Lebenswert und grün

Zukunftsforum: "Aufgaben und Herausforderungen der Kommunen". Demografischer Wandel, Finanz -und Wirtschaftskrise, sinkende Wahlbeteiligungen bis hin zur Legitimationsgrenze, immer stärker eingeschränkte finanzielle Handlungsfähigkeit bis hin zur Zwangsverwaltung - die kommunalen Problemlagen sind vielschichtig.

Im Freiburger Rathaus sitzt der grüne Oberbürgermeister Dieter Salomon. Foto: pilot_micha/flickr.com (CC BY-NC 2.0)

Immer öfter zeigt sich, dass unausgegorene und nicht ausfinanzierte Gesetzesvorhaben auf Bundes- und Landesebene auf dem Rücken der chronisch klammen Kommunen ausgetragen werden. Die kommunale Daseinsvorsorge gerät immer stärker in das Spannungsfeld von Privatisierung und Re-Kommunalisierung, während das Leistungsfeld der "Daseinsvorsorge" immer weiter auszudünnen scheint. Kürzungen und Schließungen von Sportstätten und Bibliotheken, bis zu Theatern, sind einerseits finanziell häufig unabwendbar und andererseits der spürbarste Verlust an kulturellen Bildungschancen und Lebensqualität für die Menschen. Dabei sind Kultur und Kreativwirtschaft gleichzeitig wichtige Motoren auch für die wirtschaftliche Entwicklung gerade in den Städten. Darüber wollen wir in dem Forum diskutieren.

Demografischer Wandel und soziale Ungleichheiten prägen heute oft schon das Gesicht unserer Kommunen fast genau so stark, wie es im letzten Jahrhundert Industrialisierung und die Folgen der Weltkriege getan haben. Und nicht zuletzt finden sich heute Kommunen in einem europäischen Kontext wieder, der nicht nur Dienstleistungsrichtlinie und Fördermittel mit sich bringt, sondern auch europäische Richtlinien, europaweite Ausschreibungen und auch integrations- und wirtschaftspolitische Fragen, die sich so vor einigen Jahren noch nicht stellten. Wir wollen auch über demokratische Mitbestimmung sprechen, die gerade vor Ort sehr praktische Auswirkungen haben kann (Stichwort Bürgerhaushalte), aber selten umgesetzt wird.

Unsere Kommunen lebenswerter machen heißt auch, Nachhaltigkeitskonzepte im Sinne der lokalen Agenda 21 weiterzuentwickeln und als Grüne best practice Beispiele zu diskutieren. Schließlich soll es in dem Forum auch um die bilateralen und multilateralen Außenbeziehungen zwischen Städten und Gemeinden gehen, auf europäischer Ebene und darüber hinaus (Bsp. Internationale Städtepartnerschaften).

Die angerissenen Themenfelder zeigen den breiten Problembereich auf, für den wir grüne Handlungsoptionen brauchen, die noch nicht an allen Stellen weit genug gediehen sind, um auf die vor den Kommunen liegenden Probleme Antworten zu geben. Zum Teil sind auch widerstreitende Konzepte auf dem "grünen Meinungsmarkt" - nicht verwunderlich jedoch, wenn man sich die unterschiedlichen Herausforderungen vor Augen führt.

Das Zukunftsforum "Aufgaben und Herausforderungen der Kommunen" stellt sich die Aufgabe, ein "Leitbild für nachhaltig handlungsfähige grüne Kommunen" zu entwickeln, das lebenswerte und überlebensfähige Kommunen beschreibt und Handlungsoptionen und -felder aufzeigt.

Die konkreten Fragestellungen und Aufgabenfelder werden wir in der Gruppe herausarbeiten und in einem virtuellen open-space zur Debatte stellen, zu dem wir breit einladen werden.

 

Mitglieder des Zukunftsforums "Aufgaben und Herausforderungen der Kommunen":

Marlies Bredehorst
Horst Becker
Manfred Busch
Sabine Drewes
Britta Hasselmann
Rita Hermann
Antje Kapek
Eva Leipprand
Steffi Lemke (Co-Chair)
Karo Linnert
Willfried Maier
Carsten Meyer
Klaus-Peter Murawski
Ursula Nonnemacher
Cem Özdemir (Co-Chair bis Dezember 2010)
Wolfgang Pohl
Paula Riester
Heide Rühle
Dieter Salomon
Daniela Schneckenburger
Dietmar Strehl (Co-Chair ab Dezember 2010)

 

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Wie verbindet sich für uns Grüne eine ökologische Wirtschaftsweise und nachhaltiges Wachstum mit den Erfordernissen von sozialer Gerechtigkeit?

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30 grüne Jahre (25): Grüne Kommunalpolitik

Sie kämpfen gegen Haushaltslöcher, für freie Theater und Kindertagesstätten. Wir haben sieben grüne Bürgermeister nach der Zukunft der Kommunen befragt. Teil 25 der "Grünen Geschichte(n)".

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Dieter Salomon

Wir haben sieben Bürgermeistern aus sechs Bundesländern einen Fragebogen geschickt.

Kommentare

Philipp Schmagold
06-09-10 10:14
Wie ich anlässlich meiner Dissertation zur "Aktivierung kommunaler Nachhaltigkeitspotentiale in den Bereichen Ernährung und Energiewirtschaft" festgestellt habe, sind zentrale Faktoren für die Entwicklung der kommunalen Energiewirtschaft thematisch aktive Menschen in der Kommunalpolitik oder in der Gemeinde und ausreichende Finanzen. Dabei gibt es auch trotz leerer Kassen alternativ für die Gemeinden die Möglichkeit der zusätzlichen und zweckgebundenen Kreditaufnahme, diese wird aber in 'blockierten' oder 'sich blockierenden' Gemeinden vermieden, da man schon für den allgemeinen Haushalt Millionenbeträge aufnehmen muss. Dabei rechnet sich die Photovoltaikanlage auf dem Turnhallendach dank EEG sogar rein betriebswirtschaftlich.

Das Thema nachhaltige Ernährung (Förderung lokaler Absatzwege, regional-biolobische Verpflegung in den Kindergärten usw.)wird demgegenüber von Gemeinden (Bürgermeister, Gemeindevertreter usw.) bisher nicht als ihre (Teil-)Aufgabe angenommen. Dabei ist auch hier die Etablierung regionaler Wirtschaftskreisläufe mit allen damit verbundenen positiven Wirkungen möglich.

Philipp Schmagold
-Fraktionsvorsitzender Bündnis 90 / Die Grünen in Witzenhausen
-Magister Artium der Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschafts- und Sozialgeographie
-Doktorand an der Universität Kassel zur nachhaltigen Energiewirtschaft und Ernährung
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