Rot-Grün ist an Wowereit gescheitert

Trotz großer Kompromissbereitschaft auf grüner Seite sind die Koalitionsverhandlungen mit der SPD in Berlin heute gescheitert. Klaus Wowereit habe deutlich gemacht, dass er Rot-Grün von Anfang an nicht wollte, erklärt Daniel Wesener, Landesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Berlin. Von den Koalitionsverhandlungen mit der SPD berichtet er im Interview und verdeutlicht, dass die Grünen zu schmerzhaften Zugeständnissen bereit gewesen seien, etwa beim Weiterbau der A100. Auswirkungen auf rot-grüne Bündnisse in anderen Bundesländern befürchtet Wesener aber nicht.

Daniel Wesener, Landesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Berlin

Gruene.de: Gestern noch haben sich GRÜNE und SPD beim Sondierungsgespräch in die Augen geschaut und die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen beschlossen. Heute vormittag platzten diese nach nur einer Stunde. Was ist denn über Nacht passiert?

Vermutlich gar nichts. Heute ist nur noch einmal ganz deutlich geworden, dass Klaus Wowereit Rot-Grün in Berlin nicht will und von Beginn an nicht wollte.

Im Wahlkampf haben die Grünen gegen die Verlängerung der Stadtautobahn A 100 Wahlkampf gemacht, die SPD dafür. War denn ein Kompromiss überhaupt möglich?

Ja, ein Kompromiss wäre möglich gewesen. Wir haben uns in den letzten beiden Wochen Schritt für Schritt aufeinander zu bewegt und als Grüne heute nochmal deutlich gemacht, dass wir zu sehr schmerzhaften Zugeständnissen bereit gewesen wären.

Wie hätte das konkret aussehen können?

Auf dem Tisch lag ein Kompromiss, der vorsah, dass wir die Entscheidung über den Weiterbau der A 100 erst in 2014 fällen, also auf eine neue Bundesregierung und ihre Bewertung warten. Sollte es auch zu diesem Zeitpunkt nicht möglich sein unserer Ziel zu erreichen, die Mittel vom Neubau in den Erhalt und die Sanierung bestehender Straßen umzuschichten, dann wären wir unsererseits als Grüne bereit gewesen, einer teilweisen Verlängerung zuzustimmen. Die Autobahn endet zur Zeit am Autobahndreieck Neukölln und wir haben das – für uns sehr, sehr schmerzhafte - Zugeständnis gemacht, wir würden eine Verlängerung und dem Abschluss der Autobahn an der Sonnenallee mittragen.

Und das hat Klaus Wowereit nicht akzeptiert?

Wowereit hat uns heute mit der Ansage überrascht, der Weiterbau der A 100, so wie er ihn im Wahlkampf gefordert hat, sei „nicht verhandelbar.“ Nach einer harten und erfolgversprechenden Kompomiss-Suche war das die komplette Rolle rückwärts. Worüber haben wir mit der SPD eigentlich die ganze Zeit verhandelt?

Ist damit Rot-Grün in Berlin wirklich an drei Kilometern Autobahn gescheitert?

Rot-Grün ist nicht an der  A100 gescheitert, schon gar nicht an den Grünen, und wohl auch nicht an der Mehrheit in der SPD. Gescheitert ist eine mögliche Regierung der ökologisch-sozialen Modernisierung einzig und allein an Klaus Wowereit. Er wollte offenbar von Anfang an mit der CDU regieren und uns dafür die Schuld in die Schuhe schieben.

Was hat Wowereit denn gegen Rot-Grün?

Da können wir nur spekulieren. Vielleicht vertraut er seiner Fraktion angesichts einer knappen Zweistimmenmehrheit nicht ausreichend. In der Berliner SPD gibt es zur Zeit erhebliche Turbulenzen, es toben heftige Flügelkämpfe. Vielleicht waren wir Grüne ihm aber auch einfach zu selbstbewusst. Wowereit weiß, dass wir nicht einfach die Linkspartei als devoten Partner in einer Koalition ersetzen würden.

Die Mehrheit in der SPD will Rot-Grün. Kann die Basis den Bürgermeister noch zur Vernunft bringen?

Das politische Prinzip von Klaus Wowereit heißt „Ich“ und dann kommt ganz lange nichts. Er regiert in Berlin schon seit vielen Jahren nach der Maßgabe: Ich entscheide alleine und das auch ohne Rücksicht auf die Partei. Eine knappe Mehrheit in der Berliner SPD ist zum Beispiel gegen den Weiterbau der A 100! Wenn sich die SPD-Basis und die Fraktion in so einer entscheidenden Frage nicht durchsetzen können, dann ist das traurig, insbesondere für Berlin. Aber letztendlich muss die SPD entscheiden, welchen Weg sie einschlagen will.

Was würde Berlin denn jetzt mit einer Großen Koalition blühen?

Berlin droht zum einen die Rückkehr in die 90er Jahre, als eine Große Filzkoalition der Stadt den Bankenskandal und Milliardenschulden beschert hat. Zum anderen droht eine Regierung, die all die anstehenden Herausforderungen und zu lösenden Probleme nicht anpackt. Bezahlbare Mieten, ökologischer Umbau, bessere Bildungschancen, mehr Beteiligung und Transparenz usw. – man muss davon ausgehen, dass Rot-Schwarz hier nichts bewegen wird.

Es waren für dich die ersten Landeskoalitionsverhandlungen, wie hast du die Gesprächsathmosphäre erlebt?

Es waren überwiegend konstruktive und vertrauensvolle Gespräche. Das gilt für alle Beteiligten, bis auf eine Person. Klaus Wowereit hat bei der A100, aber auch bei vielen anderen Fragen immer wieder deutlich gemacht hat, dass er keine Kompromisse will. So hat er völlig selbstherrlich die Ernennung eines neuen Polizeipräsidenten vorangetrieben, obwohl klar ist, dass da ein möglicher Koalitionspartner ein Wörtchen mitreden muss. Er hat über zwei Wochen versucht, die Grünen zu demütigen und uns das Rückgrat zu brechen. Eine Koalition kann aber nur auf gegenseitigem Respekt, Verlässlichkeit und der Bereitschaft zum Kompromiss basieren!

Welche Auswirkungen hat denn das Scheitern von Rot-Grün in Berlin auf andere Bundesländer oder auch im Bund?

Ich sehe da erst mal keine Auswirkungen, denn Klaus Wowereit ist nicht die Berliner SPD. Er ist schon gar nicht die SPD in anderen Landesverbänden oder die SPD im Bund, und das ist auch gut so.

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Mit wem will Wowereit?

Renate Künast hat sich klar gegen eine gemeinsame Arbeit mit der CDU ausgesprochen. Aber mit wem würde die SPD nach einem Wahlsieg am 18. September in Berlin regieren wollen?

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Der Bär bekommt grüne Beine

Der Trend geht weiter nach oben: In Berlin erzielen die Grünen das beste Ergebnis aller Zeiten.

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30 grüne Jahre (21): Joschka Fischer über die rot-grüne Bundesregierung 1998

Joschka Fischer über Lust und Last des Regierens, Schlafmangel im Dienst und die Haltung als Außenminister. Teil 21 der "Grünen Geschichte(n)".

1999 - 2002

Regierungsbeteiligung auf Bundesebene: 1999 - 2002

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Grün stärken - damit sich was ändert!

Schwarz-Rot muss weg, Schwarz-Gelb darf nicht kommen. Unsere Spitzen machten deutlich, warum es jede grüne Stimme braucht

Kommentare

Dirk
07-10-11 08:54
Nein Nachrichten, ihr habt nicht Recht. Wer nach der Wahl hält, was er vor der Wahl verspricht, ist nicht gedemütigt - sondern gestärkt! Das wird sich langfristig positiv Richtung schwarz-grün auswirken und das ist notwendig, da die Sozis gerade wieder einen wichtigen Teil an eine neue Partei verlieren :-)
Unverständlich
06-10-11 23:40
Nicht nur das Wahlergebnis sondern auch die Umfragen von Forsa, etc. haben gezeigt, dass sich die Mehrheit der Berliner eine Rot-Grüne Regierung wünscht. Auch wenn es in dem Artikel bestritten wird dreht sich doch auch in Selbigem alles nur um den Ausbau der A100. Ich finde es sehr schade, dass ein solches Tema über die Wünsche der Bevölkerung gestellt wird und die Bildung einer Rot-Grüne Regierung zerschlägt!!!

SCHADE!!!!
Daniel
06-10-11 21:00
Gruen gruen gruen
sind alle meine Gedanken,
Gruen gruen gruen
ist alles was ich hab
Darum muss auch alles was nicht gruen ist
durch die ZENSUR herausgefiltert sein.
Filter , Filter ,....
Gruen gruen gruen.....
Christian
06-10-11 20:33
Berlin ist doch einmal ein Zeichen, dass man sich
nicht Alles gefallen lässt von substanzlosen
Betomköpfen wie Klaus Wowereit
Daniel
06-10-11 20:32
Nachdem einige Berliner im letzten Jahr die Umfragen fuer die Gruenen gesehen haben, mit Frau Kuenast als Spitzenkandatin, haben Sie versucht Gruen zu verhindern:
1. Keine regierende Buergermeisterin
2. Keine Koalition.
Genauer: Leute die vorher jahrelang SPD gewaehlt haben, waehlten auf einmal die CDU oder die Piraten. Das Projekt war erfolgreich. Gruen ist RAUS.
JWD
06-10-11 20:22
Danke Hamburger. Man muß schon ganz schön arrogant sein, wenn man ununterbrochen laut tralötet, daß man auf keinen Fall den Weiterbau toleriert und Die SPD sich bewegen muß und sich dann wundert, wenn der Partner nicht mehr mitspielt. Die Kommentare der "bösen Frau" schrecken nur ab. Schade die selbsternannten Gutmenschen sind leider nicht politikfähig.
Daniel
06-10-11 20:10
Nachdem die Grünen in Rheinland-Pfalz sehr enttäuscht haben, indem sie der Autobhnbrücke über die Mosel zugestimmt haben, denn wegen der Ablehnung der Brücke sind sie ja gewählt worden, haben sie in Berlin zum Thema Autobahn wieder gepunktet. Im Beisein der Piraten würden die Grünen an diese noch mehr Stimmen verlieren, wenn sie kein grünes Profil zeigen.
Stefan
06-10-11 19:13
prima, endlich mal ne Partei, die das tut, was sie im Wahlkampf sagt, das fehlt unserem Land ja leider schon immer.
Weiter so!
Karl
06-10-11 18:54
Ja ja,

ein Hartz4 Empfänger kenn das Lied:

"Wer hat uns verraten ... "

obwohl Hartzer ja auch den nächsten Refrain kennen

"Und wer war dabei ... die Bio - Eier - Polizei"

So kriegt es denn die SPD hin:

FDP raus
Gruene praktisch wertlos (ausser vielleicht ein paar Mandate für den oder den oder die - sich noch so trefflich im Pelz zeigten)

Bravo, dass Ihr auch so "Un - Link" wart.
Die Spd dankt Euch das.

Und Pirat
-als ich noch gruen wählte, kamt Ihr noch in Wollsocken-

seit Ihr auch nicht.

Give up the fight.

EUER ENDE ist eingeleutet.

Das der Partei.

Politisches Hartz4 - Opposition vor Ever.

Bis Eure Nachkommen auch bei Ebay gebrauchte Hosen kaufen.

Einfach genial, die SPD.
Hamburger
06-10-11 17:14
Die Koalitionsgespräche sind wohl eher an der vollkommenen ideologischen Sturheit der Berliner Grünen und insbesondere einer kindisch, trotzigen Frau Künast gescheitert. Diese Steilvorlage musste jemand wie Wowereit doch annehmen.
Kommentar

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