Ja zum schnellen Atomausstieg

Der Leitantrag des Bundesvorstands „Energiewende in Deutschland – Grün geht voran“ wurde auf dem Parteitag in Berlin nach einer emotionalen und fairen Debatte angenommen. Die grüne Bundestagsfraktion bekommt damit die Empfehlung, der Rücknahme der Laufzeitverlängerung, der Abschaltung der sieben Altmeiler plus Krümmel sowie den festen Abschaltdaten der restlichen AKW zuzustimmen, aber alles daran zu setzen, das letzte Atomkraftwerk deutlich vor 2022 abzuschalten. Außerdem soll sich die Bundestagsfraktion dafür einsetzen, dass der Atomausstieg ins Grundgesetz geschrieben wird. Merkels Pläne zur Energiewende erteilte der Parteitag als zu unambitioniert eine Abfuhr. Wenn diese Gesetze nicht erheblich verbessert werden, bekommen sie keine Zustimmung der grünen Bundestagsfraktion. Anträge, die auf Ablehnung oder konditionierte Zustimmung plädierten, wurden von der Mehrheit der Versammlung abgelehnt.

  • 15.02.2012
    , Foto: INGO KUZIA
    Die Grünen sind die einzige Partei, die die Basis über die Bewertung von Merkels 180-Grad-Wende entscheiden lässt, sagte Claudia Roth in ihrer Rede zur Antragseinbringung des Bundesvorstands. „Denn wo sitzen denn bitte schön die Energieexperten dieser Republik, die seit über 30 Jahren auf die Abschaltung der Höchstrisiko-Technologie Atomkraft und auf die grüne Energiewende hinarbeiten? Die sitzen hier. Heute. Vor mir! Uns geht es nämlich um nichts Geringeres als um eine ökologische Revolution, den radikalen Umbau der Industriegesellschaft, um Klimaschutz und Klimagerechtigkeit.“
     Foto: INGO KUZIA
  • 01.01.1970
    „Wir sind und bleiben Teil der Anti-Atom-Bewegung“, sagte Gesine Agena. Die Grünen haben einen eigenen Kopf, warum sollten sie einem vermeintlichen Konsens zustimmen, wenn mit der Partei nicht gesprochen wurde. Jeder Tag, den die Atomkraftwerke länger laufen, sei ein Tag zu viel. "Deswegen sagen wir Grünen, so schnell wie möglich abschalten", so die Bundessprecherin der Grünen Jugend. „Wir dürfen der Bundesregierung keinen Blankoscheck ausstellen."
     
  • 01.01.1970
    „Wir Grüne haben Angela Merkel zur Rücknahme der Laufzeitverlängerung gezwungen“, sagte der grüne Bundestagsabgeordnete Toni Hofreiter. Kanzlerin Merkel sei nicht zur Einsicht gekommen, sondern sie habe Angst vor den Grünen, Angst vor der Anti-AKW-Bewegung und Angst vor dem Wähler. „Ich möchte ja sagen können, zur Stilllegung der AKW, zur Rücknahme der Laufzeitverlängerung. Selbstverständlich wollen wir mehr erreichen.“ Bei einer Regierungsbeteiligung 2013 würden die Grünen natürlich nicht mit der Anti-Atom-Politik aufhören und kraftvoll weiterkämpfen.
     
  • 01.01.1970
    „Der Ethikkommission hätte es gutgetan, wenn auch ein Grüner dabei gewesen wäre“, sagte Klaus Töpfer, Mitglied der Ethik-Kommission und ehemaliger Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). „Eine Voraussetzung für Entwicklung ist Energie. Aber in Afrika kommt man nicht auf die Idee, dass Kernenergie die Lösung ist“, so Töpfer. Es sei eine ökonomische Frage, dass Energie dezentral erzeugt werden sollte. „Wir brauchen ein Gemeinschaftswerk“ sagte Töpfer über den Atomausstieg. Wenn wir in Deutschland das Ende der Atomkraft hinbekommen würden, wäre das ein Signal für die Welt.
     
  • 01.01.1970
    Warum werde jetzt in Deutschland die Konsequenz des Atomausstiegs aus der Katastrophe in Fukushima gezogen, fragte der Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin. „Das liegt an der Anti-Atom-Bewegung, an den Umweltverbänden und uns Grünen.“ Die Grünen wollen mit Schwarz-Gelb nicht koalieren, sondern sie rückstandsfrei aus der Regierung entfernen. Doch wenn am Donnerstag abgestimmt werde, muss jeder, der für 2017 ist, für 2022 stimmen, denn sonst stimme man für das Ausstiegsjahr 2040. „Lasst uns den kommenden Donnerstag einen Gründonnerstag machen. Lasst uns zeigen, wer Ausstieg kann.“
     
  • 01.01.1970
    „30 Jahre haben wir gekämpft, gegen diese Bedrohung der Atomenergie“, sagte der Bundestagsabgeordnete Hans-Josef-Fell. „Nun sind wir einen riesigen Schritt weiter, einen Schritt nach vorne. Das ist der grüne Sieg.“ Bis 2030 gehe es jetzt darum, beim Strom einen Anteil von 100 Prozent Erneuerbare Energien zu verwirklichen, wenn die Grünen ab 2013 wieder grüne Regierungspolitik machen. Und dann gehe es auch darum, den europaweiten, weltweiten Atomausstieg zu befeuern.
     
  • 01.01.1970
    „Es wird in Zukunft auch verstärkt darum gehen, wofür wir sind und wie wir die Energiefrage lösen wollen“, sagte Rainer Baake von der Deutschen Umwelthilfe. „Auch wenn im Moment noch viele Fragen offen sind, möchte ich sagen: Wir sind für diesen Kampf gewappnet.“ Die anderen müssten erst noch lernen, wie Erneuerbare Energien funktionieren.
     
  • 01.01.1970
    Die Faszination der Grünen mache für ihn aus, dass sie in dieser wichtigen Frage streite und eine basisdemokratische Entscheidung treffe, sagte der Vorsitzende der Grünen Mecklenburg-Vorpommern, Jürgen Suhr. Nach dem Ausstieg fehle keineswegs das Kernthema der Grünen, vielmehr „ist dies erst der Anfang aus dem endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie.“
     
  • 01.01.1970
    Die atompolitische Sprecherin der Grünen Sylvia Kotting-Uhl verwies auf die Ethikkommission, die nicht den Beginn, sondern das Ende des Ausstiegs im Jahr 2021 gefordert habe. Sie kritisierte auch die überhebliche und arrogante Art, mit der die CDU sich einem breiten Konsens verweigerte. Der schwarz-gelbe Ausstiegsplan sei aber verbesserungswürdig, deshalb bat sie die Delegierten um ein Mandat für Verhandlungen.
     
  • 01.01.1970
    Die grüne Fraktionsvize Bärbel Höhn meinte: „Solange Merkel nicht sagt, die Laufzeitverlängerung war ein Fehler, ist sie nicht glaubwürdig.“ Sie sei nicht der Meinung, dass der vorgelegte Kompromiss ein Konsens sei. Sie selbst habe sich im Länderrat noch für das Ausstiegsdatum 2017 eingesetzt. Aber „Was passiert denn, wenn wir Nein sagen?“ Die Grünen könnten dann nicht glaubhaft vermitteln, wie die Partei es besser machen würde. Die Grünen seien nicht die Partei, die einfach Nein sage, sondern die Partei die zeige, wie es besser geht.
     
  • 15.02.2012
    , Foto: © by Ingo Kuzia
    Astrid Schneider, Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus und Sprecherin der BAG Energie, sagte, dass der Netzausbau für die Erneuerbaren Energien wichtig sei, aber man sich jetzt keine Netzpanik einreden lassen dürfe. „Die Netze hindern uns nicht daran, die Erneuerbaren auszubauen“, so Astrid Schneider.
     Foto: © by Ingo Kuzia
  • 01.01.1970
    Hermann Ott freute sich über die leidenschaftliche, faire Debatte. Er lobte die Analyse des Merkel-Murks im Antrag des Bundesvorstandes, fordert aber ein konditioniertes „Ja, aber nur wenn“ bzw. „Nein, dann eben nicht“. Das Fehlen ambitionierter Pläne im Bereich der Erneuerbaren Energien deutet der grüne Bundestagsabgeordnete als Zeichen dafür, dass Schwarz-Gelb die letzten sechs Atomkraftwerke eventuell gar nicht vom Netz nehmen möchte.
     
  • 01.01.1970
    Rebecca Harms, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europäischen Parlament, warb um Zustimmung für den Ausstiegsplan. Wenn die falsche Regierung das Richtige tue, werde das Richtige dadurch nicht falsch. Mit dem Ausstieg sei jedoch noch längst nicht alles erledigt. Gerade beim Jahrhundert-Problem Atommüll brauche es einen Neuanfang. In diesem Zusammenhang dankte sie dem Ministerpräsidenten Kretschmann.
     
  • 01.01.1970
    Martina Lammers, Kreisvorsitzende der Grünen in Lüchow-Dannenberg, sagte: „Es ist einfach klasse, wie die Sache heute läuft.“ Nirgendwo sonst würde so über ein Kernthema gestritten. Für sie verdiene der Antrag des Bundesvorstandes Applaus, da er gut recherchiert sei. „Wir teilen 85 Prozent des Antrags“, allerdings ziehe sie nicht das gleiche Fazit, meinte Lammers. Ihr Fazit sei eine Ablehnung. „Wir können es einfach nicht verstehen, dass vor ein paar Monaten noch 2017 gesagt wurde.“ Und nun seien kaum Argumente für 2022 gefallen.
     
  • 01.01.1970
    Nach Fukushima sei eine Rückkehr zum rot-grünen Atomkompromiss nicht genug, sagte der grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele. Fünf Jahre längerer Gefahr als notwendig könne man nicht zustimmen. Der Kampf für den Ausstieg 2017 gehe weiter.
     
  • 01.01.1970
    Angela Merkel musste erkennen, dass nicht Schwarz-Gelb für eine sinnvolle Energiewende stehe, sondern wir Grünen, sagte die grüne Fraktionsvorsitzende Renate Künast. „Wir werden Teil einer Anti-Atom-Bewegung sein und bleiben, die begleitet, wie wir Schritt für Schritt für eine erfolgreiche Energiewende kämpfen.“ Die letzten 40 Jahre hätten gezeigt, dass sich Beharrlichkeit auszahle. Deswegen würden die Grünen auch das neue EEG ablehnen. Aber an einer wichtigen Stelle, an der über die Rücknahme der Laufzeitverlängerung entschieden werde, müssten die Grünen ganz klar, „Ja, das wollen wir“, sagen.
     
  • 01.01.1970
    „Die Grünen sind das Maß der Energiepolitik in Deutschland“, sagte der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Größer könne ein Erfolg in der Politik gar nicht sein. „Der Vorschlag ist natürlich nicht zu 100 Prozent grün.“ Aber wenn sich die Grünen als 20 Prozent Partei zu 80 Prozenzt durchsetzten, sei dies ein sehr guter Kompromiss. Mit dem Konsens im Rücken könnten sich die Grünen mit voller Kraft für eine klimafreundliche Energiewende, ohne Rückschritt in die Kohle einsetzen. „Und wir werden sie bestehen, als führende Kraft in diesem Land!“
     
  • 01.01.1970
    „Merkel versucht nun auf einen fahrenden Zug aufzuspringen, doch auf diesem Zug sitzen schon BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und die Anti-Atom-Bewegung. Wir werden dafür sorgen, dass der Zug nicht nur raus aus der Atomkraft, sondern auch rein in die Erneuerbaren Energien fährt.“ sagte der Bundesvorsitzende Cem Özdemir. Für die globale Energiewende, sei es von nicht zu unterschätzender Bedeutung, wenn die viert größte Volkswirtschaft der Welt erfolgreich umsteigt, ohne zur Kohle zurückzukehren.
     
  • 01.01.1970
    Am Ende wurde der Leitantrag des Bundesvorstandes von einer breiten Mehrheit beschlossen. Die politische Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke dankte nach Abschluss des Parteitages für eine faire Debatte und einen tollen Parteitag. Fotos: Ingo Kuzia
     
  • Beschlüsse (vorläufig)

    Energiewende in Deutschland – Grün geht voran (PDF)

    Sicherheit ist nicht verhandelbar (PDF)

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Hundert Prozent Zukunft statt Atomkraft

Erneuerbare, Effizienz und Energiesparen: Das Grüne Energiekonzept.

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Überwachung stoppen!

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Im Angesicht der Katastrophe

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Marktradikalen Spuk beenden

Kein politisches Revival, sondern Inhalte an die Macht bringen: SPD und Grüne betonten gemeinsame Ziele in NRW und Bund.

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Es geht um harte Arbeit

Cem Özdemir sprach in seiner Eröffnungsrede über die Herausforderungen für 2011: Programm weiter entwickeln und Wahlen gewinnen.

Kommentare

28-06-11 16:18
Lieber Moritz, Sie schreiben: "Seid ehrlich, Ihr Grünen, nicht Ihr habt die Laufzeitenverlängerung verhindert, sondern die drei Kernschmelzen in Japan waren es." Ein fundamentaler Irrtum. Wäre dem so, hätten ja alle anderen Länder auch abschalten müssen.
Es sind 40 Jahre Anti-AKW-Bewegung in Deutschland und 30 Jahre Kampf der Grünen, die notwendig waren, um breite gesellschaftliche Mehrheiten zu gewinnen, die Verunsicherung tief ins Lager der etablierten Parteien zu treiben und schließlich, nach Fukushima, auch die Laufzeitverlängerung zu kippen. Merkel hätte sich nie dazu entschlossen, wenn sie nicht von uns allen bis zu diesem Punkt getrieben worden wäre und schließlich, auch aus Machtopportunismus, den Schwenk vollziehen musste, um den Kontakt zu den Bürgern nicht vollständig zu verlieren.

Ihr Beitrag ist exakt ein Symptom dafür, was ich am Ende meines Kommentars (siehe unten) als "Kleingeistigkeit" angesprochen habe: eine fast sektiererische Ängstlichkeit, sich den neuen Machtverhältnissen zu stellen und die Aufgaben zu erkennen, die nun auf die Grünen als führende politische Kraft in der Umwelt- und Energiepolitik zu kommen. Die Aufgaben sind zu groß, als dass wir uns die alten linken Grabenkämpfe (Fundis gegen Realos, die guten Kompromisslosen gegen die bösen Pragmatiker) noch leisten könnten.
Klaus
Moritz
28-06-11 14:21
Wie so oft kann ich die Verlautbarungen der grünen Parteispitze nicht ernst nehmen. Erst für ein Ja zu 2022 plädieren, massiven Druck auf Landes- und Kreisverbände ausüben und mit den üblichen Methoden der Parteitagsregie dafür sorgen, dass bei der selbstgestellten Falle niemand beschädigt wird (außer eben die Basis). Nicht schön, aber so ist es eben. Das gehört wohl zum professionellen Politbusiness dazu. Damit habe ich mich abgefunden.

Aber danach eine mediale Offensive zu starten und vom schnellen Atomausstieg zu posaunen, wo man sich doch gerade vom eigenen Konzept verabschiedet hat, das finde ich frech und ärgerlich und unverständlich! Für die Grünen ist das Thema Atomausstieg ab Donnerstag erledigt, für die Medien auch, der gesellschaftliche Konflikt ist befriedet - bis es in ein paar Jahren wieder los geht mit der Debatte zur Verlängerung des Nichtausstiegs.

Und alles nur, um mal Dafür stimmen zu können und sich für den Merkelschen Atomausstieg feiern können zu lassen? Seid ehrlich, Ihr Grünen, nicht Ihr habt die Laufzeitenverlängerung verhindert, sondern die drei Kernschmelzen in Japan waren es. Dafür braucht Ihr Euch nicht feiern lassen. Der GAU war nicht Euer Verdienst. Jubelbilder im Angesicht der Katastrophe. Harte Kost.

Ich denke ja, die geforderte, erzwungene und verabschiedete Zustimmung zu Merkel ist einer einfachen, aber bitteren Wahrheit geschuldet: Der sogenannte Atomausstieg von 2001 war gar keiner. Die Dinger laufen immer noch und sie werden auch noch lange laufen. Genau wie beim jetzigen "Atomausstieg" von Frau Merkel. Aber da man seitens der Grünen Besitzrechte auf die Marke Atomausstieg erhebt, kann man Merkel das nicht alleine machen lassen und stimmt ihrem Ausstieg - der genausowenig einer ist wie der von Schröder 2001 lieber zu.
Klaus
28-06-11 12:19
Mir kommt in vielen Kommentaren die strategische Komponente des grünen Parteitagsbeschlusses zu kurz. Mit der 180 Grad-Wende des Regierungslagers und mit der Parlamentsmehrheit für den Ausstieg haben die Anti-AKW-Bewegung, die Umweltverbände und die Grünen nach drei Jahrzehnten Kampf gemeinsam einen strategischen Sieg errungen. Die essentiellen Punkte der Regierungsvorlage – Abschaltung von acht alten Meilern, Rücknahme der Laufzeitverlängerung, feste Abschaltdaten ohne Rücksicht auf “Reststrommengen” – entsprechen der grünen Beschlusslage und sind zentrale Zielsetzungen der gesamten Anti-AKW-Bewegung. So schmerzlich es sein mag, dass die verbleibenden Meiler nicht schneller abgeschaltet werden – die Grünen wären schlecht beraten, wenn sie am Donnerstag ihren eigenen Beschlüssen nicht zustimmen würden.

Seit Fukushima verläuft die Frontlinie nicht mehr zwischen den Grünen und CDU/CSU/FDP, sondern zwischen Regierung und Parlament einerseits und den Kernkraftwerksbetreibern andererseits. Letztere setzen schon jetzt alle Hebel in Bewegung, um den Ausstieg rückgängig zu machen und die zahlreichen schwankenden Elemente im “bürgerlichen Lager” wieder auf ihre Seite zu ziehen. Dieser Kampf ist noch nicht entschieden. Die Grünen sind jetzt aufgerufen, sich in dieser Auseinandersetzung, die parlamentarisch und außerparlamentarisch geführt werden muss, als derzeit einzige stabile Kraft an die Spitze zu setzen, die unzuverlässigen, von opportunistischen Erwägungen angekränkelten Kohorten in der CDU/CSU, SPD und FDP mitzureißen und die Pläne der Energiekonzerne zunichte zu machen. Die Merkel-CDU wird nie imstande sein, in dieser Frage Standvermögen und Durchschlagskraft zu entwickeln, vielmehr wächst den Grünen auf Grund ihrer stetigen Politik und langen Kampferfahrung hier eine entscheidende Rolle zu.

Eine zweite strategische Frontlinie, die langfristig noch von größerer Bedeutung sein wird, verläuft zwischen der historischen Entscheidung, die in der Bundesrepublik gefallen ist, und der vorherrschenden energiepolitischen Linie in der EU sowie der Tatsache, dass viele Staaten in Europa und der Welt ihre Bevölkerungen noch unabsehbar lange den Gefahren der Atomtechnik ausliefern wollen. Vor allem die Menschen in diesen Ländern für eine atomenergiefreie Welt zu gewinnen, ist ein Ziel, das in den kommenden Jahren und Jahrzehnten äußerste Anstrengungen erfordert. Aufgabe ist also eine breite Internationalisierung der Anti-AKW-Bewegung, die schon aus diesem Grunde ihre einheimischen Gräben verlassen und sich auf ganz neue Ebenen des Kampfes begeben muss. Auch hier sind die Grünen als politische Kraft gefordert.

Angesichts dieser neuen strategischen Ziele schrumpfen die gewohnten nationalen Scharmützel, vor allem der liebe Hickhack zwischen “Pragmatikern” und “Radikalen” zu kleingeistigem Gezänk.
Peter
28-06-11 11:15
Schade, durch die Zustimmung zum "Merkel-Pseudoausstieg" verlieren die Grünen nicht nur sehr viel Anerkennung sondern auch viele Wähler.
Wie kann man seine Überzeugung -schnellstmöglicher Ausstieg - so aufgeben.
Ja diese Art von Ausstiegt kommt der Forderung von vor 10 jahren ziemlich nahe - aber ist das nicht etwas vorgefallen was die Grünen dazu bringen müsste zu sagen - das von vor 10 jahren geht heute so nicht mehr wir müssen jetzt Gas geben.

Die Merkel lässt sich jetzt feiern und die Grünen stehen da wie die doofen. Ist euch schon aufgefallen, dass es bisher keine Klagen der Energiekonzerne gab ?? - trotz des "Ausstiegs"

25 Jahr Image aufgebaut und innerhalb eines Wochenendes 24 Jahre davon zerstört.
Tomas
28-06-11 09:42
Lieber Stefan, Horst und andere Kommentatoren mit Hang zur Selbstzerfleischung,

der Beschluss definiert nichts weiter als einerseits die Erleichterung,
dass die anderen Parteien (auch die SPD!) endlich auch nicht mehr einfach ein atompolitisches "weiter so" durchhalten können (und letztendlich ihre Blockade unserer Sicht der Realitäten aufgeben) und Freude darüber, dass die breite Mehrheit der Bevölkerung durch unser aller jahrzehntelanges Engagement und unsere Aufklärungsarbeit gemerkt hat, dass ein Abschied (wenn auch spät) grundsätzlich nötig ist.
Die Fraktion wird dem Gesetz zu einem "spätesten" (!) Ausstiegstermin zustimmen, hinter den die anderen Parteien (!)anschließend kaum noch zurück können
und wird anschließend weiterhin dafür arbeiten, dass die Rahmenbedingungn für einen früheren Ausstieg (!) möglichst unter Grüner Regierungsbeteiligung geschaffen werden. Da geht es um Ziele und Inhalte aber nicht um Machtgeilheit oder Anbiederung an Merkel.
Ich sehe dass als großartige Bestätigung unseres (Partei und Initiativen!) Engagements. Der Gesetzentwurf geht (wenn auch nicht weit genug) endlich in die richtige Richtung. Aber die Arbeit geht natürlich weiter!



Außerdem...
...wenn ihr "ökologische Revolution" nur mit Diktatur und "radikalen Umbau" nur mit Diktatur denken könnt, stimmt entweder mit Eurer eigenen Auffassungsgabe der Vielschichtigkeit von Sprache und Wörtern oder eurem eigenen Machtverständnis etwas nicht. Außerdem Überseht Ihr, dass (zumindest aus Sicht von SPD, CDU und FDP sowieso) mit diesem Gesetz schon eine (friedliche) "Revolution" stattfindet.

...wenn alternative Wege aus einem "weiter so" nur mit steinzeitlichem Rückschritt gedacht werden können, fehlen wohl Euch die Kreativität auch andere Lösungen zu denken und die Verantwortung für das gemeinsame Streben für eine sozial gerechte Sicherung und Verteilung und damit als Voraussetzung ökologisch nachhaltige Bewahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen zu übernehmen.

...wenn immerhin parteiübergeifend ein spätest möglicher Ausstiegstermin gesetzlich verankert werden soll (der immerhin besser ist als das was wir damals als 7%-Partei den Sozis abhandeln konnten - und hinter das vor allem die anderen Parteien anschließend kaum noch zurück können) und dann nur ein "Nichterreichen" des theoretisch möglichen (und ohne Zweifel anzustrebenden!) konstatiert wird, verschließt Ihr die Augen vor gesellschaftlichen Realitäten und den Möglichkeiten der realen politischen Möglichkeiten.

...wer proklamiert, dass den Grünen ihr einziges Kernthema abhanden komme, tutet entweder in das Horn der anderen Parteien, die versuchen die Grünen auf diese Weise tot zu machen oder hat schlicht und einfach wohl selbst ein verengtes (politisches) Weltbild und die alternativen Ansätze grüner Politikentwürfe zu praktisch allen Bereichen selbst verpennt oder nicht verstanden. Da gibt es aber gaaanz viel Aufklärungsmaterial - aber mitdenken muss dann schon noch jedeR selbst.
Rudi
27-06-11 23:52
Das liest sich ja viel besser als ich befürchtet hatte:
Die Grünen BT-Mitglieder bekommen die Empfehlung ...; es muss nachgebessert werden ...; Atomfrei im Grundgesetz ...!
Und ich meinte wie viele andere auch, dass wir Atomgegner vom BuVo nur weichgekocht werden sollen. Gut dass es einen so pgbreiten Konsens innerhalb der Grünen gibt und die klare Ansage: Ja wir wollen MEHR und wenn wir das nicht jetzt bekommen, dann bekommen wir es nachher. 2013 wird spannend! Wir werden die Merkels an ihren Zielen messen, denn die haben sich dank unser aller Druck ihre Messlatte hoch gehängt.
Stefan
27-06-11 11:42
##"Uns geht es nämlich um nichts Geringeres als um eine ökologische Revolution, den radikalen Umbau der Industriegesellschaft, um Klimaschutz und Klimagerechtigkeit" Lesen und verinnerlichen! ##

Wundert ihr euch eigentlich noch wenn man euch für Ökodiktatoren hält? Bei dieses Aussagen?

Wenn ich sowas lese denk ich immer, hätte es die Grünen in der Steinzeit schon gegeben würden wir immer noch in Höhlen hausen, unser Essen selbst jagen und mit 25 den Löffel abgeben.....
Fortschritt, Industrie etc ist nichts "böses" was man bekämpfen muss. Man sollte es sinnvoll begleiten!
Steffen
27-06-11 11:38
Ich versteh euch Grüne nicht. Was jetzt beschlossen wurde ist doch gut, sinnvoll und vernünftig. Der Ausstieg geht schneller als der von RotGrün beschlossene, ist mit wesentlich mehr Inhalt gefüttert.
Ich kann zwar nachvollziehen, dass an der ideologisch schueklappentragenden sog. Basis nicht jedem dieser Erfolg schmeckt, aber Politik, insbesondere Realpolitik ist halt etwas umfangreicher, komplexer und schwieriger als igrendwelche AKW-Nein Danke Parolen ins Land zu brüllen ohne Alternativen nennen zu müssen.
Also, erst denken dann reden/schreiben oder es geht euch wie der SPD, die mit ihrem Besten Beschluss (Agenda 2010, Harz-Gesetze) wirklich was für die Gesellschaft getan hat und sich darüber anschließend selbst zerlegt.
Erkennt das Gute als gut!
Ralf
27-06-11 11:36
Das ist der Dank dafür, dass wir die Grünen jahrelang unterstützt und in diese Position gewählt haben. Nicht nur ihre Wählerstimmen gleichen sich den "Volksparteien" an, sie verschaukeln uns auch schon genauso wie diese. Atomausstieg bis 2022! Das ist nicht hinnehmbar. Das sind 7 Jahre zuviel!
Maria
26-06-11 19:05
Dass "Die Grünen" Vorreiter und Wegbereiter für den Atomausstieg waren steht außer Frage,
doch jetzt kommt eine weitere Vorreiterrolle hinzu:

Die Grünen haben gezeigt, dass sie Politische Reife erlangt haben und das Allgemeinwohl über die eigenen Interessen stellen können.
Eine scheinbare Opposition wird so zur mitmachenden schöpferischen Kraft, die Deutschland auch weiterhin positiv verändern wird.
Kommentar

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