Neustart bei Endlagersuche?

Gorleben als Standort zur Lagerung hochradioaktiven Atommülls ist geologisch ungeeinet und politisch verbrannt. Jetzt sollen endlich Alternativen geprüft werden.

Endlager Gorleben, Foto: Bundesamt für Strahlenschutz.

Umweltminister Röttgen sagte jetzt nach einem Treffen mit Vertretern der Bundesländer, es solle schnellst möglich ein Endlager-Suchgesetz auf den Weg gebracht werden. Wie die Suche nach Alternativen konkret aussehen soll, müsse aber noch in weiteren Beratungen erörtert werden. Der in Aussicht gestellte Neustart in der Endlagerfrage sei längst überfällig, sagt die grüne Bundesvorsitzende Claudia Roth.

Die jetzt folgenden Schritte sollen von einer Arbeitsgruppe aus acht Ländern und dem Bund geklärt werden. Diese Arbeitsgruppe soll noch im November mit ihrer Arbeit beginnen. Die Ergebnisse sollen dann bis Sommer 2012 in das Endlager-Suchgesetz einfließen. "Es darf nicht erneut bei bloßen Ankündigungen der Bundesregierung bleiben", sagt Claudia Roth. "Wir erwarten von Herrn Röttgen und Frau Merkel, dass sie nun zügig ein entsprechendes Gesetz zur bundesweiten Endlagersuche vorlegen und die ewige Rumdrückerei beenden." 

Seit den achtziger Jahren wird der Salzstock im niedersächsischen Gorleben geprüft. Die Erkundung hat bisher 1,6 Milliarden Euro verschlungen. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern schon lange einen Baustopp für Gorleben. "Grundlage einer offenen, bundesweiten Endlagersuche müssen eindeutige, wissenschaftliche Kriterien sein. Eine politisch-strategische Festlegung wie im Fall Gorleben darf es nie wieder geben", so Claudia Roth.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern eine ergebnisoffene, bundesweite und transparente Endlagersuche mit angemessene Bürgerbeteiligung. Der seit Jahrzehnten geführte Streit über einen sicheren Standort für hochradioaktiven Müll könnte damit vorerst beendet werden.

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Kommentare

Bodo
18-04-12 16:14
Betreff Dradio Interview der Woche 20.11.2011

Sehr geehrter Herr Özdemir

Ich fand Ihre Ausführungen zur rechten Gewalt und zum Versagen der zuständigen staatlichen Stellen sehr überzeugend. Ich würde das Versagen des Verfassungsschutzes und den Verdacht der Unterstützung noch direkter formulieren, aber ich muß ja keine Wahlen gewinnen.

Auch Ihren Ausführungen zur aktuellen Endlagerdebatte habe ich gelauscht. Es war für mich verwunderlich, dass es sogar innerhalb der Grünen scheinbar unstrittig ist, dass radioaktive Endlagerung in dafür hergestellten geologischen Hohlräumen zu erfolgen hat. Ich finde das problematisch. Es scheint so zu sein, dass einige Experten mittlerweile Bedenken haben. Sie sprachen davon, dass bei Experten vermehrt von “Rückholbarkeit” die Rede ist. Die Forderung nach Rückholbarkeit trägt wohl der Erkenntnis Rechnung, dass ein Bergwerk (so nenne ich jetzt mal vereinfachend einen zur Endlagerung hergestellten geologischen Hohlraum) eben nicht dauerhaft stabil ist. Da ist zunächst das Wasser; das kommt als erstes. Wasser dringt in alle Bergwerke ein, auch da wo es vorher von Fachleuten am wenigsten vermutet wurde. Als nächstes kommt die Dynamik der Geologie: geologische Strukturen sind in Bewegung. Langsam, aber mit Power. Über kurz oder lang wird jedes Bergwerk durch die Gesteinsbewegungen zerstört. Manchmal hält ein Bergwerk ein paar hundert Jahre. Aber nie hundertausend Jahre. Es gibt keine Möglichkeit, durch kontruktive Maßnahmen auf Dauer und mit Sicherheit einen Hohlraum im Berg aufrecht zu erhalten. Die Kräfte sind zu stark. Es könnte jedoch Aufgrund der Langsamkeit der Bewegung Zeit genug bleiben, den radioaktiven Müll zurückzuholen. Mit oder ohne Rückholbarkeit – was ist eigentlich mit der Idee der Endlagerung in Bergwerken ursprünglich verbunden? Ich denke, damit möchte man diese Stoffe der Biosphäre entziehen. Neuere Erkenntnisse legen nahe: Das ist dauerhaft nicht möglich. Das Zeug fällt uns mit dieser Vorgehensweise irgendwann wieder vor die Füße. Und zwar unkontrolliert und schleichend. Mich wundert, dass Geologen immer wieder ernsthaft über Endlager in geologischen Strukturen forschen, statt zu sagen : Leute, das funktioniert sicher nicht, schminkt euch das ab! Aber forschen bedeutet auch eins : Forschungsgelder bekommen. Schließlich ist schon eine Milliarde Euro in die Erkundung von Gorleben geflossen. Um zu erkennen, dass ein Salzstock besonders ungeeignet ist, bedarf es eigentlich keiner Experten. Jeder, der mal Spaghetti gekocht hat weiß : Salz löst sich in Wasser sofort auf. . Wieviel Forschungsgelder sollen noch in die Erforschung von Lehm-, Granit- oder Sonstwie-Regime fließen, bis alle endlich einig sind: Leute, dass mit der Endlagerung von radioaktiven Stoffen in Bergwerken klappt nicht. Wir sollten die Diskussion über die Eignung von Bergwerken als Endlager jetzt beginnen. Ich halte das für einen Irrweg. Endlagerung wird oberirdisch in geeigneten Anlagen mehr Sinn machen - wegen der Kontrollierbarkeit.
(ich schickte diesen Text bereits als E-Mail, blieb bisher unkommentiert)
Willi
18-03-12 19:04
Atommüll,
das Problem welches Wir an Unsere Nachfahren für die nächsten 100.000 Jahre weitergegeben werden.
Hat man sich einmal überlegt, wie es wäre, wenn die alten Ägypter schon Kernkraft und entsprechende Abfälle gehabt hätten??
Heute kann man noch lesen, der Skandal als Howard Carter die Grabkammern von Tutanchamun öffnete und wenig später einige Mitarbeiter der Ausgrabungen an unbekannter Ursache verstarben. Man spricht vom Fluch der Pharaonen.
Eine Grabstätte, ca. 3500 Jahre alt, eine damals hochentwickelte Kultur mit Kenntnissen in vielen Bereichen, vieles bis heute nicht vollständig geklärt, trotz der umfangreichen Schriften auf Papyrus und Wänden.
Unsere sogenannte Hochkultur wird Hinterlassenschaften vergraben welche 100.000 Jahre potentiell hochgefährlich bleiben, wir habe heute schon Probleme 100 Jahre alte Bücher zu lesen und zu erhalten, digitale Dokumente aus den 1990 er Jahren zu lesen und diese Datenträger zu verwenden.
Was wird sein, wenn ein Forscher in der Zukunft ca. 5000Jahre weiter, die Endlager der Asse, Gorleben oder Morsleben finden wird????
Wir können dankbar sein, dass unsere Vorfahren solche Technologien nicht gekannt oder verwendet haben mit den entsprechenden Hinterlassenschaften.
Dürfen wir das unseren Nachfahren an tun?
Wir sind nicht allein auf der Welt, weder jetzt, noch in der Zukunft!
Torsten
26-11-11 09:08
Seit gut 30 Jahren verfolge ich das Geschehen und sehe eigentlich kein wirkliches Bemühen, auch aus den polemischen Ansätzen heraus zu kommen. Der Atomausstieg ist beschlossene Sache, auch wenn die Grünen es gern noch anders gehabt hätten. In meinen Augen wird hier jedoch politische Spiegelfechterei betrieben.
Was mich jedoch auch angesichts der massiven Finanzprobleme mehr und mehr verärgert ist, ist Folgendes::
1) Was haben die Grünen unternommen, um alternative Standorte mit zu suchen? Wenn
man konstruktive Opp.Politik betreiben will und der Regierung pauschal Versagen vorwirft, muss man Alternative bieten? Wo sollte man suchen? Welche Standorte wurden von Ihnen bisher vorgeschlagen? - Denn den Müll und die Castoren haben wir, und die können wir nicht rhetorisch beseitigen, obwohl ich oftmals geraden diesen Eindruck haben.
2) Herr Trittin sagte vor ca. 10 Jahren im Regierungsamt sinngemäss, dass er kein Verständnis mehr für die Castoreinlagerungen in Gorleben habe, denn der Atomausstieg kommt und der Atommüll müsse nun einmal "zwischengelagert" werden. Jetzt ist in der Führrungsspitze wieder Unterstützung angesagt, wohl wissend, dass erneut von den nahezu 20000 Polizisten viel zu viel verletzt werden.
Die Kosten gehehne in zweistellige evtl. dreistellige Millionenhöhe. Was könnte man damit
alles im notleidenden Soizialbereich und in der Bildung anfangen?
Aber angesichts der polemischen und emotionalen Aufheizung werden hier auch kühle Köpfe scheinbar überhitzt.
Meine Sympathie für Ihre Bewegung hat sehr gelitten.
Michael
12-11-11 22:23
Gab es da nicht mal einen grünen Umweltminister im Bund?????
Komisch, alles wird jetzt unter CDU Regie gemacht. Wart ihr nur mittel zum Zweck von Putins Schoßhündchen?
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