• Eine grüne Europaflagge
    .Europatag

    Für Europa

    Wofür setzen sich Grüne in einer künftigen Bundesregierung ein? Eine Bildergalerie zum Europatag am 9. Mai. MEHR

  • .Parteitag 2013

    Aufbruch zum Wechsel

    So wollen unsere Mitglieder die Menschen überzeugen, am 22. September GRÜN zu wählen. MEHR

  • Ein Gerichtssaal in dem links mehrere Menschen stehen. Im Vordergrund ein Kameramann. Die Sitze sind nicht besetzt.
    .NSU-Prozess

    Aufklärung für die Opfer

    In München beginnt der NSU-Prozess. Die Verbrechen müssen transparent aufgeklärt werden. Außerdem brauchen wir eine breite Debatte über weiterreichende Konsequenzen. MEHR

  • .Mindestlohn

    Das Mindeste

    Ein Mindestlohn gefährdet Arbeitsplätze, behaupten Wirtschaftsinstitute. Wir sagen: Stimmt nicht! MEHR

  • Eine Frau zeigt ihren deutschen und ihren kubanischen Pass.
    .Doppelte Staatsbürgerschaft

    Schwere Entscheidung

    Ab diesem Jahr müssen sich Kinder von Migranten für einen Pass entscheiden - ein weltweit einzigartiger Nonsens. MEHR

  • .Altersarmut

    Grüne Garantierente

    Das Problem der Altersarmut wird immer größer. Deshalb fordern wir die Grüne Garantierente. MEHR

  • Zwei Kinder spielen im Freien.
    .Familienpolitik

    Gute Kitas für alle

    Ab August gilt der Rechtsanspruch und trotzdem fehlen noch 220.000 Kita-Plätze. Wir fordern stärkere Investitionen. MEHR

  • .Bundestagswahl 2013

    Spitzenmäßig

    Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin treten als Spitzenkandidaten für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN an. MEHR

Ein gerechteres und besseres Bildungssystem!

Die Bildungschancen werden in Deutschland stark von der sozialen Herkunft bestimmt. Das gilt auch fast zehn Jahre nach dem PISA-Schock. Gefragt sind Reformen für ein gerechteres und besseres Bildungssystem. Ein Gastbeitrag von Cem Özdemir in "didacta - Das Magazin für lebenslanges Lernen", Ausgabe 1/2010.

Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Qualität einer Gesellschaft bemisst sich auch daran, ob sie es den Menschen ermöglicht, „ihr“ Leben zu leben. Bildung und der Zugang zu guter Bildung spielen dabei eine herausragende Rolle. Denn die Lebenschancen des Einzelnen hängen heute aufgrund der Anforderungen in der Arbeitswelt und im Alltag mehr denn je von Bildung und Wissen ab. Doch es geht dabei um mehr als die bloße Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt, denn Bildung vermittelt auch soziale Kompetenzen und ist Teil der Erziehung zur Demokratie.

Gesellschaftliche Teilhabe wird von ethnischer und sozialer Herkunft bestimmt

Vor diesem Hintergrund ist es alarmierend, dass die Chancen der Menschen auf gesellschaftliche Teilhabe derart durch ihre soziale und ethnische Herkunft bestimmt werden, wie es heute in unserem Bildungssystem der Fall ist. Es war die PISA-Studie, die 2001 hierzulande viele aufgeschreckt hat. Deutschland, das Land der Dichter und Denker und Wilhelm von Humboldts, landete im Vergleich der teilnehmenden Staaten nicht nur bloß im Mittelfeld – es stellte sich auch heraus, dass die Bildungschancen in Deutschland wie in kaum einem anderen Industrieland von der sozialen Herkunft abhängen. Daran hat sich trotz des „PISA-Schocks“ bis heute kaum etwas geändert, wie auch die PISA-Studie aus dem Jahr 2006 sowie die jährlich erscheinenden Analysen „Bildung auf einen Blick“ der OECD belegen.

Tatsächlich erinnert unser Bildungssystem mitunter an einen 100-Meter-Lauf: Die äußeren Bedingungen sind für alle gleich, alle starten zur selben Zeit, alle müssen die gleiche Strecke bewältigen – doch manche laufen mit zwei, andere nur mit einem Bein. Diese „Einbeinigen“ sind keine Minderheit. 20 Prozent der Schülerinnen und Schüler gehören zur sogenannten „Risikogruppe“. Sie verlassen die Schule, ohne in den Kompetenzen Lesen und Mathematik über das Bildungsminimum zu verfügen, das für eine erfolgreiche berufliche Ausbildung notwendig ist.

Risikogruppe hat es schwer in der Arbeitswelt

Gegenwärtig besuchen etwa neun Millionen Schülerinnen und Schüler die allgemeinbildenden Schulen. Rund 1,8 Millionen von ihnen gehören auf lange Sicht zur Risikogruppe der heutigen Schülerschaft, die es schwer haben wird, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Das muss nicht nur die betroffenen Familien und bildungspolitisch Interessierte beunruhigen, sondern jeden, dem etwas an der Zukunft dieses Landes liegt.

Der Zugang zu guter Bildung ist wieder zu einer zentralen Gerechtigkeitsfrage unserer Gesellschaft geworden. Gerade Kinder mit Migrationshintergrund weisen beim Lesen große Defizite auf, entsprechend gehören etwa 40 Prozent von ihnen der Risikogruppe an. Dieser Befund gilt zwar ähnlich auch für andere Einwanderungsländer, doch ist dieser Anteil in Deutschland im Vergleich besonders groß. Hinzu kommt, dass der Leistungsabstand von in Deutschland geborenen Kindern zugewanderter Eltern zu Schülern deutscher Herkunft im internationalen Vergleich sogar am größten ist. Anderen Einwanderungsländern gelingt es besser, auch Kinder anderer Herkunft und Muttersprache in ihrer schulischen Entwicklung zu fördern.

Bildungsarmut in Problembezirken

Die Konsequenz in unserem mehrgliedrigen Schulsystem mit dem wichtigen Übergang auf eine weiterführende Schule nach der Primarstufe ist deutlich: Zwischen 1985 und 2006 schafften es 30 Prozent der deutschen Schüler auf ein Gymnasium, hingegen nur neun Prozent der Schüler mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit. Und während etwa zwei Drittel der ausländischen Schüler auf die Hauptschule wechselten, waren es bei deutschen Schülern 42 Prozent. Außerdem ist das Risiko für Schüler nicht-deutscher Herkunft, an eine Sonderschule überwiesen zu werden, doppelt so hoch.

Doch es wäre falsch, Bildung als ein Integrationsthema zu begreifen, das nur Migranten betrifft. Denn in der Risikogruppe finden sich auch deutsche Kinder. Aussagekräftig ist hierbei die Sprachstandsmessung von Vorschulkindern in Berlin. Im Jahr 2007 waren dort von allen Kindern mit einem sprachlichen Förderbedarf immerhin 32 Prozent deutscher Herkunft. Bildungsarmut betrifft nicht nur Migrantenkinder, sondern auch deutsche Kinder aus Arbeiterfamilien. Bildungsarmut betrifft auch Kinder alleinerziehender Mütter und Väter, die Familie und Beruf mitunter nur schwer vereinbaren können. Bildungsarmut betrifft gerade auch Kinder, die in so genannten Problembezirken aufwachsen, in denen Vorbilder fehlen, kein geregelter Tagesablauf vorgelebt wird, wo Kindergärten und Schulen mit der Herausforderung allein gelassen werden, die ungünstigeren Ausgangsbedingungen der Kinder auszugleichen. Die Schule kann nicht alle Versäumnisse reparieren, doch sind gerade diese Kinder in besonderem Maße auf sehr gute Bildungseinrichtungen angewiesen.

Die fehlende Bücherwand kompensieren

Auch im Wohnzimmer meiner Eltern fehlte die Bücherwand mit dem Brockhaus. Aber ich hatte Lehrer, die mich gefördert haben. Ich hatte Eltern, die mir zwar nicht bei den Hausaufgaben helfen konnten, die mir aber Nachhilfe besorgten. Und da waren auch noch die Eltern meiner deutschen Freunde, die auch einen Blick in meine Schulhefte warfen. Da waren Menschen, die die fehlende Bücherwand ausgeglichen haben. Das zeigt auch, wie wichtig Vorbilder für Heranwachsende sind und wie wir auch hier neue Wege gehen müssen.

Wo sie nicht vorhanden sind, müssen wir Vorbilder organisieren, etwa über Mentorenprogramme. Warum sollen Studierende oder angehende Lehrer nicht Mentor sein für eine Schülerin oder einen Schüler? Beide Seiten hätten etwas davon. Bildungspolitik allein kann die Ungerechtigkeiten der Gesellschaften nicht überwinden und sie ersetzt ganz sicher auch nicht sozialstaatliche Solidarität. Aber sie kann und muss gerade auch Kindern und Jugendlichen aus nicht-akademischen Familien eine Chance auf soziale, wirtschaftliche und kulturelle Teilhabe eröffnen.

Sprachkenntnisse und Wissensdurst fördern

Es muss uns beunruhigen, wenn von 100 Akademikerkindern 83 auf die Hochschule gehen, aber nur 23 von 100 Arbeiterkindern. Wir können es uns nicht leisten, auf die Kreativität dieser jungen Menschen zu verzichten. Das gilt aber vor allem für die genannte Risikogruppe, deren Lage aus meiner Sicht trotz zahlreicher anderer Baustellen bildungspolitisch in den Mittelpunkt gerückt werden muss. Wenn jeder zweite Hauptschüler selbst ein Jahr nach seinem Hauptschulabschluss noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, dann spricht das Bände und illustriert den Wandel, mit dem wir konfrontiert sind. Wir müssen die Zeit vor der Einschulung wesentlich besser nutzen, um die Sprachkenntnisse und den Wissensdurst der Kinder zu fördern.

Ein wichtiger Schritt ist daher der konsequente Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen für unter Dreijährige, um die Nachteile der Kinder aus bildungsarmen Familien konsequent anzugehen. Der Ausbau muss einhergehen mit einer verbesserten Aus- und Weiterbildung der Erzieherinnen und Erzieher, die mitunter auch an unseren Hochschulen stattfinden sollte. Mit dem qualitativ hochwertigen Ausbau dieser Bildungseinrichtungen verbessern wir die Lebenschancen der Kinder und wir wertschätzen die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher, die heute wichtiger ist denn je.

Wie kann eine gute Schule aussehen?

Doch letztlich muss Bildungspolitik eine zentrale Frage beantworten: Wie kann eine gute Schule aussehen? Eine gute Schule agiert selbstständig. Sie übernimmt die Verantwortung, wie die Bildungsstandards erreicht werden und hat ein eigenes Personalbudget. Die Schulleitung spielt dabei eine besondere Rolle, eine selbstständige Schule lebt aber auch vom Engagement der Lehrerinnen und Lehrer, der Eltern und der Schülerschaft. Eine gute Schule ist aus meiner Sicht eine Ganztagsschule, denn eine hochwertige ganztägige Betreuung ist besonders gut geeignet, ungleiche Voraussetzungen durch eine intensive individuelle Förderung der Kinder auszugleichen. Unsere Schulen müssen zu einem Lebensraum werden, der ganztägig geöffnet ist, wo Lehrer auch mit Eltern zusammenkommen und sich über die Erziehung der Kinder verständigen. Ein Ort, wo auch Kinder aus sozial schwächeren Familien eine musische und kulturelle Erziehung erfahren, wo sie auch nachmittags von Büchern umgeben sind und den Umgang mit der komplexen Welt der alten und neuen Medien lernen.

Längeres gemeinsames Lernen

In einer guten Schule lernen die Kinder länger gemeinsam. Deshalb müssen wir die frühe Trennung der Kinder nach der Grundschule überwinden. Denn die Aufteilung in die weiterführenden Schulen soll zwar nach den tatsächlichen Fähigkeiten der Kinder vorgenommen werden, tatsächlich jedoch ist die soziale Herkunft mitentscheidend. Schließlich hat das Kind eines Arztes eine mehr als zweieinhalb Mal so große Chance, eine Gymnasialempfehlung zu erhalten, als das Kind einer Verkäuferin – bei gleichen kognitiven Fähigkeiten und Leseleistungen. Bereits heute machen Schulen vor, wie auch bei einer sprachlich, ethnisch und sozial heterogenen Schülerschaft unter gewissen Bedingungen – nicht zuletzt kreative und mutige pädagogische Konzepte, ein besonderes Engagement der Lehrerschaft und der Eltern – hervorragende Lernfortschritte erzielt werden und der Einfluss der sozialen Herkunft minimiert werden kann. An vorderster Stelle stehen hier beispielhaft die Schulen, die jährlich mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet werden, etwa die Grundschule an der Kleinen Kielstraße in Dortmund oder die Max-Brauer-Schule in Hamburg, die 2009 die Auszeichnung erhielten. Sie zeigen auf beeindruckende Art und Weise, wie eine gute Schule gelingen kann.

Wir können das Schulsystem in Deutschland aber nicht von heute auf morgen revolutionieren, alle Kinder in die gleiche Schule stecken und hoffen, dass als Ergebnis mehr Gerechtigkeit herauskommt. Gute Bildungspolitik muss sowohl sinnvolle Strukturreformen voranbringen als auch die Qualität verbessern. Die Kinder müssen nicht nur länger gemeinsam lernen, sie müssen vor allem individuell gefördert werden – und selbstverständlich gilt das auch für die Hochbegabten unter ihnen. Es reicht nicht, die Hauptschule als Schulform abzuschaffen, es bedarf zugleich auch einer verbesserten Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer sowie neuer Methoden des Lehrens und Lernens, die in einer entsprechenden Unterrichtsqualität münden. Das ist der einzige Weg, um sowohl Kinder aus bildungsarmen Familien zu fördern als auch die Abwanderung der Mittelschicht aus unserem öffentlichen Schulsystem zu verhindern.

Hamburger Schulreform

Zugleich zeigt die Hamburger Schulreform, dass Strukturänderungen immer auch auf Widerstand stoßen. Ich hoffe, dass es diesem Widerstand nicht darum geht, mit wem die Kinder des Bürgertums bei einem längeren gemeinsamen Lernen möglicherweise die Schulbank teilen müssen. Wer es aber wirklich ernst meint mit einem bildungspolitischen Aufbruch, der muss endlich die Unterfinanzierung des Bildungswesens beenden. Während die Bildungsausgaben für allgemeinbildende Schulen laut Bildungsfinanzbericht im Jahr 1995 noch 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betrugen, lag der Anteil 2005 nur noch bei 2,2 Prozent – und das trotz des PISA-Schocks. Auch im OECD-Vergleich gibt Deutschland im Verhältnis zu seiner Wirtschaftskraft weniger für Bildung und insbesondere den Primar- und Sekundarbereich aus als der Durchschnitt. Die Politik muss dabei ehrlich sein und die Karten auf den Tisch legen. Denn die Mittel, die wir in Bildung investieren müssen, werden angesichts der angespannten Lage der Haushalte an anderer Stelle fehlen. Aber Bildung muss auch angesichts knapper Kassen Priorität haben. Denn all die Debatten um Qualitätsoffensiven und Strukturreformen sind umsonst, wenn nicht erkannt wird, dass gute Bildung zwar kurzfristig ihren Preis hat, langfristig aber eine unumgängliche Investition in die Zukunft unseres Landes ist.

Klicke auf die Buttons, um das jeweilige Netzwerk zu aktivieren. Beachte, dass dadurch persönliche Daten an Facebook, Twitter oder Google übertragen werden.

Kommentare

Trulla95
01-03-13 10:26
Also meiner Meinung nach, finde ich Bildung sehr wichtig, jedoch sollt man auch daran denkenden Kindern etwas zu bieten, sodass sie auch Spaß und Interesse daran finden.
ein Lehrer
24-02-13 11:48
1. Kinder sollen in der Schule etwas lernen: Wissen, Fertigkeiten, Einstellungen.
2. Es hat sich sehr viel getan seit den 70ern. In der heutigen Zeit werden viele alternative Sozialformen praktiziert.
3. Dennoch ist der Frontalunterricht eine gute Sozialform, bei der viele Schüler von einem Lehrer etwas lernen können.

4. Viele (nicht alle) Schüler heute denken, dass ihre eigene Person das allerwichtigste ist.
5. Im Frontalunterricht lernen die Schüler Grenzen kennen, sich unterzuordnen, diszipliniert zu sein (das ist ja schließlich auch wichtig).

6. Wenn das Sitzenbleiben abgeschafft wird, entsteht die Mentalität, dass man sich nicht anzustrengen braucht, um weiterzukommen.
7. Generell sind Druck und negative Konsequenzen (das Sitzenbleiben) auch wichtig, damit man sich entfalten kann.

8. Es klingt für mich immer etwas heuchlerisch, wenn angehende Lehrer fordern, dass sie keine Beamten sein wollen.

Viele Grüße,
ein Lehrer
Franzi
22-01-13 11:33
Wer behauptet, es bedarf keine Bildungsreform, verschließt leider die Augen vor der Realität. Als angehende Lehrerin im Examen (leider! in Bayern) wird mir, um so länger ich studiere und mich mit dem Wissen auseinandersetze, welches das Land Bayern für angemessen hält, um gute Lehrer hervorzubringen, bewusst, dass Ideen für eine bessere Bildung irgendwann und irgendwo in den 70er Jahren verloren gegangen sind. Seitdem hat es in unserer Bildungslandschaft so gut wie keine Veränderungen mehr gegeben.
Im Gegenzug hat sich das gesellschaftliche Bild in unserer Gesellschaft aber drastisch gewandelt. Es gibt so hohe soziale Unterschiede wie noch nie zuvor in unserem Land, wir haben einen Großteil an Migranten, die mittlerweile ein fester Bestandteil in unserer Kulturlandschaft geworden sind und wir leben in einem Zeitalter der Medialisierung. Einzig und allein die Bildungslandschaft hat sich in unserem Land noch nicht an die wandelnden Gegebenheiten angepasst. Und wenn nicht jetzt reagiert und agiert wird, werden wir in naher Zukunft von Nachbarländern wie Holland, Dänemark oder Schweden (, die als Vorzeigeländer für gute Bildungspolitik stehen,) abgehängt.
Kinder sind keine Roboter, denen das Wissen frontal eingeprügelt werden kann, damit am Ende der Schullaufbahn jedes Kind dem anderen gleicht. Kinder sind Individuen. Das eine lernt schneller, das andere langsamer. Kinder haben verschiedene Interessen und verschiedene kognitive Fähigkeiten. Im jetzigen Schulsystem wird auf diese Unterschiede keine Rücksicht genommen. Im Vordergrund steht die Wissensvermittlung. Diese hat die oberste Priorität und das geht häufig auf Kosten der Kinder, die letztendlich die Leittragenden sind. Schule sollte ein Ort werden, an dem es dem Kind Spaß macht miteinander und von einander zu lernen, seine Stärken auszubauen und Schwächen abzubauen. Und das nicht nur Bereich des reinen Wissens. Kinder sollten zu selbstständigen Individuen erzogen werden, die fähig sind, sich in einer demokratischen und sozialen Welt zu Recht zu finden. Dazu gehören auch soziale Kompetenzen und Kommunikations-, Gesprächs- und Präsentationsfähigkeiten. Ganztagsschulen sind schon ein richtiger Anfang, jedoch muss weiter und nachhaltiger gedacht werden. Wir brauchen mehr gute und qualifizierte Lehrer an Schulen, vor allem, wenn flächendeckend die Ganztagsschulen kommen sollen. Dazu gehört auch die Integration von Schulpsychologen und Pädagogen. Der Lehrer sollte zum Lernbegleiter werden. Deshalb ist die Änderung der Lehrerausbildung unumgänglich. Wieso wird noch immer nicht geprüft, ob ein Lehrer auch emotional fähig ist Schüler zu unterrichten? Wieso geht es auch in der Lehrerausbildung NUR um veraltetes und theoretisches Wissen? Wo bleibt die praxisnahe Ausbildung für Lehrer? Wieso gibt es 16 verschiedene Ausbildungsvarianten für Lehrer? Wieso wird das Beamtentum auf Lehrerebene nicht abgeschafft? Nur so könnte endlich eine Öffnung der Schule stattfinden und auch junge, engagierte und reformwillige Lehrer eine Chance bekommen, zu zeigen, welches Potenzial sie wirklich haben. Schulen MÜSSEN selbstständig agieren können und Lehrer, die ihren Job nicht gut machen, sollten auch kündbar sein. So wie es in jedem anderen Beruf auch der Fall ist. Es bedarf einfach mehr Transparenz, ein höheres Engagement vieler Lehrkräfte und einen gut funktionierender Austausch zwischen Schule, Lehrern, Kindern und Eltern. Deshalb ist es jetzt wichtig in Bildung zu investieren und endlich etwas zu ändern. Es ist schon genug wertvolle Zeit verstrichen, in der nichts getan, sondern nur geredet wurde. Das Konzept der Grünen greift an den richtigen Stellen an, ist aber noch ausbaufähig. Die Verbesserung der Bildungslandschaft kann nicht von heute auf morgen vonstatten gehen. Es bedarf gut überlegter Konzepte und eine richtige Umsetzung. Nur so kann nachhaltig die Zukunft der Kinder in unserem Land gesichert werden. Und das kann sicherlich nicht nur in einer Legislaturperiode passieren. Deshalb wäre es auch wünschenswert, wenn endlich auch die anderen Parteien dieses große Problem erkennen und gemeinsam nach einer Lösung suchen würden.
Didier
13-01-13 23:41
Liebe Grüne,
euere Diagnose ist schon richtig aber
eine Schulreform hilft hier nichts!
Ich meine sie ist sogar kontraproduktiv
und erzeugt ein Schlimmeres Problem zu einem
spätern Zeitpunkt.

Ihr müsstet das System ändern, das solche
Schulen braucht.
Die Direktive zum aufspreizen der Schülerleistungen
bekommen die Lehrer qualvoll eingeimpft.
Wer sich dagegen wehrt wird diszipliniert!
In einem System, das ein Recht auf freie Berufswahl
hat, ist das aber leider nicht anders möglich.
Die Grundlage für unseren Wohlstand basiert auf
der spezialisierung der Individuen.
Wenn ich aber nach der Schulzeit Spezialisten in
allen Bereichen brauche habe ich nur zwei Möglichkeiten:
a) die Weichen werden in der Schulzeit gestellt,
dann wählt jeder Schüler von selbst seinen Beruf im Rahmen seiner
schulischen Möglichkeiten/Ergebnisse.
b) In der Schule werden alle möglichst gleichgut gebildet
(alles andere wäre nur eine Frust-Umlagerung)
Dann kann ich mir aber kein Recht auf freie Berufswahl
mehr leisten, sondern kann höchstens noch ein
Recht auf Arbeit anbieten und muss zudem bestimmen
wer von meinen gleichgemachten Schülern später welche Arbeit
tun soll.
Ist es wirklich das was ihr wollt? Zurück in die DDR?
Zugegeben: ich träume auch von einer Gesellschaft in der sich jeder
nach Belieben verwirklichen kann und die "niedere" Arbeit von Droiden
verrichtet wird. Aufwachen! Dafür ist es noch zu früh!
Der Weg dahin ist noch weit!

Wenn ihr jetzt blindlings die Schule reformiert, verschiebt ihr
nicht nur den Frust nach hinten und müsst am Ende per Los
entscheiden, wer welche Arbeit tun darf, sondern ihr steckt damit
einen Balken in die Speichen unserer Zivilsatorischen Errungenschaften.
Alles was ihr (zum jetzigen Zeitpunkt!!) mit einer solchen Schulreform
erreicht ist Rückschritt, mehr Unzufriedenheit und eine
Schwächung der menschlichen Ressourcen, die wir zum Lösen
viel größerer Probleme dringend brauchen.

Erst müssen alle globalen Probleme gelöst und dann das (zugegeben unfaire)
System geändert werden. Das könnte klappen.
Aber erst einen Systemkollaps mit der Brechstange (Schulreform)
erzwingen und dann trotzdem auf die Lösung aller anstehenden Probleme
hoffen, das geht mit Sicherheit in die Hose!

Bitte!! nochmal sauber und bis zu Ende nachdenken!!
Hondo
08-01-13 19:23
Ich kann diesen Blödsinn auch nicht mehr hören. Ich nenne ein solches Konzept Bildungskommunismus. Alle sollen gleich sein, obwol sie es von Natur aus nicht sind. Jeder wird einsehen, dass ein Kind 100m schneller laufen kann als ein anderes, da kann man nicht drüber reden, es wird aber genau an den Stellen immer darüber geredet, wo es nicht so offensichtliche Evidenzen gibt (z.B.Geisteswissenschaften). Dort beginnt dann die Gleichmacherei unter der letztendlich alle leiden. Es will wohl auch keiner abstreiten, dass jeder Mensch Begabungen hat. Heute ist es aber so, dass auch diejenigen, welche Begabungen im Praktischen haben, unbedingt zum Abitur gepresst werden sollen. der beste Weg dahin ist in den letzten Jahren gewesen, andere Abschlüsse systematisch herabzusetzten. Während früher ein Realschulabschluss noch einen Wert hatte, muss es heute eben das Abitur sein. Das korreliert unmittelbar mit einer Nivellierung von Noten und erzeugt auf lange Sicht nur Verlierer. Wenn ich mich nicht mehr anstrengen muss, dann tue ich auch nichts, um gute Noten zu bekommen. Für mich sind Leute mit solchen Vorstellungen die nacherfüllungsgehilfen des Morgenthauplans. Macht aus qualifizierten Menschen unqualifizierte und lobt sie in den Himmel, dann wird aus dem Industriestandort auf lange Sicht wieder ein Argarstaat.
Livia
07-01-13 17:03
Die Lehrer spielen die wichtigste Rolle in der Schule, kann ich jetzt aus eigener Erfahrung sagen. Früher war meine Klasse in manchen Fächern richtig gut, wir haben alles verstanden (natürlich gab es auch Ausnahmen). Doch seit wir ein paar neue Lehrer bekommen haben, die sich nicht durchsetzten können, unfair sind und man einfach nichts mehr versteht, hat sich unsere ganze Klasse drastisch verschlechtert. Und so auch die Arbeitsmoral. Unseren Lehrern fehlt eine richtige, gute Ausbildung.
Kevin
11-12-12 16:32
Die Lehrer spielen meiner Meinung nach die wichtigste Rolle. Deshalb bitte in die Ausbildung neuer Lehrer investieren und Schulungen und so was. Außerdem sollte nicht jeder Vogel Lehrer zu werden. Das Berufsbild an sich bedarf mehr Annerkennung
Ines Vogt
02-12-12 17:28
Teilweise ist das beschriebene Konzept die reinste Utopie!

Ich bin bei einer alleinerziehenden Mutter großgeworden, bin tunesischen Ursprungs und trotzdem hat es mir gut getan, mich schulisch selbst zu organisieren.

Chancengleichheit bedeutet in erster Linie auch Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Denn daraf beruht der Ehrgeiz "es besser zu machen", resultierend in Kompetenzen und der Mögichkeit auf dem Arbeitsmarkt mitzuhalten, weil einem spätestens dann nicht mehr "auf die Schulter geklopft" wird.
Volker
17-11-12 11:11
es ist wissenschaftlich nicht bewiesen, daß längeres gemeinsames lernen die bildung erhöht. es ist aber bewiesen, daß bessere lehrerausbildung einen grossen einfluss hat. aber das spricht keiner an. unsere politiker haben den lehrer ihre handlungsmöglichkeitenl genommen und auch die grünen spricht dieses problem nicht an. auch sie beschränken sich auf klagen und besserwisserei.
KM
11-11-12 22:52
Längeres gemeinsames Lernen kann nur von Erfolg gekrönt sein, wenn die Lehrer VORHER entsprechend geschult werden. Das momentane Lehren sieht nicht vor, dass 30 Kinder unterschiedlichster Lernstärke miteinander lernen - da ist schon die Differenz innerhalb einer Klasse im heutigen Bildungssystem so groß, dass man durchaus erst im Kleinen (sprich: im heutigen System) eine individuellere Lernbetreuung an den Lehrer bringen sollte.
Nach dem "Erfolg" (oder besser: dem Chaos) bei der Einführung von G8 macht es mir Angst, was der einheitliche Bildungsplan samt fehlender differenzierter Lehrerausbildug und die Einführung der Gesamtschulen für Auswirkungen auf unsere Schüler haben wird.
Eine übers Knie gebrochene Reform wird durch mangelnde Vorbereitungs- (der Schulen) und Umschulungs- (der Lehrer)zeit für einige Schülerjahrgänge sorgen, die als Experimente herhalten müssen und viele Möglichkeiten und Chancen verpassen, weil Schule&Lehrer mehr mit Organisation beschäftigt sind als mit Wissensvermittlung.
Die Durchlässigkeit nach oben ist heute in jedem Alter gegeben. Man muss nur den Mut haben, seinen Weg zu gehen. Wenn jemand den komplizierteren Weg von der Werksrealschule über Mittlere Reife und Fachabitur geht, ist das keineswegs schlechter als der Gymnasialweg - passt aber vielleicht besser zu dem jeweiligen Kind und seiner Lerngeschwindigkeit.
Mit dem geplanten einheitlichen Bildungsplan ohne Informationen (BW) und der merkbar gewünschten Abschaffung der Gymnasien machen sich die Grünen für mich als Elternteil zweier betroffener Kinder fast unwählbar!
Schade!
Kommentar

Wir freuen uns auf Meinungen zu diesem Artikel. Bitte beachtet unsere Nutzungsbedingungen.
Die Kommentarfunktion dient nicht dazu, direkt mit uns Kontakt aufzunehmen oder Fragen zu stellen. Dafür haben wir ein Kontaktformular.



CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.