Eine anrüchige Spende

Die FDP und CSU stehen im Verdacht gegen Millionen-Spenden aus der Hotellerie die Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen gesenkt zu haben. Wir haben unseren Schatzmeister zur Rechtmäßigkeit und Notwendigkeit von Spenden interviewt.

Bundesschatzmeister Dietmar Strehl

Hast Du nicht auch schon mal von einer Millionen-Spende geträumt?

Natürlich träumt der Schatzmeister davon, mehr Geld in der Kasse zu haben. Ich glaube dennoch, wir hätten die Spende nicht angenommen. Diese Größenordnung ist diskussionswürdig.
Die Frage ist ja: Womit verdienen Unternehmen Geld, dass sie so viel Geld als Spende an Parteien geben können? Meiner Meinung nach gibt es irgendwann einen Qualitätssprung, den man nicht vertreten kann. Es ist doch eigentlich unvorstellbar,  dass ein Unternehmen eine Million übrig hat, um sie an eine Partei rauszugeben.

Was ist denn an dieser FDP-Spende verwerflich?

Es ist offensichtlich gesetzlich nichts falsch gelaufen. Die Spende ist veröffentlicht worden, so wie wir das gefordert haben. Dass Spenden über 50.000 Euro direkt nach Erhalt veröffentlicht werden müssen, ist eine Grüne Idee, die wir in das Parteiengesetz eingeführt haben. Aber der direkte Zusammenhang mit dem gesetzgeberischen Verfahren ist anrüchig.

Dieser Verdacht der Bestechlichkeit ist Gift für die Demokratie. Deswegen fordern wir Grüne eine Höhenbegrenzung von Spenden, die unter 100.000 Euro liegen sollte.

Was ist der Unterschied zwischen einer großen Spende der Hotellerie an die FDP und den vielen Spenden der Betreiber der Erneuerbaren Energien an die Grünen?

Die Grünen sind eine Lobby für eine vernünftige Energieform in Deutschland. Seit Gründung der Grünen ist das eines unserer inhaltlichen Hauptthemen. Wir treten seit Jahren öffentlich dafür ein, dass die Energieversorgung von Atom und Kohle hin zu den Erneuerbaren Energien geht. Dass Unternehmen diesen Weg unterstützen, finde ich nur konsequent. Das merkwürdige Gesetz, das die FDP mit auf den Weg gebracht hat, ist hiermit nicht vergleichbar.

Die Partei "Die Linke" sagt, Spenden sollten prinzipiell abgeschafft werden. Sind Unternehmensspenden prinzipiell schlecht?

Viele Grüne haben in unserer Gründungsphase und insbesondere nach der Flick-Affäre gesagt, wir sollten Unternehmensspenden verbieten. Das war damals Konsens innerhalb der Partei. Auch aufgrund Grüner Klagen gab es dazu mehrere Verfahren in Karlsruhe zur Parteienfinanzierung. Die Richtersprüche haben alle bestätigt, dass das Verbot von Spenden mit der Verfassung schwierig in Einklang zu bringen ist.

Dabei ist die Abgrenzung das Problem. Beispielsweise kann eine Anwaltskanzlei sich als GmbH  oder auch als "Gesellschaft bürgerlichen Rechts" definieren. Das heißt die einen können spenden, die anderen nicht.

In den ganzen Diskussionen über Parteiengesetzreformen, an denen auch viele Fachleute außerhalb von Parteien teilgenommen haben, ist herausgekommen: der richtige Weg ist die Transparenz. Man muss also klarmachen, wo das Geld herkommt.

Verbote würden dazu führen, dass Umwege gesucht werden. Was letztlich viel schädlicher ist für die Parteiendemokratie.

Die SPD finanziert sich zu einem großen Teil aus ihren Medienbeteiligungen. Was hältst Du von dieser Form der Parteienfinanzierung?

Entscheidend ist, dass es klar ist, wo die SPD beteiligt ist. Dann kann der Leser selber entscheiden, ob er sie kaufen und lesen will oder nicht. Dass die Medienbeteiligung transparent dargestellt wird, das ist auch ein Ergebnis der rot-grünen Parteiengesetzreform 2002. Insofern ist auch hier der richtige Weg die Transparenz und nicht das Verbot von Beteiligungen.  

Vergleichen wir mal die Spendeneinkommen der Parteien zum Bundestagswahlkampf. Sind BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN benachteiligt?

Grüne und SPD sind bei den Unternehmensspenden benachteiligt. Die Größenordnungen der Spenden, insbesondere bei der CSU aber auch bei der CDU und FDP, sind deutlich höher als bei uns.

Wir reden bei CDU von zehn bis fünfzehn Millionen in Wahlkampfjahren. Bei uns sind es, wenn es hochkommt, 600.000 bis 700.000. Dieser Unterschied ist auch nicht angemessen im Vergleich zu der Kraft der Partei. Laut aktuellen Umfragen sind wir bei 15 Prozent und die CDU bei 30. Das ist natürlich eine riesige  Benachteiligung.

Dieselben Parteien, die mit den hohen Unternehmensspenden privilegiert werden, haben bisher versäumt, die Erhöhung der absoluten Obergrenze zu beschließen. Es ist auch von den Verfassungsrichtern empfohlen worden, dass aufgrund der Inflation die Parteien regelmäßig mehr Geld vom Staat bekommen müssen. Diese Angleichung ist aber in den letzten acht Jahren nicht mehr gemacht worden. Wäre sie gemacht worden, hätten die Grünen jetzt jedes Jahr eine Million Euro mehr in der Kasse.

Warum spenden Unternehmen überhaupt?

Wind- und Solarunternehmen finden die Grüne Politik gut und Spenden an die GRÜNEN. Banken finden es gut, den konservativ-liberalen Weg zu gehen, deswegen geben die Banken mehr an die CDU/CSU und die FDP.

Aber ich traue auch vielen Unternehmen zu, dass sie meinen, es ist auch insgesamt hilfreich, wenn Parteien die politische Debatte führen. Unternehmen haben auch ein Interesse daran, dass die Gesellschaft funktioniert. Überspitzt gesagt, haben Banken nichts davon, wenn in Deutschland das Chaos ausbricht. Darum haben die natürlich auch Interesse daran, wenn Parteien vernünftig finanziert sind.

Parteien dürfen nicht nur von Wahlergebnissen abhängen. Früher gab es für jede Wahl eine Wahlkampfkostenerstattung. Heute gibt es eine staatliche Grundfinanzierung, die aber nur fünfzig Prozent der Einnahmen ausmachen dürfen. Die Parteien müssen sich also selbst damit beschäftigen über Spenden oder Beiträge Geld rein zu holen.Es ist also ein Auftrag der Richter, dass die Parteien Eigenfinanzierung erreichen müssen, damit sie die gewünschte Staatsferne haben.

Wenn die Parteien jetzt nur noch vom Staat abhängig wären, dann hätte das ja auch eine andere Auswirkung auf die Gesellschaft. Jetzt müssen wir noch mehr an den Transparenzregeln feilen. Da gibt es Verbesserungsvorschläge aus dem Europarat oder von " Transparency International", die wir teilen.

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Spenden mit Folgen

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Kommentare

Chris
26-01-10 19:22
Am lautesten schreien immer die, die nichts bekommen: keine finanzstarke Lobby = keine hohen Spenden = lautes Geschrei - diese Debatte ist arm, zumal augenscheinlich alles gesetzkonform abgelaufen ist
ufobam
24-01-10 10:35
Geldannahme ist Vorteilsnahme zu Gunsten der Spender. Ein potentieller Spender begünstigt nur solche Parteien, von denen er sich etwas bestimmtes erhofft. Deshalb bedeutet die Annahme einer Spende für mich eine indirekte Bestechung. Dabei spielt es keine Rolle, ob Spenden von Organisationen oder von einzelnen Personen kommen. SPENDEN AN POLITISCHE PARTEIEN sollten verboten werden. Nur die Wähler sollten bestimmen, welche von den politischen Angeboten der Parteien das Rennen macht; alles Andere ist direkte Einflussnahme der Spender auf die Wahlen. Als Mitglied der Partei Bündnis 90 - Die Grünen bin ich gegen die Annahme jeder Spende, auch die der Energiewirtschaft.
ex grün
22-01-10 21:27
Lächerlich was Sie da von sich geben.
Leut wie Fischer die Hand in Hand mit der Atomlobby zusammen arbeiten.......denen traut man noch einiges mehr zu als ein paar Spenden zu nehmen!
Die Geünen unterscheiden sich nicht mehr von
CDU/CSU FDP/SPD halt eine völlig angepasste Partei.
Und deshalb kann und will ich nur noch die einzige Alternative wählen....Die Linke.
Gute Besserung ihr Grünen und viel Glück im Saarland.By
Christian Szameit
22-01-10 19:55
Im Saarland herrscht Hartmut Ostermann als Hotel- und Altenheimbetreiber ähnlich wie ein bekannter italenischerMinisterpräsident.Er hält ein gutes Verhältnis zu allen Parteien.Die jeweiligen Spitzen aus den Parteien waren zuvorin seinem Unternehmen beschäftigt.Auch der Spitzenkandidat der Grünen.Mit solchen persönlichen Kontakten ist so einiges denkbar. Der moralische Zeigefinger ist hier wohl eher unangebracht. Im Saarland mischen sie alle mit, bis aufdie Linken- weil man sie nicht mitspielen läßt.
22-01-10 17:38
Ihr grünen kriegt doch selbst Spenden, zB von der Allianz, wo ist das Problem?
Die Linke ist die einzige im Bundestag die nichts kriegt.
Eine Schande!
22-01-10 13:38
Wieder einmal wird offensichtlich, wie die FDP eigentlich funktioniert: Zum Wohl ihrer Großspender ändert
sie Gesetze und macht damit dreiste Lobbypolitik. Die Spende des Hotel-Unternehmers spült der FDP rund
eine Million Euro in die Parteikasse. Die Steuerausfälle durch den reduzierten Mehrwertsteuersatz bei
Hotelübernachtungen kosten den Steuerzahler rund eine Milliarde Euro im Jahr. Diese Dimension macht klar,
dass die FDP nur ihr eigenes Wohl und das ihrer Klientel im Auge hat. Niemand sollte sich wundern, wenn
die Politikverdrossenheit immer größer wird und die Demokratie immer weniger Anhänger hat.

Aus meiner Sicht kann die Lösung für dieses unverschämte Verhalten der Liberalen nur heißen: Das
Parteiengesetz muss geändert werden. Firmenspenden an Parteien müssen verboten werden. Nur so kann Politik
zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger gemacht werden. Ein Vorbild ist hier die Ökologisch-Demokratische
Partei (ödp): Sie nimmt per Satzung keine Konzernspenden an und kann so unabhängig Politik gestalten.
22-01-10 13:31
Wir müssen Spenden durch Unternehmen an Parteien verbieten. Egal welche Höhe. Die Parteien vertreten sonst nicht mehr den Willen des Vokes sondern einzelner Geldhaie. So wie bei der FDP, denen es ja nur darum geht wie sie für Unternehmen für die sie ja als lobbyisten stellvertretend im Bundestag sitzen möglichst bequeme Gesetze zu schaffen für Gewinnmaximierung, Steuerbegünstigung etc. Diese Partei ist eine Schande. Jedoch nehmen auch andere Parteien spenden an. Ich wünschte mir dass die Grünen sich ähnlich stark für diese Verbot wie z.B. die ÖDP einsetzt. Heute stärker wie früher muss die FDP auf allen Ebenen wo es nur geht bekämpft werden!
realist
22-01-10 11:06
eine reine neiddebatte! gestückelt oder am stück, von unternehmen der branche x oder y - jede auch so kleine spende, jeder mitgliedsbeitrag unterstützen die parteien in ihrer politischen richtung. wer sich mehr für unternehmen engagiert, bekommt deren aufmerksamkeit... wo liegt also wirklich das problem!? ich finde diese ganze debatte derart lächerlich. oder aber seien sie froh über die "neiddiskussion"! denn schließlich provitieren ja nur die grünen bei diesem thema... siehe umfragen!
Emma
22-01-10 09:56
Spenden führen dazu, dass Politiker abhängig werden und das heißt, es ist schlicht Korruption. Diese sollte unterbunden werden, indem alle Parteien den gleichen Betrag vom Staat erhalten und darüber hinaus wie normale Beamte auch, nichts annehmen dürfen. Nur Transparenz zu fordern, reicht nicht.
Veronika
21-01-10 19:46
Bin ja mal gespannt, ob die niedrigere Mehrwertsteuer auch bei den Gästen ankommt, preismäßig. Ansonsten verpufft jeglicher Anreiz für die Tourismusbranche. Jedenfalls wäre die Spende nicht notwendig gewesen, weil andere Länder in Europa ebenfalls die Steuer senken, und deswegen ein Wettbewerbsnachteil in Deutschland vermieden werden musste.
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