"Wir bleiben auf dem Teppich"

In den jüngsten Umfragen kommen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf bis zu 20 Prozent. Woher dieser Zuspruch kommt und was er für die Zukunft der Grünen bedeutet, erklärt Steffi Lemke, Politische Bundesgeschäftsführerin.

Porträtfoto von Steffi Lemke
Steffi Lemke, Politische Bundesgeschäftsführerin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, kämen die Grünen laut dem jüngsten stern-RTL-Wahltrend auf 20 Prozent, beim letzten Deutschlandtrend auf 17 Prozent. Kannst Du bei solchen Werten noch auf dem Boden bleiben?

Steffi Lemke: Natürlich bleibe ich bei aller Freude über solche Umfragewerte auf dem Boden der Tatsachen. Eines ist doch völlig klar: Solche Umfragen sind immer nur Momentaufnahmen und Hochrechnungen – keine Wahlergebnisse. Und die nächste Bundestagswahl findet voraussichtlich erst im Herbst 2013 statt. In den 20 Prozent stecken auch viel Zorn auf Schwarz-Gelb und Frust über die Tatsache, dass es dazu bei der letzten Bundestagswahl nicht wirklich eine Machtalternative für eine sozial-ökologische Politik gab. Aber klar ist weit über Umfrageergebnisse hinaus, dass die Zustimmung für grüne Politik enorm gewachsen ist. Das haben ja auch die letzten Wahlen schon gezeigt. Doch darauf kann man sich nicht ausruhen.

Umfragen bedeuten noch keine Wahlergebnisse, aber woher kommt diese große Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger für die Positionen der Grünen?

Ich glaube, dass immer mehr Menschen spüren, dass eine andere Politik notwendig ist. Dass wir anders wirtschaften müssen, den Reichtum anders verteilen müssen und anders mit unserer Umwelt umgehen müssen, wenn wir bewahren wollen, was wir haben. Letztendlich reicht dafür ja der Blick in die Abendnachrichten: Umweltkatastrophen sind dort omnipräsent. Die Finanzmarktkrise hat die Verruchtheit des globalen Finanzmarktsystems deutlich gemacht. Und es gibt ein Gespür dafür, dass es keinem der Strombosse bei der AKW-Laufzeitverlängerung um Klimaschutz oder die Geldbörse der Verbraucher geht, sondern ausschließlich um den Profit weniger auf dem Rücken aller. Letztendlich hat die Finanzmarktkrise den Blick weg von den Symptomen hin zu den Ursachen der Systemkrise gelenkt. Deshalb ist bei vielen die Suche nach wirklichen Alternativen wichtiger geworden. Uns wird zugetraut, dafür einen Beitrag zu leisten. Das ist übrigens eine riesige Verantwortung, die wir sehr ernst nehmen. Nicht zuletzt ist unsere Glaubwürdigkeit weiter gewachsen, weil wir das Leben über die Verhältnisse, eine grenzenlose Wachstumsstrategie schon sehr früh und gegen riesige Widerstände immer wieder auf die Tagesordnung gerufen haben.

Manfred Güllner, Chef des Umfrageinstituts Forsa, meint: Die großen Parteien laufen „einem vermuteten grünen Zeitgeist und grünen Themen“ hinterher, würden damit aber nur das Original stärken. Das Stammwählerpotential der Grünen liege jedoch weiter bei acht Prozent, so der Meinungsforscher. Was sagst Du zu Güllners Behauptung, dass die Beliebtheit der Grünen wieder zurückgehen wird, wenn sich SPD und Union auf ihre eigenen Stärken besinnen?

Nun muss ich mir ja glücklicherweise nicht den Kopf für die anderen Parteien zerbrechen. Aber ich denke, dass es für SPD und CDU grundsätzlich kein Zurück zu alten Wegen gibt. Die eigenen Stärken von CDU/CSU und SPD, die Herr Güllner beschreibt, stammen doch aus dem letzten Jahrhundert und aus einer anderen Zeit. Beide sogenannten Volksparteien kämpfen doch damit, ihren politischen Kern ins 21. Jahrhundert zu transformieren und den heutigen realen Widersprüchen und Konflikten anzunähern. Mit den alten Rezepten können sie die Gunst der Wählerinnen und Wähler nicht wieder für sich zurück gewinnen, weil sich die gesellschafts- wie wirtschaftspolitischen Realitäten so stark verändert haben. Sie müssen schon neue Wege finden und vor allem: Sie müssen diese Wege auch beschreiten. Letzteres ist vielleicht für CDU wie SPD das Schwierigste. Wenn Herr Güllner uns hingegen jetzt so ein starkes Stammwählerpotential auf Höhe des Wahlergebnisses von 2005 zuspricht, ist auch eine wirklich gute Nachricht. Noch vor kurzem lag genau dieses Potential bei um 5 Prozent. Das unterstreicht, dass es eine grundlegende Änderung in der Positionierung zu uns gibt. Wir arbeiten daran, daraus eine nachhaltige Entwicklung zu machen. Wir müssen zum Beispiel auch unsere Mitgliederzahl weiter vergrößern, denn wir brauchen mehr Rückhalt und Unterstützung, wenn uns mehr zugetraut wird.

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Eine Schule für Parteivorsitzende

So sprießt der Nachwuchs. Ein Doppelinterview über das Grüne Trainee-Programm.

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Jedes Mitglied wirbt ein Mitglied

Seit Freitag sind wir 50.000 Mitglieder! Steffi Lemke ruft dazu auf, im "heißen Herbst" verstärkt persönlich Mitglieder zu werben.

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Merkels Patentrezept? Learning by durchwursteln

Das Ziel ist Grün: Wir haben die heiße Phase das Wahlkampfes eröffnet. Was in Berlin geschah, siehst Du hier

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Eine anrüchige Spende

FDP und CSU erhalten Millionen-Spenden. Schatzmeister Dietmar Strehl würde solche Summen ablehnen.

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30 grüne Jahre (21): Joschka Fischer über die rot-grüne Bundesregierung 1998

Joschka Fischer über Lust und Last des Regierens, Schlafmangel im Dienst und die Haltung als Außenminister. Teil 21 der "Grünen Geschichte(n)".

Kommentare

Jochen
16-10-10 20:08
Die Zeit der großen Volksparteien ist eindeutig vorbei und ein grüner Kanzler durchaus nicht mehr undenkbar.
Die Umfragen zeigen, wem die Zukunft gehört.
Helmut Drost
15-10-10 18:49
Nur keine falsche Bescheidenheit meine grünen Freundinnen und Freunde! Nur wer soll die erste grüne Kanzlerin bzw.grüne Kanzler werden?
Cari
17-09-10 15:52
Ich bin jetzt 16 Jahre und wähle später auch die grünen, gehe auch bald zu grünen jugend.
Axel
08-09-10 10:41
Ein neues Mitglied kommt dieser Tage hinzu! Mein Umschlag mit der Beitrittserklärung ist in der Post.
Hoffen wir mal, dass die nächste Wahl nicht erst 2013 kommt...
Anno
28-08-10 17:29
In ein paar Tagen werden die Grünen einen weiteren Stammwähler gewinnen, denn dann werde ich volljährig :-)
Und bei der Jugendwahl, also der U18-Wahl, die parallel zur Bundestagswahl durchgeführt wurde, kamen die Grünen ebenfalls auf 20% - und das vor der schwarz-gelben Selbstzerfleischung. Das ist sicher nicht das schlechteste Zeichen für die Zukunft!
Philipp Schmagold
27-08-10 07:00
Unser Erfolg resultiert -von den Kommunen über die Landtage bis zum Bundestag und Europaparlament- aus dem glaubwürdigen Einstehen für die wichtigen Themen:

-Erneuerbare Energien und Klimaschutz statt Atomkraft, -Bildungsförderung,
-Chancengleichheit,
-Mindestlohn,
-Keine Gentechnik auf den Äckern,
-Soziale Gerechtigkeit,
-Nachhaltiges Wirtschaften
(...)

Weiter so!

http://www.gruene-partei.de/cms/files/dokbin/295/295495.wahlprogramm_komplett_2009.pdf
Stefan
26-08-10 00:59
Schon krass, die Grünen bei 20% ! Vor Jahren wäre man für verrückt erklärt worden, wenn man so etwas behauptet hätte. Aber es hat, glaube ich, viel damit zu tun, dass Schwarz-Gelb so schlecht ist und die Leute nach Alternativen suchen. Ob das immer etwas mit ökologischem Bewusstsein zu tun hat, da bin ich eher skeptisch. Ein radikalökologischer Ansatz, der gerade beim Energie- und Ressourcenverbrauch zwingend notwendig ist, würde die Umfragezahlen schnell "abschmelzen" lassen. Dann sind die politischen Trittbrettfahrer schnell wieder woanders. Ehrlicher wäre es schon.
24-08-10 21:03
Was für ein interessantes Interview. Ehrlich, reflektiert und intelligent. Steffi Lemke hat mich echt beeindruckt.
Hauke Laging
24-08-10 19:14
So als kleine Motivation könnte man in dem Zusammenhang ja mal erwähnen, welche Mitgliederzuwächse auch bei großen Kreisverbänden möglich sind... ;-)
Kommentar

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