Auf dem Weg zum Endlagersuchgesetz

Die Verhandlungen zu einem parteiübergreifenden Kompromiss bei der Endlagersuche beschäftigen uns GRÜNE bereits seit einigen Monaten. Es verhandeln der Bund, also der Bundesumweltminister, die Länder und seit wenigen Wochen auch die Bundestagsfraktionen. Dabei konnten die grünen Verhandelnden - unterstützt und in Rückkopplung mit der Grünen Atompolitischen Kommission - bereits klare Verbesserungen gegenüber den ersten Gesetzesentwürfen des Bundesumweltministeriums durchsetzen. Doch zufrieden sind wir damit noch nicht.

Gelbe Fässer mit Atomsymbol, Foto: Manfred U/flickr.com (CC BY-NC 2.0)
Wohin mit dem Atommüll? Foto: Manfred U/flickr.com (CC BY-NC 2.0)

Am bedeutendsten ist wohl, dass inzwischen ein Bau- und Erkundungsstopp in Gorleben spätestens zum Jahresende in greifbare Nähe gerückt ist. Genau das haben wir GRÜNE von Anfang an beharrlich gefordert. Ursprünglich hatte das Bundesumweltministerium (BMU) dafür plädiert, Gorleben parallel zum Suchprozess weiter zu erkunden. Auch die Entmachtung des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) scheint abgewendet zu sein. Das BMU hatte noch im Mai daran festgehalten, das Suchverfahren inklusive Öffentlichkeitsbeteiligung sowie die wissenschaftliche Begleitung in die Hand eines neuen Institutes zu geben. Damit wäre das Bundesamt für Strahlenschutz, das über lange Jahre Erfahrungen und Kompetenzen im Bereich der Endlagerung gesammelt hat, aus dem Suchprozess ausgeschlossen gewesen. Jetzt signalisiert das BMU, dass das BfS als so genannter Vorhabenträger eine zentrale Rolle im Prozess spielen soll, wenngleich hier noch Einzelheiten geklärt werden müssen.

Diese Fortschritte sind der Erfolg zäher Verhandlungen, an denen insbesondere die grünen Landesministerien aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie auch die Bundestagsfraktion mitgewirkt haben. Doch die Verhandlungen dauern immer noch an bzw. sind ins Stocken geraten. Der Grund dafür ist, dass die beschriebenen Fortschritte vom Bundesumweltministerium bis heute noch nicht in Gesetzesform vorgelegt worden sind. Ein neuer Gesetzesentwurf, der diese Fortschritte festschreibt, wäre aber die Voraussetzung dafür, dass die Gespräche mit den grünen Verhandelnden glaubwürdig weitergehen können und dabei die Möglichkeit einer Einigung tatsächlich ausgelotet werden kann.

Gorleben soll leben

Insbesondere am künftigen Umgang mit Gorleben wird sich entscheiden, ob wir GRÜNE am Ende einem Verhandlungsergebnis zustimmen können oder nicht. Dabei ist für uns zentral, dass der Salzstock nicht zum Referenzstandort in einem Suchverfahren werden darf. Eine grüne Zustimmung zum Gesetzentwurf kann es nur geben, wenn garantiert ist, dass Gorleben keine Sonderrolle gegenüber allen anderen Standorten einnimmt. Daher legen wir größten Wert auf unsere Forderung nach einem sofortigen Bau- und Erkundungsstopp sowie einem Stopp der vorläufigen Sicherheitsanalyse im Salzstock Gorleben, wie wir das bereits in Freiburg bei der BDK im November 2010 beschlossen haben. Außerdem muss im Gesetz klar werden, welche Kriterien die Suche anleiten sollen. Und es muss damit sichergestellt sein, dass diese Kriterien nicht hinter denen des ExpertInnengremiums AK End (Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte) von 2002 zurückfallen.

Wir sind davon überzeugt, dass Gorleben geologisch ungeeignet ist und in einem Suchverfahren, das anhand eindeutiger und objektiver Kriterien, die dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen, relativ rasch ausscheiden wird. Genau dafür aber brauchen wir diesen Neuanfang in der Endlagersuche, der erst durch die Ankündigung des Grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann möglich wurde, auch in Baden-Württemberg nach einem geeigneten Standort suchen zu wollen. Denn nur eine fraktionsübergreifende und alle Bundesländer umfassende Einigung auf ein neues Endlagersuchgesetz garantiert eine wirklich ergebnisoffene und bundesweite Suche - und nur so lässt sich Gorleben als Standort rechtssicher ausschließen.

Gegen einen sofortigen, politischen und nicht wissenschaftlich begründeten Ausschluss Gorlebens durch das Gesetz spricht aus unserer Sicht die Gefahr, dass dadurch Rechtsunsicherheiten wie mögliche Schadenersatzansprüche der Atomwirtschaft entstehen. Der Ausschluss des Standort Gorlebens nach einer Überprüfung anhand der Auswahlkriterien des AK End verspricht dagegen ein rechtssicheres Verfahren.

Verhandlungen müssen weitergehen

In der Sommerpause kam es immer wieder zu Berichten in den Medien, dass die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss stünden und alle Dissenspunkte zwischen Regierung und Opposition sowie zwischen den schwarz-gelb regierten Ländern und den Ländern, die von GRÜNEN und SPD regiert werden, bereits ausgeräumt seien. Allerdings gibt es vom Bundesumweltministerium trotz dieser anderslautenden Ankündigungen über die Medien bislang keinerlei Anzeichen, auf unsere Kritik am letzten Gesetzesentwurf einzugehen und die Verhandlungen zeitnah fortzuführen. Wir GRÜNE wären dazu bereit, wie es der Bundesvorstand in seinem Beschluss vom 10. Juli 2012 sowie auch der Landesvorstand Niedersachsen in einem auch vom niedersächsischen Parteirat getragenen Beschluss vom 13. Juli 2012 deutlich gemacht haben.

Dabei ist für uns klar: Für uns GRÜNE wird es keine Zustimmung um jeden Preis geben. Die Ergebnisse der Verhandlungen müssen vor einer möglichen grünen Zustimmung zum Endlagersuchgesetz im Bundestag und Bundesrat zunächst von der Partei bewertet werden.

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Das erfundene Endlager

Ein Ministerpräsident will im Zonenrandgebiet dem ostdeutschen Endlager Morsleben trotzen, Geologen äußern Bedenken und am Ende wird einfach weitergebaut. Eine Chronologie zu Gorleben.

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Endlagerverhandlungen zum Abschluss bringen

Grüner Bundesvorstand befürwortet Einbringung eines Endlagersuchgesetzes in Bundestag und Bundesrat bis Ende September.

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Erneuerbare verdrängen Atom

Es wird mehr Ökostrom als Atomenergie produziert. Mittlerweile werden 20 Prozent der Stromversorgung in Deutschland mit Erneuerbaren abgedeckt.

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Der Protest lebt - und wie!

Tausende Demonstranten und Blockierer hielten den Castortransport nach Gorleben länger auf als je zuvor. Impressionen aus dem Wendland.

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Neustart bei Endlagersuche?

Bund und Länder wollen Alternativen zum Salzstock Gorleben prüfen.

Kommentare

Christopher
04-01-13 19:40
Warum schickt man denn nicht den Atommüll ins Weltall? Das wäre doch mal eine Idee oder?
dondolo
19-09-12 19:55
@Maren: Auch ich bewege mich auf grünen Seiten und kommentiere hier gerne. Vor allem, um aufzuzeigen, dass es neben den grünen Ideologien auch noch andere Denkweisen gibt.
Aber zum Thema: Warum suchen wir denn ein "Endlager"? Das klingt doch wie "Endlösung". Warum werden die Rückstände der Kernenergie nicht da, wo sie anfallen (oder gerne <de>zentral an verschiedenen Punkten in Deutschland) und warten darauf, bis die Technologien so weit entwickelt sind, dass man die jetzt als "Abfall" bezeichneten Stoffe sinnvoll nutzen kann. Ein kleiner Castor-Reaktor kann über viele Jahre Fern- oder Nahwärme liefern. DAS wäre grüne Energie...
Jens
21-08-12 10:58
An Staatsbürger

Es ist wirklich interessant was Du in andere Kommentare hineininterpretierst. Dieter würde die Umgangsformen der westlichen Demokratien nicht einhalten. Meinst Du mit Umgangsformen der westlichen Demokratien etwa die Kriege gegen Irak, Afghanistan, Libyen oder den Polizeieinsatz beim Projekt Stuttgart 21?

Wieso verhöhnt Dieter mit seiner Meinung die Geschädigten? Ich konnte da nichts erkennen. Geschädigte durch Kernstrahlung gab es keine (und diese kann man somit nicht verhöhen) Was die Tsunami Opfer betrifft hat Dieter ja gerade deren politische Instrumentalisierung kritisiert.

Wenn man keine Argumente hat muss man wohl mit Unterstellungen anfangen?
Astrid
20-08-12 18:11
Von einem Endlager zu sprechen halte ich angesichts der langen Halbwertszeit für obsolet, da es nur modale Lösungen geben kann und der Atommüll stets gewartet werden muß.
Geologische Verwerfungen sind auch in der Zukunft nicht ausgeschlossen.
Dieter
20-08-12 12:37
An Maren:
es kann jeder behaupten die Argumente des jeweils anderen wären unsinnig und es würde zu lange dauern diese zu entkräften. In Ideoligien muss man niemals etwas beweisen "Darüber diskutiert man eben nicht".

An Staatsbürger:
Jetzt kommt die Verhöhnungskeule. Nur weil ich Strahlungsdaten nenne verhöhne ich niemanden. Was ist das denn für ein Argument? Selbst bei den von Ihnen genannten 34mSv in einem Vierteljahr (abklingender Höchstwert) ist daran nichts kritisch.

Wenn Du außerdem den genannten Vergleich mit der natürlichen Strahlung nicht verstanden hast, kann ich Dir auch nicht helfen.
Gerhard Heinl
18-08-12 15:56
In der neuesten Ausgabe von .ausgestrahlt wlrd behauptet, die Bündnis90, die Grünen, wollen bereits im September 2012 ein Endlagersuchgesetz in den Bundestag einbringen, von dem noch niemand weiß, was drinsteht! In einem "vertraulichen" Gespräch zwischen den Fraktionsspitzen Trittin, Gabriel und BUM Altmaier soll ein wesentlicher Konsenz zu diesem Gesetzt erzielt worden sein, von dem die Öffentlichkeit bis jetzt noch nichts erfahren hat.
Seit wann verfahren die Grünen so wie autoritäre Parteien?? Über eine Antwort würde ich mich freuen.
Mit freundlichem Gruß
Gerhard Heinl
Staatsbürger
17-08-12 14:06
@Dieter
Sie unterstellen Lügen und Verdrehungen indem Sie selber Lügen und Verdrehungen anwenden. Zudem übertreiben Sie ihre flaschen Behauptungen ins Groteske (Die ganze Erde lol) Schon peinlich. Ein Endlanger ist bei der notwendigen Zeitspanne, mehrere Hunderttausend Jahre, nur schwer zu finden und muss deswegen ständig überwacht werden (und denken Sie mal an Terroristen, was die mit dem Strahlenmüll anfangen könnten...)
Zur Ungefährlichkeit der Strahlen:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/fukushima-strahlung-fuehrt-schmetterlingen-zu-mutationen-a-849972.html

Ihre Strahlungsdaten sind falsch.
"Tokio (dpa) - Bürger der japanischen Katastrophenprovinz Fukushima sind in den ersten vier Monaten nach dem Atomunfall einer Strahlenbelastung von bis zu geschätzten 37 Millisievert ausgesetzt gewesen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Provinzregierung."
http://nachrichten.t-online.de/akw-fukushima-bis-zu-37-jahresdosen-strahlung-fuer-buerger-fukushimas/id_52249266/index

Vielleicht sollten Sie sich mal klar machen, dass Sie mit Ihrer Meinung die Geschädigten verhöhnen, so wie Sie es sich ebenfalls nicht nehmen lassen, den Grünen zu unterstellen, dass sie die Tsunamiopfer nicht betrauern würden. Ihre Umgangsformen entsprechen nicht den Grundlagen der westlichen Demokratien.


http://blog.greenpeace.de/blog/2011/09/16/die-wahrheit-hinter-dem-zeit-artikel-fukushima-stress-und-strahlung/
Maren
17-08-12 12:20
@ Dieter:
Deinen Kommentar inhaltlich richtigzustellen würde hier den Rahmen sprengen und wäre wohl auch zu viel Ehre für so viel Unsinn. Ich freue mich aber darüber, dass du offensichtlich grüne Politik im Netz verfolgst und sehe durch deine unsinnige Argumentation bestätigt, wie wichtig es ist, grüne Politik zu machen.
Dieter
15-08-12 17:18
Die Grünen werden keiner Lösung je zustimmen, da sie ein Endlagerproblem brauchen, auch wenn dieses nicht existiert.

Würde man die Maßstäbe der Grünen an ein Endlager, auf die ganze Welt beziehen, müsste man die Erde vollständig endlagern, denn wir haben überall eine natürliche Strahlung.
So strahlt z.B. das Matterhorn (Granitspitze) tausend fach mehr als der Inhalt von ASSE.

Genau so verdrehten die Grünen die Tatsachen beim Fukushima-Ereignis. Die Toten und die Verwüstungen durch den Tsunami mussten als Beweis für die Untauglichkeit der Kernkraft herhalten, dabei kam es zu keinen Todesfällen durch Kernstrahlung. Die funktionierende Notabschaltung wurde als Versagen dargestellt. Die aus gesetzlichen Gründen als Vorsichtsmaßnahme (nicht aus gesundheitlichen Gründen) vorgenommene Evakuierung um Fukushima wurde als Beweis für die Schädlichkeit der Strahlung interpretiert. Dabei betrug die Strahlung nur 20mSv pro Jahr während bei einer CT-Untersuchung dem Patienten 10 bis 20mSv pro Stunde zugemutet werden. Die Grüne Ideologie basiert auf Lügen und Verdrehungen.
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