Aufklärung und Schutz vor Neuinfektion bleibt oberstes Gebot

Zum Welt-Aids-Tag erklärt Claudia Roth, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

"Trotz verbesserter Behandlungsmethoden sterben noch immer Menschen an Aids. Rund 550 sollen es in Deutschland in diesem Jahr sein. Weltweit waren es 2011 noch immer 1,7 Millionen, da viele Betroffene nach wie vor keinen Zugang zu Medikamenten haben. Die teure Medikation hat Aids in vielen Regionen der Welt zu einer Geißel der Armen werden lassen. Die Bundesregierung ist in der Pflicht, weiter Druck zu machen, damit endlich alle Aids-Kranken und HIV-Positiven gesicherten Zugang zu Medikamenten erhalten.

Nicht alle Menschen, die die Krankheit mit Medikamenten in Schach halten, können gut damit leben. Es bilden sich Resistenzen heraus. Und es gibt steigende Infektionszahlen - in Zentralasien, Osteuropa, dem Mittleren Osten und Nordafrika. Für 2012 werden in Deutschland 3400 Neuinfektionen geschätzt. Die Zahl der Menschen, die mit dem Aids-Erreger leben, wird in diesem Jahr mit 78.000 Personen sogar einen Höchststand erreichen.

In dieser Lage sind wir weit davon entfernt, Entwarnung geben zu können. Im Gegenteil, es gibt neue Gefahren, z.B. durch die Finanzkrise in vielen hoch entwickelten Ländern. Diese Krise darf nicht dazu führen, dass die betroffenen Länder ihre Verpflichtungen nicht einhalten und die internationale Solidarität in der Aids-Bekämpfung bröckelt.

Aids ist auch kein Minderheitenproblem. Auch das Problem der Diskriminierung von Aids-Kranken und HIV-Positiven in der Gesellschaft und im Arbeitsleben geht alle an. Hier ist Aufklärung und eine konsequente Antidiskriminierungspolitik nach wie vor das Gebot der Stunde.

Aufklärung tut not auch bei der Verhütung von Neuinfektionen. Aids ist nach wie vor keine heilbare Krankheit. Die Folgen einer jahrzehntelangen Medikation sind nicht gänzlich bekannt. Der Schutz vor Neuinfektion bleibt daher oberstes Gebot."

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