" fehlten, beklagt Holger Schwannecke, Generalsekretär vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Und nicht nur das: Auch soziale Kompetenzen wie Pünktlichkeit, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit gingen vielen Bewerbern um einen Ausbildungsplatz ab. "Dieses Problem können wir nicht allein an der Schule lösen", sagt Schwannecke. Mangelnder Ausbildungsreife gehe oft schon mangelnde Schulreife voraus. Der ZDH-Generalsekretär fordert deshalb eine ganzheitliche Bildungsstrategie von der Kita bis zur Berufsbildung: "Wir müssen uns alle als Mitglieder einer Wertschöpfungskette sehen." Und das bedeutet, Bildungsträger und Umgebung – Eltern, Betriebe, Zivilgesellschaft – miteinander zu vernetzen, um Barrieren abzubauen. "Dazu gehört, dass sich die Schulen mehr öffnen – Berufsorientierung in Betrieben und Bildungsstätten des Handwerks muss einen festen Platz im Stundenplan erhalten", fordert Schwannecke, "gerade, um den Übergang von der Allgemeinbildung in die Berufsbildung zu erleichtern."

Neue Lernformen nötig

Zu einer ganzheitlichen Betrachtung des Problems gehört aber auch, neben strukturellen Fragen neue Formen des Lernens in die Reformüberlegungen mit einzubeziehen. Wer im Computerprogramm "Word" Synonyme für das Wort "lernen" sucht, bekommt die Vorschläge "einpauken", "einschustern" oder "dem Gedächtnis einprägen" als Ergebnis. Das gibt so ziemlich das deutsche Verständnis einer Wissensvermittlung wieder, die den SchülerInnen den Lernstoff einfach einhämmert. "Dass Lernen frontal, gedächtnisorientiert und reproduktiv ist, ist eine altertümliche Vorstellung", sagt Bildungsforscher Wolfgang Edelstein. "Modernes Lernen ist differenziert, konstruktiv und kooperativ."

Das haben gute Schulen längst erkannt. Sie warten nicht auf Reformen von oben, sie machen sie einfach selbst. So wie die Grundschule an der Kleinen Kielstraße in der Dortmunder Nordstadt, einem Viertel, das aufgrund hoher Arbeitslosenrate und hohen Ausländeranteils gerne als "sozialer Brennpunkt" beschrieben wird. Acht von zehn SchülerInnen an der Kleinen Kielstraße stammen aus Zuwandererfamilien. Sie kommen aus 26 verschiedenen Nationen, sprechen kaum Deutsch, wachsen häufig ohne Vater auf und sind von zuhause keine Alltagsstrukturen gewohnt. Woanders wären sie abgeschrieben. Der Journalist und Bildungsexperte Christian Füller beschreibt in seinem Buch "Die gute Schule", wie es der Dortmunder Grundschule dennoch gelingt, einen Lernort zu schaffen, wo die Kinder gerne hingehen, weil sie individuell gefördert werden und ihre Potenziale entfalten können.

Das Kollegium um Schulleiterin Gisela Schultebraucks-Burgkart hat der Einrichtung ein für deutsche Verhältnisse revolutionäres Konzept verpasst: Nicht die Lernenden müssen sich hier der Schule anpassen, die Schule hat sich den Lernenden angepasst. Schon neun Monate vor dem Schuleintritt machen die Kinder Orientierungstests, die ihren Entwicklungsstand diagnostizieren. Die ersten Förderkurse beginnen bereits vor der Einschulung: etwa Spach- oder Matheübungen in der Kita, die ErzieherInnen und LehrerInnen gemeinsam gestalten. Auch während der Zeit in der Schule lernt jedes Kind in seinem eigenen Tempo: Es gibt individuelle Wochenpläne, die die Kinder zum selbstständigen Lernen anhalten. Es gibt Projektarbeit, eine Lernwerkstatt, eine Sozialstation und jahrgangsübergreifenden Unterricht, in dem Ältere und Jüngere voneinander profitieren. Die, die in ihrer Entwicklung weiter sind, verlieren dadurch nichts – im Gegenteil. "Gute Schüler sind auch gute Mentoren, die dadurch lernen, dass sie anderen etwas beibringen", sagt Wolfgang Edelstein. Auch Frontalunterricht kommt vor, Gisela Schultebraucks-Burgkart nennt das "Phasen der Instruktion". Die ganztägige Betreuung an der Kleinen Kielstraße ermöglicht es zudem, die ungleichen Voraussetzungen der SchülerInnen durch individuelle Förderung auszugleichen und soziale Kompetenzen zu vermitteln.

Diskursives Klima schaffen

Auch wenn die Schule für die meisten Kinder eine Oase ist – wichtig ist der Rektorin, ihre Insitution nicht isoliert zu betrachten. Deshalb bezieht sie auch die Eltern mit ein: In einem der Schule angegliederten Elterncafé können sie zum Beispiel parallel zu ihren Söhnen und Töchtern Deutsch lernen. Und sie müssen sich verpflichten, zu den Einzelgesprächen in der Schule zu kommen und ihr Kind bei der Entwicklung seiner Fähigkeiten zu unterstützen. Die mit dem "Deutschen Schulpreis" prämierte Grundschule an der Kleinen Kielstraße ist nur ein Beispiel für das Lernen der Zukunft. Kollegien aus der gesamten Republik kommen zu Besuch, um von ihr zu lernen. Denn eine gute Schule ist ohne eine engagierte und veränderungswillige Lehrerschaft nicht denkbar. Der Austausch ist besonders wichtig, weil eine professionelle Lehrerbildung in Deutschland bis heute nicht existiert. Dringend nötig ist es, Psychologie ins Klassenzimmer zu integrieren und die Lehrer-Schüler-Beziehung neu zu denken. Denn Schule ist dann am produktivsten, wenn sie zu einer diskursiven Welt wird, in der Lehrende und Lernende sich partnerschaftlich begegnen und permanent unter- und voneinander lernen.

Von Holger Böthling, schrägstrich, Ausgabe März 2010

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Kommentare

Franz Josef Neffe
25-10-12 10:39
Schule braucht etwas was ZIEHT.
HUNGER haben die Talente von Geist & Seele bei jedem Menschen.
Wenn diese entscheidenden, feinen Lebenskräfte Aufbauendes zu essen bekommen und nicht genudelt werden, WACHSEN sie und werden dem Leben GEWACHSEN.
Es kommt darauf an, dass Schule wirklich Schule und nicht, wie immer noch üblich, Unterrichtsvollzugsanstalt ist.
Die neue Ich-kann-Schule ist sowieso kein Haus. Der Mensch lernt ja nicht in Häusern, er lernt IN SICH, und da steht ihm in seiner Ich-kann-Schule alles, was er zum Lernen braucht, jederzeit und überall zur freien Verfügung - es sei denn, er wird durch UNTERricht ständig davon abgebracht.
LEHRE ist grundlegend anders als UNTERricht. Unterricht richtet (von oben herab) nach unten. Im Unterricht übt man unten ein, sich nach denen oben zu richten. LEHREN dagegen heißt in der neuen Ich-kann-Schule: ein mitreißendes Vorbild für LERNEN sein. Und Lernen - von germ. "laisti = die Fährte" - bedeutet: Fährten des Lebens verfolgen, eigene ErFAHRungen sammeln.
Kinder brauchen LEHRER und keine Unterrichter. Kinder sind selber Lehrer, denn Lehren + Lernen sind nur zwei Seiten derselben Medaille. Damit spielen Kinder in der Ich-kann-Schule auch nicht, wie sonst leider üblich, Statistenrollen für den Unterrichtsablauf sondern sie spielen die Hauptrolle ihres Lebens.
Ab und zu trifft man Schulen, die Ich-kann-Schulen sind oder werden könnten.
Guten Erfolg!
Franz Josef Neffe
Hans walter
16-10-12 08:29
Ich find bildung sehr wichtig
bildung wichtig?
14-05-12 08:53
Bildung ist das a und o
Klaus
20-12-11 07:54
So zielmlich in der Mitte des Beitrages wird das Kernproblem angesprochen, jedoch nicht weiter verfolgt: ein guter Teil der Kinder ist nicht schulreif im Einschulungsalter. Und das soll in der Grundschule mit Kasperles-Unterricht und später mit Unterricht in Schulformen kompensiert, kaschiert werden, in denen die Schülerinnen und Schüler weder gerecht noch gleichwertig sondern nur noch gleichgültig bespaßt werden.
Wer einmal in Baden-Württemberg in einer Werkralchule war, oder sich dies jenseits seines verharrens im Ideologieturm antut, wird erkennen (müssen, daß dor weiss Gott keine vergessenen und übersehenen Nobelpreis-Genies sitzen. Die können einfach nicht mehr. Und sie sind deswegen keine schlechteren Menschen. Gelegentlich blitzen sogar einige rudimentäre soziale Kompetenzen durch.
Bessere Schülerinnen nund Schüler erhalten wir durch bessere Elternhäuser. Wenn sie dort besonnt werden, die Kinder, dann reifen sie auch zur Schulreife heran.
Dazu bedarf es einer anderen Familien-Politik. Das wilde Herumschrauben an der Bildungspolitik ist völlig untauglich, unsere am postmodernen Gedankengut zu vortenden gesellschaftlichen Probleme zu lösen.
Reinhard
26-08-11 10:47
Wenn es einerseits den Mythos vom Leistungsprinzip gibt, existiert anderseits hartnäckig ein Mythos auf Seiten dessen Kritiker: Ein wesentlicher Grund, warum "Arbeiterkinder" seltener auf das Gymnasium gehen als "Akademikerkinder" liegt nicht in der Schulform sondern bei den Eltern.

Das Angebot, weiterführende Schulen zu besuchen, kann noch so niederschwellig sein: Wenn Eltern entscheiden, dass ihr Kind nun mal so früh wie möglich abgehen soll oder Eltern schlicht der Bildung ihres Kindes keinen Wert beimessen - was soll da eine Reform bewirken?!

Eine Reform der Schulen ist wichtig. Aber aus anderen Gründen: Die Klassenstärken müssen reduziert und die Lehrenden in ihrer Gestaltungsfreiheit gestärkt werden, damit näher am Bedürftnis der Schüler gelehrt werden kann. Ein erster Schritt wäre eine massive Streichung der überbordenden Lehrpläne aus dem Düsseldorfer Ministerium verbunden mit einer Umleitung der Personalkosten aus diesem Ministerium in die Schulen.

Der Schüler-Lehrer-Schlüssel ist der tatsächlich relevante Lackmus-Test für jede ehrlich gemeinte Reform der Schulen!

Davon wird zwar kein "Arbeiterkind" mehr eine weiterführende Schule besuchen. Aber die, die es tun, haben eine reelere Chance, einen Abschluss zu erhalten, weil sie in Klassen mit mehr als 30 Schülern nicht mehr untergehen.
Annette
29-03-11 17:20
Das gesammte Schulsystem gehört reformiert.
Die preusischen Lehrmethoden entsprechen nicht mehr den Anforderungen des täglichen Lebens.
Viele junge Lehrer sind sehr gut ausgebildet, haben Ideen und neue Lehrmethoden, das Wichtigste ist, sie sind auch noch mit Freude bei der Arbeit.
Sie beziehen ihre Klasse bei der Unterrichtsgestaltung mit ein (eine Lehrmethode bei welcher viel hängen bleibt). Diese Lehrer kommen aber oft nicht zum Zug. Auf den Stellen sitzen oftmals antiquierte Lehrer, unkündbar und teilweise nicht tragbar.
Warum wird hier nicht jährlich geprüft und beobachtet (vielleicht sogar mit Fragebögen an die Klassen)?
Respekt kann ein Mensch nur erwarten, wenn er selbst respektiert.
Die Machtposition der Lehrer werden zum Teil ausgenutzt und wehren ist fast zwecklos. Dies gilt natürlich nicht für alle Schulen, aber .... meine Erfahrungen sind leider in diese Richtung.
Ich werde aufmerksam beobachten, wie die Grüne Politik sich diesem Schulsystem nähert. Wenn´s sie es gut machen, hat diese Partei ein neues Mitglied.
Sabine Häusler
23-11-10 21:28
Wir müssen keine qualifizierten Arbeitskräfte aus dem Ausland holen, wir müssen unsere Schulen so gestalten, dass wir selbst das Potential, das in unseren Kindern schlummert, wecken und zur Entfaltung bringen. Das geht nicht in einem Schulsystem, das nur von Druck und Angstproduktion lebt. Schüler können sich kaum nach oben qualifizieren. Wir selektieren immer nur nach unten. Kinder, die Spätentwickler sind, gehen unter. Langsam Lerner gehen unter. Hochbegabte, deren Fähigkeiten sich nicht in das normale Lerntempo hinein fügen, verlieren Motivation und gehen unter. Kinder, die durch familiäre oder gesundheitliche Probleme Lernschwierigkeiten bekommen (z.B. viele Familien brechen auseinander, Kinder leiden darunter, begabte Kinder verweigern plötzlich das Lernen - das sind keine Einzelfälle - das sind sehr viele) müssen die Schule verlassen. Unser Schulsystem erzeugt neue Probleme und erzeugt Schulversager
Häusler, Sabine
23-11-10 21:19
Jeder Schüler hat ein individuelles Lerntempo. Deshalb ist ein Unterricht Utopie, der glaubt, alle Schüler über einen Kamm scheren zu können. Es ist auch falsch zu glauben, alle Schüler würden sich in 3 (Haupt/Real/Gymnasial) oder 5 (Haupt/Real/Gymnasial/Lernhilfe/geistig Beh.) Lerntempi aufteilen lassen. Die Lösung des Problems heißt: innere Differenzierung bei kleinen Klassen und Lehrerdoppelbesetzung unter Abschaffung oder extremer Reduzierung der Sonderschulen. Aufhebung von Jahrgangsklassen, Förderpläne für jeden Schüler (auch die Hochbegabten). Sonderpädagogen wissen, wie innere Differenzierung funktioniert, sie können ihre Kollegen unterstützen. Wenn bisher eine normale Klasse 30 und eine Sonderschulklasse 8 Schüler hatte, so können jetzt daraus auch zwei Klassen mit je 19 Schülern gemacht werden. Es werden Fahrkosten, Raumkosten usw. durch gemeinsame Beschulung gespart. In den führenden Pisa-Ländern funktioniert das so.
Felix Rolletschke
06-10-10 22:29
Ich würde auch gerne einen Beitrag zum Thema Schulen loswerden, in der Hoffnung, dass mir jemand von den Grünen darauf eine Antwort geben kann.

1.) Ich habe kein Verständnis für ein gemeinsames Lernen bis Klasse 10 oder 8. Dies führt dazu, dass keine guten Schüler mehr die Schule verlassen. Die Guten können nicht die schlechten mitziehen, weil es keine guten mehr geben wird, wenn das Unterrichtstempo an die schlechten Schüler angepasst werden muss. Talente werden mit dieser Bildungspolitik im Klo runter gespült. Das kann doch nicht im Interesse der Grünen liegen. Es verlangt schon viel Optimismus, davon auszugehen, dass die guten Schüler die schlechten Schülern zu Guten machen.
Wie soll man Schülern, die Talent haben und lernbegierig sind, Wissen vermitteln, wenn man gleichzeitig schlechten Schülern, die nicht wissbegierig sind, Wissen vermitteln muss. Dieser Bildungspolitik fehlt die Realitätsnähe. Schon in der 4. Klasse wird das Leistungsgefälle innerhalb einer Klasse deutlich. Die guten Schüler beginnen sich bereits hier zu langweilen und die Förderung, die sie verdienen, ist nicht aufbringbar.
Aber auch die schlechten Schüler werden weiterhin keine Chance haben. Schon bei näherungsweise gleichem Leistungsniveau in einer Gymnasiumsklasse gibt es einen Teil der Klasse, der Schwierigkeiten hat, dem Unterrichtstempo zu folgen. Wie soll ein System funktionieren, indem dieses Leistungsgefälle erheblich höher ist?

2.) In der Tat sollte man auch mehr auf schlechte Lehrer eingehen. Schlechte Lehrer sind schlimmer als ein schlechtes Bildungssystem. An meiner Schule ist im Durchschnitt, nach einer Zählung, jeder 4. Lehrer nicht qualifiziert genug, um den Schülern nachaltig Wissen zu vermitteln. Zustände wie dieser sind leider die Regel. Ganz augenscheinlich führt ein angeblicher Mangel an Lehrern zu einem enormen Qualitätsgefälle der selbigen. Daran muss man ansetzten. Danach kann man gerne das Bildungssystem anfechten, aber zuerst muss man die Lehrer verbessern.


Ich würde gerne mit anderen Interessierten weiterdiskutieren über meine E-Mail klaro94@t-online.de

Felix Rolletschke, 16-jähriger Gymnasiumsschüler aus einer sozial schwachen Familie, Notenschnitt 1,4
Greensleaves
28-07-10 23:17
Es muss das gesamte Schul- und Bildungssystem der Republik auf den Prüfstand.
Erstens kann man nicht von Arbeitnehmer vollste Flexibilität verlangen und Umzüge innerhalb Deutschlands als selbstverständlich annehmen und gleichzeitig die Kinder dieser Arbeitnehmer dazu zwingen sich völlig anderen Gegebenheiten anzupassen - 16 verschiedene Bildungsministerien?!? - eines reicht. Da hat die Förderalismusreform statt zu reformieren die reaktionären Kräfte der Länder bestärkt!
Zweitens kann und sollte man die Kinder nicht zu früh selektieren. Selektieren sollte man in Deutschland ohnehin nicht mehr. Dazu bedarf es aber ganz anderer Möglichkeiten - zum einen müssen Lehrer stärker zur Binnendifferenzierung geschult werden, zum anderen könnte dann ein Lehrer für 30 Schüler einfach nicht mehr reichen... Die Schülerzahlen pro Klasse sind einfach viel zu hoch, gleichzeitig werden Schulen auf dem Land die Klassen wegen zu geringer Stärke (finanziell gesehen, denn für den Lernfortschritt wären diese Klassenstärken optimal) geschlossen/nicht zugelassen.
Drittens, das sieht man im obigen Beitrag recht gut, haben Schüler und Eltern heute weder Achtung noch Respekt vor dem Beruf des Lehrers. Zum einen wird der Lehrer in der Bildungsmisere in der unser Land zweifelsohne steckt viel zu oft als Sündenbock dargestellt, zum anderen arbeiten die Eltern mit den Kindern oft gegen die Lehrer wenn in der Schule mal etwas schief läuft. Die Schule hat in Deutschland (AUCH und nicht NUR) einen Erziehungsauftrag, doch Erziehung fängt im Elternhaus an. Und eigentlich sollten Eltern und Lehrer ZUSAMMEN arbeiten, um die Kinder bestmöglich erziehen, bilden und entwickeln zu können.Leider ist oft gegenteiliges der Fall. Erziehung findet zu Hause nicht mehr statt (deshalb auch das respektlose Kaugummi kauen, Plappern, Dazwischenrufen, ...) ODER Erziehung durch die Schule ist nicht erwünscht. Bei Eltern sind heute beide Strömungen in immer extremeren Dimensionen zu erkennen und das ist doch erschreckend.
Insgesamt bleibt also viel zu tun. Leider lässt sich eine Reform des Bildungssystems nicht erfolgreich in einer Legislaturperiode durchziehen. Das Denken der MdB verläuft in viel zu kurzfristigen Bahnen. Hier ist Mut gefordert und deshalb - steht auf für Eure KINDER!!!
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