"Union und FDP mussten bluten"

Koalition, Jamaika, Saarland, Özdemir, Grüne, Schwarz-Gelb-Grün

Warum haben sich die Grünen im Saarland für Koalitionsverhandlungen mit Union und FDP entschieden?

Bei den Inhalten musste CDU und FDP bluten. Von der bisher schwarzen Bildungspolitik wird nicht mehr viel übrig bleiben: Längeres gemeinsames Lernen, Abschaffung der Trennung der Kinder nach der vierten Klasse, Einrichtung einer Gemeinschaftsschule, Abschaffung von Studiengebühren, kein Sitzenbleiben bis zur siebten Klasse. Aber auch in der Ökologiepolitik: eine Politik, die Nein sagt zur Kohlekraft, eine Umkehr der Gelder der öffentlichen Verkehrsmittel. In der Bürgerrechtsfrage ein klares Primat des Datenschutzes. In all den Fragen haben sich die Grünen durchgesetzt. Es ist eine grüne Handschrift. Insofern bleibt von CDU und FDP – wenn es denn umgesetzt wird – nicht mehr viel übrig.

Ist eine Koalition mit der Union und der FDP eine Option für den Bund?

Eindeutig Nein. Wir sind jetzt in der Opposition und machen uns keine Gedanken zu Regierungskonstellationen. Wir sind jetzt in der Situation, dass wir alles daran setzen, dass die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken – so wie FDP und Union es forcieren – nicht durchgesetzt wird, dass nicht neue Kohlekraftwerke gebaut werden, dass Mindestlöhne eingeführt werden, dass Bürgerrechte geschützt werden. Hier wird man mit einer harten Opposition der Grünen rechnen müssen. Im Saarland hingegen ist es ein Experiment, das sich auf das Saarland bezieht. Das hat mit dem Bund überhaupt nichts zu tun.

Und sonst noch?

Und sonst ist überraschend, wie Herr Solms von der FDP sich in den letzten Tagen präsentiert hat. Man hat das Gefühl die letzten Jahre war er im Urlaub und bemerkt jetzt, dass Deutschland eine Schuldenbremse eingeführt hat, dass der Haushalt ungedeckt ist, dass wir riesige Ausgaben im Bereich der Bildungspolitik machen müssen, und sagt auf einmal: "Nachttigal, wir hören dir trapsen. Wir können uns auf einmal die versprochene Steuersenkung doch nicht leisten. Das riecht sehr stark nach Wahllüge und dem ersten gebrochen Wahlversprechen der FDP. Ich bin gespannt, wie es da weitergeht. 

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Unsicherheitsfaktor Linkspartei

Warum sich Hubert Ulrich gegen rot-rot-grün entschieden hat. Gruene.de hat nachgefragt.

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Jamaika-Koalition an FDP gescheitert

Ministerpräsidentin will mit der SPD eine große Koalition bilden. Cem Özdemir: GRÜNE waren kein einfacher, aber verlässlicher Partner.

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Grün macht Zukunft

Nach langer Debatte wurde der Antrag des Bundesvorstands mit großer Mehrheit angenommen.

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Das schaffen wir!

Ausstieg aus der Steinkohle, mehr Bildung für alle: Hubert Ulrich, Spitzenkandidat der saarländischen Grünen, spricht im Interview mit gruene.de über die Ziele für die kommenden fünf Jahre

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Überall drin!

Die GRÜNEN haben den Einzug in die Landtage Sachsens, Thüringens und des Saarlandes geschafft. Auch deshalb erreicht Schwarz-Gelb weder in Thüringen noch im Saarland eine Mehrheit.

Kommentare

Angelo
13-10-09 13:18
Da gebe ich Elvis recht.

So ein Mist hätte nicht sein sollen. Und ich bin erst vor wenigen Monaten in diese Partei eingetreten, weil ich dachte, dass ich eine Partei gefunden habe, welche sich klar gegen CDU und FDP stellt, in allen Belangen. Nun muss ich wohl wieder gehen. Das war leider ein kurzer Ausflug in eine Parteimitgliedschaft. Als linker schwuler ist es mir leider nicht mehr möglich, weiter in dieser Partei zu bleiben, geschweige denn, sie zu wählen, wenn meine grüne Stimme zu Schwarz oder Gelb führen kann.
irene und bernd
13-10-09 13:17
Wir haben bei der Bundestagswahl "Grün" gewählt, weil wir die Grünen der linken Seite zugerechnet haben und der Grüne Wahlkampf uns überzeugt hat. Hamburg haben wir noch als lokale Ausnahme gesehen und die Grüne Unterstützung des Kohlekraftwerkes akzeptiert, weil wohl nicht mehr zu ändern. Wenn sich jetzt aber die Grünen als Steigbügelhalter für eine Jamaika-Koalition hergeben nach dem Motto: Wer mir die meisten Pfründe zusagt, erhält meine Unterstützung, kann für ein solches Huren-Verhalten nicht mehr vom linken Lager akzeptiert werden. Natürlich wäre eine Rot-Rot-Grün-Koalition wesentlich schwieriger, aber mit Rückgrat auch zu bestehen. Wir schlagen vor, dass sich die Grünen umbenennen in die "Violetten". Jetzt tut es uns leid, dass wir nicht der Grünen Partei beigetreten sind. Dann kännten wir jetzt austreten und mit lautem Knall die Tür hinter uns zuschlagen.
Aus tiefster Enttäuschung
i+b
Farbfilm
13-10-09 12:54
Auch ich wähle, seit dem ich wählen darf, die Grünen - bei jeder Wahl.. und muss wirklich schauen, ob ich das auch noch bei der nächsten Wahl von mir behaupten kann.
Die Grünen haben nirgends unterschrieben, dass sie nur mit der SPD koalieren dürfen, find ich auch okay so. Aber bei der Entscheidung zwischen SPD+Linke oder CDU+FDP sich für den rechten Flügen zu entscheiden, finde ich unmöglich und politisch nicht verantwortbar. Die Grünen stehen für Umwelt, für Gerechtigkeit auf ökonomischer und gesellschaftlicher Basis, für Bildung und für Toleranz - alles, wofür weder die FDP, noch die CDU steht.. ganz im Gegenteil. Und da wird auch kein "Die müssen bluten...!" helfen.
Wenn man so schnell seine Prinzipien vergisst, ist man nicht besser, als all die anderen Parteien.
klaus aus dem haus
13-10-09 12:44
ich versteh das jamaika geschrei nicht. erst mal abwarten... ich wähle seit jahren schon schwarz/grün.. ist für mich persönlich die beste alternative..und wenn sie mit ihren parteiprogrammen kompromisse gefunden haben, warum nicht..realpolitik ist wichtig und nicht die augen vor alten/neuen dingen zu verschliessen..und wieso auf bundesebene keine alternative(das hält doch die schwarzen im zaum)..öffnet euch , damit was verändert wird und nicht immer wieder diese veralteten parolen... gruß geht raus
Lothar Kemmerzell
13-10-09 12:09
Grüne machen Realpolitik, was wundert ihr euch da, dass sie nicht Gesinnungslinke sind, sondern zugreifen, wenn sie ihre Ziele realisieren können? Ich wähle doch eine Partei wegen ihrer Inhalte und nach allem was ich bisher gelesen habe wurden hier Grüne Positionen durchgesetzt. Wenn wir GRÜNE Inhalte mit demokratischen Parteien durchsetzen können, sollten wir uns nicht verweigern. Und auf Oskars Zuverlässigkeit konnte man noch nie bauen.
Auf die Fakten kommt es an - und da sag ich: Abwarten, beobachten und gezielt kritisieren!
Wenn sich die angekündigten Programmpunkte auch real durchsetzen lassen sollten wir froh sein.
Michael Scheier
13-10-09 11:01
Die Saarland-Entsheidung soll mit dem Bund nichts zu tun haben? Dass ich nicht lache. Die einzige Chance, dem Durchregieren auf Bundesebene in den nachsten č Jahren noch etwas entgegenzusetzen, ist WIderstand in den Laendern. Und da sehe ich die Gruenen in den Laendern auf einem fatalen Weg, wenn sie sich fuer jede Koalition offenhalten. Fuer mich jedenfalls heisst das: bis auf Weiteres keine Stimme fuer die Gruenen. Denn ich will nicht, dass meine Sympathie fuer die Gruenen fuer solcherlei Experimente missbraucht wird. Und Ihr werdet bei den naechsten Wahlen merken, dass noch viel mehr Leute diese Taktiererei, wie jetzt auch in NRW, nicht zu unterstuetzen gewillt sind.
elvis
13-10-09 10:58
15 Jahre wählen. 15 Jahre habe ich dabei die Grünen gewählt, als linke Partei, als Alternative zu den bestehenden Parteien. Ich habe Hamburg für einen Betriebsunfall gehalten. Jetzt kommt Saarland. Ich kann in meinem linken Gewissen keine Partei wählen, die mit der CDU, den Konservativen, der Partei von Schäuble, Hohmann, Rüttgers, Filbinger, Kohl und Koch paktiert. Mit der Partei der Atomkraft, der Partei der Überwachung, des Schwarzgeldes. Goethes Faust lässt grüßen.

Die Grünen 2009 gehen mit der Linkspartei genauso herablassend hochnäsig um, wie eben die einstmals Etablierten mit den Grünen. Und das soll die Partei sein, an deren Gründung Rudi Dutschke beteiligt war? Als hätte man seine Vergangenheit beerdigt. Eine Alternative waren sie mal, die Grünen, inzwischen gehören sie dem Einheitsbrei, rechts von links, an. Vielleicht gebe ich das Wählen nun ganz auf. Denn eine Partei, wie früher die Grünen, die gibt es nicht mehr. Wirklich schade.
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