Text: "Der September wird Grün. Unterstütze die grünen Wahlkämpfe", daneben ein schwarzer Kreis mit einem grünen Kreuz drüber.

Strompreis-Gerechtigkeit, jetzt!

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen die Kosten der Energiewende fair verteilen – damit eine saubere, sichere und dauerhafte Energieversorgung zu bezahlbaren Strompreisen möglich wird. Jürgen Trittin und Eveline Lemke stellten heute das grüne Konzept vor, mit dem wir die Stromkosten für Privathaushalte sowie für kleine und mittelständische Unternehmen senken wollen. Schon heute könnte die EEG-Umlage um fast 20 Prozent geringer ausfallen.

Stromzähler mit dem Aufkleber "Atomkraft? Nein danke!"
Wir wollen die Stromkosten für Privathaushalte sowie kleine und mittelständische Unternehmen verringern. Foto: a.fiedler/Flickr.com (CC BY-SA 2.0)

Wir stehen zur Energiewende, weil wir eine saubere, sichere und dauerhafte Energieversorgung gewährleisten und unsere Umwelt erhalten wollen. Natürlich ist der Übergang zu Erneuerbaren Energien nicht zum Nulltarif zu haben. Neue Wind-, Solar- oder Biogasanlagen werden gebaut und das Stromnetz erweitert. Die Kosten der Energiewende sind jedoch unfair verteilt – das wollen wir ändern. Mit unseren Vorschlägen würden Privathaushalte sowie kleine und mittelständische Unternehmen weniger für Strom zahlen – und zwar kurzfristig noch in diesem Jahr.

Eine Expertenkommission stellte im ersten Monitoringbericht der Bundesregierung klar, dass der Anteil der Ausgaben für Elektrizität am nominalen Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent auf dem Stand von 1991 liegt. Die Stromkosten für die Industrie haben sich also stabil zur Gesamtwirtschaftsleistung entwickelt. Die Energiekosten für private Verbraucherinnen und Verbraucher und für den Klein- und Mittelstand steigen jedoch seit Jahren – obwohl die Börsenstrompreise sinken.

Grafik mit der Strompreisentwicklung seit Einführung des EEG
Die schwarz-gelbe Bundesregierung und die Energiekonzerne verschweigen gerne, dass der Strompreis an der Börse im Vergleich zu 2008 um 3,5 Cent pro Kilowattstunde gesunken ist. Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist der rechtliche Rahmen für den Energieumbau. Grundsätzlich halten wir die EEG-Umlage für das richtige Mittel, um die Energiewende zu finanzieren. Denn sie ist verbrauchergerecht: Die EEG-Umlage wird über die Stromrechnung bezahlt. Wer viel Strom verbraucht, zahlt also viel EEG-Umlage. Stromsparer dagegen werden belohnt. Die Merkel-Koalition hat das EEG aber mehrfach verwässert, sodass die Strompreise für VerbraucherInnen seit Monaten künstlich in die Höhe getrieben werden. „Nur 50 Prozent der Preissteigerung gehen auf die EEG-Umlage zurück und nur 10 Prozent des Anstiegs der EEG-Umlage sind durch den Ausbau der Erneuerbaren verursacht“, erläuterte Jürgen Trittin, Spitzenkandidat von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, während der Vorstellung des Konzeptes in der Bundespressekonferenz.

Altmaier und Rösler blockieren den Ausbau der Erneuerbaren

Bundesumweltminister Peter Altmaier und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler haben kürzlich Konzepte vorgelegt, die diese Entwicklung aufhalten sollen. Tatsächlich würden sie den Ausbau der Erneuerbaren Energien blockieren. Jürgen Trittin erklärte in der Bundespressekonferenz: „Peter Altmaier qualifiziert sich als Mister 5 Prozent, denn seine Vorschläge zur Strompreisbremse konzentrieren sich lediglich auf einen kleinen Teil der Strompreissteigerung.“ Eveline Lemke, Energie-Ministerin in Rheinland-Pfalz, ergänzte: „In den grünen Landesministerien hat man sich die Finger wund gerechnet und die Altmaiervorschläge einem Crashtest unterzogen. Ergebnis: Altmaier fährt die Energiewende vor die Wand.“

Unsere Bundestagsfraktion und die für Energie und Klimaschutz zuständigen grünen LandesministerInnen haben nun eine grüne Antwort erarbeitet. Das Konzept zeigt auf, wie die VerbraucherInnen entlastet werden können – eine 4-köpfige Familie könnte mit unseren Vorschlägen sofort 35 Euro im Jahr sparen. Bei einem Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden pro Jahr bedeutet das für diese Familie immerhin eine Ersparnis von 3,9 Prozent. Höhere Einsparungen werden wir auf mittlere und lange Sicht mit einem neuen Strommarktdesign durch eine größer angelegte Reform des EEGs erzielen.

So wollen wir die Strompreise kurzfristig senken

Die EEG-Umlage wird nicht fair von allen Stromkunden getragen. Einige Firmen müssen die EEG-Umlage nicht oder nur teilweise zahlen. Mit der Begründung, die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zu sichern, hat die Merkel-Koalition Betriebe, die viel Strom verbrauchen, von der Umlage befreit – darunter Hähnchenschlachter und Pommes-Fabriken. Das sind versteckte Subventionen für Merkels Klientel, die die EEG-Umlage für die Restbevölkerung teurer macht.

  • Unser Vorschlag: Nur noch Unternehmen, die mindestens 10 Gigawattstunden Strom im Jahr verbrauchen und die tatsächlich im internationalen Wettbewerb stehen, soll die EEG-Umlage teilweise erlassen werden.

Auch dank der Erneuerbaren Energien fällt der Strompreis an der Börse. Industrielle Großverbraucher, die ihren Strom direkt an der Strombörse einkaufen, kommen in den Genuss dieser günstigen Börsenpreise.

  • Unser Vorschlag: Die Industrie soll zum Ausgleich einen höheren Mindestbeitrag zum EEG zahlen.

Auch Privatleute oder Unternehmen, die ihren Strom selbst erzeugen, profitieren von einer sauberen, sichereren und dauerhaften Energieversorgung. Vor allem für industriell genutzten Eigenstrom sollte ein Anteil zur EEG-Umlage geleistet werden. Wenn eine Produktionshalle also mit einem Kraftwerk selbst erzeugten Strom für die Produktion verwendet, plädieren wir für einen Beitrag zur Finanzierung der Energiewende.

  • Unser Vorschlag: Auch Eigenstromerzeuger sollen die EEG-Umlage anteilig mitbezahlen.

Windräder sind schon heute effiziente und günstige Stromlieferanten. An besonders windreichen Standorten kostet der Strom aus Windanlagen nur 6-7 Cent pro Kilowattstunde. Deswegen halten wir es für gerechtfertigt, die Förderungen für Windparks schon früher zu kürzen als ursprünglich gedacht. Die Investitionssicherheit in Windanlagen darf aber nicht gefährdet werden.

  • Unser Vorschlag: Wir wollen das Referenzertragsmodell reformieren, um die gesetzlich garantierten Vergütungen an windreichen Standorten zu kürzen, ohne dass der Ausbau von Windparks dadurch gebremst wird.

Dank unserer Maßnahmen könnte die EEG-Umlage sofort um einen Cent pro Kilowattstunde reduziert werden – das entspricht einer Einsparung von 18,9 Prozent. Die Gesamtheit aller Privathaushalte sowie kleine und mittelständische Unternehmen würden dadurch kurzfristig mindestens 4 Milliarden Euro sparen.

Infografik mit Angaben zum Anstieg der EEG-Umlage unter dem Merkel-Kabinett
Mit dem grünen Konzept würde die EEG-Umlage um einen Cent weniger ansteigen als unter dem Merkel-Kabinett. Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)


Diese und weitere Vorschläge zur Entlastung der Stromkunden findet Ihr in unserem Positionspapier (PDF).

Eine grüne Bewertung der sogenannten Strompreisbremse von Peter Altmaier und Philipp Rösler findet Ihr in diesem Hintergrundpapier (PDF) der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

 

Fragen und Kritik

Wir freuen uns sehr über die rege und konstruktive Kritik zu unserem Reformvorschlag der EEG-Umlage. Für uns ist Eure Beteiligung ein Hinweis darauf, dass auch Euch das Thema sehr wichtig ist. Wir haben die Kritik und Nachfragen in drei Gruppen geordnet und möchten so mit einigen Missverständnissen aufräumen. 

Grüner Strom ist fairer Strom

Die schwarz-gelbe Merkel-Koalition arbeitet mit aller Kraft daran, es so aussehen zu lassen, als wäre die Energiewende an steigenden Strompreisen und der daraus erwachsenden Ungerechtigkeit Schuld. Das ist schlicht falsch. Schuld an den steigenden Preisen ist die ungerechte Verteilung der Kosten zugunsten großer Unternehmen. Das möchten wir mit unserem Reformvorschlag ändern. Grüne Energiewende bedeutet eine faire und sozialverträgliche Wende an dessen Ende 100 Prozent Ökostrom steht. Dann wird auch das Preisproblem gelöst sein, denn die Sonne schickt uns keine Rechnung.

Privatstromerzeuger sind der Antrieb der Energiewende

Wer in Erneuerbare und hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) investiert hat, soll auch weiterhin dieses Privileg behalten. Denn diese dezentralen Investitionen sind die wahren Antriebe der Energiewende.
Es geht bei der Einbeziehung der sogenannten Eigenstromregelung in die EEG-Umlage nicht um privat erzeugten Ökostrom, sondern vor allem um große Unternehmen und die Industrie. Hier können mit der Anhebung der EEG-Umlage über 300 Millionen Euro eingespart werden! Das entspricht ungefähr dem Betrag, den die Unternehmen  durch den gesunkenen Börsenpreis einsparen. Es kann nicht sein, dass sich diese Unternehmen davor drücken ihren Beitrag zu der Gemeinschaftsaufgabe Energiewende zu leisten.

Von 35 Euro zu 4 Milliarden

35 Euro pro vierköpfiger Familie pro Jahr - das ist die Summe, die sich sofort einsparen ließe, wenn die Merkel-Koalition ihre ausufernden Privilegien an die Industrie einschränken würde. Das entspricht deutschlandweit einem Gesamtvolumen von vier Milliarden Euro. Stattdessen folgt Schwarz-Gelb auf Kosten von Geringverdienern der Lobbypolitik großer Konzerne. Unser Konzept nennt Zahlen und macht deutlich, welche unnötige Belastungen Merkels Klientelpolitik für die privaten Verbraucher verursacht. Die Erleichterung von 35 Euro sind Teil eines Maßnahmenpakets, welches steigende Strompreise sozialverträglicher gestalten soll. Peter Altmaier sieht dagegen nur 20 Euro Erleichterungen vor. Entscheidend ist jedoch, dass der Kostenanteil für Strom und Wärme bei Sozialhilfe und Arbeitslosengeld angehoben wird. Dabei hilft ein geplanter drei Milliarden Euro schwerer "Energiesparfonds", der schwache Einkommensgruppen unterstützen soll.

Infografik: Balkendiagramm mit zwei Balken. Der linke grüne Balken zeigt 4 Milliarden an, der rechte schwarz-gelbe Balken zeigt 1,86 Milliarden. Darüber der Schriftzug: Wirklich sparen - der grüne Umbau des EEG.
Mit der grünen EEG-Reform sparen wir doppelt soviel wie die Merkel-Koalition. Foto: gruene.de (CC BY-NC 3.0)

 

Hast Du Bekannte in Deinem Umfeld, die sich Sorgen um ihre Stromrechnung machen? Dann leite ihnen unser grünes Konzept hier per E-Mail weiter oder verbreite es über die sozialen Netzwerke.

Teile diesen Artikel

Klicke auf die Buttons, um das jeweilige Netzwerk zu aktivieren. Beachte, dass dadurch persönliche Daten an Facebook, Twitter oder Google übertragen werden.