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Sechs Tage vor der Landtagswahl hat Katrin Göring-Eckardt der Agrarpolitik des Merkel-Kabinetts eine scharfe Absage erteilt. „Tiere werden unter fürchterlichen Bedingungen in riesigen Ställen gehalten. Fleisch wird produziert, das hat mit Landwirtschaft nichts mehr zu tun“, sagte sie.
„Die Politik der Bundesregierung, die einseitig auf Größe, Wachstum und immer mehr Leistung setzt, ist gescheitert“, heißt es auch in einem Parteiratsbeschluss von diesem Montag. Insbesondere in viehstarken Regionen wie Niedersachsen entstünden immer neue Agrarfabriken und Mega-Ställe.
Erst in der vergangenen Woche hatte die Heinrich Böll Stiftung in ihrem „Fleischatlas“ auf den enormen Fleischkonsum der Deutschen hingewiesen: Demnach isst jeder Deutsche pro Jahr 60 Kilo Fleisch, in einem Leben sind das im Schnitt 945 Hühner, 46 Puten, 46 Schweine, 37 Enten, 12 Gänse, sowie je vier Rinder und Schafe.
Unter dem Motto „Wir haben es satt“ demonstrieren am Samstag in Berlin Umwelt-, Tierschutz- und Verbraucherverbände, Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit und alternativen Bauernverbände gegen die Agrarindustrie. Parallel beginnt an diesem Freitag in der Hauptstadt die Internationale Grüne Woche, die weltweit größte Messe für Ernährung und Landwirtschaft.
Von Nutztieren werde immer mehr an Leistung und Wachstum verlangt. So habe sich die durchschnittliche Milchleistung je Kuh in den vergangenen 20 Jahren um fast 50 Prozent auf über 7200 Liter pro Jahr gesteigert. Sauen werden so gezüchtet, dass sie mehr Ferkel gebären, als sie Zitzen zum Säugen haben, Tageszunahmen von bis zu 1.000 Gramm pro Tag und mehr sind bei Mastschweinen Realität.
„Wir brauchen eine artgerechte Tierhaltung, ein echtes Tierschutzgesetz und eine andere Fleischproduktion in Deutschland“, sagte Göring-Eckardt. Dazu gehöre auch ein geringerer Fleischkonsum - „und, dass das Fleisch nicht mehr derartig billig ist“, sagte die Grünen-Spitzenkandidatin.
Neben der nachhaltigen Landwirtschaft thematisierte Göring-Eckardt die Notwendigkeit einer echten Energiewende, die Forderung nach einem Mindestlohn von 8,50 Euro, die steuerliche Gleichstellung homosexueller Paare und die Abschaffung der Studiengebühren. Wer in Niedersachsen GRÜN wählt, wähle auch die Studiengebühren ab.
"Wer Schwarz-Gelb beenden will, muss wählen gehen“, betonte Göring-Eckardt mit Blick auf die Landtagswahl in Niedersachsen. „Wer am Sonntag nicht zur Wahl geht, darf sich nicht wundern, wenn am Montag die FDP immer noch in der Regierung ist – und damit Studiengebühren, schlechte Bildung und Massentierhaltung weitergehen."
Beschluss des Parteirates, 14. Januar 2012