Warum der Strompreis steigt

Es wird mal wieder viel über den Strompreis diskutiert, aber was macht ihn eigentlich so teuer? gruene.de zeigt Euch, wer wirklich hinter den Strompreiserhöhungen steckt. Ein Artikel von Felix Hummel.

Richtig ist: in den letzten Jahren ist der Strompreis in Deutschland stetig gestiegen. Alleine zwischen 2000 und 2011 von 13,64 auf 24,95 Cent pro Kilowattstunde. Auch in den kommenden Monaten und Jahren wird mit einer Erhöhung der Preise gerechnet. Immer häufiger geben Wirtschaftsminister Rösler und Umweltminister Altmaier den Erneuerbaren Energien die Schuld daran, obwohl das EEG nur einen sehr geringen Anteil am Haushaltsstrompreis hat.

Tortengrafik mit den prozentualen Anteilen der Zusammensetzung des Strompreises, Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)
Mehr als zwei Drittel des Strompreises haben nichts mit den Erneuerbaren Energien beziehungsweise dem EEG zu tun. Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)


In den letzten 11 Jahren (2000 bis 2011) ist der Strompreis um ca. 11,3 Cent gestiegen, während die EEG-Umlage im selben Zeitraum nur um ca. 3,5 Cent gestiegen ist. Richtig ist aber auch: Mehr als zwei Drittel des Preises haben nichts mit den Erneuerbaren Energien beziehungsweise dem EEG zu tun. Ursache für die Preissteigerung beim Strom sind vielmehr die Privilegierung für die Industrie und die gestiegenen Kosten für Stromerzeugung, Transport und Steuern. Klar, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht zum Nulltarif zu haben ist.

So verteuert Schwarz-Gelb den Strom

  • Die Bundesregierung nimmt die Industrie in großem Umfang von der EEG-Umlage aus (XLS-Datei). Die Einnahmeausfälle von 4-5 Milliarden Euro pro Jahr müssen Privathaushalte und kleine und mittelständische Unternehmen bezahlen.
  • Die von der Bundesregierung eingeführte Marktprämie verursacht Mehrkosten von bis zu 500 Millionen Euro. Die Marktprämie soll Erzeuger von Erneuerbaren Energien belohnen, wenn sie ihren Strom zu Hochzeiten, wenn das Netz also voll ist, nicht einspeisen. So wird die Entwicklung der Erneuerbaren Energien gebremst.
  • Die Bundesregierung hält immer noch an teuren und umweltschädlichen fossilen Energieträgern fest. Kohle und Öl sind nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch nur in begrenztem Umfang vorhanden. Von 2000 bis 2011 stieg der Erdölpreis deshalb von 28 auf 95 US-Dollar pro Barrel und der Steinkohlepreis von 42 auf 106 Euro pro Tonne.

Besonders absurd: Gerade die Branchen mit großem Energiebedarf profitieren von den Erneuerbaren Energien, denn durch den zusätzlich eingespeisten Ökostrom sinkt der Börsenpreis für Strom. Bundesregierung und Energiekonzerne verschweigen gerne, dass der Strompreis an der Börse im Vergleich zu 2008 um 3,5 Cent pro Kilowattstunde gesunken ist. Doch anstatt die Preissenkung an die privaten Haushalte weiter zu geben, stecken die Energiekonzerne sie in die eigene Tasche. Damit fallen die Stromrechnungen für die privaten Haushalte aktuell 3 Milliarden Euro zu hoch aus.

Grafik mit der Strompreisentwicklung seit Einführung des EEG, Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)
Die schwarz-gelbe Bundesregierung und die Energiekonzerne verschweigen gerne, dass der Strompreis an der Börse im Vergleich zu 2008 um 3,5 Cent pro Kilowattstunde gesunken ist. Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)


Kohle- und Atomsubventionen auf Kosten der Ärmsten

Steigende Energiepreise und die Belastungen für einkommensschwache Haushalte sind kein neues Phänomen. Schon seit einiger Zeit machen Verbraucherschutzverbände darauf aufmerksam, dass die höheren Stromrechnungen Auswirkungen auf einkommensschwache Haushalte haben. Passiert ist aber damals von Seiten der Regierung Merkel gar nichts. Dies macht deutlich, dass die, die jetzt so laut das EEG beschuldigen, in Wahrheit nicht im Interesse der Bürgerinnen und Bürger handeln, sondern bestimmte Lobbygruppen vertreten.

In Deutschland wird die Energieproduktion schon seit langer Zeit subventioniert. Aber erst seit den rot-grünen Regierungsjahren fließen die staatlichen Förderungen endlich nicht mehr in dreckige oder gefährliche Energieformen, sondern zunehmend in Erneuerbare. Kohle und Atom haben bis 2010 insgesamt 408 Milliarden Euro Subventionen erhalten. Erneuerbare Energien dagegen nur 28 Milliarden Euro. Dabei sind die externen Kosten, die durch Umweltzerstörung, Luftverschmutzung, Klimawandel, Endlagerung des Atommülls, etc. entstehen, noch nicht einmal miteinberechnet.

Infografik: Staatliche Fördersummen für Atomkraft, Kohle und Erneuerbare Energien., Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)
Kohle und Atom haben bis 2010 insgesamt 408 Milliarden Euro Subventionen erhalten. (Quelle: Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft im Auftrag von Greenpeace.) Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)


Um den Ausbau von Erneuerbaren Energien zu fördern, bekommen die Betreiber von Photovoltaik-Anlagen eine feste Vergütung für ihren Strom. In den nächsten Jahren wird diese weiter sinken, und die Anlagen werden bald konkurrenzfähig sein.

Infografik: Entwicklung der Einspeisevergütung für Solarstrom seit 2004., Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)
Um den Ausbau von Erneuerbaren Energien zu fördern, bekommen die Betreiber von Photovoltaik-Anlagen eine feste Vergütung für ihren Strom. In den nächsten Jahren wird diese weiter sinken, und die Anlagen werden bald konkurrenzfähig sein. Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)

 

Wir wollen den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien vorantreiben und die Kosten fair verteilen!

Wir GRÜNE schlagen daher vor:

  • die Anforderungen an die besondere Ausgleichsregelung im EEG wieder auf den Stand von 2008 zurückzuführen. Ausnahmereglungen sind demnach nur zulässig, wenn der Stromanteil eines Unternehmens mindestens 20 Prozent an den Gesamtproduktionskosten beträgt und es einen Jahresstromverbrauch von mindestens zehn Gigawattstunden aufweist. Wir wollen zudem, dass künftig die Außenhandelsintensität des Unternehmens berücksichtigt wird, also die Frage, inwieweit es im direkten, globalen Wettbewerb steht.
  • Unternehmen, die von den Strompreissenkungen durch Erneuerbare Energien profitieren, müssen sich auch an deren Kosten beteiligen. Unternehmen, die durch Ausgleichsregelung und Eigenstromregelung begünstigt werden, sollen deshalb eine EEG-Umlage in Höhe von 0,5 Cent pro Kilowattstunde zahlen.
  • das Marktprämienmodell sowie die damit verbundene Zahlung einer Managementprämie werden abgeschafft, die Liquiditätsreserve nicht erhöht.
  • die von Schwarz-Gelb neu eingeführten Begünstigungen bei den Stromnetzentgelten rückgängig zu machen.

Mit diesem Sofortprogramm können mehr als drei Milliarden Euro an Zusatzbelastungen für Privathaushalte und Mittelstand vermieden werden. Damit ist Klima, Unternehmen und Privathaushalten mehr geholfen als mit Showgipfeln und Eckpunktepapieren à la Altmaier.

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Was kostet Strom?

Die Diskussion um den Strompreis ist voll entbrannt. Viele Zahlen schwirren umher. Eine Studie hilft jetzt bei der Versachlichung.

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Schluss mit unfairen Strompreisen

Schwarz-Gelb kostet Verbraucher mehr als 4 Milliarden zu viel. Jetzt protestieren.

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Macht uns die Sonne arm?

Wird die Solarförderung zur unverhältnismäßigen Belastung für die Stromkunden? Ein Interview mit Hans-Josef Fell.

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Zehn Argumente für Solarstrom

Wir erklären, warum Solarstrom ein wichtiger Baustein für die Energiewende ist.

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Die haltlosen Argumente der Atombosse

Sicher, klimaschonend und gut für die Kunden sei die Atomkraft, sagen die Chefs der Atomkonzerne. Wir widerlegen diese Behauptungen.

Kommentare

Dieter
11-10-12 16:06
Der Strompreis ist in der Vergangenheit überwiegend wegen der Inflation (Gelddrucken durch Euro Rettung) gestiegen. Einen gewissen Anteil hatten aber auch Okö Steuer und EEG Umlage sowie
der durch Windräder und Solarzellen zusätzlich erforderliche Netzausbau und die Netzsteuerungsmaßnahmen (in ihrer Tortengrafik Position "Transport").
Außerdem entstehen die Kosten überwiegend in der Zukunft. Wir befinden uns erst am Anfang der Strompreiserhöhungen wegen der Energiewende, weil die erforderlichen Netze, Netzsteuerungsmaßnahmen und die Speichermöglichkeiten überwiegend noch gar nicht bestehen.
Alle Ausgaben die erforderlich sind für
a) Aufrechterhaltung des Netzes auf Grund der schwankenden Ökostromerzeugung
b) Transport des Stromes durch ganz Deutschland
c) ggf. Zwischenspeicherung
d) Schadensersatzleistungen wegen Produktionsausfällen und zerstörten Anlagen durch Stromausfall
f) zwangsweise unwirtschaftlicher Betrieb konventioneller Kraftwerke wegen dem Einspeisevorrang der sog. regenerativen Energien.
sollten Sie in Ihre Kalkulation und Betrachtung einrechnen und auch den Menschen offenlegen.
Die sog. "Energiewende" soll letztendlich 700 Mrd. EUR kosten ohne Speicherung. Die Kilowattstunde Speicherstrom soll letztendlich ca. 40 EUR Kosten also das ca. 200 fache des jetzigen schon teueren Strompreises. Wenn Sie das verantworten wollen dann müssen Sie auch dazu stehen und nicht nur einseitige Blicke durch die rosarote Brille propagieren.
Lea Belsner
11-10-12 15:58
Sehr geehrter Herr Rademacher,

Herr Trittin war in seinem Statement leider nicht präzise. Bei den von der Netzumlage befreiten Betrieben gibt es den Golfclub Johannesthaler Hof der befreit ist – aber nicht von der EEG-Umlage. Dies Änderung aber nichts an der Grundaussage von Herrn Trittin, dass es viele Betriebe gibt, die von der EEG-Umlage befreit sind (oder von der Netzumlage), die weder energieintensiv sind noch im internationalen Wettbewerb stehen und besonders geschützt werden müssten.

Viele Grüße,
Lea Belsner
online-Redaktion
gruene.de
Gast
11-10-12 15:33
An Jörg Hanke:
Ihre Frage: "Warum also "energieintensive" Unternehmen ohne Gegenleistung mit bezuschusstem Strom fördern? "
a) weil der Energiepreis ein Standortfaktor ist und die energieintensiven Betriebe einfach auswandern und somit woanders produzieren würden. Eine Produktionsverlagerung ins Ausland hätte auf den gesamten Energieverbrauch in der Welt keine Auswirkung wohl aber auf die in Deutschland vorhandenen Arbeitsplätze.

b) weil alternativ die höheren Stromkosten der Unternehmen direkt auf die Preise umgelegt würden und somit auch vom Endverbraucher zu zahlen wären zwar nicht mit der Stromrechnung sondern in den Produkten. Somit wäre dieser Effekt Null.

Ihre Frage: "ich frage mich, warum nicht Betriebe, die besonders viel Strom verbrauchen, dazu bewegt werden, eigene Kraft-Wärme gekoppelte Systeme und/oder eigene regenertive Anlagen zu betreiben."
KWK Systeme bringen nichts, weil sie entweder Überschussstrom oder Überschusswärme produzieren. Der Einspareffekt geht dadurch und durch die hohen Anfangsinvestitionen verloren.
Aluminium- oder Stahlhütten, Glas- oder Zementwerke können nicht mit regenerativen Energien betrieben werden, da diese den Strom nicht gleichbleibend und in zu geringer Menge liefern und einfach zu teuer sind.
jörg hanke
10-10-12 20:20
ich frage mich, warum nicht Betriebe, die besonders viel Strom verbrauchen, dazu bewegt werden, eigene Kraft-Wärme gekoppelte Systeme und/oder eigene regenertive Anlagen zu betreiben. Dies würde einerseits zu einem weiteren zügigen Ausbau kleiner unt mittlerer Anlagen führen (was ja vorteilhaft ist) und andererseits könnten die Haushalte Kostenmäßig entlastet werden. Außerdem entstünden so Arbeitsplätze direkt in den Anlagen und außerdem im Bereich der Anlagenbauer. Die Investitionssummen bleiben überschaubar und könnten von lokalen Banken geleistet werden.
Warum also "energieintensive" Unternehmen ohne Gegenleistung mit bezuschusstem Strom fördern?
Hermann Radmacher
10-10-12 20:16
Sehr geehrte Damen und Herren,
laut Herrn Trittin gibt es sogar einen Golfplatz der die Vorraussetzungen für die Reduzierung der EEG-Umlage erfüllt. Mich würde interessieren welcher Golfplatz in Deutschland einen Stromverbrauch von mehr als 1.000.000 kWh pro Jahr hat und dessen Stromkosten mindesten 14% der Bruttowertschöpfung des Unternehmens betragen. Nur dann würde der Golfplatz die Vorraussetzungen für die Reduzierung erfüllen. Dazu kommt noch das der volle EEG-Satz dann immer noch für die Sockelmenge von 1.000.000 kWh fällig wäre.
Gast
10-10-12 18:43
Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.
Die angegebene Kostenstatistik ist wirklich der Hammer an Täuschung. Selbst in dem manipulierten Wikipedia werden die Kosten je KW/h selbst unter Einrechnung fiktiver externer Kosten wegen angeblicher Klimaschäden (also Schäden an einem Durchschnittswert ?!?) wie folgt angegeben (in ct/KWh):
Kohle: 2,4 -3,35
Kernkraft: 2,65
Wasser: 4,3
Wind: 2,9 - 4,6
Erdgas: 4,9
Photovoltaik: 7,5 - 20
Wie kommt Ihr auf eine derartige Darstellung? Zudem wären bei Kernkraft die angeblichen "Klimaschäden" am geringsten, da kein CO2 Ausstoß.
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