Elektro liegt im Trend

Die fossilen Rohstoffe der Erde werden immer knapper. Dies gilt insbesondere für die weltweiten Rohölvorkommen, von denen nicht nur der Preis für Benzin und Diesel abhängt, sondern auch die Produktion zahlreicher Güter wie etwa Medikamente, Plastik, Farben oder Kosmetikartikel. Etliches davon ist überflüssig und manches schädlich. Für viele dieser Produkte gibt es bereits Ersatzverfahren und daran müssen wir weiter arbeiten. Denn Wissenschaftler zeichnen immer bedrohlichere Szenarien für den Klimawandel. Die Lösung dieser Probleme kann nur lauten: Weg vom Öl. Doch das scheint insbesondere bei Transportmitteln ein schwieriges Unterfangen. Wie geht es mit der E-Mobilität voran und warum sind sparsame Verbrennungsmotoren und Hybridantriebe als Brückentechnologie wichtig? Ein Artikel von Felix Hummel.

Silbernes Elektrofahrrad., Foto: Bru/Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Pedelec mit Radnabenmotor und Akku auf Gepäckträger. Foto: Bru/Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Mit wenig Gepäck reist es sich leichter. Das gilt auch in Sachen E-Mobilität. Wer zudem keine allzu lange Strecke vor sich hat, kann sich schon jetzt emissionsfrei fortbewegen. Denn mit dem GECO 2 ist bereits ein in Deutschland produzierter Elektroroller auf dem Markt und in Kürze wird mit der e-Schwalbe ein weiterer folgen. Die Zweiräder erreichen, je nach Modell, Spitzengeschwindigkeiten von 45 bzw. 81 Kilometern pro Stunde und schaffen es mit einer Akkuladung bis zu 80 Kilometer weit. Ausländische Hersteller produzieren sogar schon seit Jahren erfolgreich Roller mit Elektroantrieb. Hier hinkt die deutsche Wirtschaft dem Trend also bereits hinterher. Eine interessante Alternative bieten auch die sogenannten Pedelecs, Fahrräder mit unterstützendem Elektroantrieb. Sie wurden alleine im Jahr 2011 über 300.000 Mal in Deutschland verkauft und sind damit mit Abstand das erfolgreichste Elektromobil.

Für Personen mit mehr Gepäck und vor allem größerem Geldbeutel gibt es aber auch immer mehr vierrädrige Fortbewegungsmittel mit Elektroantrieb. Beinahe alle großen Autohersteller arbeiten seit geraumer Zeit an eigenen Prototypen mit Elektromotor. Doch nur wenige sind bisher serienreif. Zusätzlich muss beachtet werden, dass es sich bei vielen dieser Elektroautos eigentlich um Hybrid-Fahrzeuge mit größeren Batterien und Steckdosenanschluss, so genannte Plug-In-Hybride handelt, die sowohl mit einem Elektro-, als auch mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet sind. Letzterer schaltet sich bei längeren Strecken zu und sorgt so für eine größere Reichweite. Der zusätzliche Motor bedeutet allerdings auch einiges mehr an Gewicht. Beim kompletten Verzicht auf Treibstoff beträgt die Reichweite deshalb nur zwischen 40 und 80 Kilometer. Bei zugeschaltetem Verbrennungsmotor tragen moderne Fahrzeuge dieser Art bis zu 500 Kilometer weit und verbrauchen dabei zwischen 2,5 und 5 Liter Treibstoff pro 100 Kilometer. Allerdings ist die Fortbewegung dann natürlich weder rohöl-, noch abgasfrei.

Hybridfahrzeuge und sparsame Benziner als Brückentechnologie?

Die Vorreiterrolle in Sachen Hybridtechnologie übernahm der japanische Automobilhersteller Toyota, der mit dem Prius bereits 1997 ein Fahrzeug in Großserie produzierte, das sowohl mit einem Elektromotor und einer noch relativ kleinen Batterie, als auch mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet war. Seither versuchen sich verschiedene Autounternehmen immer wieder an neuen Hybridmodellen und entwickeln die Technologie weiter. Gerade hat zum Beispiel Opel mit dem Ampera ein Fahrzeug auf den Markt gebracht, bei dem der Verbrenner hauptsächlich die Batterie während der Fahrt auflädt, um die Reichweite zu verlängern. Man spricht daher auch von einem so genannten Range Extender. Das Fahrzeug wurde ursprünglich von General Motors als Chevrolet Volt in den USA entwickelt und wird auch dort gebaut. Ohnehin tut sich auf dem US-Markt in Sachen Elektroautos deutlich mehr als in Deutschland. So bietet der US Hersteller Fisker Automotive mit dem Karma sogar einen Sportwagen mit Plug-In-Hybridantrieb an. Allerdings sind die beiden genannten Hybrid-Fahrzeuge bei einem Preis von 42.900 Euro für den Opel Ampera und mindestens 100.000 Euro für den Karma nur für betuchtere Umweltschützerinnen und -schützer erschwinglich.

Tankdeckel mit Hochspannungszeichen., Foto: pppspics/flickr.com (CC BY SA 2.0)
Statt Zapfsäulen könnte in Zukunft eine Steckdose zum Tanken ausreichen. Foto: pppspics/flickr.com (CC BY SA 2.0)

Rein elektrische Fahrzeuge haben bisher das Problem mangelnder Reichweite. Je länger die Reichweite sein soll, desto mehr Akkuzellen benötigt ein Fahrzeug, was es dann wiederum schwerer und vor allem teuer macht. Umgerechnet kostet eine Kilowattstunde (kWh) Batteriekapazität derzeit zwischen 500 und 600 Euro. Um mit einem Wagen der Kompaktklasse 150 Kilometer weit fahren zu können, braucht es ein 20 kWh-Batteriepack, welches mit 10.000 Euro und mehr zu Buche schlägt. Bisher galten daher reine Elektrofahrzeuge mit einer Reichweite, wie man sie von konventionellen Fahrzeugen kennt, als unerschwinglich.

Mit großem Interesse wurde deshalb die gerade erfolgte Auslieferung der ausschließlich mit Elektroantrieb ausgestatteten Tesla S erwartet. Der Tesla S soll mit einer Akkuladung bis zu 480 Kilometer weit kommen und setzt damit neue Maßstäbe für einen 5-Sitzer. Mit einem Verkaufspreis zwischen 42.500 und 57.000 Euro wird aber auch der Tesla S kein Schnäppchen sein.

Elekrtoautos haben deutlich niedrigere Verbrauchskosten

Die Renault-Nissan-Allianz ist der bisher einzige klassische Autohersteller, der voll auf reine Elektroautos setzt. Bis Ende 2015 sollen jährlich 500.000 Fahrzeuge in mehreren Werken in Europa, Japan und den USA produziert werden. Vorreiter ist Nissan mit dem Nissan Leaf, einem rein elektrischen Fahrzeug der Kompaktklasse mit 160 Kilometern Reichweite, das 2011 bereits 20.000 Mal verkauft wurde

Renault wird bis Ende des Jahres vier Z.E. Modelle anbieten. Die Buchstaben Z.E. im Namen der Fahrzeugreihe stehen für Zero Emission, also Null Abgase. Der Renault Zoe soll für rund 20.000 Euro zu haben sein, zuzüglich einer monatlichen Leasinggebühr für die Batterie von 79 Euro, mit der das Elektroauto eine Reichweite von bis zu 185 Kilometern bei einer Höchstgeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde erreichen soll.

Ob die Elektromobilitätsstrategie von Renault-Nissan und anderen Herstellern aufgeht, wird sich zeigen. Insgesamt sind die Verkaufszahlen für Plug-In-Hybride und rein batterieelektrische Fahrzeuge bisher nur im vierstelligen Bereich. Neben der geringen Reichweite schreckt vor allem der hohe Anschaffungspreis die Kundinnen und Kunden ab. Dieser verliert erst dann seinen Schrecken, wenn man die viel günstigeren Verbrauchskosten gegenrechnet. Denn die Energiekosten eines Elektroautos liegen bei lediglich 2-3 Euro pro 100 Kilometer. Dieser Kostenvorteil wird umso gewichtiger, je höher der Ölpreis steigt.

Elektrobus in Osnabrück., Foto: Stadtwerke Osnabrück
Der Elektrobus der Stadt Osnabrück überzeugt durch niedrigere Betriebskosten als konventionelle Modelle. Foto: Stadtwerke Osnabrück

Alle Prognosen gehen aber davon aus, dass - hybridisierte - Benziner und Diesel noch jahrzehntelang den Markt dominieren werden. Das elektromobile Zeitalter beginnt leider nicht morgen. Deshalb ist es notwendig, verbrauchsarme Verbrennungsmotoren und Hybrid-Fahrzeuge als Brückentechnologie einzusetzen. Daher bleibt es nicht zuletzt aus Klimaschutzgründen die Hauptaufgabe, den Benzinverbrauch von Verbrennungsmotoren stetig zu verringern und den Wirkungsgrad der Motoren zu steigern.

Am weitesten verbreitet ist die Elektromobilität sicherlich im öffentlichen Nahverkehr. Vor allem in Großstädten wird schon sehr lange überwiegend auf mit Strom betriebene Transportmittel gesetzt. Die Hamburger S-Bahn fährt sogar ausschließlich mit Ökostrom, der in deutschen Wasserkraftwerken gewonnen wird. Außerdem setzen immer mehr deutsche Städte in Pilotprojekten auf einzelnen Linien Elektrobusse ein. Das Fazit vieler Städte fällt sehr positiv aus. Die Osnabrücker Stadtverwaltung etwa zieht nach den ersten 100 Tagen ihres Elektrobus-Experiments eine hervorragende Bilanz. Der Bus fahre zuverlässig und biete keinerlei Einschränkungen für die Fahrgäste. Zudem lägen die Betriebskosten für den Elektrobus bei einem Verbrauch von 62 Kilowattstunden pro 100 Kilometer sogar deutlich unter denen eines Omnibusses mit Verbrennungsmotor.

Öffentliche Verkehrsmittel schonen die Umwelt

Im Regional- und Fernverkehr lässt sich ebenfalls einiges für die Umwelt tun. Im Personenverkehr wird überwiegend mit Strom gefahren, auch wenn es noch einige Strecken gibt, die elektrifiziert werden müssen. Im Saarland sind seit der grünen Regierungsbeteiligung in den Jahren 2009 bis 2012 sogar alle Züge des regionalen Personenverkehrs mit Ökostrom unterwegs. Zudem können Gruppen, sowie Groß- und Geschäftskunden der Deutschen Bahn einen Vertrag abschließen, um für eine lediglich ein- bis zweiprozentige Fahrpreiserhöhung CO2-neutral zu reisen. Mittlerweile gibt es auch eine Version der Bahncard, mit der Reisende die Einspeisung von Ökostrom ins Netz vorantreiben können. Für die Reise mit dem Flugzeug, welches allerdings weiterhin auf den Treibstoff Kerosin angewiesen ist, bieten auch einige Fluggesellschaften und z.B. die Organisation Atmosfair mittlerweile ähnliche Möglichkeit der CO2-Kompensation, um den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern.

Mit Gras bewachsenes Auto., Foto: Michael Caven/flickr.com (CC BY 2.0)
Sogar die Automobilindustrie wird immer grüner. Foto: Michael Caven/flickr.com (CC BY 2.0)

Als Fazit lässt sich festhalten, dass der Akku die Achillesferse der individuellen Elektromobilität ist und bleibt. Während leitungsgebundene elektrische Antriebe im öffentlichen Nah- und Fernverkehr bereits seit mehr als 100 Jahren eingesetzt werden, machen neben hohen Anschaffungskosten vor allem lange Ladezeiten und eine geringe Reichweite Elektroautos als Alternative zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor derzeit noch zu wenig attraktiv. Folglich setzen diejenigen Automobilhersteller, die Fahrzeuge mit Elektromotor bereits in Serie anbieten, größtenteils auf die Hybrid-Technologie, welche auch weiterhin auf fossilen Treibstoff angewiesen ist.

Energiewende auch in der Verkehrspolitik

Bessere Forschung ist daher elementar, um E-Fahrzeuge zukünftig konkurrenzfähig zu machen. Außerdem führt kein Weg daran vorbei, den Anteil Erneuerbarer Energien bei der Stromproduktion deutlich zu steigern, da nur mit Ökostrom "betankte" Fahrzeuge auch wirklich klimafreundlich sind. Denn eines ist klar: Durch die Endlichkeit der Rohölvorkommen werden Verbrennungsmotoren auf Dauer weder ökologisch, noch ökonomisch Bestand haben.

Eine Lösung für das Akku-Problem von Elektro-Autos könnte ein Pfandsystem bieten, bei dem die Autofahrerinnen und Autofahrer ihre leeren Akkus an zentralen Stellen (Batteriewechselstationen) für ein Entgelt gegen volle eintauschen können, wie es die Firma Betterplace des ehemaligen SAP-Vorstands Shai Agassi derzeit in Israel und Dänemark erprobt. Eine weitere Möglichkeit wären in Fahrbahnabschnitte eingebaute Ladesysteme, um die Akkus während der Fahrt durch Induktion aufzuladen. An entsprechenden Teststrecken wird bereits gearbeitet.

In jedem Fall ist es eine der größten Aufgaben von Wirtschaft und Politik, eine zukunftsfähige, flächendeckende Infrastruktur und finanzielle Anreize zu schaffen, um die Energiewende in der Verkehrspolitik voranzutreiben.

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Greenwashing in der Industrie

Fahren für den Klimaschutz? Irreführende Aussagen in der Autowerbung manipulieren die Verbraucher. Teil 2 der Serie "Green New Deal konkret."

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Elektroautos sind das Mondprogramm von heute

Grün auf Sendung (3): Mit einer Batterieladung von Flensburg nach München - das wünscht sich Renate Künast vor ihrer Fahrt nach Leipzig

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Gebt die Netze frei!

Kohle- und Atomstrom verstopfen die Netze, deren Ausbau die Energiekonzerne verhinderten. Auf dem Weg zu 100 Prozent erneuerbare Energien muss jetzt in den Netzausbau investiert werden.

Dafür: Elektromobilität

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So wird der Blaumann grün

Wie schaffen wir einen neuen Aufschwung? Ein Beitrag von Renate Künast und Jürgen Trittin

Kommentare

Q
25-07-12 13:36
Ein richtig starkes Förderungselement für Elektromobilität wäre m.E. eine Lockerung der Tempolimits für Elektroroller. Wenn man mit dem Autoführerschen einen Elektroroller fahren dürfte, der z.B. bis zu 55 oder 60 km/h schnell fährt, dann wären Elektroroller richtig attraktiv. Mit dem aktuellen Limit von 45 km/h ist man immer noch ein halbes Verkehrshindernis in der Stadt.
xonra
24-07-12 16:00
Wie wäre es mit einer Strategie zur Änderung des Nutzerverhaltens und vor allem für Verkehrsvermeidende Stadtplanung? Grün argumentiert oft wie die Autoindustrie, "haben noch eine geringe Reichweite". Die Bezeichnung "Elektromobil" (RWE,EON,Vattenfall,ENBW danken) sollte man schleunigst wieder verändern, wenn man SolarMobil meint, dann sind die Erklärungstexte darunter nicht so lang. Alles in allem wenig eindeutige Argumentation.
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