Ein gerechteres und besseres Bildungssystem!

Die Bildungschancen werden in Deutschland stark von der sozialen Herkunft bestimmt. Das gilt auch fast zehn Jahre nach dem PISA-Schock. Gefragt sind Reformen für ein gerechteres und besseres Bildungssystem. Ein Gastbeitrag von Cem Özdemir in "didacta - Das Magazin für lebenslanges Lernen", Ausgabe 1/2010.

Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Qualität einer Gesellschaft bemisst sich auch daran, ob sie es den Menschen ermöglicht, „ihr“ Leben zu leben. Bildung und der Zugang zu guter Bildung spielen dabei eine herausragende Rolle. Denn die Lebenschancen des Einzelnen hängen heute aufgrund der Anforderungen in der Arbeitswelt und im Alltag mehr denn je von Bildung und Wissen ab. Doch es geht dabei um mehr als die bloße Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt, denn Bildung vermittelt auch soziale Kompetenzen und ist Teil der Erziehung zur Demokratie.

Gesellschaftliche Teilhabe wird von ethnischer und sozialer Herkunft bestimmt

Vor diesem Hintergrund ist es alarmierend, dass die Chancen der Menschen auf gesellschaftliche Teilhabe derart durch ihre soziale und ethnische Herkunft bestimmt werden, wie es heute in unserem Bildungssystem der Fall ist. Es war die PISA-Studie, die 2001 hierzulande viele aufgeschreckt hat. Deutschland, das Land der Dichter und Denker und Wilhelm von Humboldts, landete im Vergleich der teilnehmenden Staaten nicht nur bloß im Mittelfeld – es stellte sich auch heraus, dass die Bildungschancen in Deutschland wie in kaum einem anderen Industrieland von der sozialen Herkunft abhängen. Daran hat sich trotz des „PISA-Schocks“ bis heute kaum etwas geändert, wie auch die PISA-Studie aus dem Jahr 2006 sowie die jährlich erscheinenden Analysen „Bildung auf einen Blick“ der OECD belegen.

Tatsächlich erinnert unser Bildungssystem mitunter an einen 100-Meter-Lauf: Die äußeren Bedingungen sind für alle gleich, alle starten zur selben Zeit, alle müssen die gleiche Strecke bewältigen – doch manche laufen mit zwei, andere nur mit einem Bein. Diese „Einbeinigen“ sind keine Minderheit. 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler gehören zur sogenannten „Risikogruppe“. Sie verlassen die Schule, ohne in den Kompetenzen Lesen und Mathematik über das Bildungsminimum zu verfügen, das für eine erfolgreiche berufliche Ausbildung notwendig ist.

Risikogruppe hat es schwer in der Arbeitswelt

Gegenwärtig besuchen etwa neun Millionen Schülerinnen und Schüler die allgemeinbildenden Schulen. Rund 1,8 Millionen von ihnen gehören auf lange Sicht zur Risikogruppe der heutigen Schülerschaft, die es schwer haben wird, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Das muss nicht nur die betroffenen Familien und bildungspolitisch Interessierte beunruhigen, sondern jeden, dem etwas an der Zukunft dieses Landes liegt.

Der Zugang zu guter Bildung ist wieder zu einer zentralen Gerechtigkeitsfrage unserer Gesellschaft geworden. Gerade Kinder mit Migrationshintergrund weisen beim Lesen große Defizite auf, entsprechend gehören etwa 40 Prozent von ihnen der Risikogruppe an. Dieser Befund gilt zwar ähnlich auch für andere Einwanderungsländer, doch ist dieser Anteil in Deutschland im Vergleich besonders groß. Hinzu kommt, dass der Leistungsabstand von in Deutschland geborenen Kindern zugewanderter Eltern zu Schülern deutscher Herkunft im internationalen Vergleich sogar am größten ist. Anderen Einwanderungsländern gelingt es besser, auch Kinder anderer Herkunft und Muttersprache in ihrer schulischen Entwicklung zu fördern.

Bildungsarmut in Problembezirken

Die Konsequenz in unserem mehrgliedrigen Schulsystem mit dem wichtigen Übergang auf eine weiterführende Schule nach der Primarstufe ist deutlich: Zwischen 1985 und 2006 schafften es 30 Prozent der deutschen Schüler auf ein Gymnasium, hingegen nur neun Prozent der Schüler mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit. Und während etwa zwei Drittel der ausländischen Schüler auf die Hauptschule wechselten, waren es bei deutschen Schülern 42 Prozent. Außerdem ist das Risiko für Schüler nicht-deutscher Herkunft, an eine Sonderschule überwiesen zu werden, doppelt so hoch.

Doch es wäre falsch, Bildung als ein Integrationsthema zu begreifen, das nur Migranten betrifft. Denn in der Risikogruppe finden sich auch deutsche Kinder. Aussagekräftig ist hierbei die Sprachstandsmessung von Vorschulkindern in Berlin. Im Jahr 2007 waren dort von allen Kindern mit einem sprachlichen Förderbedarf immerhin 32 Prozent deutscher Herkunft. Bildungsarmut betrifft nicht nur Migrantenkinder, sondern auch deutsche Kinder aus Arbeiterfamilien. Bildungsarmut betrifft auch Kinder alleinerziehender Mütter und Väter, die Familie und Beruf mitunter nur schwer vereinbaren können. Bildungsarmut betrifft gerade auch Kinder, die in so genannten Problembezirken aufwachsen, in denen Vorbilder fehlen, kein geregelter Tagesablauf vorgelebt wird, wo Kindergärten und Schulen mit der Herausforderung allein gelassen werden, die ungünstigeren Ausgangsbedingungen der Kinder auszugleichen. Die Schule kann nicht alle Versäumnisse reparieren, doch sind gerade diese Kinder in besonderem Maße auf sehr gute Bildungseinrichtungen angewiesen.

Die fehlende Bücherwand kompensieren

Auch im Wohnzimmer meiner Eltern fehlte die Bücherwand mit dem Brockhaus. Aber ich hatte Lehrer, die mich gefördert haben. Ich hatte Eltern, die mir zwar nicht bei den Hausaufgaben helfen konnten, die mir aber Nachhilfe besorgten. Und da waren auch noch die Eltern meiner deutschen Freunde, die auch einen Blick in meine Schulhefte warfen. Da waren Menschen, die die fehlende Bücherwand ausgeglichen haben. Das zeigt auch, wie wichtig Vorbilder für Heranwachsende sind und wie wir auch hier neue Wege gehen müssen.

Wo sie nicht vorhanden sind, müssen wir Vorbilder organisieren, etwa über Mentorenprogramme. Warum sollen Studierende oder angehende Lehrer nicht Mentor sein für eine Schülerin oder einen Schüler? Beide Seiten hätten etwas davon. Bildungspolitik allein kann die Ungerechtigkeiten der Gesellschaften nicht überwinden und sie ersetzt ganz sicher auch nicht sozialstaatliche Solidarität. Aber sie kann und muss gerade auch Kindern und Jugendlichen aus nicht-akademischen Familien eine Chance auf soziale, wirtschaftliche und kulturelle Teilhabe eröffnen.

Sprachkenntnisse und Wissensdurst fördern

Es muss uns beunruhigen, wenn von 100 Akademikerkindern 83 auf die Hochschule gehen, aber nur 23 von 100 Arbeiterkindern. Wir können es uns nicht leisten, auf die Kreativität dieser jungen Menschen zu verzichten. Das gilt aber vor allem für die genannte Risikogruppe, deren Lage aus meiner Sicht trotz zahlreicher anderer Baustellen bildungspolitisch in den Mittelpunkt gerückt werden muss. Wenn jeder zweite Hauptschüler selbst ein Jahr nach seinem Hauptschulabschluss noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, dann spricht das Bände und illustriert den Wandel, mit dem wir konfrontiert sind. Wir müssen die Zeit vor der Einschulung wesentlich besser nutzen, um die Sprachkenntnisse und den Wissensdurst der Kinder zu fördern.

Ein wichtiger Schritt ist daher der konsequente Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen für unter Dreijährige, um die Nachteile der Kinder aus bildungsarmen Familien konsequent anzugehen. Der Ausbau muss einhergehen mit einer verbesserten Aus- und Weiterbildung der Erzieherinnen und Erzieher, die mitunter auch an unseren Hochschulen stattfinden sollte. Mit dem qualitativ hochwertigen Ausbau dieser Bildungseinrichtungen verbessern wir die Lebenschancen der Kinder und wir wertschätzen die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher, die heute wichtiger ist denn je.

Wie kann eine gute Schule aussehen?

Doch letztlich muss Bildungspolitik eine zentrale Frage beantworten: Wie kann eine gute Schule aussehen? Eine gute Schule agiert selbstständig. Sie übernimmt die Verantwortung, wie die Bildungsstandards erreicht werden und hat ein eigenes Personalbudget. Die Schulleitung spielt dabei eine besondere Rolle, eine selbstständige Schule lebt aber auch vom Engagement der Lehrerinnen und Lehrer, der Eltern und der Schülerschaft. Eine gute Schule ist aus meiner Sicht eine Ganztagsschule, denn eine hochwertige ganztägige Betreuung ist besonders gut geeignet, ungleiche Voraussetzungen durch eine intensive individuelle Förderung der Kinder auszugleichen. Unsere Schulen müssen zu einem Lebensraum werden, der ganztägig geöffnet ist, wo Lehrer auch mit Eltern zusammenkommen und sich über die Erziehung der Kinder verständigen. Ein Ort, wo auch Kinder aus sozial schwächeren Familien eine musische und kulturelle Erziehung erfahren, wo sie auch nachmittags von Büchern umgeben sind und den Umgang mit der komplexen Welt der alten und neuen Medien lernen.

Längeres gemeinsames Lernen

In einer guten Schule lernen die Kinder länger gemeinsam. Deshalb müssen wir die frühe Trennung der Kinder nach der Grundschule überwinden. Denn die Aufteilung in die weiterführenden Schulen soll zwar nach den tatsächlichen Fähigkeiten der Kinder vorgenommen werden, tatsächlich jedoch ist die soziale Herkunft mitentscheidend. Schließlich hat das Kind eines Arztes eine mehr als zweieinhalb Mal so große Chance, eine Gymnasialempfehlung zu erhalten, als das Kind einer Verkäuferin – bei gleichen kognitiven Fähigkeiten und Leseleistungen. Bereits heute machen Schulen vor, wie auch bei einer sprachlich, ethnisch und sozial heterogenen Schülerschaft unter gewissen Bedingungen – nicht zuletzt kreative und mutige pädagogische Konzepte, ein besonderes Engagement der Lehrerschaft und der Eltern – hervorragende Lernfortschritte erzielt werden und der Einfluss der sozialen Herkunft minimiert werden kann. An vorderster Stelle stehen hier beispielhaft die Schulen, die jährlich mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet werden, etwa die Grundschule an der Kleinen Kielstraße in Dortmund oder die Max-Brauer-Schule in Hamburg, die 2009 die Auszeichnung erhielten. Sie zeigen auf beeindruckende Art und Weise, wie eine gute Schule gelingen kann.

Wir können das Schulsystem in Deutschland aber nicht von heute auf morgen revolutionieren, alle Kinder in die gleiche Schule stecken und hoffen, dass als Ergebnis mehr Gerechtigkeit herauskommt. Gute Bildungspolitik muss sowohl sinnvolle Strukturreformen voranbringen als auch die Qualität verbessern. Die Kinder müssen nicht nur länger gemeinsam lernen, sie müssen vor allem individuell gefördert werden – und selbstverständlich gilt das auch für die Hochbegabten unter ihnen. Es reicht nicht, die Hauptschule als Schulform abzuschaffen, es bedarf zugleich auch einer verbesserten Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer sowie neuer Methoden des Lehrens und Lernens, die in einer entsprechenden Unterrichtsqualität münden. Das ist der einzige Weg, um sowohl Kinder aus bildungsarmen Familien zu fördern als auch die Abwanderung der Mittelschicht aus unserem öffentlichen Schulsystem zu verhindern.

Hamburger Schulreform

Zugleich zeigt die Hamburger Schulreform, dass Strukturänderungen immer auch auf Widerstand stoßen. Ich hoffe, dass es diesem Widerstand nicht darum geht, mit wem die Kinder des Bürgertums bei einem längeren gemeinsamen Lernen möglicherweise die Schulbank teilen müssen. Wer es aber wirklich ernst meint mit einem bildungspolitischen Aufbruch, der muss endlich die Unterfinanzierung des Bildungswesens beenden. Während die Bildungsausgaben für allgemeinbildende Schulen laut Bildungsfinanzbericht im Jahr 1995 noch 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betrugen, lag der Anteil 2005 nur noch bei 2,2 Prozent – und das trotz des PISA-Schocks. Auch im OECD-Vergleich gibt Deutschland im Verhältnis zu seiner Wirtschaftskraft weniger für Bildung und insbesondere den Primar- und Sekundarbereich aus als der Durchschnitt. Die Politik muss dabei ehrlich sein und die Karten auf den Tisch legen. Denn die Mittel, die wir in Bildung investieren müssen, werden angesichts der angespannten Lage der Haushalte an anderer Stelle fehlen. Aber Bildung muss auch angesichts knapper Kassen Priorität haben. Denn all die Debatten um Qualitätsoffensiven und Strukturreformen sind umsonst, wenn nicht erkannt wird, dass gute Bildung zwar kurzfristig ihren Preis hat, langfristig aber eine unumgängliche Investition in die Zukunft unseres Landes ist.

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Kommentare

Sabine Häusler
25-11-10 16:12
Deutsche Sonderschulen - insbes. für Praktisch Bildbare und Hörgeschädigte - laufen über. Ein großer Prozentsatz an diesen Schulen sind Kinder ausländischer Eltern, Spätaussiedler, Heimkinder. In einer Zeit, in der viele Mütter über Fruchtwasseruntersuchung genetische Anomalien suchen und abtreiben lassen, sollten eigentlich die Sonderschulen immer kleiner werden. In Schulen für Praktisch Bildbare wird das Lernen von Kulturtechniken auf ein Minimum zurück gefahren. Wer dort trotzdem Lesen, Schreiben und Rechnen lernt, kann schon als verkannter Hochbegabter oder echt geistig behindertes Kind (IQ <50) mit engagierten Eltern betrachtet werden. Wir erziehen unsere Kinder dort zu Analphabethen! Dabei bräuchten die meisten dieser Kinder nur geeignetes Lernmaterial, geeignete Methodik, Menschen, die an sie und ihre Lernfähigkeit glauben und hinreichend Übung. Es fehlt ein verbindlicher Lehrplan. Praktisches wird geübt: Malen, Werken, Schwimmen, Kochen, Frühstück, Pause, Mittagessen. Aber selten wird in das Praktische die Kulturtechnik einbezogen. Themen, die an allgemein bildenden Schulen Pflichtthemen sind, werden hier ausgespart, obwohl es möglich wäre, die Schüler auf ihrem Niveau an die Themen heran zu führen. In einem inkludierten Unterricht wäre solches nicht möglich.
Castor - Amt
09-11-10 11:08
Der ganze Atommüll wird nun aus Deutschland geschafft.

Castor Streik war ein voller Erfolg !!!

Gorleben SUCKS !!!
amigo27000
02-11-10 21:02
ich bin student und ich habe kein arbeit wen ich bin ausslände !!!!
und ich kan nicht arbeiten ich weiss nicht warum das here in deutschland ?????????
Cuma Ulusan
28-10-10 00:07
Herr Özdemir Sie wissen doch das Integration auf der Grundlage von gleichberechtigter Partizipation am besten gelingt, wenn man die Herzen der Deutschen und Türken und den anderen für eineander gewinnt. Türken und Deutsche achten eiander immer weniger und rücken immer weiter Kognitiv von einander ab. Ihnen ist doch auch klar, dass dies am schnellsten und besten mit einem flächendeckenden, qualitativ allen übrigen Fächern angeglichenen und bereits im Kindergarten erfolgenden Türkischunterricht resp. Herkunftssprache erreicht werden kann. Herr Özdemir,
Sie wissen doch ganz genau, dass dies die beste Sprachförderung sowie Abbau von rückständigen Lebensverhältnissen (Patriachaische Struckturen, Leseförderung, Lernbegeisterung u v. m.) ist. Insbesondere Türkischunterricht an Gymnasien für die zukünftigen Eliten ist doch die beste Annerkennung der türkischen Minderheitbevölkerung Deutschlands wodurch sich beide Seiten näher kommen könnten.
Bitte, bitte, bitte erwähnen Sie das doch mal wieder gegenüber den Deutschen und Türkischen und den überigen Eliten. Wir können uns es doch nicht leisten an den Herkunftssprachen nicht festzuhalten. Türkisch ist der Schlüssel zur besseren Schul- und Herzensbildung. Arabische Jugendliche die Paris vor einigen Jahren fast niedergrabrannt haben wie einst Nero Rom, konnten alle fließend französisch, was sie aber davon nicht abhilet. Also kann doch das Mantra "Deutsch lernen, überall und zu jedr zeit durch deutsch sprechen" uns nicht weiterbringen wird. Auch wenn es Sie stimmen kostet langfristig wird man Sie und alle anderen Politiker an Ihrer Standfestigkeit bemessen. Sie sind der wichtigste Mensch ind Deutschland für eine gelignende Inegration sie könenn doch auch beide Sprachen.
Thilo Mandarin
21-09-10 10:50
Cemmi du bist der BESTE !!!! :D

Green government for the WIN !!!!


PS: Vielen Dank herr Özil für diese Reformen !!!!!
d.meewis
13-09-10 07:57
kinderanwalt gesucht
die pisa studie belegt eindeutig,das finnische schulsystem ist das beste.
der deutliche unterschied auf den punkt gebracht.
9 jahre schule ohne noten, erst danach.
die guten helfen den weniger guten,fördet nebenbei das gemeinschaftsgefühl und die sozialkompetenz.
von der ersten klasse zwei fremdsprachen spielerisch beigebracht.
mehr fachkomptenz bei lehrkraft und schulleitung.
also haben die deutschen kinder auch das recht wie ein
mensch nach neusten erkenntnissen der pisa studien zu lernen und leben.
die menschen (schüler) haben das recht auf mündigkeit.
Christian
19-08-10 14:01
Ich stimme Herrn Özdemir im Wesentlichen zu, vor allem was die Ausweitung der gemeinsamen Grundschulzeit und die Erhöhung der finanziellen Mittel für den Bildungssektor anbelangt - schließlich hat Deutschland seinen Wohlstand schon immer fast ausnahmslos mittels des Know-hows seiner Bürger erwirtschaftet. Wer hier nicht investiert, verrät und verkennt die Bundesrepublik!
Anmerken möchte ich dementgegen, dass Kinder aus bildungsnahen Häusern zuhause am Nachmittag oft eine bessere Förderung erhalten können, als dies im Rahmen der Ganztagesschule möglich ist. Insofern sollte das Ganztagesangebot flexibel und individuell jenen Schülern empfohlen oder angeordnet werden, denen es Vorteile bietet - wobei eine freiwillige Teilnahme selbstredend immer eine mögliche Option sein sollte!
Jessica
13-08-10 06:30
Es ist doch wie immer bei den Reformen...die regierende Partei sagt was und die anderen fangen sofort an rumzumäkeln...sind ja irgendwann mal wieder Wahlen.

Eine Schulreform ist notwendig, das ist jedem klar. Ich war auf einer Grundschule in einem Problembezirk und gehörte zur deutschen Minderheit, weiß also, was in solchen Schulen passiert...Warum können Kinder ausländischer Abstammung, insbesondere aus der Türkei etc. so schlecht Deutsch, Kinder aus England, Frankreich etc. haben jedoch kaum Schwierigkeiten sich einzuleben? Liegt es eventuell auch an der Einstellung des elterlichen Haushaltes? In anderen Ländern ist der Druck auf die Einwanderer viel größer. Dort wird mit Konsequenzen gedroht und nicht der Kopf gestreichelt.
Die Abgrenzung der Schulen finde ich gut.
Die Überlegung, Ganztagsschulen einzuführen und die Kinderbetreuung zu erhöhen sind ein guter Grundgedanke, jedoch zu allgemein gefasst. Nicht alle Kinder verbringen den gesamten Tag gerne in der Schule und mit den Mitschülern. Es gibt immer Kinder, die schlecht behandelt werden (von Mitschülern) und die die Sicherheit des Elternhauses brauchen. Da finde ich die Einführung der Chip-Karte, die sich bislang gut bewährt hat, zur Unterstützung von einkommensschwachen Familien, eine verdammt gute Idee. Das Prinzip läuft gut und erfüllt ihren Zweck. Wo ist also das Problem?
Cornelia B.
28-07-10 13:55
Zwei Aspekte, die bisher noch nicht angesprochen wurden.

1. Klar, wenn alle auf eine Schule und in eine Klasse gesteckt würden, wäre der Leistungsstarke gelangweilt und der leistungsschwächere Schüler überfordert. Solche Probleme liessen sich aber meiner Meinung nach mit einem Kurssystem lösen.

Vorteil: Jeder lernt auf einem passenden Niveau. Die meisten Schüler haben Stärken in bestimmten Bereichen, in denen könnten sie anspruchsvollere Kurse belegen, während in den Schwäche-Bereichen leichtere Kurse belegt werden könnten.

Aufstieg (und ggf. Abstieg) ist vereinfacht, während heute es sehr schwer ist von der Hauptschule auf die Realschule etc. zu wechseln, ist ein Kursewechseln viel leichter.

... und trotzdem würden Schüler nicht getrennt werden, sie könnten einander als Vorbilder dienen und durch die bunte Mischung zur Toleranz erziehen. Dies leitet zum zweiten Aspekt:

2. (Besonders an Florian) Ein leistungsstarker Schüler ist oft mit einem sozio-ökonomischen Hintergrund gesegnet, von dem andere nur träumen können. Gute Noten zu bekommen, ist also nichts, auf das man sich etwas einbilden kann. Im Gegenteil, ich sehe es für einen guten Schüler als Pflicht, seine Kompetenzen zu teilen. Man kann Mitschülern Sachen noch einmal erklären, bei den Hausaufgaben helfen oder zusammen für Prüfungen lernen. Das macht doch einen "guten Schüler" mindestens genauso aus wie gute Noten!!
fräullein p.
26-07-10 00:31
Als angehende Lehrerin muss ich an dieser Stelle sagen, dass nichts soweit entfernt ist von der schulischen Realität als meine Ausbildung. Uns wird beigebracht, wie man mit Eltern reden kann, denen etwas an der schulischen Bildung ihrer Kinder liegt. Jenen Kindern die eben den Brockhaus nciht im Regal stehen haben, aber deren Eltern bewusst ist, wie wichtig die Institution Schule für das kulturelle Kapital ihrer Schützlinge ist. Uns wird nicht beigebracht, wie wir mit Eltern sprechen, die dies ganz offensichtlich nicht interessiert. Oben im Text fordert man Ganztagsbetreuung, die Zeit für Gespräche mit den Eltern lässt. Nur mit welchen Eltern spricht man, wenn zum Termin keiner erscheint. Unsere Ausbildung lehrt uns das vermitteln von Kompetenzen, dazu bin ich gerne bereit - aber wo fange ich an - wenn ein Gymnasiast es schon nicht schafft vernünftig zu Grüßen wenn er die Klasse betritt. Die Theorie gibt uns Konzepte, die man bei einer Klassenstärke von Schülern optimal umsetzen kann in jeder Schulform und jeder Alterstufe, aber die Realität sieht anders aus. Wer sich Bildung leisten kann, wer sich durch das System Schule hangelt, der schafft es bis ins Studium und kommt auch dort irgendwie durch. In den Hörsälen von heute sitzt einfach nciht mehr die von Fabian angesprochene Elite, oder würdest du behaupten, dass eine Kommilitonin die ebenfalls wie ich Politik und Wirtschaft studiert mit dem Begriff "Hiroshima" nichts anfangen kann. Das ist also die Elite? Die mit Kompetenzen ausgestattete Elite? Man muss sich nichts vormachen, heutzutage ist es so: Die die kein Brockhaus im Wohnzimmer haben, haben auch nciht das Umfeld, das Wert darauflegt, dass ihr Kind in ein Brockhaus guckt. Das werden Sie auch nicht haben, wenn man das Kind den nachmittag in der Schule behält. Denn dank seines Handys hat er, ob Gymnasiast oder Hauptschüler, die Möglichkeit seine Klingeltöne um fünf Charthits zu erweitern, weil der Gymnasiast weiß man kann ihm die Bildung bezahlen (was er jetzt versäumt, macht die Nachhilfe wett) und der Andere eh keine Chance mehr sieht (ich bin Hauptschule, alter! ich bin halt hartz!). Wohingegen auf der anderen Seite ein Junge sitzt, wohlmöglich ohne Handy und ohne Elternhaus mit Brockhaus, der einfach nur Kevin, Justin oder Ali heisst, dem Dank einer ausgeprägten Etikettierung in der heutigen Gesellschaft schon von Außen das mangelnde Interesse an Wissen unterstellt wird. Jetzt nehme man noch einen Haufen von Lehramtsstudenten, die bald auf diese Schüler treffen, welche eine Schule nur 8 Wochen von innen gesehen haben vor dem Referendariat und die Denken, dass die Wahl der guten Pädagogik Bücher es schon richten wird...am Ende fehlt für all das die Zeit: Eugen-Jonathan wird es schaffen, ob er nun trotz Abitur von Hiroshima weiß oder nicht und für Kevin ist der Zug schon abgefahren, wenn er unpünktlich kommt, weil seine Mutter überfordert ist oder er einfach Kevin heisst! Willkommen in der Schule von heute, der Etikettierung und Welt der Kompetenzen! Allgemein Bildung adé...ich muss nur die Kompetenz haben zu wissen wo es steht!
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